Sprechen wir über einen vermeintlichen Generationenkonflikt

Im Moment gibt es eine recht interessante Generationendiskussion in den Medien. Im Mittelpunkt steht, dass sich Menschen über 60 nicht mit dem für sie vordringlich vorgesehenen Vakzin AstraZeneca impfen lassen möchten, sondern stattdessen auf Comirnaty von Biontec/Pfizer und dieses auch bekommen. Sascha Lobo oder Claus Hecking sehen darin ein massiv unsolidarisches Verhalten der „Alten“, hat die junge Generation doch bereits mit Homeschooling und all den anderen Lockdown-Freuden genug Einschränkungen erfahren und das alles, damit die ältere Generation geschützt ist. Und die nehmen ihnen jetzt auch noch den Impfstoff weg. Parbleu!

Ich kenne solche Diskussionen zu Genüge und weiß, dass es hier keine Lösung gibt. Keine Seite hat Recht, keine Seite hat Unrecht, weil man beide Sichtweisen nicht miteinander aufwiegen kann. Jeder sieht seine Position und somit kann niemand gewinnen, aber dafür alle verlieren. Was ich allerdings gut finde ist, wenn derartiger … nennen wir es „Unmut“ öffentlich diskutiert wird, denn runterschlucken und sich im Stillen über die andere Seite ärgern bringt noch weniger. Und wenn vielleicht doch der Eine oder Andere über die Argumente bzw. die Situation der „Gegenseite“ nachdenkt, ist ja vielleicht doch etwas begonnen

Deswegen werdet ihr von mir hier weder eine Parteinahme für die eine oder andere Seite erleben, sondern nur den Aufruf, sich alle Argumente gut anzuhören und vielleicht mal über den eigenen Schatten zu springen und dem Anderen auch mal etwas zuzugestehen.

Aber gut, ihr werdet lachen, darauf wollte ich gar nicht hinaus. Was mich an der ganzen Sache so sehr stört und aufregt ist viel eher, dass ein guter und wirksamer Impfstoff in der Öffentlichkeit so sehr von Medien und Politik schlechtgeredet wurde, dass die wenigsten Impfwilligen dieses Vakzin haben wollen. Das ist doch eigentlich die Sauerei.

AstraZeneca wurde in Großbritannien an über 30 Millionen Menschen erfolgreich verimpft und die Nebenwirkungen sind verschwindend gering. Mit einer Fokussierung auf Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen der Impfwilligen kann man hier eine hervorragende Kampagne aufziehen. Aber das durfte in Deutschland ja wieder einmal nicht sein. Im Gegenteil. Die Vollkasko-Mentalität hierzulande hat wieder zugeschlagen.

Dies begann schon mit der Aussage, dass AstraZeneca „nur“ zu 65% einen Schutz aufbauen würde. Diese Zahl wurde so breitgetreten, dass natürlich der Eindruck erweckt wurde, das Vakzin wäre zweite Wahl. Gut, mit ihrem Eiertanz bei den Lieferungen hat sich die Geschäftsführung von AstraZeneca auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, das wollen wir auch nicht verschweigen. Aber wenn ich mich an die vor Sensationsgeilheit schon fast sabbernden Reporter eines gewissen Verlagshauses erinnere, die sich in bester Witwenschüttler-Manier auf die wenigen Toten nach einer AstraZeneca-Impfung stürzten und sich genussvoll in ihren ekelhaften Artikeln suhlten, mit denen sie nur Angst, Panik und Vorbehalte schürten, kann ich mir schon vorstellen, auf welches Konto ein Großteil der Ablehnung gegen AstraZeneca geht.

Und dann kommen noch Politiker daher, die ihre besten Tage schon weit hinter sich gelassen haben, und fangen ebenfalls das Stänkern an.

Nein, das Problem mit AstraZeneca ist hausgemacht. Und ich würde mich sehr freuen, wenn die Medien einmal innehalten und über den Fall nachdenken würden. Vielleicht könnte man ja was für die Zukunft daraus lernen. Aber da werde ich lange drauf warten können bei der Selbstgerechtigkeit und Borniertheit, die in großen Teilen der deutschen Medienlandschaft herrscht.

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