Es kläfft und bellt

Depressionen haben ja immer verschiedene Erscheinungsformen. Bei mir jedenfalls. Ich kann ja hier auch immer nur über mich und meine Befindlichkeiten mit den Depressionen erzählen. Bei anderen Menschen ist die Krankheit anders. Ihr wisst ja, was ich meine.

Aktuell ist die Zeit nicht ganz so leicht für mich. Für viele von euch sicher auch nicht, aber wie gesagt, ich kann immer nur über mich sprechen. Aber ich wiederhole mich.

Jedenfalls ist es im Moment nicht so einfach. Und aktuell fühle ich mich sehr erschöpft, ausgebrannt und leer. Gut, im Job ist die Situation sehr stressig, aber das wirkt sich noch nicht mal so sehr aus. Im Moment schreibe ich auch recht viel für meinen Blog hier, für den Humanistischen Pressedienst und arbeite an einem neuen Buch, aber das ist eher positiver Stress, weil mir diese Arbeit sehr viel Spaß macht.

Und ja, ich weiß jetzt, was manche Vögel jetzt wieder sagen, das wäre hier alles hier nur fischen nach Mitleid oder Aufmerksamkeit oder ich will mich nur Interessant machen, blabla. Hab ich alles schon gehört. Nö. Isset nich. Fickt euch.

Warum sollte ich nicht darüber sprechen, wenn es mir nicht so gut geht? Omma Kowalke und Tante Irmgard unterhalten sich lautstark im Café über ihre heraushängenden Hämorrhoiden, warum soll ich also nicht über meine Depressionen sprechen? Und es ist auch nicht schlimm, dass ich jetzt nicht den Finger drauflegen kann, aus welchen Gründen es mir im Moment nicht so gut geht. Das ist manchmal einfach so.

Es ist einfach so, dass mir Dinge, die mir sonst sehr viel Freude bereiten, aktuell auf den Zeiger gehen. Social Media zum Beispiel. Sonst kann ich mich noch über den größten Scheiß amüsieren, im Moment geht mir das ganze Gedöns nur auf den Zeiger. Diese ganzen Selbstdarsteller, die Heuchler, die Pharisäer, die alles kaputt machen wollen, was nicht nach ihrer Vorstellung ist. Denen der Geifer links und rechts aus den Mundwinkeln läuft, und die ihre Weltsicht als die einzig wahre ansehen. Alles was nicht ihrer Ideologie entspricht, muss vernichtet werden. Das kotzt mich sehr an. Aber gut, deswegen meide ich im Moment hauptsächlich BlueSky, weil sich die meisten selbstverliebten Arschlöcher*innen dort tummeln. Meine Güte, die Typen furzen doch ins Glas und schnüffeln es dann weg.

Aber ich schweife ab, denn das ist nur ein kleiner Teil. Dass es mir nicht so gut geht, liegt aber auch nicht daran, dass ich in ein paar Tagen 50 werde. Mit dem Älterwerden hatte ich noch nie Probleme. Geht ja jeden so. Vielleicht ist es ja einfach die Melange von allen, ich weiß es echt nicht. Jedenfalls funktioniere ich momentan hauptsächlich, ohne viel Emotion.

Ist halt so, lebe ich jetzt damit. Ich wüsste auch nicht, was ich dagegen machen sollte. Deswegen lebe ich einfach damit. Wird schon wieder anders werden.

Warum ich das hier hauptsächlich schreibe ist, dass ihr wisst, dass, wenn es euch auch so geht, vollkommen ok ist. Es darf euch schlecht gehen, auch wenn ihr nicht den Finger drauflegen könnt, weswegen. Geht zum Arzt, holt euch Hilfe, redet darüber.

Ich schau einfach, wie es sich weiter entwickelt.

Ein Gedanke zu “Es kläfft und bellt

  1. Dann drücke ich die Daumen, dass sich das einpegelt bei Ihnen!

    Wenn dadurch der Blog so informativ wird, weil das Arbeiten daran ein Kompensieren ist, dann hat es auf jeden Fall etwas Positives.

    Zu den 50 Jahren hatte ich bei Andreas Moser bereits etwas geschrieben. Inzwischen bin ich da schon ein gutes Stück drüber und für mich wird das immer mehr die Lebensphase, in der auch meine Frau und ich aus dem Pflichtteil raus sind, die Kinder sind eh schon länger im eigenen Leben angekommen und wir können endlich „unser Ding“ machen.

    In Vielem bin ich inzwischen etwas abgeklärter, aber bei manchen Sachen im Gegenzug auch kompromissloser – andere würden es vielleicht schon als beginnenden Altersstarrsinn bezeichnen;-)

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