Abstract
Der Beitrag zeichnet in diachroner Perspektive die Besiedlungsgeschichte der südlichen Levante nach, mit besonderem Fokus auf dem Gebiet des heutigen Staates Israel von den frühesten homininen Präsenzspuren bis in die Gegenwart. Auf Grundlage archäologischer, naturwissenschaftlicher und historischer Forschung werden die wichtigsten Kulturphasen, Bevölkerungsgruppen und Siedlungsmuster rekonstruiert, ohne gegenwärtige politische Deutungsmuster zu übernehmen oder zu bewerten. Im Zentrum stehen die Übergänge von mobilen Jäger‑Sammler‑Gesellschaften zu sesshaften Bauerngesellschaften, die Herausbildung städtischer Zentren und Staatswesen sowie langfristige Kontinuitäts‑ und Transformationsprozesse in der Bevölkerungsstruktur. Der Beitrag versteht die Region dabei als eine durchgängig bewohnte Kontakt‑ und Durchgangszone, in der sich Migration, Akkulturation und politische Herrschaftswechsel überlagern, anstatt sich in klar voneinander getrennten „Bevölkerungswechseln“ fassen zu lassen.
Einleitung
Die südliche Levante, insbesondere das Gebiet des heutigen Israel, gehört zu den am längsten kontinuierlich bewohnten Regionen der Erde. Ihre Lage an der Schnittstelle von Afrika, Asien und Europa machte sie zu einer Art „Drehscheibe“ zwischen Nil, Mesopotamien und Mittelmeer und damit zu einem zentralen Durchzugs‑ und Kontaktgebiet für Migrationen, Warenaustausch und kulturelle Innovationen. Schon früh zog die Region nicht nur Händler und Heere an, sondern auch neue Ideen, Technologien und religiöse Vorstellungen, die sich in materieller Kultur und Siedlungsmustern niederschlagen.
Die Rekonstruktion dieser vielschichtigen Besiedlungsgeschichte stützt sich auf ein breites Bündel von Methoden: archäologische Stratigraphien und Keramikchronologien, Radiokarbon‑Datierungen, Siedlungssurveys und geoarchäologische Studien, dazu linguistische Analysen, epigraphische Funde und schriftliche Quellen aus den Nachbarreichen und aus dem Land selbst. Der vorliegende Beitrag folgt einer diachronen Gliederung von der Altsteinzeit bis zur Gegenwart und konzentriert sich auf historische und archäologische Befunde, ohne diese in aktuelle politische Kontroversen einzubetten oder normativ zu bewerten.
1. Früheste Besiedlung und Paläolithikum
Die frühesten Spuren homininer Präsenz im Levante‑Raum reichen in das Frühpaläolithikum zurück und werden in der Regel auf etwa 1,5–1,2 Millionen Jahre vor heute datiert. Steinwerkzeuge des Acheuléen aus dem Jordantal und anderen Fundplätzen dokumentieren die Anwesenheit von Frühformen des Homo erectus und verwandten Populationen entlang der Wanderkorridore zwischen Afrika und Eurasien. Die südliche Levante fungiert in dieser Phase als eine Art „Brückenkopf“ zwischen Kontinenten, in dem sich Durchzugs‑ und Aufenthaltsphasen überlagern.
Im Mittelpaläolithikum ist die Region durch Mousterien‑Industrien gekennzeichnet, die sowohl mit Neandertalern als auch mit frühen anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) verbunden sind. Der Siedlungsmodus bleibt überwiegend mobil: Höhlen und Freilandstationen werden saisonal genutzt, Jagd und Sammelwirtschaft bestimmen den Alltag. Das Obere Paläolithikum (ca. 50.000–13.000 v. Chr.) bringt mit Emiran‑ und Ahmarian‑Kulturen charakteristische Klingenindustrien und eine weitere Verbreitung moderner Menschen im östlichen Mittelmeerraum.
Im anschließenden Epipaläolithikum stehen Kulturen wie Kebaran (ca. 23.000–15.000 v. Chr.) und Mushabian (ca. 14.000–12.500 v. Chr.) für hochmobile Jäger‑Sammler‑Gruppen mit verfeinerten Mikrolith‑Technologien. Diese Traditionen bilden den unmittelbaren Hintergrund für den Übergang zu stärker sesshaften Lebensweisen im Spätpleistozän, ohne dass die älteren mobilen Strategien völlig verschwinden würden.
2. Natufien, Neolithikum und Chalcolithikum
Die Natufien‑Kultur (ca. 12.500–9.500 v. Chr.) markiert eine grundlegende Zäsur in der Siedlungsgeschichte der Levante. Sie gilt als eine der frühesten semi‑sesshaften Jäger‑Sammler‑Kulturen weltweit, mit dauerhaft oder langfristig genutzten Siedlungen, Steinarchitektur und strukturierten Bestattungssitten. Archäobotanische Befunde belegen eine intensive Nutzung wild wachsender Getreide, sodass die Natufien‑Kultur in der Forschung häufig als „Schwelle“ zur neolithischen Landwirtschaft interpretiert wird.
Auf dieser Basis entstehen im Präkeramischen Neolithikum A und B (PPNA/PPNB) dörfliche Gemeinschaften mit agrarischer Subsistenz. Sesshafte Bauern kultivieren Getreide und halten Vieh; rechteckige Architekturformen, größere Siedlungen und überregionale Interaktionszonen treten hervor und verändern Landschaft und Alltagsleben nachhaltig. Die Yarmukien‑Kultur (ca. 6400–6000 v. Chr.) stellt im südlichen Levante‑Gebiet eine der frühesten keramikführenden Kulturen dar, mit großen Siedlungen und spezialisierter Töpferei; Fundplätze wie Tel Motza dokumentieren eine dichte neolithische Besiedlung im Gebiet des heutigen Israel zwischen etwa 6000 und 5000 v. Chr.
Im Chalcolithikum (Kupferzeit) treten erstmals Metallverarbeitung, zunehmende soziale Differenzierung und komplexere regionale Netzwerke deutlich hervor. Die Siedlungslandschaft verdichtet sich, Handelsbeziehungen verknüpfen die Dörfer der Levante enger mit benachbarten Räumen, ohne dass bereits politische Großreiche entstehen. Vielmehr ist die Region von kleinteiligen, aber gut vernetzten Gemeinschaften geprägt, in denen technische Innovationen und soziale Hierarchisierung erkennbar zunehmen.
3. Bronzezeit: Urbanisierung und kanaanäische Stadtstaaten
Mit Beginn der Bronzezeit (ca. 3300–1200 v. Chr.) setzt in der südlichen Levante ein ausgeprägter Urbanisierungsprozess ein. Befestigte Stadtstaaten mit Palästen, Tempeln und Verwaltungsstrukturen entstehen, etwa an Plätzen wie Hazor und Tel Kabri. Hazor entwickelt sich zu einem der größten Zentren Kanaans mit mehreren Zehntausend Einwohnern in der Mittel‑ und Spätbronzezeit und kontrolliert weite Teile des Umlandes.
Die Bevölkerung der Region ist überwiegend semitischsprachig; semitische Bevölkerungsgruppen breiten sich um das 3. Jahrtausend v. Chr. in mehreren Wellen nach Syrien‑Palästina aus. Unter dem Sammelbegriff „Kanaaniter“ fasst die Forschung eine Vielzahl von Stadtstaaten und ländlichen Gemeinschaften zusammen, die sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten aufweisen, ohne eine einheitliche politische Entität zu bilden. Zu diesen Gruppen zählen unter anderem die Jebusiter im Raum Jerusalem.
In der Spätbronzezeit gewinnt die Region durch ihre Lage im Spannungsfeld zwischen Ägypten, Anatolien und Mesopotamien erhebliche geopolitische Bedeutung. Zugleich führen interne Krisen und externe Einflüsse am Übergang zum 12. Jahrhundert v. Chr. zum Zusammenbruch vieler etablierter Zentren und zu tiefgreifenden Umbrüchen in der Siedlungsstruktur.
4. Späte Bronzezeit und Eisenzeit: Philister, Israel und Juda
Die sogenannten Seevölker‑Bewegungen des 12. Jahrhunderts v. Chr. bringen neue Bevölkerungsgruppen an die Küsten der südlichen Levante. Unter ihnen sind die in Texten und Archäologie fassbaren Philister hervorzuheben, die mit charakteristischer materieller Kultur in der klassischen Pentapolis Gaza, Aschkelon, Aschdod, Ekron und Gat auftreten. Küstenstädte werden so zu Kontaktzonen zwischen lokalen Traditionen und Einflüssen aus dem ägäischen Raum.
Parallel dazu entwickeln sich im Binnenland kleinteilige Stammesverbände, die archäologisch als frühisraelitische Gruppen identifiziert werden. Sie sind vor allem durch ländliche Siedlungen im Bergland, spezifische Keramiktraditionen und Hausformen nachweisbar und werden mit den in späteren Texten überlieferten „Israeliten“ in Beziehung gesetzt. Um 1000 v. Chr. formen sich aus diesen Verbänden die Königreiche Israel (Nordreich) und Juda (Südreich); die konkrete Ausgestaltung der Frühmonarchie (Saul, David, Salomo) ist dabei in der Forschung intensiv diskutiert und bleibt in Teilen umstritten.
Die Teilung in Nord‑ und Südreich wird in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts v. Chr. datiert. 722 v. Chr. erobert das Neuassyrische Reich das Nordreich Israel, was mit Deportationen und einer Umgestaltung der Provinzlandschaft einhergeht. Juda besteht zunächst fort, erlebt jedoch 587/586 v. Chr. mit der babylonischen Eroberung Jerusalems, der Zerstörung des Tempels und Exilierungsmaßnahmen eine tiefgreifende politische und demografische Zäsur.
5. Persische, hellenistische und römische Herrschaft
Nach der Einnahme Babylons durch Kyros II. (539 v. Chr.) wird die Levante Teil des Achämenidenreiches und in die Satrapie Abar‑Nahara („jenseits des Euphrat“) eingebunden. Die Provinz Yehud (Judäa) weist im Vergleich zur späten Eisenzeit eine geringere Bevölkerungsdichte auf; neben rückkehrenden Judäern leben Samaritaner, Aramäer, Phönizier und Idumäer in der Region, Aramäisch fungiert als Verwaltungssprache.
Mit der Eroberung durch Alexander den Großen (332 v. Chr.) beginnt die hellenistische Epoche. Das Gebiet fällt zunächst an die Ptolemäer, später an die Seleukiden; griechisch‑makedonische Eliten prägen die städtische Oberschicht, während die ländliche Bevölkerung mehrheitlich aus Judäern, Samaritern und weiteren lokalen Gruppen besteht. Prozesse der Hellenisierung konzentrieren sich vor allem auf Städte wie Caesarea und Sebaste, während religiöse und soziale Spannungen schließlich im Makkabäeraufstand (167–160 v. Chr.) und der Etablierung des hasmonäischen Reiches gipfeln.
63 v. Chr. wird das Gebiet durch Pompeius in das Römische Reich eingegliedert; ab 6 n. Chr. besteht die Provinz Judaea. Die Bevölkerungsstruktur umfasst Juden (bis 70 n. Chr. größte Gruppe), Samaritaner, griechisch‑römische Bevölkerungsanteile in Städten, Idumäer, Nabataeer sowie römische Militär‑ und Verwaltungspersonen. Die Zerstörung Jerusalems im Jüdischen Krieg (66–70 n. Chr.) und der Bar‑Kochba‑Aufstand (132–135 n. Chr.) führen zu erheblichen demografischen Verlusten, zur Umbenennung der Provinz in „Syria Palaestina“ und zu einer verstärkten Diasporisierung der jüdischen Bevölkerung, ohne dass diese vollständig verschwindet.
6. Spätantike und frühe islamische Zeit
In der byzantinischen Epoche (324–638) ist die Region in das christlich geprägte Oströmische Reich eingebunden. Jerusalem gewinnt zentrale Bedeutung als christliches Pilgerzentrum, während Juden als Minderheit vor allem in Galiläa und einigen Städten leben; Samaritaner stellen in bestimmten Regionen eine zahlenmäßig relevante Gruppe, erleiden aber im Zuge mehrerer Aufstände schwere Verluste.
Die Einnahme Jerusalems durch Truppen des Kalifen ʿUmar ibn al‑Chattāb 638 n. Chr. markiert den Beginn der arabisch‑muslimischen Herrschaft. Arabische Muslime dominieren fortan Verwaltung und Militär, doch bleiben arabischsprachige Christen, Juden und Samaritaner in der Region präsent. Islamisierung und Arabisierung vollziehen sich über mehrere Jahrhunderte und werden in der Forschung eher als Prozess kultureller Transformation denn als ethnische Verdrängung beschrieben.
7. Kreuzfahrerzeit, Mamluken und Osmanen
Die Eroberung Jerusalems durch Kreuzfahrer 1099 und die Errichtung des Königreichs Jerusalem bringen eine neue herrschende Schicht aus lateinischen Christen hervor. Diese bilden jedoch nur eine zahlenmäßig geringe Elite, während die überwiegende Bevölkerung weiterhin aus einheimischen muslimischen, östlich‑christlichen und jüdischen Gruppen besteht.
Mit der mamlukischen Herrschaft (1291–1517) wird die Region in ein von Ägypten aus gesteuertes militärisches System integriert. Städte wie Jerusalem, Gaza und Safed fungieren als wichtige Zentren; die Bevölkerungsmehrheit besteht aus arabischsprachigen Muslimen, ergänzt durch christliche und jüdische Gemeinden, etwa in Jerusalem und Safed.
1517 wird das Gebiet in das Osmanische Reich eingegliedert und verwaltungsmäßig den Provinzen Damaskus und Sidon zugeordnet. Die Bevölkerung zwischen 16. und 19. Jahrhundert ist überwiegend arabischsprachig und muslimisch; daneben existieren arabische Christen, alteingesessene jüdische Gemeinden (einschließlich sephardischer Zuwanderer nach 1492) und Beduinengruppen. Neuere GIS‑gestützte Studien schätzen die Bevölkerung des späten 19. Jahrhunderts auf etwa 335.000–375.000 Personen innerhalb des osmanischen Palästina, mit einer klaren muslimischen Mehrheit und kleineren christlichen und jüdischen Minderheiten.
8. Moderne Zeit und Gegenwart
Seit den 1880er Jahren setzt eine neue Phase jüdischer Migration aus Europa und dem Nahen Osten ein, die sogenannten ersten Aliyot. Diese Einwanderung führt zu einem raschen demografischen Wandel, sichtbar in Landkäufen, der Gründung neuer landwirtschaftlicher Siedlungen und der Expansion städtischer Zentren. Unter dem britischen Mandat (1917–1948) wächst sowohl die arabische als auch die jüdische Bevölkerung, begleitet von zunehmenden ethnisch‑politischen Spannungen.
Die Staatsgründung Israels 1948 stellt eine grundlegende Zäsur dar: Ein erheblicher Teil der arabisch‑palästinensischen Bevölkerung verlässt das Gebiet oder wird vertrieben, während gleichzeitig eine massive jüdische Zuwanderung aus Europa und arabischen Ländern einsetzt. Die heutige Bevölkerung umfasst Juden unterschiedlicher Herkunft, palästinensische Araber (Muslime und Christen), Drusen, Beduinen sowie weitere Minderheiten und Arbeitsmigranten. In der Forschung wird vielfach davon ausgegangen, dass die heutige arabischsprachige Bevölkerung zu großen Teilen auf Kontinuitäten spätantiker und mittelalterlicher Bewohner zurückgeht, während die jüdische Bevölkerung eine Kombination aus lokaler Kontinuität und neuzeitlicher Migration darstellt.
9. Methoden und Forschungsstand
Die Besiedlungsgeschichte der Levante wird durch ein breites Spektrum an Methoden erschlossen. Archäologische Stratigraphien, Keramik‑Typochronologien, Radiokarbon‑Datierungen, Siedlungssurveys und geoarchäologische Untersuchungen bilden die Basis für die zeitliche und räumliche Einordnung von Fundplätzen. Hinzu kommen anthropologische und archäogenetische Studien, die Einblicke in Bevölkerungsdynamiken und Verwandtschaftsverhältnisse liefern, sowie linguistische Analysen und epigraphische Funde, die Sprachräume und politische Strukturen beleuchten.
Für historische Epochen stehen Texte aus Ägypten, Mesopotamien, der griechisch‑römischen Welt, rabbinische Literatur, patristische und islamische Quellen sowie Verwaltungsdokumente zur Verfügung. Neuere demografische Studien nutzen GIS‑basierte Modellierungen und historische Karten, um Siedlungsdichten insbesondere für die osmanische Zeit quantitativ zu erfassen. Die Zuordnung archäologischer Kulturen zu ethnischen Kategorien (etwa „Kanaaniter“, „Israeliten“, „Philister“) bleibt interpretativ und beruht auf der Kombination materieller, sprachlicher und textlicher Indikatoren.
10. Fazit
Die Besiedlungsgeschichte der südlichen Levante und des Gebietes des heutigen Israel zeigt eine bemerkenswerte longue durée – von der frühen Homininenpräsenz über neolithische Bauernkulturen, bronzezeitliche Stadtstaaten und eisenzeitliche Monarchien bis zu den komplexen Bevölkerungsstrukturen der Moderne. Die Region war nahezu durchgängig bewohnt; statt klarer „Bevölkerungswechsel“ lassen sich eher schrittweise Transformationen, Überlagerungen und Re‑Konfigurationen von Gruppen beobachten. Gegenwärtige demografische Verhältnisse sind Ergebnis dieser vielschichtigen Prozesse und können nur vor dem Hintergrund der langen Siedlungsgeschichte angemessen verstanden werden.
Hier ist eine übersichtliche Tabelle der wichtigsten Bevölkerungsgruppen im Gebiet des heutigen Israel im zeitlichen Verlauf:
Bevölkerungsgruppen in der südlichen Levante / Israel – chronologische Übersicht
| Bevölkerungsgruppe | Ankunft / erste Erwähnung | Abgang / Ende der Präsenz | Bemerkungen |
| Homo erectus / Frühmenschen | ca. 1,5–1,2 Mio. Jahre v.h. | ca. 200.000 v. Chr. | Frühpaläolithikum, mobile Jäger-Sammler |
| Neandertaler | ca. 200.000 v. Chr. | ca. 40.000 v. Chr. | Mittelpaläolithikum, Höhlen und Freilandstationen |
| Homo sapiens (anatomisch moderne Menschen) | ca. 100.000 v. Chr. | bis heute | Durchgängige Präsenz mit kulturellen Wandlungen |
| Natufien-Kultur | ca. 12.500 v. Chr. | ca. 9.500 v. Chr. | Erste semi-sesshafte Jäger-Sammler |
| Neolithische Bauern (PPNA/PPNB, Yarmukien) | ca. 9.500 v. Chr. | ca. 4.500 v. Chr. | Übergang zu Ackerbau und Viehzucht |
| Kanaaniter | ca. 3.300 v. Chr. (Frühe Bronzezeit) | ca. 1200 v. Chr. (Zusammenbruch) | Semitischsprachige Stadtstaaten, z.B. Hazor, Jebusiter |
| Amoriter | ca. 2.500 v. Chr. | ca. 1200 v. Chr. | Semitische Gruppen, Teil der kanaanäischen Kultur |
| Philister | ca. 1200–1180 v. Chr. | ca. 604–586 v. Chr. (Babylonier) | „Seevölker“ aus dem ägäischen Raum, Pentapolis (Gaza, Aschkelon, Aschdod, Ekron, Gat) |
| Israeliten | ca. 1200 v. Chr. (Früheisenzeit) | bis heute | Stammesverbände im Bergland, später Königreiche Israel und Juda |
| Phönizier | ca. 1200 v. Chr. | ca. 332 v. Chr. (Alexander) | Küstenstädte (Tyros, Sidon), Seefahrer und Händler |
| Aramäer | ca. 1100 v. Chr. | ca. 700 v. Chr. (assyrische Eroberung) | Nordöstliche Nachbarn, Aramäisch als Verkehrssprache |
| Assyrer | 722 v. Chr. (Eroberung Nordreich) | 609 v. Chr. (Fall Assyriens) | Deportationen, Provinzverwaltung |
| Babylonier | 597/587 v. Chr. | 539 v. Chr. (Perser) | Zerstörung Jerusalems, Exil |
| Edomiter / Idumäer | ca. 587 v. Chr. (Einwanderung nach Südjudäa) | 2. Jh. n. Chr. | Ursprünglich Ostjordanland, später Negev und Südjudäa |
| Samaritaner | ca. 722 v. Chr. (nach Fall Israels) | bis heute (kleine Gemeinde) | Mischbevölkerung aus Israeliten und anderen Gruppen, eigener Kult |
| Perser | 539 v. Chr. (Kyros II.) | 332 v. Chr. (Alexander) | Satrapie Abar-Nahara, Provinz Yehud |
| Nabatäer | ca. 6. Jh. v. Chr. | 106 n. Chr. (röm. Annexion) | Arabisches Volk, Petra, Kontrolle Handelsrouten |
| Griechen / Makedonen | 332 v. Chr. (Alexander) | 63 v. Chr. (Pompeius) | Hellenistische Städte, Oberschicht |
| Hasmonäer | 167–160 v. Chr. (Aufstand) | 63 v. Chr. (römische Eroberung) | Jüdisches Königreich nach Makkabäeraufstand |
| Römer | 63 v. Chr. (Pompeius) | 324 n. Chr. (Byzanz) | Provinz Judaea, später Syria Palaestina |
| Juden (nach Tempelzerstörung) | Kontinuität, aber Diaspora ab 70/135 n. Chr. | bis heute | Minderheit in byzantinischer und islamischer Zeit, Neuzuwanderung ab 19. Jh. |
| Byzantiner / Oströmisches Reich | 324 n. Chr. | 638 n. Chr. (arabische Eroberung) | Christliche Mehrheit, Jerusalem als Pilgerzentrum |
| Araber (muslimische und christliche) | 638 n. Chr. (Eroberung Jerusalems) | bis heute | Islamisierung und Arabisierung über Jahrhunderte |
| Kreuzfahrer | 1099 (Eroberung Jerusalems) | 1291 (Fall Akkos) | Lateinische Christen, zahlenmäßig kleine Elite |
| Mamluken | 1291 | 1517 (osmanische Eroberung) | Ägyptisch-militärische Herrschaft |
| Osmanen | 1517 | 1917 (britisches Mandat) | Türkisch-muslimische Verwaltung |
| Juden (Aliyot) | ab ca. 1880er | bis heute | Massive Einwanderung aus Europa und arabischen Ländern |
| Palästinensische Araber | Kontinuität aus osmanischer Zeit | Teilweise 1948 bis heute | Muslime und Christen, Kontinuität zu spätantiken/mittelalterlichen Bewohnern |
| Briten | 1917 (Mandatsgebiet) | 1948 (Staatsgründung Israel) | Mandatsverwaltung |
| Drusen | Mittelalterliche Einwanderung | bis heute | Religiöse Minderheit, überwiegend im Norden |
| Beduinen | Kontinuität seit Spätantike | bis heute | Nomadische und semi-nomadische arabische Gruppen |
Legende:
- „bis heute“ = Gruppe ist in veränderter oder kontinuierlicher Form weiterhin präsent
- Zeitangaben sind Näherungswerte und in der Forschung teilweise umstritten
- Viele Gruppen überlappen zeitlich und räumlich
Die Tabelle zeigt, dass die Region durchgängig bewohnt war und sich die Bevölkerungsstruktur eher durch Überlagerung, Akkulturation und schrittweise Transformation als durch vollständige Bevölkerungswechsel veränderte.
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