Es mag jetzt gut 30 Jahre her sein, dass mein Freund Ivan und ich uns einen Vortrag von Erich von Däniken anhörten. Wenn in unserem Kaff hier schon mal was geboten wurde, musste man sich das ja mal anschauen. Dänikens Bücher hatten wir beide gelesen, jedenfalls die ersten beiden, aber eher als Science-Fiction-Roman, denn als Sachbücher. Mit den Thesen konnten wir nicht viel anfangen, aber sei’s drum, wir sind da hin gewallt und haben uns den Vortrag angehört. Es gab keine großen Überraschungen. Im Großen und Ganzen war es die einige Jahre vorher bei Sat 1 gelaufene Serie „Auf den Spuren der All-Mächtigen“ in Vortragsform komprimiert. Aber wir wurden gut unterhalten. Däniken war ein hervorragender und mitreißender Erzähler, das muss man ihm lassen. Wir haben für unser Geld jedenfalls einiges geboten bekommen.
Nach dem Vortrag ging der „Run“ auf den armen Kerl los. Bücher signieren, Fotos, Autogramme. Naja, wir wollten das alle nicht und besuchten stattdessen das Restaurant des Vortragslokals und schon uns eines der herrlichen Steaks hinter die Kiemen, die ich heute sehr vermisse.
Irgendwann ging die Tür zum Veranstaltungssaal auf und Däniken stand im Restaurant. „Jungs, ihr wart doch auch bei mir im Vortrag, wie hat es euch denn gefallen?“ So oder ähnlich begann er das Gespräch und setzte sich kurzerhand zu uns. Naja, was will ich sagen? Däniken war ein wirklich netter, unprätentiöser Mensch, der herrlich erzählen konnte. Interessant dabei ist, dass wir uns kaum über seine prä-astronautischen Thesen unterhielten. Viel mehr erzählte er von seiner Zeit auf einem Kreuzfahrtschiff, wo er als Steward und Barkeeper angeheuert hatte oder von seiner Zeit als Hotelier und von den Ländern (und besonders deren Küche), die er alle besucht hatte. Irgendwann kamen wir auf gute Spirituosen zu sprechen (vom Thema Barkeeper war das kein großer Sprung) und Däniken glänzte mit breitem Fachwissen. Er bestellte auch einige gute Tropfen aus den Kellern des Restaurants. Ach, was soll ich die Sache beschönigen? Wir haben uns achtarmig einen auf die Lampe georgelt. Und Däniken erzählte und erzählte. Es war einfach herrlich.
Wann uns der Wirt dann letztendlich vor die Tür gesetzt hat, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass „der Erich“ sich wortreich von uns verabschiedete und wir uns für die Einladung bedankten. Wie ich dann nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr genau, aber irgendwie habe ich es geschafft.
Tja, und jetzt ist er tot, der Erich. Seine Thesen über antike Götter sind natürlich als unwissenschaftlich abzulehnen, aber auf der persönlichen Ebene kann ich nur sagen, dass er ein verdammt netter Kerl und guter Unterhalter war.
Oh das ist interessant zu erfahren. Ich kenne ihn ja nur von ein paar seiner Bücher. Und ja, ich habe die auch eher so als science fiction gesehen. Ich liebe sience fiction
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Um so tragischer, dass „der Erich“ sein Talent Jahrzehnte lang für so einen Blödsinn verschwendet hat.
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