Onkel Michaels kleine Welt

Der schwarze Hund

Ihr kennt doch sicher alle Winston Churchill, den großen Premierminister, der Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg brachte. Er war in so ziemlich allem, was er tat, erfolgreich. Als Militär, Politiker, aber auch als Maler oder Schriftsteller (immerhin erhielt er den Literaturnobelpreis). Oder Buzz Aldrin, den zweiten Mann auf dem Mond, den kennt ihr doch sicher auch. Oder Joanne K. Rowling, die Schriftstellerin, die Harry Potter erfand. Oder Ralf Rangnick, den Bundesligatrainer. Kennt ihr doch sicher alle, diese Menschen.

Wisst ihr, was diese Menschen alle gemeinsam haben? Sie alle litten oder leiden unter Depressionen. Manche nur in Episoden, manche wie Churchill ihr Leben lang.

Leider ist die Depression noch immer eine Krankheit, die von vielen Nichtbetroffenen unterschätzt und belächelt wird, dabei kann eine positive Unterstützung bei dieser Erkrankung schon viel helfen.

Natürlich liegt diese Unterschätzung auch daran, dass man sie den Betroffenen nicht ansieht. Bei einem gebrochenen Arm oder sogar bei einer banalen Erkältung ist das anders, aber Depressionen sieht man nicht. Auf der anderen Seite würde mich schon mal interessieren, was von den Betroffenen erwartet wird. Sollen sie sich wie alt-äthiopische Klageweiber in den Staub werfen und laut greinen und wehklagen?

Dazu kommt dann noch die gesellschaftliche Stigmatisierung der Betroffenen. Viele werden in die Schublade mit der Aufschrift „Sensibelchen“ oder „Labil“ oder „Schwach“ oder „nicht belastbar“ gesteckt, obwohl das ja wirklich Blödsinn ist. An der Aufzählung der Betroffenen am Anfang dieses Artikels sieht man dies ja deutlich.

Allerdings führt diese Stigmatisierung oft genug dazu, dass Betroffene ihren Zustand und den Leidensdruck kaschieren, dass die letzten Kraftreserven mobilisiert werden, dass etwa am Arbeitsplatz niemand etwas von der Erkrankung merkt, während dann Tag für Tag der kleine Zusammenbruch kommt, wenn man die Wohnungstür hinter sich geschlossen hat. Dann fällt dieses Kaschieren in sich zusammen wie ein Ballon, dem die Luft entweicht.

Weltweit sind mehr als 300 Millionen Menschen von einer Depression betroffen, wie Dr. med. Marc Risch […] berichtet. Obwohl diese Tendenz steigend ist, existieren zahlreiche Vorurteile und grosses Unwissen über diese Erkrankung. Diese weitverbreitete Stigmatisierung hindert viele Betroffene daran, sich rechtzeitig professionelle und medizinische Unterstützung zu holen. Oft berichten depressive Patienten, sie hätten das Gefühl, dass ihre Krankheit etwas Peinliches, Unangebrachtes sei und dass das Umfeld sie als Versager oder Simulant sehe. Sie ziehen sich zurück und schränken ihre Aktivitäten ein. Dies wiederum verringert ihren Selbstwert und nimmt ihnen die Zuversicht, die Krankheit erfolgreich behandeln zu können. Warten Menschen mit einer Depression zu lange, um sich professionelle Hilfe zu holen, kann sich eine Chronizität der depressiven Erkrankung entwickeln. Link

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Nichtbetroffene können Depressionen nur schlecht nachvollziehen. Die typische Reaktion ist „Reiß dich zusammen, dass ist doch nur eine Phase“. Solche Aussagen kommen sicherlich aus einer gewissen Unsicherheit, aber auch Unwissenheit heraus. Eine Depression ist weit mehr als ein vorübergehendes Stimmungstief. Depressive Menschen können sich auch nicht «zusammenreißen» oder «sich nicht hängen lassen». Denn die Erkrankung mit ihren Symptomen beeinträchtig für die Betroffenen die Bewältigung des Alltags, sodass die gut gemeinten Ratschläge wie «Kopf hoch» oder «Das wird schon wieder» nicht hilfreich sind.
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Wie kann man Betroffenen nun helfen? Am ehesten mit Geduld, Verständnis und Akzeptanz. Gerade für das engere Umfeld der Kranken ist dies natürlich schwierig und erfordert viel Kraft, hilft aber ungemein. Auch Arbeitgeber können mit Verständnis viel Druck von Depressiven nehmen. Der Aufbau von Drohkulissen hilft niemanden, sondern verschlimmert die Situation noch zusätzlich.

Hier findet ihr den Text einer Betroffenen, wie das Umfeld helfen kann. (Und hier ein gekürzter Auszug auf deutsch.)

Die Depression ist eine Krankheit mit vielen Facetten und zu umfangreich, um sie in einem Blogartikel darstellen zu können. Deswegen möchte ich auf die Patientenleitlinie „Unipolare Depression“ verweisen, die von der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde herausgegeben wurde.

Depression sind eine beschissene Sache, das wird euch jeder Patient bestätigen können. Umso mehr sind Betroffene auf Unterstützung aus ihrem Umfeld angewiesen. Jeder kann mithelfen, dass die Stigmatisierung der Kranken der Vergangenheit angehört.

Der Begriff „Schwarzer Hund“ für Depressionen wurde übrigens auch von Winston Churchill geprägt und ist heute ein weltweit bekanntes Synonym für Depressionen.

Beitragsbild: Von droїd – https://www.flickr.com/photos/lecates/423460439/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5946826