Von den tapferen Universitätsstürmern zu Berlin

Gerade lese ich einen Bericht des „Spiegel“ zur Besetzung des Institutes für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Auf den Bildern ist zerschlagenes Mobiliar, mit antisemitischen Parolen beschmierte Wände und zerstörte Bürotechnik zu sehn. Insgesamt wird eine Schadenssumme von 150.000.– € genannt.

Nun bin ich mir ja ziemlich sicher, dass die demolierten Schränke, die auf den Bildern zu sehen waren, üble patriarchalisch-kolonialistische Provokateure waren, genauso wie die zerschlagenen Drucker und Kopierer der Befreiung des palästinensischen Volkes im Wege standen und bestraft werden mussten. Von den Wänden im provokant-unterdrückerischen Weiß wollen wir mal gar nicht reden, das sind ja die schlimmsten zionistischen Agitatoren! Es war ein kühner Akt des Widerstandes, diese zu beschmieren!

Aber jetzt mal im Ernst. Was sollen solche Aktionen? Was bringt es den Menschen in Gaza, wenn in Berlin das Interieur eines Universitäts-Instituts zertrümmert wird? Gar nichts bringt es denen. Das war nur eine sinnlose Gewaltorgie unter dem Deckmäntelchen des Aktivismus. Vor allem, da das Land Berlin ja eh chronisch pleite ist, ist eine derartig mutwillige Zerstörungsorgie eines von der eigenen Tugendhaftigkeit besoffenen Mobs besonders perfide. Was hätte die Universität mit den 150.000.–€ sonst sinnvolles anstellen können? Jetzt muss sie neues Mobiliar und Technik kaufen.

Ein weiterer Skandal ist, dass die Universitätsleitung nicht sofort mit allen Mitteln gegen die Besetzer vorgegangen ist. Ähnlich wie bei der Alice-Salomon-Hochschule, wo sich die Rektorin quasi beschützend vor die Randalierer stellte und den Zugriff der Polizei verhinderte.

Allgemein geben die pro-palästinensischen Demonstranten kein gutes Bild ab. Im Gegenteil, was man hier insbesondere aus Berlin sieht, ist ein hyper-aggressiver Mob, der lautstark seine menschenverachtenden Parolen in die Welt blökt und jede andersartige Meinung und Geschrei, Beleidigung und Bedrohung niederbrüllt.

Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist ja das Engagement von Karolin Preisler in Berlin, die am Rande von Demonstrationen steht und an die Geiseln und den Terror vom 7. Oktober 2023 erinnert. Eine Frau gegen hunderte pro-palästinensischer Demonstranten. Und diese laute Übermacht schafft es nicht, das bisschen Toleranz aufzubringen, die einzelne, stille Gegen-Demonstrantin gewähren zu lassen. Nein, sie wird bebrüllt, beschimpft, bedroht und würde sie nicht von Polizisten geschützt, sicherlich noch schlimmeres. Regelmäßig berichtet sie, dass sie sogar noch auf dem Heimweg verfolgt wird. Drohungen gegen ihre Gesundheit und ihr Leben sind an der Tagesordnung.

In aller Deutlichkeit: mich erinnern diese aggressiven, lauten Demonstrationen eher an den klassischen Radau-Antisemitismus der SA in der Weimarer Zeit. Auch, weil von den pro-palästinensischen Demonstranten immer wieder Vertreter der Presse angegangen werden.

Dass sich die Polizeipräsidentin des Landes Berlin in aller Hilflosigkeit vor die Medien stellt und verkündet, dass Teile der Hauptstadt für Juden und Homosexuelle nicht sicher sind, ist ja schon skandalös genug, aber dass anscheinend auch nichts passiert, um die Lage zu ändern, ist genauso schlimm.

Ich fürchte mich tatsächlich davor, was sich die Rollkommandos der Universitätsbesetzer weiterhin einfallen lassen.

Beitragsbild:
A group of Nazis hold hands on the steps of the University of Vienna in an attempt to prevent Jews from entering the building. The action led to a day of student rioting which had to be suppressed by the police.

Photo credit: National Archives, courtesy of USHMM Photo Archives
National Archives and Records Administration, College Park
Copyright: Public Domain Source Record ID: 306-NT-972-A-6

3 Gedanken zu “Von den tapferen Universitätsstürmern zu Berlin

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