Gedanken eines Bloggers

Sonntag, 30. Mai 2021, 3.26 Uhr. Ich lese ein Pamphlet des „Reichsbundes der Impfgegner e.V.“ aus dem Jahre 1933 und wundere mich, dass sich die „Argumente“ der Impfgegner in den letzten Jahrzehnten kaum geändert haben. Und vorallem wundere ich mich, dass noch heute so viele denkende Menschen auf so einen hanebüchenen Unsinn hereinfallen. Das wird übrigens einer der nächsten Artikel, die hier auf diesem kleinen Blog erscheinen werden, aber das dauert sicher noch ein bisschen, ich muss noch einige Quellen beschaffen, recherchieren, lesen und und und. Das dauert alles seine Zeit. An einigen Artikeln arbeite ich Wochen, sogar Monate. Aktuell sind nicht weniger als 13 Artikel in meinem Entwürfe-Ordner. Bei einigen fehlen noch Quellen, ein knackiges Zitat oder ähnliches.

Tja, und dann ist es nicht verwunderlich, dass ich bis in die Nacht hier am PC sitze. Wann auch sonst? Immerhin bin ich ein ganz normaler Arbeitnehmer, der – mit Weg zur Arbeit – pro Tag gut 11 Stunden unterwegs ist. Natürlich würde ich gerne mehr Aufklärung betreiben, mehr Threads auf Twitter starten, mehr diskutieren, aber dafür fehlt einfach die Zeit. Wenn ich am abends nach Hause komme, heißt es recherchieren, schreiben für neue Artikel hier auf meinem kleinen Blog. Da sitzt man schon mal bis fast Mitternacht am PC, bevor dann in der Frühe der Wecker wieder klingelt.

Wenn dann die Artikel gut ankommen und gelesen werden, freut es mich natürlich. Jede Aufklärung, die ich gegen Pseudomedizin, Impfgegnerschaft und ähnlichen Unsinn leisten kann, sind die Mühen wert. Natürlich gibt es auch die Artikel, die floppen, die kaum gelesen werden, und natürlich ist das dann nicht so schön, wenn man im Gegenzug die vielen Stunden Arbeit sieht, die man dort hinein investiert hat. Aber gut, das gehört halt auch dazu. Dann schnauft man mal durch und macht sich wieder an die Arbeit.

In der letzten Zeit, in der ich ja viel zur Corona-Pandemie geschrieben habe, zu den Impfungen etc. nehmen auch wieder die Beschimpfungen und Drohungen zu, die hier eintrudeln, per Kommentar, E-Mail oder Messenger. Natürlich weiß ich, dass ich mit meiner Arbeit an den verqueren Weltbildern kratze und dass man solche Sachen nicht gerne hört, aber ich frage mich manchmal schon, was in solchen Menschen vor sich geht, die sich dann zu Wortmeldungen hinreißen lassen, die unter jedem menschlichen Niveau liegen. Aber man muss auch immer das Positive sehen: so erweitert sich wenigstens mein Wortschatz um Beschimpfungen, die ich so bisher noch nie gehört habe.

Natürlich hätte ich gerne mehr Zeit, für den Blog zu arbeiten, viele andere Blogger*innen, die freier in ihrer Zeitgestaltung sind, können ihrer Arbeit ja einen größeren Raum geben oder sogar hauptberuflich betreiben. Das ist bei mir leider nicht möglich. Deswegen kann ich auch nicht so aktiv bspw. auf Twitter sein, diskutieren, aufklären oder einfach mit Menschen sprechen. Mein schmales Zeitbudget neben der Arbeit lässt einfach nicht mehr zu. Und wenn meine Artikel während meiner Arbeitszeit veröffentlicht werden, dann sind sie im Vorfeld geplant, um dann zu erscheinen, wenn ich die meisten von euch erreichen kann. Deswegen wird dieser Artikel beispielsweise auch erst heute um 13.00 Uhr erscheinen. Die Statistik-Auswertung von WordPress verrät mir das ja immer ganz gut 😉

Ich muss ja immer lachen, wenn mir unterstellt wird, dass ich von irgendeiner ominösen Pharma-Mafia oder irgendwelchen Geheimorganisationen für meine Arbeit bezahlt würde. Wenn dem so wäre, wäre das natürlich schick, denn anscheinend zahlen diese Organisationen auch noch gut. Nein, bei mir kommt hier nichts an. Im Gegenteil, dafür, dass WordPress meinen Blog von Werbung verschont, zahle ich jedes Jahr einen erklecklichen Betrag. Aber das ist es mir wert. Und jetzt versteht mich bitte nicht falsch, das soll jetzt kein Bettel-Artikel werden, ich bin ja kein Querdenker. Und der Artikel soll auch kein groß angelegtes Fishing for Compliments sein. Dieser Artikel ist jetzt ganz spontan entstanden, um euch mal so ein bisschen an meinen Gedanken, die ich mir zu meiner Blog-Arbeit habe, teilhaben zu lassen. Also alles gut. Im Gegenteil, jede Art von Bezahlschranke oder ähnliches würde meinem Selbstverständnis der Aufklärung widersprechen. Außerdem mache ich mich hierdurch auch nicht abhängig von irgendwelchen anderen Interessen, auf die ich dann eventuell Rücksicht nehmen müsste. Darauf könnt ihr euch verlassen: Onkel Michaels kleine Welt wird auf jeden Fall unabhängig bleiben.

Nein, auch wenn es manchmal stressig ist und ich dafür auch manchmal beschimpft und bedroht werde: ich mag die Arbeit für mein Blog, denn wenn ich nur einen einzigen Menschen aufklären kann, der dann nicht auf Pseudomedizin, Pseudoargumente oder Verschwörungserzählungen hereinfällt, dann hat es sich schon gelohnt.

So, jetzt ist es mittlerweile auch schon 4.12 Uhr geworden und es wird trotz aller Arbeit mal Zeit, um ins Bett zu gehen. Schönen Sonntag euch allen! Und wenn ihr nicht gar soviel auf Twitter von mir hört, dann wühle ich mich zu der Zeit wahrscheinlich durch alte Bücher und Dokumente.

6 Gedanken zu “Gedanken eines Bloggers

  1. Ich bin erst vor einiger Zeit auf Deinen Blog gestoßen, „Onkel Michael“! (Ich bin vermutlich älter als Sie!) Ich lese Ihre Beiträge gern, ich lerne noch immer gern dazu, außerdem verschriftlichen Sie meine Ansichten ausgezeichnet und mir geht immer wieder einmal ein „Lichtlein“ auf! Bitte machen Sie so weiter im Kampf gegen den ganzen Unsinn, der zur Zeit grassiert: “ Ich lasse mein Kind nicht impfen!“ ist derzeit der absolute Hit! Ich war beim Eintritt ins örtliche Freibad (Modellregion Coesfeld) Ohrenzeuge einer Diskussion über Impfstoffe: „Astra, ne, geht gar nicht!“ Gegenüber: “ Warum nicht?“ „Ne, kommt so schlecht weg in den Medien!“ „Aber die Impferfolge mit Astra Zeneca sind doch gut!“ „Ne, dat Zeuch will ich nicht!“ Ende der Diskussion! Was soll man dem Hinzufügen? Da ist Ihr Blog ein Leuchtturm der Erkenntnis in einem tiefen Tal der Dummheit! Bitte machen Sie weiter und erfreuen Sie mich und alle Anderen mit Ihren Gedanken! Schönen Sonntag!

  2. Mein lieber Onkel, das ist echter Qualitätsjournalismus im allerbesten Sinne der Definition! Und am Schönsten: der „wenn ich nur einen erreichen kann“ – Ansatz . Vielen Dank für deine großartige Arbeit. vielen Dank, dass du dir alles Negative und obendrein die Kosten ans Bein bindest. Alles Gute!

  3. Ich lese die Artikel immer wieder gerne und freue mich, dass inzwischen auch wieder die Kommentar-Funktion freigeschaltet wurde.

    Viel Erfolg und Spaß bei den nächsten Artikeln, 🙂

  4. Lieber Onkel Michael, vielen Dank für Deinen unermüdlichen, wichtigen, richtigen Einsatz, den ich und s. o. auch andere Deiner Leser überaus schätzen!
    Warum so viele Menschen auf den immer gleichen hanebüchenen Unsinn wie zu den 30ern herein fallen ist meine Meinung dazu, dass es daran liegt, dass der Wahnsinn des Faschismus in all seinen Facetten nicht so aufgearbeitet wurde, wie er es sich verdient hat. Ich gehöre zur Kriegskinderkindergeneration und kann für meine gesamte Schulzeit zeigen, dass ich da über diese Zeit am allerwenigsten gelernt habe (dafür aber z. B. schön ausführlich über „333 bei Issos Keilerei“), so wie auch in der Familie nicht darüber gesprochen wurde. Das rächt sich nun bitter dadurch, dass dieser Sermon nun erneut unwidersprochen und kritiklos von ewig Gestrigen hoch gewürgt und rausgerülpst wird.
    Allzeit liebe Grüße!

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