Die Kieferorthopädie-Lüge

Ein Gastbeitrag von Dr. Hans-Werner Bertelsen

Über Eine Milliarde Euro werden von den Krankenkassen für die kieferorthopädische Behandlung ausgegeben. Hinzu kommen große Beträge, die von den Eltern für vermeintlich dringend notwendige Extras bezahlt werden müssen. Dabei ist der sich ergebende medizinische Nutzen oftmals höchst zweifelhaft.

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zahnspangen-kieferorthopaeden-verordnen-sie-zu-oft-a-1265247.html

Es werden die Opfer des Regulierungswahns nicht nur mit intraoralen Gerätschaften verwöhnt, nein – im Laufe der Behandlung wird den minderjährigen Patienten eröffnet, dass ein umfangreiches kieferchirurgisches Eingreifen dringend erforderlich sei. Um das Behandlungsergebnis nicht zu gefährden, „müssten jetzt die Weisheitszähne raus“. Sowohl Eltern als auch die regulierten Kinder wagen in der Regel nicht, die medizinische Notwendigkeit dieser empfohlenen Maßnahme zu hinterfragen oder zu widersprechen. Zuviel Geld hat man bereits in das regulierte Lächeln investiert und hinterher sei das „alles umsonst gewesen“? Nein, nein – wird hier von Seiten der Kieferorthopädie lächelnd erwidert: „umsonst nicht, nur vergeblich!“

Doch gibt es Hinweise, die einer wissenschaftlichen Überprüfung der These, dass Weisheitszähne das Potential besitzen, die davor befindlichen Zähne zu „verschieben“?

Die Antwort lautet:

Nein!

Die Theorie, Weisheitszähne seien in der Folge eines sogenannten „Tertiären Schubes“ für einen Engstand – zum Beispiel der Frontzähne – verantwortlich, hat sich trotz mannigfaltiger Forschung in etwa so konsistent herausgestellt, wie die Behauptung, Zuckerkugeln können heilen.

Wenn sich also ein Gebiss im Laufe des Lebens verschieben sollte, so ist dies ein natürlicher Vorgang, der mit sehr vielen Variablen in Verbindung gebracht wird, nur eben nicht mit den Weisheitszähnen.

Sind Weisheitszähne während einer Zahnverschiebung vorhanden, so handelt es sich lediglich um eine Korrelation, weitab jeglicher Kausalität.

Sicherlich – man könnte noch mehr forschen. Das Ergebnis bliebe das Selbe: Die Weisheitszähne sind für eine Verschiebung und einen Engstand der anderen Zähne nicht verantwortlich.

Punkt.

Aus.

Es existieren dagegen zahlreiche Argumente, die mit handfesten Begründungen gegen ein Entfernung der Weisheitszähne im kindlichen, resp. jugendlichen Alter sprechen:

Weisheitszähne haben sich bereits häufig als prothetischer Glückfall herausgestellt, wenn im fortgeschrittenen Alter festsitzender Zahnersatz notwendig wird. Eine Durchquerung der Wüste ohne Reserverad ist durchaus mutig – aber leider strunzendumm.

Weisheitszähne im jugendlichen oder gar kindlichen Alter heraus zu operieren ist oftmals sehr schwierig, weil während der Operartion relativ viel Knochensubstanz entfernt werden muss, um an die noch nicht gänzlich entwickelten und tief im Kiefer befindlichen Weisheitszähne heranzukommen.

Weisheitszähne im jugendlichen oder gar kindlichen Alter herausoperieren – das wird häufig aus Gründen der Rationalisierung und des Zeitdrucks in einer Sitzung mit Narkose durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die Kinder zur Nahrungsaufnahme „keine Kauseite“ mehr besitzen und mitunter wochenlangem Leid und Schmerzen ausgesetzt sind, weil sich in den frischen Extraktionswunden der Speisebrei sammelt und sich das umliegende Gewebe entzündet. Bedenkt man die zweifelhafte Indikation („aus kieferorthopädischen Gründen“) so leiden die Kinder völlig sinnfrei und unnötig.

Weisheitszähne können transplantiert werden. Sollte sich im Laufe der Zeit ein anderer Backenzahn als nicht erhaltungswürdig oder nicht erhaltungsfähig herausstellen können noch im Kiefer befindliche Weisheitszähne an diese Stelle transplantiert werden. Auf diese Weise können teure und stets invasive Implantat- oder Brückenversorgungen vermieden werden: Eine Lücke kann dann mit der denkbar allerbesten Substanz versorgt werden: der eigenen.

https://www.zm-online.de/archiv/2017/12/zahnmedizin/was-macht-der-transplantierte-28-nach-15-jahren/

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