Eine Lanze für Lothar

Erinnert ihr euch noch an das Frühjahr 2020, als der ganze Corona-Zauber angefangen hat? Als keiner so richtig Bescheid wusste, als wir das erste Mal so richtig mit einer Pandemie konfrontiert waren? Mit der Pandemie eines potentiell tödlichen Virus? Da ging mir schon gewaltig die Düse. Gut, heutzutage habe ich noch eine gehörige Portion Respekt vor dem Virus und einer möglichen Erkrankung, aber damals hatte ich wirklich Panik, das gebe ich offen und ehrlich zu.

Und genauso offen und ehrlich kann ich zugeben, wie sehr mir die tägliche Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts und insbesondere dessen Präsident Lothar Wieler mir mit seiner Kompetenz und Seriosität geholfen hat, die ganze Situation korrekt einzuschätzen. Besonders die Tatsache, dass er sich nicht scheute zuzugeben, wie wenig über das Virus bekannt war und dass man auf viele Fragen einfach mit „Das wissen wir noch nicht“ antworten musste. Und das war erfrischend ehrlich im Gegensatz zur sonstigen Berichterstattung, in der sich ja die Spekulationen überboten und einfach ins Blaue hinein geschrieben/gesendet wurde. Nein, Lothar Wieler und seine Statements haben mir damals sehr geholfen und auch heute noch vertraue ich ihm voll und ganz.

Schaut man sich die Vita von Prof. Wieler an, so sieht wird schnell klar, dass wir hier einen ausgewiesenen Experten für Epidemiologie vor uns haben. Umso nerviger (nun gut, auch teilweise amüsanter) sind dann die Versuche, ihn wegen seiner veterinärmedizinischen Ausrichtung zu diskreditieren. Das muss man sich mal vorstellen: Typen, deren einziger Verdienst es ist, am Abend auf der Couch die Bierflasche an den Mund zu führen, wollen einen solchen Experten dann abqualifizieren mit „Nur ein Tierarzt!“, bloß weil ihre beschränkte Weltsicht noch immer an einer James Herriott-Vorstellung hängt. Da kann man doch nur geistigen Stillstand, gepaart mit einer Suppenkaspermentalität, attestieren.

Aber solche Versuche der Abqualifizierung sind ja nur die Spitze des Eisbergs, die Wieler aushalten muss. Und nicht nur er, allen anderen prominenten Wissenschaftler*innen geht es ja so. Und ich bewundere hier Wieler, Drosten, Ciesek und den Rest der Gang, wie sie mit diesen Anfeindungen umgehen. Jedenfalls macht es mich durchaus wütend, wenn ich beispielsweise höre, wenn solche Expert*innen die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr nutzen können, weil einfach ein enormes Bedrohungspotential da ist. Ich selber bin ja nur ein popeliger kleiner Blogger, aber ich habe auch bereits einiges an Drohungen und Beleidigungen abbekommen, aber wenn ich mir vorstelle, was diese Expert*innen, die so sehr in der Öffentlichkeit stehen, aushalten müssen … mein lieber Herr Gesangsverein!

Das sind Menschen, die für uns arbeiten, die alles daransetzen, dass wir als Bevölkerung möglichst gut durch diese Pandemie kommen, und zum Dank dafür werden sie von den selbsternannten „Querdenkern“ auch noch massivst angegangen, nur weil diese die Realität mit all ihren Konsequenzen nicht akzeptieren und in Pippi Langstrumpf-Manier sich die Welt so machen wollen, wie sie ihnen gefällt. Und dazu gehört es einfach auch, die Verkünder von missliebigen Wahrheiten mundtot machen zu wollen.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh, dass wir solche Experten in Deutschland haben, die ihr bestmöglichstes tun, um uns durch die Pandemie zu bringen – und das ganz ohne persönliche Eitelkeiten. Da kann ich nur sagen: mein allergrößter Reschpeckt!

P.S. Und wer die Anspielung im Titel verstanden hat, darf das gerne in die Kommentare schreiben. Der erste bekommt einen Lutscher!

Beitragsbild: Von Andrea Schnartendorff – http://www.rki.de/SharedDocs/Personen/Mitarbeiter/W/Wieler/Wieler_Lothar_H.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53060583

5 Gedanken zu “Eine Lanze für Lothar

  1. Lothar stammt aus dem selben Heimatort wie ich. Ich bin stolz auf diesen (Achtung, noch ’n Wortspiel) Lanzmann.

  2. Erst hatten wir jahrelang 80 Millionen Fußballbundestrainer und jetzt 80 Millionen Virologen. Davon so ziemlich 100 % von der YouTube Uni mit dem Master of Bachalus.

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