Mythos Neuschwabenland – Teil 8: Schlussbetrachtung

Nun sind wir am Ende meiner kleinen Serie „Mythos Neuschwabenland“ angekommen. Ich muss ja sagen, dass ich ein bisschen neidisch bin auf die Schwurbelottos. Während sich unsereins mit diesen lästigen „Fakten“, „Quellen“ und „Nachweisen“ herumschlagen muss, haben die Kollegen von der Gegenseite etwas viel besseres: die Behauptung.

Ja, ihr Erfolgsrezept ist ganz einfach. Sie nehmen einfach eine historische Begebenheit, wie hier die Schwabenland-Expedition und dann setzen sie sich irgendwo bequem hin und denken sich irgendeinen Schmarrn aus, den sie dann behaupten. Dieses „behaupten“ sieht dann so aus, dass sie irgendeinen Rotz ins Internet rülpsen und damit Leut‘ und Vieh wild machen, wie man bei uns hier so schön sagt.

Und so können sie seit Jahrzehnten behaupten, dass unter dem Eis von Neuschwabenland eine riesige Reichsbasis bestehen würde. Eine typische Diskussion sieht dann so aus:

Onkel: Jetzt überleg Dir doch mal, welchen Aufwand es bedeutet, das gesamte Baumaterial in die Antarktik zu verfrachten, und die ganzen Bauarbeiten.
Schwurbler: Und die Operation Highjump? Die hatten doch ihr Baumaterial mit dabei, da siehst Du doch, dass das gar nicht unmöglich ist!
Onkel: Was haben die denn groß gebaut? Ein Camp aus Zelten, ein paar windfeste Baracken und ein paar Hütten. Und dafür haben die schon so eine Armada gebraucht.
Schwurbler: Ja, aber die Nazis hatten ja Unterstützung vom Aldebaran, für die war das ein Kinderspiel.

Tja, und was sagt man da? Behauptungen und Hirngespinsten ist halt mit Logik und Fakten nicht beizukommen.

Auch immer wieder gerne genommen, werden Behauptungen, irgendwas wäre „Fakt“, „Das muss man doch wissen!“ oder „Es ist ja allgemein bekannt…“ Ein Beispiel: Fakt ist, dass die deutschen Entwicklungen und Projektionen teilweise futuristische Züge annahmen und in der Nachkriegszeit wegweisend Für moderne Konzeptionen wurden. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Technologien nahtlos in die Entwicklungen der Alliierten miteinflossen und ihnen dadurch einen erheblichen Zeitvorsprung in der Entwicklung von konventionellen Hi-Tech Waffen verschafft wurde.

Genauso beliebt ist es, Zitate so zu verfälschen, dass sie komplett sinnentstellt sind, aber in die eigene Agenda passen. Bestes Beispiel ist hier das Interview von Admiral Byrd auf der Heimfahrt, wo er die Pole als feindliche Aufmarschgebiete bezeichnet. Für die Schwurbler ist klar, dass er damit die Eis-Nazis aus der Antarktis gemeint hat. Dass er damit allerdings eher die Russen im Blick hatte, interessiert hier nicht, die Russen passen nicht ins Bild.

Oder das vermeintliche Zitat von Großadmiral Dönitz. Der soll bei einer ominösen Besprechung gesagt haben: Die deutsche U-Boot-Flotte ist stolz darauf, daß sie für den Führer in einem anderen Teil der Welt ein Shangri-La gebaut hat, eine uneinnehmbare Festung.

Dieses Zitat stammt aus dem Buch „The Avengers“ des israelischen Autors Michael Bar-Zohar aus dem Jahr 1967. Der schrieb im Kapitel „The Impregnable Fortress“ (S. 95): In 1943 Admiral Doenitz had declared: ‚The German U-boat fleet is proud to have made an earthly paradise, an inpregnable fortress fort he Fuehrer, somwhere in the world.“ Also erstmal fehlt im Original der Bezug auf Shangri-La und was noch interessanter ist, ist der Satz der nach dem Zitat kommt: He did not say in what part oft he world it existed, but fairly obviously it was in South America. Das wird natürlich immer verschwiegen und so getan, als hätte Dönitz Neuschwabenland gemeint.

Wir sehen also, diese Verschwörungstheorie ist eine krude Mischung aus Behauptungen, Märchen und Lügen. Sie taugt nur für Alt- und Neonazis, die darauf warten, dass ihr Föööööhrer aus Neuschwabenland erscheint und Deutschland „errettet“. Und wie immer beim Glauben kommen Fakten dagegen nicht an. Armselige Würstchen, armselige.

*** Ende Teil 7 und Ende der Serie ***

4 Gedanken zu “Mythos Neuschwabenland – Teil 8: Schlussbetrachtung

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