HYSTERIE! HYSTERIE!

Wo sind eigentlich die Zeiten hin, wo die Gesellschaft noch nicht wegen jeder Kleinigkeit in Hysterie ausgebrochen ist? Egal bei welchem Thema, ohne Hysterie geht mittlerweile gar nichts mehr. In den Medien ist es besonders schlimm. Früher waren es nur die Boulevard-Blätter, die mit ihrem ständigen Alarmismus Auflage machen wollten, aber heute sind es sogar seriöse Medien, die in den Chor der permanenten Hysterie einstimmen.

Um die aktuelle Lage einmal zusammenzufassen:

1. Putin ist kurz davor die Atombombe auf Berlin zu werfen. Dadurch bricht ein Weltkrieg aus und wir werden alle sterben.

2. Durch den Klimawandel steigen die Meeresspiegel und die Temperaturen. Dadurch gibt es Dürre, Überschwemmungen, Lebensmittelknappheit und wir werden alle sterben.

3. Durch die demographische Entwicklung, gepaart mit Inflation, Heizungsauswechselzwang werden wir alle in die Altersarmut getrieben und werden alle sterben.

4. Durch die Globalisierung werden noch schlimmere Viren mutieren, ganz dolle Pandemien werden den Planeten heimsuchen und wir werden alle sterben.

5. Durch den Atomausstieg wird das Gas so teuer, dass es sich niemand mehr leisten kann. Im Winter kommt es zu Massen-Blackouts und wir werden alle sterben.

6. Der „Great Reset“ kommt und wir werden alle gegen Moslems ausgetauscht. Deswegen werden wir alle massakriert.

7. Irgendwas mit Nazis.

Habe ich irgendwas vergessen? Nein? Doch? Egal! Am Schluss sind wir alle tot. Gut, wir werden eh alle irgendwann mal sterben, aber man möchte halt doch lieber mit 120 an einer Maschine hängend alleine und vergessen in irgendeinem Spital verrecken, wo es das vollkommen überlastete Personal erst am Abend bemerkt. Oder so.

Nein, jetzt mal ganz ernst. Dass wir aktuell größere Probleme haben, in der Gesellschaft, mit dem Klima etc. bestreitet ja niemand, aber wenn wir uns bei jeder Kleinigkeit gegenseitig an die Gurgel gehen, bringt doch auch nichts.

War das eigentlich schon immer so? Oder ist das nur durch die asozialen Medien schlimmer oder präsenter geworden? Sind früher™ auch alle kollektiv über jedes Stöckchen gesprungen? Ich weiß es nicht mehr. Meiner Erinnerung nach war das nicht so, aber Erinnerungen sind halt trügerisch.

War es früher™ eigentlich auch so, dass jede, aber wirklich jede Debatte ideologisch geprägt war und von den dickbräsigen Arschlöchern (aus allen Geschlechtern), die denken, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, dominiert werden?

War es früher™ eigentlich auch so, dass jeder, der auch nur ansatzweise anderer Meinung ist, gleich in die Nazi-Ecke gestellt wurde? Begreifen Menschen, die so etwas vollkommen derart inflationär wie im Moment tun, denn nicht, dass sie damit genau das Gegenteil erreichen?

Ich weiß es nicht.

Im Moment habe ich jedenfalls nicht viel Hoffnung, dass wir unsere Probleme in den Griff bekommen. Dabei bin ich mir sicher, dass wir zu einer Lösung kommen könnten, wenn wir weniger ideologisch wären, dafür etwas mehr reflektiert und vor allem überlegt handeln.

Auf gut Deutsch: wenn alle mal ihren Stock aus dem Arsch ziehen würden, und sich sachlich mit den Problemen beschäftigen würden und NICHT versuchen würden, irgendeine Agenda durchzudrücken, wären wir der Lösung schon ein gutes Stück näher.

10 Gedanken zu “HYSTERIE! HYSTERIE!

  1. Meiner bescheidenen Meinung nach ist ein Grund für diese „Hysterie“ in den (sozialen) Medien zu suchen.

    Da jedes Fürzchen zu irgendwas für Clickbait ausgeschlachtet werden muss, passiert das halt auch. Konsens ist sowieso Fehlanzeige und auch da ist dieses jeder gegen jeden ein Spiegel dieser Gesellschaft – Hauptsache ich und Hauptsache Erster und Recht haben um jeden Preis. Eine sachliche Diskussion ist nahezu unmöglich, da von vorneherein die Fronten festliegen.

    Meinung geht sowieso über Fakten und der Rest ist egal. Selber bin ich ja auch gerne hart in der Sache, habe aber kein Problem damit, Fehler einzugestehen. Das ist aber auch ein gesellschaftliches Unding, denn Fehler zugeben ist schlimmer als diese zu machen.

    Dabei geht es vielen doch gar nicht um eine sachliche Lösung, sondern nur noch um Aufmerksamkeit.

    Like

  2. Wenn ich nicht Skeptikerin wäre würde ich sagen: Onkel Michael kann Gedanken lesen😉 Immer wieder schade nur, dass diese Worte und Gedanken nicht bei denjenigen ankommen die es nötig hätten. Trotzdem: nicht aufgeben!

    Like

  3. Persönlich meine ich mich zu erinnern, dass es sich in Sachen Alarmismus und ideologischer Verzerrung nicht so ungemein gewandelt hat. Auch in den 80ern und 90ern wurden progressive/konservative Ansinnen gerne in umfassendere Ideologien verpackt, und auch seriöse Medien beschworen – wenn ihnen etwas ganz und gar nicht passte – den unweigerlich folgenden Untergang des Abendlandes/Weltuntergang. Strassenschlachten, Nazikeule, Welterklärer und Arschlöcher; all das begegnete mir schon damals.
    Was sich allerdings verändert hat, ist die Schlagzahl, in der uns die alltäglichen Aufreger um die Ohren gehauen werden. „Tagesschau“ und „Talkshow“ spielen auf meinem Smartphone ununterbrochen, und während es damals noch einfacher war, sich als reiner Empfänger dazu zu verhalten, werden wir indessen unentwegt aufgefordert, unsere Meinung dazu kundzutun (Interaktion ist Geld). Da wir brav sind, tun wir das dann auch – so wie ich jetzt hier unter Onkel Michaels emotionalem Impulstext 😉

    Like

  4. „War das eigentlich schon immer so?“

    Ein Versuch, 1980er Jahre:

    1. Die Russen kommen und wir werden alle sterben.
    2. Die Nachrüstung wird zum Atomkrieg führen und wir werden alle sterben.
    3. Das Waldsterben ist nur der Anfang, wir werden alle sterben.
    4. Durch das Ozonloch kommt Krebs durch UV, wir werden alle sterben.
    4. BSE oder AIDS wird uns erwischen, wir müssen alle sterben.
    5. Wackersdorf wird alle verstrahlen, wir werden alle sterben.
    6. Die Automatisierung in den Fabriken macht alle arbeitslos und wir müssen sterben.
    7. Irgendwas mit RAF.

    „War es früher™ eigentlich auch so, dass jeder, der auch nur ansatzweise anderer Meinung ist, gleich in die Nazi-Ecke gestellt wurde?“

    Früher™ hieß es: „Wenn es dir hier nicht passt, geh doch rüber“.

    Like

      1. In Ihrer beschränken Welt sicherlich nicht. die Augen zu verschließen ändert aber nichts an der Realität. Der Paradigmenwechsel ist in vollem Gange. Das kann jeder erkennen, der sich mit den im Essay aufgeführten Themen befasst:

        Like

      2. Ach Herr Keller, Sie enttäuschen mich jetzt wirklich. Kaum bekommen Sie Ihren Willen nich, pöbeln Sie rum wie klein Ottokar. Fehlt nur noch, dass Sie mit dem Fuß aufstampfen. Ihr Geschreibsel (ich habe es tatsächlich gelesen, auch wenn mich dieses Oberstufen-Niveau schnell gelangweilt hat) können Sie gerne behalten. Sie stehen jetzt hier auf „SPAM“ und weitere Kommentare landen gleich im großen Vergessen des virtuellen Mülleimers.

        Like

  5. „Früher“ als Trademark zu kennzeichnen: Chapeau, das beweist sprachliche Finesse. Nicht nur deswegen lese ich diesen Blog so gerne.
    Inhaltlich, nun ja, ich habe erst kürzlich alte Zeitungen (aus den 1950er- und 1960er-Jahren) beim Ausräumen eines alten Hauses gefunden. Früher(TM) wurde im Nicht-Boulevard tatsächlich anders geschrieben – in Textarten getrennt (z.B. Nachricht vs. Kommentar, Bericht vs. Reportage) was zwangsläufig zu einer nüchternen Behandlung einerseits und zu einer klar ausgedrückten Meinung andererseits führte. Im Journalismus heute verschmelzen Fakten mit der Bewertung, angetrieben vom Ringen um Aufmerksamkeit. Egal in welchem Kanal. Leider wird der demokratische Grundauftrag der „Vierten Macht“ dabei gerne auf Prio 2 verwiesen.
    PS: Falls jemand fragt: Ich habe einige Redaktionen von innen gesehen bevor ich ins Agenturleben wechselte. Da ringen wir nun im Kundenauftrag um Aufmerksamkeit.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Joseph Kuhn Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..