Distanzlosigkeit

Gestern habe ich ja bereits von den drei Bälgern lieben Kleinen erzählt, die mich vollgeschmaddert haben. Solche Vorfälle gab es in der letzten Zeit allerdings häufiger und das hat mich zum Nachdenken gebracht, warum momentan eine derartige Distanzlosigkeit herrscht.

Ich möchte hier nur zwei kleine Geschichten erzählen, die mir tatsächlich so widerfahren sind.

Vor einiger Zeit kam ein älterer, stark übergewichtiger Leser zu mir, erklärte mir, dass er wohl ein stark nässendes Ekzem in der Leiste hat und ob ich das nicht mit der Salbe einschmieren könne, die er mir unter die Nase hielt. In diesem Moment begann er auch schon, seine Hose herunterzuziehen. Nur die Ankunft einer Gruppe älterer Damen rettet mich vor weiteren „Einblicken“.

Eines schönen Freitags kam dann eine junge Frau herein gestürmt. Ich kenne die Gute schon seit sie das erste Mal in der Grundschule mit ihrer Klasse zu uns gekommen ist. Heute ist sie Anfang 20. Jedenfalls sitze ich an meiner Ausleihtheke, gehe meiner Arbeit nach und denke mir nichts Böses, da kommt sie ganz enthusiastisch hereingestürmt ruft „Du musst Dir anschauen, was ich tolles habe!“, dreht sich um und zieht sich die Hose runter. Über ihren fast komplett entblößten Hintern sehe ich ein anscheinend neues Tattoo prangen „Karpe Dihm!“. Nachdem sie so begeistert war, brachte ich es nicht übers Herz, sie auf die Fehler in dem Schriftzug aufmerksam zu machen. Trotzdem stand sie mit halbnacktem Hintern mitten in einer öffentlichen Bibliothek und erst nachdem ich ihre Körperkunst über den grünen Klee gelobt hatte, zog sie die Hose wieder hoch.

Nun möchte ich nicht bestreiten, dass der nackte Hintern einer Zwanzigjährigen angenehmer anzusehen ist, als die entblößte Leiste eines End-70ers, aber beides möchte ich während meiner Arbeitszeit in der Öffentlichkeit überhaupt nicht sehen.Am liebsten hätte ich beide gepackt, geschüttelt und gefragt, ob sie noch alle Latten am Zaun haben. Hallo? Wir sind eine öffentliche Bibliothek und weder eine Arztpraxis noch ein Stripclub.

Diese Vorkommnisse sind natürlich nur die größten Knaller zum Thema „Distanzlosigkeit“, aber doch symptomatisch. Enervierender sind die vielen kleinen Vorfälle, die Tag für Tag geschehen und deren Verursacher nicht einmal verstehen, warum ich sie um etwas mehr Abstand bitte.

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