Frau Fröhlich und „dieBasis“

Die Basisdemokratische Partei Deutschland (Kurzform: dieBasis) ist eine deutsche Kleinstpartei, die im Juli 2020 im Umfeld der Proteste gegen Schutzmaßnahmen wegen der COVID-19-Pandemie in Deutschland gegründet wurde. Erstmals trat sie im März 2021 bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg zur Wahl an, sie erreichte rund ein Prozent der abgegebenen Stimmen. Anfang Juli 2021 verzeichnete die Partei nach eigenen Angaben etwa 22.800 Mitglieder.

Das schreibt die Wikipedia über die Partei, die unter „dieBasis“ in Querdenkerkreisen bekannt wurde. Interessant ist, dass neben Größen dieser Szene, wie Markus Haintz, Wolfgang Wodarg oder Sucharit Bakhdi, sich auch bekannte Namen aus der Homöopathie- und „SCAM“-Szene (SCAM = So called Alternative Medicine) für diese Partei engagieren. Darüber, dass Jens Behnke, ein hochrangiger Mitarbeiter der Carstens-Stiftung, für diese Partei wirbt und auch Narrative aus diesem Milieu reproduziert, habe ich bereits hier berichtet.

Nun hat sich auch die in der alternativmedizinischen Szene bekannte Ärztin Ulrike Fröhlich dazugestellt. Sie ist die Erste Vorsitzende der „Hahnemann-Gesellschaft“ und war lange Jahre Beauftragte des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte für Studierende an den Universitäten Mainz, Frankfurt, Gießen, Marburg und Homburg. Frau Fröhlich ist Erste Vorsitzende des Kreisverbandes Wiesbaden der „Basis“ und Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2021.

In einer Partei-Internen Seite beschreibt sie ihre politischen Ziele wie folgt:

Der Mensch ist der Mittelpunkt unseres Gesundheitswesens. An seinen Bedürfnissen richten sich alle Entscheidungen in ihm aus. Zur Zeit ist unser Gesundheitssystem ein Selbstbedienungsladen der Industrie und Hochfinanz. Um das zu ändern, setze ich mich politisch mit meiner ganzen Kraft ein. Korruption und Lobbyismus durch pharmazeutische Unternehmen und wirtschaftliche Interessengruppen müssen umgehend beendet werden, da sich das Durchsetzen ökonomischer Interessen negativ auf die Gesundheit auswirkt. Lobbyismus sollte durch einen transparenten öffentlichen Diskurs abgelöst werden, sodass Entscheidungsfindungen nachvollziehbar werden. Dann sind auch keine Marketingkampagnen des Gesundheitsministeriums zu ihrer Durchsetzung nötig. Der öffentliche, aufrechte und achtsame Diskurs ist eine Grundvorraussetzung für angemessene politische Entscheidungen. Dieser gibt der Bevölkerung erst die Möglichkeit, sich mit der in ihr enthaltenen Expertise einzubringen. Das ist ein enormes Potential, welches wir nutzen sollten. Das Gesundheitswesen gehört seinen Bürgern, denn diese finanzieren es solidarisch. Weg von der Gesundheitswirtschaft für die Reichen. Hin zu Therapiefreiheit und freien Wahl der Therapeuten für alle. 75 % der Bürger wünschen sich seit Jahren zunehmend Homöopathie und Komplementärmedizin Hand in Hand mit allen medizinischen Therapieverfahren. Für sie setze ich mich ein! Die Würde und Unversehrtheit aller Menschen stehen im Mittelpunkt meines ärztlichen und politischen Handelns.

Der Fettdruck ist aus dem Originaltext übernommen.

Meine Meinung:

Natürlich darf und soll sich jeder in der politischen Partei engagieren, die ihm am nächsten steht, dies ist die Grundlage unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Allerdings ist die „Basis“ keine Partei wie jede andere, und das nicht erst seit den antisemitischen Ausfällen von Sucharit Bakhdi. Auch finde ich es höchst problematisch, wenn eine ranghohe Funktionärin der Hahnemann-Gesellschaft, die ja auch in der Öffentlichkeit steht und bei Politikern Lobby-Arbeit betreibt, verschwörungsideologische Narrative wie die Korruption […] durch pharmazeutische Unternehmen oder dem Selbstbedienungsladen der Industrie und Hochfinanz verbreitet. Ob und inwiefern die Hahnemann-Gesellschaft Frau Fröhlich nach derartigen Äußerung noch als Erste Vorsitzende für tragbar hält, muss sie natürlich für sich selbst entscheiden.

Allerdings muss sich die Gesellschaft auch an ihrer Entscheidung messen lassen. Vor allem, weil Frau Fröhlich mit ihrer Position auch wirbt: Seit Mai 2012 stehe ich für dieses Anliegen in meiner Funktion als Mitglied des Bundesvorstandes der Hahnemann-Gesellschaft in der Verantwortung. Die politische Szene in der Komplementärmedizin in Deutschland ist mir sehr vertraut und dieser Insider Einblick hilf bei der Beurteilung von politischen Initiativen sehr. Auf Grund der dramatischen Entwicklungen in Deutschland engagiere ich mich seit 2020 auch in unserer Basisdemokratischen Partei Deutschland | dieBasis in unserem starken Kreisverband Wiesbaden und lege hiebei meinen Schwerpunkt auf die Entwicklung basisdemokratischer Werkzeuge und den Aufbau des Kreisverbandes und der Ortsverbände. Auf der Bundeseben bringe ich mich von Beginn an in die AG Gesundheit mit meiner Expertise ein.
Ein weiterer Punkt, der mir Bauchschmerzen verursacht, ist dass Frau Fröhlich auch als Multiplikatorin für die Homöopathie-Lobby tätig ist: Als Dozierende bin ich national und international in der Lehre tätig. In Vorträgen, Seminaren, Workshops und anderen Formaten experimentiere ich mit einer großen Vielfalt an didaktischen Werkzeugen, um interaktiv mit Spaß das Wissen zur Homöopathie zu vermitteln.

Ich weiß, dass die bestens aufgestellte Homöopathie-Lobby diesen Artikel als „Bashing“ gegen Frau Fröhlich hochstilisieren wird. Dies ist allerdings nicht meine Intention. Frau Fröhlich kann sich als Privatperson für was auch immer engagieren, das ist mir vollkommen egal. Allerdings ist sie in ihrer Tätigkeit für die Hahnemann-Gesellschaft auch eine öffentliche Person, die auch immer wieder die Öffentlichkeit sucht. Sie ist nach eigenen Aussagen Multiplikatorin und ich habe Bauchschmerzen bei der Vorstellung, welche Inhalte hier verbreitet werden. Die getätigten Aussagen sind in meinen Augen jedenfalls höchst problematisch.

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Quelle für die Zitate von Frau Fröhlich: https://diebasis.wiki/w/index.php?title=Benutzer:Ulrike_Fr%C3%B6hlich_WI&oldid=13069 abgerufen am 31. Juli 2021. Stand des Artikels: Juni 2021, 13:38 Uhr (als PDF gesichert)

Quelle für das Zitat aus der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Basisdemokratische_Partei_Deutschland&oldid=214403121

6 Gedanken zu “Frau Fröhlich und „dieBasis“

  1. Du bist heute sehr, sehr zurückhaltend.
    Die Hahnemann-Gesellschaft ist doch nichts anderes als eine Lobby-Organisation, die in Konkurrenz beispielsweise zum Verband Forschender Arzneimittelhersteller steht. Wenn Fröhlich ihre Partei als Vorfeldorganisation des Wirtschaftsverbandes nutzt, für den sie tätig ist, sagt das alles über die Unglaubwürdigkeit ihrer Korruptionsvorwürfe, ihrer Person, ihrer Partei und ihres Verbandes. Sie sitzt im Glashaus und wirft mit dicken, fetten Steinen um sich.

    1. Nein, traditionell war es „nur“Nazi-Code für jüdische Banker im Allgemeinen und die Rothschilds im Besonderen. Laut Wikipedia ist dieser Code allerdings im Zuge der Finanzkrise Ende der Nullerjahre verstärkt von Nicht-Rechtsextremen und insbesondere von – ich sach mal – linken Antisemiten aufgegriffen worden.

  2. Vielleicht sollte man öfters mal die Geschichte erzählen, mit welchem lobbyistischen Aufwand es Homöopathen und Anthroposophen gelungen ist, bei der Novellierung des Arzneimittelgesetz im Jahre 1976, die Befreiung vom Wirksamkeitsnachweis für die „Arzneien“ der „Besonderen Therapierichtungen“ zu erreichen.

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