Biographisches

Edward Bach (1886–1936) war ein britischer Homöopath, der durch die nach ihm benannte Bach-Blütentherapie bekannt wurde. Hierbei handelt es sich um eine Behandlungsmethode aus dem „alternativmedizinischen“ Spektrum, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden konnte.

Geboren wurde Bach am 24. September 1886 in Moseley und wuchs im nahe gelegenen Birmingham auf. Er war das älteste von drei Geschwistern. Als Kind wird er als eher von zarter Natur, empfindsam und naturverbunden beschrieben.

1903 trat er eine Stelle in der Messinggießerei seines Vaters an, wo er auch die Lebensumstände der Arbeiter und ihrer Familien kennenlernte. Hierdurch begann er, sich für sozialmedizinische Fragen zu interessieren. Es beschäftigte ihn zum Beispiel, ob körperliche Beschwerden auf seelische Konflikte zurückgehen können.

1906 begann er sein Medizinstudium an der Birmingham University und setzte es am University College Hospital in London fort. Er schloss es 1912 ab und erhielt 1914 seine Approbation. Seine erste Stelle trat er in der Unfallstation seiner Ausbildungsstätte an, wo er die Theorie entwickelte, dass Medikamente aufgrund der Persönlichkeit bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken. Bald wandte er sich der Bakteriologie und Immunologie zu. Hier bereitete er auch sieben Bakterienstämme als Nosoden auf.

1917 wurde bei Bach ein bösartiger Milztumor festgestellt, dessen Auswirkungen nach der Operation er angeblich nur durch Willenskraft „besiegte“, um seine Vorhaben zu beenden. Ab 1918 war Bach Arzt am London Homoeopathic Hospital, wo er aus seinen Nosoden die sogenannten Bach-Nosoden entwickelte, denen er spezifische Charaktereigenschaften der Patienten zuordnete. Die Bach-Nosoden waren Proteus, Dysenterie, Morgan, Faecalis Alkaligenes, Coli Mutabile, Gaertner und Nummer Sieben.

Er kam zu der Erkenntnis, dass die Personen einer Gruppe vielmehr auf jede Krankheit auf die gleiche oder ähnliche Art und Weise reagieren würden. Das bedeutete für ihn, dass er jede Krankheit behandeln könne, wenn er sich nicht auf die Behandlung der Krankheit, sondern der emotionalen Auffälligkeiten eines Persönlichkeitstyps konzentrieren würde. Nach seiner Entdeckung der Persönlichkeitsmerkmale fand er im September 1928 die ersten Pflanzen, die er seinen Persönlichkeitsgruppen zuordnen konnte, nämlich Impatiens, Mimulus sowie bald darauf Clematis.

Die Eröffnung einer eigenen Praxis mit Labor erfolgte 1920. Edward Bach konzentrierte sich darauf, die bisher verwendeten Nosoden durch Pflanzen zu ersetzen. Auch richtete er seinen Blick stärker auf die psychische Komponente der Krankheiten. Angeblich heilte er in dieser Zeit einige Patienten auch durch Handauflegen. Nur zehn Jahre später verkaufte Bach seine Praxis wieder und widmete sich ganz der Entwicklung seiner Blütentherapie.

Ab Mai 1930 bereiste Edward Bach gemeinsam mit seiner Assistentin Nora Weeks England und Wales, um geeignete Pflanzen für seine Heilmethode zu finden. Bach richtete seine Therapie nicht gegen die tatsächliche Krankheit, ihre Erreger oder wenigstens Symptome, sondern gegen das von ihm vermutete seelische Ungleichgewicht, also „die gestörten Schwingungen zwischen Körper und Seele“. Welche Mittel gegeben werden, soll der Therapeut intuitiv erspüren. Hierfür definierte Bach negative Gefühlslagen, denen er rein „intuitiv“ (also ohne wissenschaftliche oder wenigstens objektiv nachvollziehbare Begründung) Blumen zuordnete, die diese Gefühlslagen beheben sollten.

Zur Aufbereitung entwickelte er die „Sonnenmethode“, bei der die frisch gepflückten Blüten in etwa einem halben Liter Wasser eingelegt werden und für drei bis vier Stunden in der prallen Sonne stehen. Hierbei sollen laut Bach die „Schwingungen“ der Pflanzen als „Heilenergie“ auf das Wasser übertragen werden. Gerade dieser Teil der Herstellung ist durch seine Vorschriften stark ritualisiert. So müssen die Pflanzen vor neun Uhr morgens an einem sonnigen und wolkenlosen Tag gesammelt werden. Auch die Orte, an denen die Pflanzen gepflückt werden müssen, sind genau vorgeschrieben. Die Pflanzen müssen drei bis vier Stunden in dem Wasser ruhen, das weiterhin von der Sonne beschienen wird. In dieser Zeit sollen die von Bach postulierten „Schwingungen“ und die „Energie“ der Pflanzen auf das Wasser übergehen. Nach diesen drei bis vier Stunden wird das so behandelte Wasser mit 40-prozentigem Alkohol (früher Brandy oder Cognac) verdünnt, was der Konservierung dienen soll. Diese Mischung ist nun die sogenannte „Urtinktur“, die nochmals im Verhältnis 1:240 mit Alkohol verdünnt werden muss, um die „wirksamen“ Essenzen herzustellen. Der Endverbraucher muss die Essenz zur Einnahme ein weiteres Mal in Wasser verdünnen.

Später entwickelte Bach eine weitere Aufbereitungsmethode, die „Kochmethode“, bei der die Pflanzen nicht in der Sonne stehen, sondern die behaupteten „Schwingungen“ während eines 30-minütigen Kochvorgangs abgeben sollen. Die weitere Behandlung ist dann dieselbe wie zuvor. Die Kochmethode wird zumeist nur für sehr holzige Pflanzen oder solche, die im Herbst oder Winter blühen, angewandt.

Obschon Bach als Homöopath praktiziert und auch Elemente aus der Homöopathie für seine Methode übernommen hatte, lehnte er elementare Teile der homöopathischen Lehre, wie beispielsweise das Ähnlichkeitsprinzip und die Potenzierung, ab: Ähnliches mag Ähnliches stärken, Ähnliches mag Ähnliches zurückdrängen, aber im wahren Sinn einer Heilung kann Ähnliches nicht Ähnliches heilen. (…) Kein Zweifel, Hahnemann hatte das Bestreben, mit seiner Methode der Potenzierung Falsches in Richtiges zu verwandeln, Gifte in Arzneikräfte, aber es ist einfacher, die wunderschönen und heilkräftigen Arzneien direkt zu verwenden.

Die Bach-Blütentherapie weicht in diesen Grundprinzipien von der Homöopathie ab und ist deshalb auch nicht als Variante der Homöopathie einzuordnen.

Eine Wirksamkeit der Methode über den Placeboeffekt hinaus wurde nie nachgewiesen. Simon Singh und Edzard Ernst halten fest: Ergebnisse mehrerer Studien zu Blütenmitteln liegen vor. Keine von ihnen weist nach, dass dieser Ansatz bei der Heilung von Krankheiten oder bei der Linderung von Beschwerden über den Placeboeffekt hinaus wirksam ist. Da die Mittel stark verdünnt sind, sind Nebenwirkungen unwahrscheinlich.

Insgesamt erfand Bach in dieser Zeit 19 Präparate, die er auch kostenlos an seine Patienten abgab und sehr intensiv bewarb, was gegen das ärztliche Standesrecht verstieß. Durch dieses irreguläre Vorgehen bekam er Probleme mit der Ärztekammer, konnte den Entzug der Approbation allerdings verhindern. Die Grundlagen seiner neuen Methode veröffentlichte er in seinem Buch „Heile dich selbst“, welches den Originaltitel „Free thyself“, also „Befreie Dich selbst“ trägt. 1933 veröffentlichte er mit seinem Buch „Die zwölf Heiler und andere Heilmittel“ (Twelve Healers) das Hauptwerk zu seiner Therapie. Es wurde auch nach seinem Tod noch erweitert und neu aufgelegt. Nach der Erstauflage von 1933 erschienen 1934, 1936 und 1941 Neuauflagen, an denen auch die Entwicklung der Bach-Blütentherapie nachvollzogen werden kann.

Da Bach im oberen Themsetal auf begrenztem Gebiet die meisten der von ihm benötigten Pflanzen fand, ließ er sich in Sotwell, heute Brightwell-cum-Sotwell, (Oxfordshire) nieder. Dabei durchlebte er angeblich selbst die negativen Zustände, für die er nach passenden Mitteln suchte, und wurde quasi zu seinem eigenen Versuchskaninchen. Auf Grund seines mittlerweile sehr ausgeprägten Gespürs für die Schwingungen von Pflanzen, hatte er bis zum August 1935 neunzehn weitere Blütenmittel entdeckt.

1936 arbeitete er noch intensiv an einer Neuauflage der „Zwölf Heiler“ und hielt zahlreiche öffentliche Vorträge, um seine Theorie zu bewerben. Am 27. November 1936 starb Bach im Alter von 50 Jahren im Schlaf an Herzversagen. Seine Mitarbeiter Nora Weeks und Victor Bullen gründeten nach seinem Tod eine nach ihm benannte Stiftung, die in den 1950er Jahren sein ehemaliges Wohnhaus in Brightwell-cum-Sotwell erwarb und es zum „Bach-Center“ umfunktionierte, von wo aus die Verbreitung der Bach-Blütentherapie koordiniert wurde, ebenso wie seit 1991 die Ausbildung von Therapeuten.

Die Bach-Blütentherapie

Bei der Bach-Blütentherapie handelt es sich um eine Behandlungsmethode aus dem „alternativmedizinischen“ Spektrum, die vom britischen Arzt Dr. Edward Bach (1886–1936) während und nach seiner Tätigkeit am London Homoeopathic Hospital erfunden wurde. Er griff dabei einige Konzepte der Homöopathie auf, verwarf jedoch andere und entwickelte die Methode soweit von dieser weg, dass sie nicht als homöopathische Methode angesehen wird.

Bach erfand seine Blütentherapie Mitte der 1930er Jahre aus der Annahme heraus, dass der Mensch ähnlich wie bei der Anthroposophie über einen sterblichen Körper und eine unsterbliche Seele verfüge, die in Beziehung zueinander stünden. Weiter ging Bach davon aus, dass jeder Mensch ein Teil eines großen kosmischen Energiefeldes sei und er als Teil dieses Feldes gewisse spirituelle Aufgaben lösen müsse. Falls es die Seele nicht schaffe, diese Aufgaben am Körper zu erfüllen, erzeuge dies „disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur“ und daraus sollen die Krankheiten resultieren. Bach glaubte nun, dass die körperliche Heilung durch die Re-Harmonisierung der gestörten Schwingungen zu erfolgen habe. Dies zeigt deutlich, dass die Bach-Blütentherapie ein esoterisches Konstrukt ist, welches keinerlei medizinische Wirkung beinhaltet.

Bachs Grundsatz lautet, dass jedes körperliche Problem auf eine Störung des seelischen Gleichgewichtes zurückgeht. Grund dieser Störung sei ein Konflikt zwischen der unsterblichen Seele und dem sterblichen Körper des Menschen. Eine Heilung könne nur durch eine Harmonisierung dieser beiden Parteien herbeigeführt werden.

Zuerst waren es 19 „disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur“, die er im Laufe der Zeit auf 38 erhöhte. Jedem dieser Seelenzustände ordnete Bach eine Pflanzenessenz zu (genau: 37 Blütenessenzen und eine Essenz aus Fels-Quellwasser), die durch ihre „speziellen Schwingungen“ die „Eigenschwingung des Patienten“ mit dem „kosmischen Energiefeld wieder harmonisieren“ und so die Krankheit heilen sollen.

Die Pflanzenauswahl zu den seelischen Negativzuständen geschah rein intuitiv, wobei Bach davon ausging, dass ihn eine göttliche Eingebung bei der Auswahl leitete. Hauptkriterium zur Auswahl war aber, dass die Pflanzen dem jeweiligen „positiven archetypischen Seelenkonzept“ im Sinne Carl Gustav Jungs entsprechen.

Sein hoch entwickelter Tastsinn befähigte ihn, die Vibrationen und die Kraft zu spüren, die von jeder Pflanze abgestrahlt wird, die er zu testen wünschte. Und sein Körper reagierte auf diese Schwingungen so empfindlich, dass Bach auf die Wirkungen der betreffenden Pflanze augenblicklich reagierte. Er brauchte nur ein Blütenblatt oder eine Blüte selbst in die Hand zu nehmen oder sie auf seine Zunge zu legen, und schon verspürte er in seinem Körper die spezifischen Reaktionen auf die Wirkkraft der jeweiligen Pflanze. Manche übten auf seinen Geist und Körper einen stärkenden und belebenden Einfluss aus; andere verursachten Schmerzen und Brechreiz, Fieber, Ausschläge und Ähnliches mehr.

Für jede Pflanzenessenz erfand Bach auch einen Sinnspruch, der deren Wirkung verstärken soll.

Da die Original-Blütenessenzen von der Firma Nelsons aus Großbritannien importiert werden, tragen sie englische Namen, was auch die anderen Anbieter übernahmen. Am bekanntesten dürfte wohl eine Kombination aus fünf Essenzen sein, die unter dem Begriff „Rescue-Tropfen“ vertrieben wird.

Heute werden auch Blütenmischungen angeboten, die außerhalb des Lehrkanons von Edward Bach stehen. Die 38 Original-Essenzen sind:

Nr.Englischer NameDeutscher NameAnwendung laut BachHerstellungs-verfahrenSinnspruch laut Bach
1AgrimonyGemeiner OdermennigBeeinflussbarkeit von außenSonnenmethodeIch lächle von innen her.
2AspenEspe/ZitterpappelÄngstlichkeitKochmethodeIch bin in mir gefestigt.
3BeechRotbucheÜbermäßige Besorgtheit um andereKochmethodeIch bin tolerant und verständnisvoll.
4CentauryTausendgüldenkrautBeeinflussbarkeit von außenSonnenmethodeIch bin von Bedeutung.
5CeratoBleiwurzUnsicherheitSonnenmethodeIch bin entscheidungsfreudig.
6Cherry PlumKirschpflaumeÄngstlichkeitKochmethodeIch gewinne Distanz und lasse los.
7Chestnut BudRosskastanienknospeUngenügendes Interesse an der GegenwartKochmethodeIch sammle Kraft für den nächsten Schritt.
8ChicoryWegwarteÜbermäßige Besorgtheit um andereSonnenmethodeGeben und Empfangen sind in Balance.
9ClematisGewöhnliche WaldrebeUngenügendes Interesse an der GegenwartSonnenmethodeIch stelle mich der Realität.
10Crab AppleHolzapfelMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch kläre und ordne im Innen und Außen.
11ElmEnglische UlmeMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch bin meinen Aufgaben gewachsen.
12GentianHerbstenzianUnsicherheitSonnenmethodeIch halte vertrauensvoll durch.
13GorseStechginsterUnsicherheitSonnenmethodeIch mache mit Schwung einen neuen Anfang.
14HeatherSchottisches HeidekrautEinsamkeitSonnenmethodeIch genüge mir selbst.
15HollyEuropäische StechpalmeBeeinflussbarkeit von außenSonnenmethodeIch bin offen, freundlich und liebesfähig.
16HoneysuckleGeißblattUngenügendes Interesse an der GegenwartKochmethodeIch genieße mein Leben im Hier und Jetzt.
17HornbeamHainbucheUnsicherheitKochmethodeIch gehe frisch und motiviert an meine Aufgaben.
18ImpatiensSpringkrautEinsamkeitSonnenmethodeIch nehme mir Zeit.
19LarchEuropäische LercheMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch entfalte mich zu voller Größe und Schönheit.
20MimulusGefleckte GauklerblumeÄngstlichkeitSonnenmethodeIch bin sicher und mutig.
21MustardAckersenfUngenügendes Interesse an der GegenwartKochmethodeMit heiterem Gemüt begegne ich dem neuen Tag.
22OakEicheMutlosigkeit und VerzagtheitSonnenmethodeIch bin stark und flexibel zugleich.
23OliveÖlbaumUngenügendes Interesse an der GegenwartSonnenmethodeIch tanke neue Energie.
24PineSchottische KieferMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch bin mit mir im Reinen.
25Red ChestnutRote KastanieÄngstlichkeitKochmethodeIch stelle mich und andere unter den höchsten Schutz.
26Rock RoseGelbes SonnenröschenÄngstlichkeitSonnenmethodeIch bin standfest in allen Lebenslagen.
27Rock WaterFelsquellwasserÜbermäßige Besorgtheit um andereSonnenmethode (ohne Blüten)Ich vertraue mich dem Fluss des Lebens an.
28ScleranthusEinjähriger KnäuelUnsicherheitSonnenmethodeIch entscheide selbst über den nächsten Schritt.
29Star of BethlehemDoldiger MilchsternMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch finde Trost und Heilung.
30Sweet ChestnutEdelkastanieMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch finde den Weg ins Licht.
31VervainEisenkrautÜbermäßige Besorgtheit um andereSonnenmethodeIch gehe gelassen auf mein Ziel zu.
32VineWeinrebeÜbermäßige Besorgtheit um andereSonnenmethodeIch respektiere mich und andere.
33WalnutWalnussBeeinflussbarkeit von außenKochmethodeIch schreite entschlossen vorwärts.
34Water VioletWasserfederEinsamkeitSonnenmethodeIch kann Nähe zulassen.
35White ChestnutWeißblühende RosskastanieUngenügendes Interesse an der GegenwartSonnenmethodeMein Kopf ist frei und klar.
36Wild OatWaldtrespeUnsicherheitSonnenmethodeIch finde und verwirkliche mein Lebensziel.
37Wild RoseHeckenroseUngenügendes Interesse an der GegenwartKochmethodeMir steht alles Glück dieser Erde zu.
38WillowGelbe WeideMutlosigkeit und VerzagtheitKochmethodeIch mache das Beste aus meinem Leben.

Die hier genannten Sinnsprüche sind diejenigen, die Edward Bach selbst den jeweiligen Essenzen zugedacht hat. In den 1980er Jahren wurden von der „internationalen Fachautorität der Original Bachblütentherapie“ Mechthild Scheffer noch weitere „Kraftformeln“ erfunden, die nicht hiermit verwechselt werden dürfen.

Die Herstellungsprozesse der Bach’schen Präparate basieren im Grunde auf den homöopathischen Prinzipien der Verdünnung und der Annahme eines Wassergedächtnisses, auf das die „Schwingungen der Pflanzen“ übergehen.

Zu Beginn der Herstellung seiner Essenzen verwendete Bach nur den Tau, der sich auf den Blüten der jeweiligen Pflanzen zur Zeit des Sonnenaufgangs befand. Durch die Morgensonne, die durch Tau und Blüte schien, sollte das Wasser mit angenommenen Schwingungen der Pflanze „energetisiert“ werden. Als nun seine Blütenessenzen kommerziell immer erfolgreicher wurden, konnte Bach der Nachfrage nur anhand der Tautropfen nicht mehr nachkommen und ersann nun zwei andere Zubereitungsarten für die Essenzen.

Sonnenmethode

Bachs erste neue Methode ist die sogenannte Sonnenmethode. Dabei werden die Blüten an einem frühen Morgen, nicht nach 9 Uhr, gepflückt. Dabei darf die Blüte nicht mit der Hand berührt werden, sondern muss mit einem grünen Blatt der betreffenden Pflanze abgerissen werden. Der Tag muss sonnig und wolkenlos sein und die Blüten dürfen nur von bestimmten Wiesen stammen. Vor dem Pflücken muss man eine Glasschale mit frischem Quellwasser befüllen und in die pralle Sonne stellen. Hierfür soll sich eine Schale aus Kristallglas am besten eignen. Man lässt so viele Blüten in die Schüssel gleiten, bis die gesamte Wasserfläche bedeckt ist. Die so präparierte Schüssel lässt man nun für drei bis vier Stunden in der vollen Sonne stehen. Bach ging davon aus, dass in dieser Zeit nicht näher definierte spirituelle „Schwingungen“ von „Heilenergie“ von den Blüten auf das Wasser übergehen.

Nach diesen drei bis vier Stunden wird das so „energetisierte“ Wasser im Verhältnis 1:1 mit vierzigprozentigem Alkohol (früher Brandy oder Cognac) verdünnt, was der Konservierung dienen soll. Diese Mischung ist nun die Ur- oder Muttertinktur, die nochmals im Verhältnis 1:240 mit Alkohol verdünnt werden muss, um die „wirksamen Essenzen“ herzustellen. Der Endverbraucher muss die „Essenz“ zur Einnahme nochmals in Wasser verdünnen.

Wenn Bach sich einer Pflanze näherte, hielt er einen Augenblick inne, stellte sich auf die Energie der Blüte ein und kommunizierte mit deren Intelligenz, um quasi um Erlaubnis zu bitten für das, was er vorhatte. Zu Beginn der Aktion war ein großes Glas mit sauberem Wasser gefüllt worden, das er genau prüfte. Mit einer kleinen, sterilen Schere knipste er dann ein paar Blüten ab, legte sie auf die Wasseroberfläche in dem Glas und setzte das Ganze dem Sonnenlicht aus. Einige Stunden später fischte er die Blütenblätter mit einem kleinen Zweig heraus, goss das Wasser durch einen Filter in eine kleine Flasche und beschriftete diese mit Datum und Fundort. Am nächsten Tag konservierte er diese „Mutter-Tinktur“ mit Cognac oder Brandy.

Die Herstellung der „Rock Water“-Essenz erfolgt mit Wasser einer „unberührten“ Quelle nach der Sonnenmethode:

Viele Bach-Blüten-Experten sind der Ansicht, dass diese fertig zu kaufenden Blütenessenzen die stärkste Heilkraft aufweisen, da die dazu verwendeten Pflanzen aus dem Gebiet gewonnen werden, in dem Edward Bach sein Heilsystem entwickelte, und die Hersteller vor Ort Erfahrung haben sowie die nötige Sorgfalt beim Gewinnen der Blütenessenzen anwenden. Edward Bach wies in seinen Schriften jedoch darauf hin, dass jedermann selbst Blütenessenzen herstellen und anwenden kann. Für ihn waren Eigenverantwortung für Gesundheit und Wohlbefinden und Hilfe zur Selbsthilfe wichtige Prinzipien seines Therapiesystems.

Kochmethode

Bachs zweite neue Methode ist die sogenannte Kochmethode, bei der nicht nur die Blüten gepflückt werden, sondern komplette Zweige mit Blüten und Blättern. Auch dieser Pflückvorgang muss bei Sonnenschein und vor 9 Uhr morgens erfolgen. Die Zweige sollten in etwa den gleichen Durchmesser wie der Topf haben, in den sie gelegt werden. Es sollen in etwa 120 Gramm Blüten gesammelt und in den Topf gelegt werden, die mit einem Liter frischem Quellwasser übergossen werden. Dies lässt man dann ca. 30 Minuten kochen und danach erkalten. Ist der Sud erkaltet, beginnt man damit, ihn so lange zu filtern, bis er klar ist. Die weitere Behandlung ist dann dieselbe. Diese Methode wird zumeist nur für sehr holzige Pflanzen oder für Pflanzen, die im Herbst oder Winter blühen, angewandt.

Abgrenzung zur Homöopathie und Phytotherapie

Obschon Bach aus dem Bereich der Homöopathie kam, lehnte er beispielsweise das Konzept der Potenzierung und das Simile-Prinzip von Samuel Hahnemann, des Erfinders der Homöopathie, ab:  Ähnliches mag Ähnliches stärken, Ähnliches mag Ähnliches zurückdrängen, aber im wahren Sinn einer Heilung kann Ähnliches nicht Ähnliches heilen. (…) Kein Zweifel, Hahnemann hatte das Bestreben, mit seiner Methode der Potenzierung Falsches in Richtiges zu verwandeln, Gifte in Arzneikräfte, aber es ist einfacher, die wunderschönen und heilkräftigen Arzneien direkt zu verwenden.

Dies merkt man auch daran, dass das Verschütteln der Essenzen als Arbeitsschritt in der Herstellung fehlt. Bach-Blüten werden also nicht nach den Vorschriften Hahnemanns „potenziert“ und auch nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip verordnet. Die Bach-Blütentherapie gilt deshalb nicht als homöopathische Methode.

Der Herstellungsprozess der Blütenessenzen zeigt auch, dass die Bach-Blüten nicht in den Bereich der Phytotherapie, also der Pflanzenheilkunde, gehören. Während bei pflanzlichen Mitteln Auszüge aus Pflanzen bzw. Pflanzenkombinationen, also Säfte, Öle, Tees, Pulver o. ä., mit tatsächlichem Wirkstoff hergestellt und nach medizinischen Kriterien verordnet und dosiert werden, beruht die Verordnung der Bach-Blüten ausschließlich auf den spirituellen Vorstellungen Bachs und seiner Annahme, dass nicht näher definierbare „Schwingungen“ das Wasser „energetisieren“ und „Disharmonien“ zwischen Körper und Seele wieder ins „Gleichgewicht“ bringen. Die Pflanzen wurden von Bach auch nicht nach bekannten Heilwirkungen ausgesucht und sind oft gar keine in der Phytotherapie verwendeten Heilpflanzen. Die Wirkungsweise der Bach-Blütenessenzen liegt also gänzlich im spirituellen Bereich.

Wissenschaftliche Einordnung

Bach selbst sagte über seine Methode: Es gibt keine in diesem Lande bekannte und übliche Krankheit, die mit Hilfe der Pflanzen, über die ich heute Abend sprechen werde, noch nicht geheilt wurden.

Den Beweis selbst blieb er aber schuldig, bleibt doch der Wirksamkeitsnachweis für die Bach-Blütentherapie beschränkt auf anekdotische Berichte. Keine der bisher nach wissenschaftlichen Standards durchgeführten Studien konnten eine Wirksamkeit bestätigen. Eine Übersichtsstudie der Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie wertete insgesamt vier Studien zum Einsatz von Bach-Blüten bei Prüfungsangst und ADHS aus und kam zu dem Ergebnis, dass eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus nicht festgestellt werden konnte: Alle vier Studien zeigten, dass Bachblüten nicht besser gegen Prüfungsangst oder ADHS wirken als Placebo. Bei allen therapierten SchülerInnen und StudentInnen zeigte sich zwar eine Verbesserung, aber diese Verbesserung stellte sich sowohl bei der Einnahme von Bachblüten als auch Placebo ein. Ein weiteres Ergebnis des Reviews ist, dass im Zuge aller Bachblütentherapien nur vereinzelt Nebeneffekte auftraten. „Viele Menschen stehen Medikamenten skeptisch gegenüber und bevorzugen ‚natürliche’ Therapien wie Bachblüten. Unsere Arbeit zeigt aber klar, dass wissenschaftliche Studien keinen Nachweis für die Wirksamkeit von Bachblüten bei Prüfungsangst gefunden haben. Bachblüten als effektives therapeutisches Mittel zu verkaufen ist daher meiner Ansicht nach eine Täuschung der Patienten“, resümiert Studienautorin Dr. Kylie Thaler.

Auch Prof. Edzard Ernst, im Jahre 2011 emeritierter Lehrstuhlinhaber für Alternativmedizin an der Universität Exeter, kam in einem Review von sieben Studien zum Einsatz von Bach-Blüten, wobei sechs davon placebokontrolliert waren, zum gleichen Ergebnis.

Die Einteilung aller Leiden in 38 Gemütszustände hat moralisierenden Charakter, ist willkürlich und unbegründet. Das Konzept trägt deutlich esoterische Züge. Die Pflanzenauswahl ist zufällig, sie lässt sich ebenso wenig wie die rituelle Herstellung der Mittel wissenschaftlich begründen. Bachs Lehre setzt manche Betroffenen zusätzlich unter Druck und lässt die Krankheit als selbstverschuldete Strafe für vermeintliches Ungenügen erscheinen: So empfiehlt Bach etwa Blütenmittel nach Misshandlung und Vergewaltigung mit folgender Begründung: ‚Derartige Ereignisse können durch unbewusste Programmierungen aus der astralen Ebene herangezogen werden.‘ Wissenschaftler stufen Bach-Blütentherapie als ‚potente Scheinbehandlung‘ ein.

In einer Aktualisierungsrecherche des IGeL-Monitors werden vier Übersichtsarbeiten aufgelistet. Keine konnte eine Wirkung der Bach-Blütenessenzen nachweisen, die über den Placebo-Effekt hinaus geht.

Vermarktung

Edward Bach hatte nicht nur die Herstellung seiner Essenzen stark ritualisiert, er legte auch fest, dass die Ur- oder Muttertinkturen nur aus Blüten von ganz bestimmten Wiesen hergestellt werden durften. Bis 1993 wurden die Essenzen direkt im Bach-Center hergestellt und durch die Firma Nelsons vertrieben. Bei dem Bach-Center handelt es sich um eine Stiftung, die sich in Bachs ehemaligen Wohnhaus der Verbreitung und Vermarktung seiner „Therapie“ widmet. Es wurde nach seinem Tod gegründet. Da sich das Center aber mehr auf die Ausbildung von „Therapeuten“ konzentrieren wollte, übernahm Nelsons ab 1993 auch die Herstellung der Essenzen.

Angeboten werden diese in den „Stock Bottles“, also den traditionellen Apotheker-Fläschchen, zu 20 ml. Lediglich die Rescue-Tropfen werden zu 10 ml verkauft. Die Produkte der Firma Nelsons sind durch die aufgedruckte Signatur Bachs zu erkennen. Während sie in Großbritannien in jedem Supermarkt oder jeder Drogerie erhältlich sind, werden die „original“ Bach-Blüten in Deutschland nur über Apotheken oder spezielle Versandhäuser vertrieben, wodurch das Produkt natürlich durch den seriösen Verkaufsort Apotheke profitiert.

Das Sortiment wurde in den letzten Jahren sukzessive um Cremes, Globuli, Bonbons und Drops erweitert.

Obschon die Vorschrift, wo die Pflanzen zu pflücken sind, eine gewisse Monopolisierung der Herstellung garantieren sollte, sind auf dem Markt noch viele andere Hersteller vertreten. Weitere bekannte Marken sind „BB“ und „Miriana“. Mit den Essenzen der Firmen „Blütenfee“ und „Original Murnauer“ sind auch deutsche Anbieter auf dem Markt vertreten. Diese Essenzen werden dann auch beispielsweise auf Esoterikmessen oder in entsprechenden Läden angeboten. Zu den Blütenessenzen gibt es auch zahlreiches Zubehör wie spezielle Holzkästchen, Stock Bottles oder Pendel, um sich seine eigenen Essenzen auszupendeln. Bücher, CDs und DVDs sind in den Shops ebenfalls zu haben.

„Neue Blüten“

Bachs Methode fand rasch zahlreiche Nachahmer, die ebenfalls Blütenessenzen auf Basis seiner Theorie herstellten. Diese Essenzen findet man unter Beschreibungen wie „Remedies“, „Schwingungs-Remedies“, „Neue Bachblüten“, „Blütenmittel“, „Andere Essenzen“ oder „Neue Blüten“. Sehr bekannt sind die „Miriana Fortemflowers Californica“ (kalifornische Blüten) und in Deutschland die „Alpenblüten“. Mittlerweile gibt es aber auch schon „Steinessenzen“ oder „Kristallessenzen“. All jenen Präparaten ist gemein, dass sie sich auf Edward Bach und seine Methode berufen. Hauptabsatzmarkt sind das Internet und Esoterikmessen.

Da sich die von Bach erfundene Methode äußerst diffus auf „Schwingungen“ und „Intuition“ stützt und bereits die Wirksamkeit der „Original“-Essenzen nicht nachweisbar ist, ist es Nachahmern sehr einfach, sich hier anzuhängen. Besondere Aufmerksamkeit erregte beispielsweise eine Essenz, die zur Behebung der psychischen Folgen bei Kindesmissbrauch angewandt werden sollte. Nach starken Protesten wurde dieses Produkt vom Markt genommen.

Kosten und Risiken

Aufgrund ihrer nicht nachgewiesenen Wirksamkeit werden die Kosten einer Bach-Blütentherapie nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen, sie gehören also in den Bereich der individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Erstgespräch, Untersuchung und Beratung verursachen hier Kosten bis zu 200 Euro zzgl. der Kosten für die Essenzen selbst.

Problematisch ist, dass gerade bei Krankheiten und Beeinträchtigungen im psychischen Bereich mit den Bach-Blüten operiert wird und so leicht eine Therapieverschleppung stattfinden kann.

Schwere seelische Belastungen können auf Dauer zu körperlichen Beschwerden und Krankheiten führen. Hier kann es medizinisch sinnvoll sein, den Teufelskreis aus seelischen und körperlichen Beschwerden mit Hilfe von Medikamenten zu durchbrechen sowie den Ursachen auf den Grund zu gehen und diese nach Möglichkeit abzustellen.

Manche Menschen nehmen jedoch schon leichte Abweichungen vom seelischen Optimalzustand als behandlungsbedürftig wahr. Sie sehen Gefühle wie Angst, Lustlosigkeit, innere Unruhe, Stress und Ungeduld nicht als vorübergehende Zustände innerhalb eines normalen emotionalen Spektrums an, sondern eher als Vorboten schwerer Krankheiten. An diese Menschen richten sich viele Verfahren der Alternativmedizin, die mit beinahe oder vollkommen wirkstoff- und wirkungsfreien Präparaten oder Apparaturen Patienten, Ärzten und Heilpraktikern die Möglichkeit bieten, „heilerisch“ aktiv zu werden, ohne unmittelbare Nebenwirkungen befürchten zu müssen.

Problematisch ist auch, dass einige Therapeuten bei der Diagnostik auf esoterische Verfahren wie das Pendel oder die Astrologie zurückgreifen. Auch werden teilweise Tarotkarten mit den Abbildungen der Pflanzen eingesetzt.

Rechtliche Einordnung

In Deutschland gelten die Bach-Blütenessenzen nicht als Arzneimittel, da gemäß einer Entscheidung des OLG Hamm keinerlei medizinische Wirkung festzustellen ist. Somit gelten die Essenzen als Lebensmittel und dürfen nicht mit einer spezifischen Wirkungsaussage beworben werden.

Bachblüten sind keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel. Für diese darf nicht ausschließlich mit unspezifischen Gesundheitsaussagen geworben werden. Was erlaubt ist, regelt seit 2007 die Health-Claims-Verordnung. Sie hat das Ziel, Verbraucher in der EU vor irreführenden oder wissenschaftlich nicht belegten Angaben und irreführender Werbung zu gesundheitsfördernden oder krankheitsverhindernden Eigenschaften von Lebensmitteln zu schützen. Da es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben für Bachblüten gibt, kann es auch keine legale Werbung zu gesundheitlichen Effekten der umstrittenen Pflanzenteile geben. Nach dem Urteil der OLG-Richter suggerieren die beklagten Aussagen des Apothekers eine nicht nachgewiesene Wirksamkeit von Bach-Blüten in Angstsituationen oder bei emotionalen Herausforderungen. Diese Behauptung wäre nur dann statthaft, wenn belegte spezifische Aussagen zu Bachblüten in der Health-Claims-Verordnung aufgelistet wären.

Diese Einordnung als Lebensmittel stellt die Anbieter der Bach-Blütentherapie auch vor rechtliche Probleme im Hinblick auf die Bewerbung der Blütenessenzen: Unzulässig wäre beispielsweise folgende Aussage: „Die Bachblüten-Therapie wird für die Behandlungen von körperlichen oder seelischen Erkrankungen angewendet. Sie ist eine Hilfe in besonderen Lebenslagen, in denen Ihre Seelenkräfte eine Stärkung brauchen.“ Hieran würde auch die Formulierung „kann helfen …“ nichts ändern. Denn auch dann würde bei den angesprochenen Personen der Eindruck erweckt werden, es könne eine Heilung erwartet werden.

Die Bach-Blütentherapie gehört auch nicht zu den „Besonderen Therapierichtungen“ gemäß §109a Arzneimittelgesetz (AMG).

Hier noch eine Aktualisierung zum Thema „Rescue-Tropfen“:

Resuce-Tropfen. Nä? Auch so eine Sache. Nä? Kennt ihr ja sicherlich. Nä? Ja genau, wenn Tantchen Hildegard der Kuchen nicht gelingt, der Dackel dauernd bellt, Onkel Friedhelm wieder nervt und auch sonst ihr alles zuviel wird, dann pfeift sie sich ein Löffelchen Rescue-Troppe rein. Manchmal nennt sie sie auch Notfall-Tropfen, ist aber immer das Gleiche. Auf der Homepage des Herstellers liest sich das dann so: Rescue-Tropfen können Ihnen zu emotionaler Stabilität verhelfen und Sie beruhigen. Egal ob ein wilder Montagmorgen mit den Kindern, die sich nicht anziehen wollen oder der Tag einer wichtigen Prüfung – was auch immer Sie erwartet, mit der einzigartigen Original Bach-Blütenmischung aus fünf Bach-Blütenessenzen bleiben Sie entspannt und gelassener.

Edward Bach, der Erfinder der Bach-Blütenessenzen (nein, die haben absolut nichts mit malerischen Bergbächlein zu tun, der Name kommt vom Erfinder), hat sich diese speziell für solche „archetypischen Reaktionsmuster“, wie er das nannte, ausgedacht. Was hinter Bachs Blütenessenzen steckt, könnt ihr hier und hier nachlesen. Ich verrate euch aber schon mal das Fazit: nix. Nix ist dran.

Die Resuce-Tropfen werden aus fünf Bach-Blütenessenzen zusammengemischt: Cherry-Plum, Clematis, Impatiens, Rock Rose und Star of Bethlehem. Schon klangvolle Namen, aber die Blümken heißen nunmal so und Rock Rose oder Star of Bethlehem ist doch nochmal schicker als Gelbes Sonnenröschen oder Doldiger Milchstern. Das Zeugs gibt es nicht nur als Tropfen, sondern auch als Globuli, als Lutschpastillen, als Spray oder Kaugummi. Aber allenthalben wird darauf hingewiesen, dass die Einnahme der Rescue-Mittel keine Bach-Blütentherapie ersetzt. Am besten kauft man sich gleich den großen Setzkasten mit allen Mittelchen, damit man da frisch, fromm, fröhlich, frei rummischen kann. Das liest sich dann auf einer Verkäufer-Homepage so: Die Notfalltropfen sind eher als Akutmittel für besondere Bedürfnisse und eine eher kurzfristige Anwendung gedacht. Jeder Mensch ist ein Individuum mit ganz persönlichen seelischen Strukturen und Erfahrungen. Daraus resultieren auch ganz spezielle Bedürfnisse in Bezug auf die Bachblüten, die die Gefühlswelt optimal ins Gleichgewicht bringen und dem Menschen in seiner gegenwärtigen Situation am meisten Kraft, Halt und Ordnung geben können. Sehr lyrisch.

Ein gutes Geschäft sind die Rescue-Mittel durch den hohen Bekanntheitsgrad allemal und, seien wir doch mal ehrlich, das Versprechen, dass mit ein paar Tröpfchen/Lutschpastillen/Kaugummis alles wieder gut wird, ist doch auch verlockend.

Aber man muss immer bedenken, dass die Mittelchen des Herrn Dr. Bach immerhin nicht als Arzneimittel gelten. Jaja, ihr habt richtig gehört. Auch wenn die Tröppekens in der Apotheke verkauft werden, rein rechtlich gelten sie nicht als Arzneimittel, sondern als *Trommelwirbel* Lebensmittel. Und wer als Hersteller von Lebenssmitteln mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben möchte, ja der muss besonders aufpassen, denn da können die Verbraucherschützer der EU echte Kniebohrer sein. Bei den Rescue-Tropfen ist es halt so, dass hier schon der gesamte Name eine gesundheitliche Wirkung verspricht.

Nun, ihr wisst ja, dass in der heutigen Zeit immer irgendwo jemand sitzt, der „KLAGE!“ brüllt, und man ist schneller vor dem Kadi, als man Supercalifragilistischexpealigetisch sagen kann. In unserem Fall fanden sich die Hersteller der Rescue-Tropfen vor dem Europäischen Gerichtshof wieder. Geklagt hatte ein Mitbewerber, zuerst vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, der die Entscheidung aber an den Europäischen Gerichtshof weiterleitete, denn die Fragestellung war dann doch recht komplex. Schauen wir uns die ganze Geschichte mal genau an.

Also, die Rescue-Tropfen werden von der Firma Nelsons unter dem Label „Original Bach-Blüten“ als „Original Rescue Tropfen“ vertrieben. Zwei Tochterfirmen des britischen Mitbewerbers Ayonnax Nutripharm war das ein Dorn im Auge, denn ihrer Meinung nach implizierte schon der Name eine gesundheitliche Aussage. Also wurde geklagt.

Die Briten wollten erreichen, dass eine Umbenennung stattfindet oder die Tropfen als Arzneimittel zugelassen werden. Nun stellte sich für die Karlsruher Richter die Frage, ob hier für sie ein Handlungsbedarf besteht, und schoben die Frage weiter an ihre EU-Kollegen. Apotheke Adhoc schrieb dazu: Der EuGH soll klären, ob Bachblütenprodukte unter der Marke Rescue vertrieben werden dürfen. Variante A: Aufgrund des hohen Alkoholgehalts sind die Produkte schlichtweg als „Schnaps“ einzustufen. Dann dürften sie gar keinen Eindruck einer positiven Wirkung auf die Gesundheit erwecken. Variante B: Die Rauschwirkung ist zu vernachlässigen – dann wäre die Frage zu klären, ob die Marke „Rescue“ als gesundheitsbezogene Aussage einzustufen und als solche zulässig ist.

Als ob das nicht reicht, gab es das Produkt unter dem Namen „Rescue Tropfen“ schon vor 2005, als die EU-Lebensmittelverordnung in Kraft trat. Bis dahin waren die Troppen nämlich noch Arzneimittel. Und in dieser Verordnung ist ein Bestandsschutz bis zum Jahre 2022 enthalten.

Kompliziert, nicht? Es ist aber auch unfair, da kommt diese doofe EU an und verlangt tatsächlich, dass gesundheitsbezogene Aussagen wissenschaftlich belegt sein müssen. Und mit wissenschaftlichen Belegen haben es unsere Freunde von der Alternativmedizin ja nun nicht so.

Aber schauen wir uns einmal an, was der Europäische Gerichtshof in Luxemburg so entschieden hat. Also erstmal sind die Bach-Blüten kein Schnaps, trotz 27 Volumenprozent Alkohol. Aber die Mengen, die aufgenommen werden, zu gering sind, um eine berauschende Wirkung zu zeigen. Noch nicht mal das gönnt einem der olle Bach.

Der Begriff „Rescue“ ist in den Augen der Richter tatsächlich eine gesundheitsbezogene Aussage, wenn auch unspezifisch. Da das Produkt allerdings mit der gleichen Rezeptur und dem gleichen Handelsnamen bereits vor 2005 vertrieben wurde, fällt es unter den Bestandsschutz bis 2022.

Der juristische Newsletter „meyer news“ fasst es in feinstem Juristendeutsch folgendermaßen zusammen: Der EuGH entschied nun, dass das Markenprivileg des Art. 28 Abs. 2 auf ein mit einer Handelsmarke oder einem Markennamen versehenes Lebensmittel anwendbar sei, das vor dem 1.1.2005 als Arzneimittel und danach – mit den gleichen materiellen Eigenschaften und unter derselben Handelsmarke oder demselben Markennamen – als Lebensmittel vermarktet wurde; wobei hier wohl maßgeblich war, dass die streitgegenständlichen Präparate sowohl während des für Art. 28 Abs. 2 HCVO maßgebenden Zeitraums, d. h. vor dem 1.1.2005, als auch heute Lebensmittel im Sinne der HCVO waren und sind, wie zuvor gerichtlich festgestellt wurde.

Also haben die Kläger im Prinzip schon gewonnen, aber auch wieder nicht. Nunja, die beklagte Firma Nelsons hat sich nun dafür entschieden, den 135. Geburtstag von Eddie äääh Edward Bach 2021 dazu zu nutzen, bereits ein Jahr früher die Rescue-Tropfen umzubenennen. Um einen alten Werbespruch zu beanspruchen: „Aus Rescue wird Rescura – Sonst ändert sich nix“. Rescura. Ist ja mal seeeeeeeehr einfallsreich. Und damit rühren’s die Werbetrommel wie die Wilden. Naja. Wenn’s meinen.

Aber das war nicht die erste Auseinandersetzung um die Thematik. 2013 wurde vom „Verband Sozialer Wettbewerb“ ein Apotheker aus Rheda-Wiedenbrück verklagt, weil der in seiner Werbung gesundheitsbezogene Aussagen machte. Apotheke Adhoc schreibt dazu: Zur Original Bachblütenmischung hieß es etwa: „Gelassen und stark durch den Tag“. Das Präparat werde „von Verbrauchern in über 45 Ländern in emotional aufregenden Situationen wie z.B. einer Flugreise, einer Prüfung, einem Zahnarzttermin … verwendet“. Rescue-Tropfen würden „gerne in emotional aufregenden Situationen, z.B. im Job, verwendet“, die Blütenessenzen könnten „uns unterstützen, emotionalen Herausforderungen zu begegnen“.

Das Oberlandesgericht in Hamm gab dem klagenden Verband Recht, die getätigten Aussagen verstießen gegen die entsprechende Verordnung. Apotheke Adhoc: Die beworbenen Produkte zielen laut OLG nicht nur auf das allgemeine Wohlbefinden ab, sondern versprechen – auch wenn die Wirksamkeit nicht empirisch belegt sei – einen gesundheitlichen Effekt: Nach der Lehre des britischen Arztes Dr. Edward Bach solle körperlichen Krankheiten durch Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts entgegengewirkt werden.

Personen mit den aufgezählten Angstzuständen befänden sich nicht mehr in einem seelischen Gleichgewicht und seien in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Für die Überwindung derartiger Ängste böten Ärzte und Psychotherapeuten sogar spezielle Therapieprogramme an.

Die Werbeaussage unterscheide sich von Claims wie etwa „so fühl ich mich wohl-Kaugummi“, „Gute Laune Drops“ oder „Trostschokolade“. Hier werde lediglich das allgemeine Wohlbefinden des Verbrauchers – unterhalb der Schwelle einer Störung des seelischen Gleichgewichts – angesprochen. Bei der Bachblütenwerbung werde dagegen schon durch die Art der Verpackung (Pipettenfläschchen) eine medikamentenähnliche Wirkweise suggeriert.

Tja, wie man es dreht und wendet, die Bach-Blüten beruhen nun einmal auf einem esoterischen Konzept, da hilft auch noch soviel Werbung nicht.