Und sehet, es begab sich zu jener Zeit, dass der Gesundheitsminister verkündete, dass der Zehnt für Zauberzucker und sonstige Gaukeleyen nicht mehr aus seiner Schatulle erstattet werden solle.
Und so hob ein großes Heulen und Wehklagen unter all jenen, die den Zauberzucker, Schlangenöl und anderen Tand an die einfältigen Menschlein verhökerten.
Oder so ähnlich.
Ich muss ja sagen, dass ich mich seit der Ankündigung von Gesundheitsminister Lauterbach, dass Kosten für Homöopathie und anthroposophische Mittelchen nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden sollen, königlich amüsiere. Wenn ich sehe, wie die Lobbyisten der so genannten „Alternativmedizin“ herumflügeln wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen, ist das aber auch mehr als amüsant.
Weniger amüsant ist, dass die Tatsachen schon ein bisschen verbogen werden, um in der Öffentlichkeit Stimmung gegen Lauterbachs Initiative zu machen. So ist es glattweg nicht wahr, dass irgendetwas verboten werden soll (was auch nie von irgendwem gefordert wurde). Wer sich im Krankheitsfall trotz aller Aufklärung mit homöopathischer oder anthroposophischer Pseudomedizin behandeln möchte, der darf dies natürlich auch weiterhin tun. Man kann auch zukünftig die entsprechenden Präparate jederzeit kaufen, nur eben auf eigene Kosten. Aber Homöopathie soll auf keinen Fall verboten werden, egal was behauptet wird.
Das ist auch richtig so. Seit Samuel Hahnemann sich den ganzen Unsinn vor gut 200 Jahren ausgedacht hat, konnte niemand den Wirkmechanismus der Homöopathie aufzeigen und das trotz unzähliger Studien, die hier angefertigt wurden. Gut, das kann vielleicht auch daran liegen, dass die Settings dieser Studien keinerlei wissenschaftlichen Standards entsprachen. Von Seiten der Homöopathen bekam man auf entsprechende Fragen zuerst die Antwort, dass der Wirkmechanismus auf „feinstofflicher Ebene“ funktionieren würde und heutzutage ist es dann die „Quanten-Ebene“. Quanten sind nämlich der neue heiße Scheiß bei den Alternativmedizinern. Quanten versteht außer Physikern niemand so richtig und deshalb können Heilpraktiker und Konsorten eben alles Mögliche hier rein interpretieren. Kann ja niemand groß nachprüfen.
Interessant ist allerdings die öffentliche Rezeption dieses Vorschlags. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und ein bisschen bei „Google Schlagzeilen“ herumrecherchiert und dabei kam heraus, dass über 2/3 aller Presseartikel die Pläne Lauterbachs unterstützen und das Spektrum der Medien reicht vom Boulevard wie der Bild bis hin zu seriösen Medien wie dem Spiegel. Verschiedene Medien haben auf ihren Seiten auch Umfragen eingestellt, die Ergebnisse waren immer gleich: 50 – 80 Prozent der Leserinnen und Leser unterstützten den Lauterbach-Vorschlag.
Als Beispiel hier eine Umfrage beim Spiegel mit über 8.000 Teilnehmenden.
So sehen auch die Leserbefragungen mit ähnlicher Beteiligung bei anderen Medien aus. Egal ob Bild, Welt, Süddeutsche, ich hab mir alle angeschaut.
Das freut mich ungemein, denn wer meinen Blog hier kennt, der weiß ja, dass ich mich ursprünglich hauptsächlich mit der Aufklärung zu so genannter Alternativmedizin beschäftigt habe und auch Mitglied im Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) bin. Und ich glaube schon, dass die Zustimmungswerte zum Lauterbach-Vorstoß ein bisschen auf unsere unermüdliche Arbeit zurückzuführen sind.
Schauen wir uns die Argumente der Homöopathie-Lobby gegen die Initiative an, so sehen wir hauptsächlich drei Argumentationen:
- Die Streichung trifft vor allem Kleinverdiener, Bürgergeldempfänger etc.
Nun, dieses Argument zieht nicht, denn es gibt zahlreiche Erhebungen, dass die so genannte Alternativmedizin hauptsächlich von Menschen mit mittlerem bis hohen Einkommen angewandt werden. Das Klischee von der globulischluckenden Studienrätin trifft also voll und ganz zu. - Es werden nur „Peanuts“ eingespart.
Na und? Kleinvieh macht auch Mist und in der Situation, in der die Krankenkassen aktuell sind, hilft jeder Cent. - Aber diese und jene „schulmedizinische Behandlung ist noch teurer.
Davon abgesehen, dass wir das Pfui-Pfui-Wort „Schulmedizin“ nicht benutzen (Heilpraktiker gehen auf Schulen, Ärzte studieren an der Universität), ist dies wohl das dümmste Argument.
Als Beispiel dieser Kommentar bei Spiegel Online:
Hier kann man nur sagen: siehe Punkt 2. Erstmal wird die Homöopathie-Erstattung gestrichen, dann schauen wir uns den Rest an. Außerdem wissen wir doch alle, was derartige Anekdoten wert sind: weniger als nichts und das noch in homöopathischer Potenz.
Nein, die Performance, die die Zauberzucker-Lobby hier an den Tag legt ist einfach nur noch lächerlich. Ich kann mich hier nur Julian Aé anschließen, der in seiner Spiegel-Kolumne schreibt:
Im Klartext: Mit der Kostenübernahme für die magische Methode will man Dinkeladvokaten und Sportskanonen in die eigene Kasse locken, denn sie verursachen langfristig weniger Kosten. Homöopathie und andere alternativmedizinische Verfahren sind in der Bundesschwurbelrepublik Deutschland Teil des Lifestyles.


Der einzige Grund, wieso der Globuli-Hokuspokus (noch) von den Kassen finanziert wird, ist ja, dass das vor allem von Besserverdienenden goutiert wird, die entsprechend hohe Beiträge entrichten. Für dieses Kundensegment möchte man halt attraktiv sein.
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Ich wusste bis zu Lauterbachs Vorstoß gar nicht, dsss homöopathische Mittel von KK übernommen werden/ wurden. Ich hatte zwar auch schon die ein oder andere Blindschleiche von Mediziner:in, die mir so was aufs Rezept geschrieben hat. Da das aber immer bei Erkältungen verschrieben wurde, also ich das eh bezahlen musste, habe ich das in beiden Fällen erst zu Hause gemerkt.
Und mich ob meinerseits Doofheit geärgert
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