Melchior, die Weihnachtsgeschichte und die Tatsachen

DISCLAIMER
In diesem Artikel geht es nur darum, dass die Darstellung der „Heiligen drei Könige“ und insbesondere die eines der dreien als schwarzen Menschen, nicht auf die neutestamentarische Weihnachtsgeschichte zurückgeht, sondern eine Erfindung späterer Jahrhunderte ist.
Ich möchte nicht den Anteil schwarzer Menschen an der Kirchengeschichte negieren, ich möchte mich nicht über schwarze Menschen lustig machen oder sie verächtlich machen.
Bitte den Artikel AUFMERKSAM lesen und nichts hineininterpretieren, was nicht hier steht!

Nachdem eine evangelische Kirchengemeinde beschlossen hat, ihre Figurengruppe der „Heiligen drei Könige“ während des kommenden Weihnachtsfestes nicht aufzustellen, weil die Figur des schwarzen Melchior auffällig rassistisch konnotiert ist, schlagen die Wellen in den sozialen Medien hoch. Wird doch schon wieder befürchtet, dass „uns“ der schwarze König Melchior „weggenommen“ wird.

Allerdings habe ich in keiner der offiziellen Mitteilungen eine prinzipielle Ablehnung der Darstellung des schwarzen Melchiors gelesen. Es ging immer nur explizit um diese eine spezielle Figur. (Die tatsächlich potthässlich ist, aber das nur am Rande.)

Nachdem die Presse darüber berichtet hatte, fielen natürlich sämtliche Dummbeutel der asozialen Medien über das Thema her und machten gleich eine generelle Ablehnung daraus, was ja zu erwarten war, wenn man nur die Überschriften liest.

Jedenfalls möchte der deutsche konservative Christ seinen schwarzen Melchior behalten, denn der „gehört ja zur Weihnachtsgeschichte!“ Jedenfalls wird dies oft kolportiert. Aber ist das tatsächlich so?

Die klare Antwort: Nein!

Die Darstellung des schwarzen Melchior ist ebenso wenig in der Weihnachtsgeschichte zu finden, wie Ochs oder Esel. All dies gehört zur Volksfrömmigkeit.

Aber fangen wir mal von vorne an. Und wenn wir dies tun, bleibt vom Mythos der „Heiligen drei Könige“ recht wenig übrig. Es waren weder drei, noch Könige und heilig schon gar nicht.

Korrekt wäre es, von den „Weisen aus dem Morgenland“ zu sprechen. Im Matthäusevangelium des Neuen Testamentes heißt es in Kapitel 2, Vers 1 – 12:

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. 5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: 6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. 7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. 8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! 9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Also Sterndeuter. Oder in früheren Übersetzungen Magier und nachdem der griechische Begriff magoi für zarathustrische Priester stand, kann dies synonym verwendet werden. Und nachdem Sterndeuter nicht doof sind, passt der Topos „Weise“ doch recht gut. Und nachdem diese aus dem Osten, also höchstwahrscheinlich aus Persien kamen, ist auch die geographische Angabe „aus dem Morgenland“ passend.

Wieviel es nun waren wissen wir nicht. Drei? Dreißig? Eine von Studiosus organisierte Busladung pensionierter Studienräte? Wir werden es nie erfahren. Nur auf Grund der drei Geschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe her wird ausgegangen, dass es sich um drei Herrschaften handelt. Auch ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar sind vollkommen aus der Luft gegriffen.

Hierdurch sehen wir aber, wie stark die Legendenbildung war, die bereits im 2. Jahrhundert einsetzte. War ja verständlich, der junge christliche Glaube wollte seinen Messias natürlich aufwerten und was wertet mehr auf als ein Besuch von drei Königen?

Die Darstellung eines der Weisen als Schwarzen erfolgte erst, als die Vorstellung populär wurde, dass die drei Weisen die drei damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika repräsentierten. Wir kennen zahlreiche Darstellungen in der frühen Kirchenkunst, wo alle Weisen als Perser oder Syrer dargestellt werden, was sich hauptsächlich in deren typischen Kopfbedeckungen manifestiert.

Als Beispiel sei ein Mosaik aus dem 6. Jahrhundert aus der Basilica Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna genannt. Aber auch in einem byzantinischen Mosaik in der Kirche Santa Maria in Tastevere, dass um das Jahr 1250 entstand, ist kein Schwarzer zu finden, genauso wenig wie auf dem Fresko in der Scroegni-Kapelle von Giotto di Bondone, welches zu Anfang des 14. Jahrhundert entstand.

Um nun also zu rekapitulieren: Die Darstellung eines der Weisen als Schwarzen entstammt nicht irgendwelchen religiösen Texten, sondern nur dem katholischen Volksglauben, ähnlich wie die Darstellung von Ochs und Esel in der Krippe. Von daher kann der römisch-katholische Empörungsfuror gerne wieder abgestellt werden.

Beitragsbild: Von Hewa – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23405825