Wenn Homöopathen sich an Rezensionen versuchen – Teil 2

Achje, achje, wenn man denkt, dass unsere Freunde von der „Alternativmedizin“ nicht mehr tiefer sinken können, hört man nur „Hold my Beer“ und es geht noch eine Stufe tiefer.

Diese Stufe tiefer stellt die sogenannte „Rezension“ von Herrn Dr. Jens Behnke dar, der auf den Seiten der Homepage „Natur und Medizin“ einen Text zum neuen Buch von Frau Dr. Natalie Grams veröffentlicht hat.

Zuerst einmal eine Einordnung. Herr Dr. Behnke ist mitnichten ein neutraler Spieler auf dem Feld. Vielmehr handelt es sich bei ihm um einen ranghohen Vertreter der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, deren erklärtes Ziel die Förderung der Alternativmedizin ist. Mit einem Wort: Herr Dr. Behnke ist berufsmäßiger Lobbyist für die Alternativmedizin. Dies müssen wir uns immer im Gedächtnis behalten. So verwundert es auch nicht, dass er seinen Text auf der Homepage des Vereins „Natur und Medizin e.V.“ veröffentlicht, wurde dieser doch als Förderverein für die Carstens-Stiftung gegründet.

Und dieser Hintergrund schwebt über dem gesamten Text wie eine rote Rundumleuchte. In altbekannter Manier haut Herr Behnke ein Argumentum ad hominem nach dem anderen raus. Gleich in der ersten Zeile schreibt er Das neue Buch einer angeblichen Ex-Homöopathin, die seit ihrer wundersamen Bekehrung zur allein selig machenden Schulmedizin eine PR-Kampagne gegen Naturheilkunde & Co. leitet, verspricht Orientierung in der Welt der Medizin auf der Grundlage von Fakten.

Herr Behnke, sind solche persönlichen Angriffe notwendig? Dass Frau Dr. Grams Homöopathin war und eine eigene homöopathische Praxis betrieben hat, wurde doch schon hinlänglich belegt, wenn Sie das noch immer nicht mitbekommen haben…

Jedenfalls ist eines ganz auffällig: Das neue Buch von Frau Dr. Grams „Was wirklich wirkt“ zeichnet sich durch eine ruhige, sachliche Sprache aus, wie ich bereits in meiner Rezension dazu schrieb:

Umso höher ist der Stil und die Sprache des vorliegenden Buches zu loben. Es wäre natürlich ein Leichtes, in dem Buch Eimer voller Spott und Häme über die „Alternativmedizin“ und ihre Anwender auszukippen, sich über sie lustig zu machen. Aber nein, egal wieviel sie selbst einstecken musste, diesen Impuls versagt sich Frau Grams. In ruhiger, sachlicher Sprache bringt sie harte Fakten vor. Was man vor allem in den drei Kapiteln zum Thema „Impfungen“ sieht, ist, wie ernst es ihr ist. Man merkt, dass ihr die Menschen und besonders die Kinder am Herzen liegen, dass sie gerade diese vor Krankheiten bewahren möchte. Und das macht dieses Buch und seine Autorin so sympathisch, man fühlt sich selbst als Leser umsorgt und wohl beim Lesen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Autorin nicht als Ärztin von oben herab schreibt, sondern dem Leser auf Augenhöhe begegnet.

Ja, ich weiß, sich selbst zu zitieren ist immer so eine Sache, aber in diesem Falle sei es mir erlaubt.

Worauf ich hinaus will: Frau Dr. Grams hat einiges einstecken müssen von der alternativmedizinischen Seite. Immer wieder wird auf sie persönlich eingedroschen und trotzdem schafft sie es, sich ruhig und sachlich mit dem Sujet der Alternativmedizin auseinanderzusetzen.

Auf der anderen Seite haben wir diverse Vertreter der Alternativmedizin, die sprachlich auf die arme Frau einprügeln, als wären wir in der großen Wirthausschlägerei-Szene bei Peter Steiners Theaterstadl. Und ich frage mich, wieviel Angst die Alternativmedizin-Lobby vor dieser einzelnen Frau haben muss, dass sie derart gegen sie vorgeht? Anscheinend sehr, sehr viel.

Ein Aspekt dieses Textes soll an dieser Stelle noch richtiggestellt werden: Herr Dr. Behnke bemängelt, dass das Buch von Frau Dr. Grams keine Quellenangaben enthält.

Nun, in populären Sachbüchern ist es durchaus üblich, auf Quellenangaben zu verzichten, das kommt auf die Richtlinie des jeweiligen Verlages an. Dass Herr Dr. Behnke hierüber nicht informiert ist, verwundert nicht, kann er doch auf keine Publikationen in großen Publikumsverlagen zurückblicken.

Frau Dr. Grams hat trotz der Verlagsvorgaben sämtliche ihrer Quellen zu dem Buch auf ihrer persönlichen Website hinterlegt: https://www.natalie-grams.de/quellen-zu-was-wirklich-wirkt/
Diese Seite wurde am Tag des Verkaufsstartes online gestellt. Eigentlich wäre dies durch eine einfache Recherche bei Google zu finden gewesen, aber Recherche ist ja überbewertet.

Nun gut, ich möchte es an dieser Stelle dabei belassen. Herr Dr. Behnke wird sicherlich viel Lob von seinen Parteigängern aus der alternativmedizinischen Szene für diesen Text bekommen. Ich persönlich hätte mich über etwas mehr Stil gefreut, aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Jedenfalls bin ich froh, dass sich Frau Dr. Grams nicht auf ein derartiges Niveau herab lässt, sondern auch weiterhin ruhig und sachlich über die Alternativmedizin aufklärt.

4 Gedanken zu “Wenn Homöopathen sich an Rezensionen versuchen – Teil 2

  1. Wenn man mal bedenkt, dass Natalie Grams seinerzeit mit ihrem ersten Buch angetreten ist, um über ihre Thesen in einen Dialog mit der Homöopathieszene zu kommen… Die Zielgruppe des Buches waren doch eher ihre damaligen KollegInnen, weniger das breite Publikum.

    Jedoch – vom ersten Tag an Schmähungen, Drohungen, ad hominem… Und nun ist ein neuer Tiefpunkt jenseits jeder Sachdebatte erreicht, die man nur noch als blubbernes Sumpfloch wahrnehmen kann, hat man sich ein Gefühl für Sachlichkeit und Redlichkeit bewahrt. Und das ist sehr, sehr bedauerlich. Und eine massive Bankrotterklärung.

    By the way – natürlich weiß kaum jemand besser, dass die Biografie von Natalie Grams völlig real ist als Behnke. Und glaubt er wirklich, Presse, Rundfunk, TV hätten sich davon nicht umfassend überzeugt, bevor sie Natalie Grams Raum gaben? Woraus in diesem Falle folgt, dass er vorsätzlich Schmähungen verbreitet.

  2. Herr Dr. (!) Behnke hat doch bei Walach promoviert. Wer solche akademischen Ehren und Weihen empfangen hat, begibt sich doch nicht in die Niederungen der populärwissenschaftlichen Publikationen und macht sich auch nicht über die dortige Veröffentlichungspraxis vertraut.

    Ganz abgesehen, davon dass der Propagandaminister …, äh Pressesprecher, der Carstens-Stiftung Herr Dr. (!) Behnke sicherlich kein Zeit hat, ein populärwissenschaftliches Buch zu schreiben und auf den Markt zu bringen. Die Arbeit bei der Stiftung wird ihn genug auf Trap halten, um die vollkommen absurden Attacken der garstigen Skeptiker und Kritiker abzuwehren und gleichzeitig das Hohelied auf die Homöopathie zu singen.

    *Ironie off*

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