Wurstwaren, Gscheithaferl und falsche Atteste

So, ich muss euch jetzt etwas gestehen: der Onkel hat keine Ahnung von der Herstellung von Wurstwaren. Ich weiß, das enttäuscht euch jetzt, aber es geht noch weiter, denn auch von Gehirnchirurgie habe ich keinen blassen Schimmer (gut, ich habe mal die eine Folge „Emergency Room“ gesehen, wo die so ein Hirn bei Stromausfall und ohne Beatmung operiert haben, also kann es ja nicht sooo schwer sein 😉)! Verbrennungs- oder Elektromotoren? Vergesst es, da hab ich keinen Plan von. Genauso wenig wie von Mikrobiologie. Es tut jetzt sicher manchem weh, aber das musste auch mal gesagt werden.

Dementsprechend würde ich auch nie einem Metzger sagen, wie er seine Arbeit zu machen hat. Auch bei einem Gehirnchirurgen, einem KFZ-Mechaniker oder einem Mikrobiologen würde ich mich nie einmischen, korrigieren oder gute Ratschläge erteilen.

Das ist für mich selbstverständlich. Für euch sicherlich auch, liebe Leserinnen und Leser, aber da draußen in der weiten, wilden Welt der sozialen Medien gibt es eine breite Basis an Menschen, die – auch wenn sie nur den Hauch eines Halbwissens haben – sich nicht zurückhalten und Virologen, Epidemiologen und sonstigen Ologen kritisieren und ihnen ihren Job erklären. Gerade jetzt während der Corona-Pandemie kommen sie aus allen möglichen Ecken an und geben sich als Doktor Allwissend, der/die am Stammtisch oder wo auch immer seinem staunenden Publikum Vorträge darüber hält, wo sich beispielsweise Herr Drosten irrt und warum Herr Wodarg oder Herr Bakhdi absolut recht hat.

Und es gibt sie in allen Berufsgruppen. Da wird der Architekt zum Virologen und der Zahntechniker zum größten Epidemiologen seit Dr. Snow in London Wasserpumpen abmontiert hat. Und der Onkel, der steht daneben und staunt, wie sich so mancher Zeitgenosse ganz über Nacht zum führenden Oberchefwissenschaftler wird. Tja, die Youtube-Universität macht es möglich.

Besonders schlimm finde ich es allerdings, wenn gerade Mediziner in diesen Chor mit einstimmen. Anscheinend herrscht hier die Meinung, dass ein Studium der Medizin zu jedweder „Expertise“ befähigt. Und so haben wir Schönheitschirurginnen aus München oder Dermatologen aus Rostock, die un-be-dingt ihre Ansichten ins Netz pusten müssen.

Natürlich will ich jetzt niemand sein Recht auf freie Meinungsäußerung absprechen. Im Gegenteil. Ich würde mich nur einfach darüber freuen, wenn man es vor der Meinungsäußerung auch mal mit diesem „denken“ versuchen würde. So ein bisschen jedenfalls. Ausnahmsweise…

Denn sonst kommen solche Initiativen zustande wie die, die kürzlich aufgedeckt wurde. Ärzte, die falsche Bescheinigungen ausgestellt haben, damit (zahlende) Patienten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Wenn ich sowas höre, dann könnte ich aus der Haut fahren.

Aber, wenn auch die Mühlen der Justiz langsam mahlen, so mahlen sie doch und es freute mich, dass in den letzten Tagen immer wieder zu lesen war, dass Ärzte für die Ausstellung falscher Atteste zur Rechenschaft gezogen wurden. Natürlich, jetzt ist das Heulen und Zähneklappern groß, aber das hätten sich die Herrschaften halt vorher überlegen müssen.

Beitragsbild: Von Gordito1869 – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11645906