Der Drosten, die Bild und die Blamage

Sicherlich habt ihr … nein, natürlich habt ihr mitbekommen, wie die Bild-Zeitung versucht hat, Christian Drosten ans Bein zu … naja, ihr wisst ja, was ich meine. Jedenfalls fand ich es sehr elegant und souverän, wie Drosten Reichelt & Co in die Ecke gestellt hat. Die ganze Aktion ist ja nur die Spitze einer Kampagne, die die Bild bereits seit Anfang Mai gegen Christian Drosten fährt. Der Bild-Blog hat das HIER ausführlich aufgeschrieben, weswegen ich die gesamte Geschichte nicht noch einmal erzählen muss.

Mich fasziniert ja, wie sämtliche Bild-Schreiberlinge gerade auf Twitter versuchen, eine Wagenburg zu bilden und dabei um sich beißen ohne Rücksicht auf Verluste. Auch das Schauspiel, dass ein Bild-Reporter in der Bundespressekonferenz abgab, war mehr als armselig. Er wollte die versammelten Pressesprecher (Regierung, Justiz- und Gesundheitsministerium) mit aller Gewalt dazu bringen, zu erklären, dass Dr. Drosten an der Entscheidung der KiTa/Schulschließungen beteiligt war.

Nur frage ich mich, warum die Bild das macht. Was hat sie davon? Gut, dass Kerkulé jetzt auf den Zug mit aufspringt ist zu vernachlässigen, der will einfach die Öffentlichkeit, aber welchen Nutzen hat die Bild davon?

Ist es verletzte Eitelkeit? Weil Drosten sie bisher links liegen gelassen hat? So kindisch kann man doch nicht sein. Oder wollen sie ihrem alten Chef Diekmann zu liebe Hendrik Streeck groß schreiben? (Als Hintergrund: Diekmann leitet die Werbeagentur, die an der Veröffentlichung der Heinsberg-Studie beteiligt war und deswegen das ganze Projekt in die Kritik geriet.)

Ich weiß es nicht. Aber die Frage bleibt: Cui Bono? Wem nützt es. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat in der ganzen Sache allerdings der Kommentator Robert Wagner von infranken.de, der schreibt: Um eins klarzustellen: Ich maße mir nicht an, darüber zu urteilen, ob Kinder nun tatsächlich zur Verbreitung des Coronavirus beitragen oder nicht. Ob Schulen geschlossen bleiben sollten oder nicht. Doch ich unterstütze die These, dass nur eine kritische, faktenbasierte und wissenschaftliche Auseinandersetzung zu einem besseren Umgang mit dem Coronavirus führen kann, vehement. Aber was die „Bild“-Zeitung mit ihrem Bericht über Drostens „verhängnisvolle“ Studie liefert, ist weder kritisch, faktenbasiert noch wissenschaftlich. Es ist vielmehr billige Meinungsmache auf unterstem Niveau.

Über Eure Einschätzung der Situation, was die Bild zu so einem infamen Handeln treibt, würde ich mich freuen. Lasst doch einfach einen Kommentar hier.

10 Gedanken zu “Der Drosten, die Bild und die Blamage

  1. Ich versteh das auch nicht. Ich dachte immer, die Bildzeitung verstehe sich zumindest unter konservativen Regierungen als „staatstragend“. Jetzt stellt sie sich ohne Not auf die Seite der Krakeeler und „Alles Fffffake!“-Aerosolisten. Und das außerdem sehr offensichtlich auf selbst für Bild-Verhältnisse eher plumpe Art, die sogar die die wissenschaftlichen Kritiker der Studie zu Dementis und Klarstellungen bewogen hat. Seltsam das alles.

    1. Reichelt fährt schon länger einen Kurs, der in der CDSU allenfalls den Werteunionisten gefällt. Er greift Merkel von der rechten Flanke her an. Die neue Bild-Zielgruppe sind die Leute, denen Merkel zu sozialdemokratisch ist. Was da passiert, erinnert mich schwer an ein neurechtes Strategiepapier zur Medienpolitik, das vor einiger Zeit in der Sezession erschienen ist und sinngemäß vorzeichnete, was der Flügel brauche. Ich meine, es war von Kubitschek – und das las sich noch, als wolle man die Welt oder FAZ zum Sprachrohr machen, jetzt ist es halt eine Schublade drunter.
      Link könnte ich bei Gelegenheit raussuchen, falls es interessiert.

  2. Die BILD will nur eines: Klicks und Views, denn die Printauflage sinkt schon länger kontinuierlich. Dass dieses Schmutzblatt sich dafür zu nichts zu schade ist, wissen wir nicht erst seit sie quasi als Werbepostille für die AfD und andere rechte und queerfeindliche Gruppierungen fungiert.
    Wie heißt es doch so schön? Selbst toten Fisch beleidigt man, in dem man ihn in dieses Revolverblatt einwickelt!

  3. Verstehen kann man das schlicht und einfach nicht, wenn man auch nur ein halbwegs rational denkender und empathisch emfindender Mensch ist. Aber Sascha Lobo bringt es auf den Punkt, es geht schlicht und einfach um das Bild-Geschäftsmodell:
    „Bild“ versucht mit aller Macht, nicht noch einmal den Fehler zu begehen, sich versehentlich auf der Seite der Menschenfreunde wiederzufinden.“
    Julian Reichelt fühlt sich dem wohl innig persönlich verbunden. Im Moment geht er auf Twitter gerade auf Rezo los, in einem pastorenhaften Belehrungston, dessen Widerwärtigkeit nur mit langsam daherkriechendem grünem Schleim zu vergleichen ist. Nun, auch da kriegt er, was ihm gebührt: Gegenwind.

  4. Ich würde mir nie anmaßen wollen das Verhalten der Redaktion bei der Bild deuten zu wollen. So bl… ähm… um die Ecke drehen kann ich nicht.

    Aber schön war das Mini-Scharmützel kürzlich.
    Ein Twitter-Nutzer „der c.drosten ist aber verdammt aktiv heute auf Twitter, hat der nichts besseres zu tun“
    C. Drosten „Nein, hat er nicht“

    Ich habe so lachen müssen und natürlich war der andere ein Bild-Schreiber.

    Ich hoffe Herr Drosten bewahrt sich seinen Humor.

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