Ein kurzer Blick auf die Ariosophie

Im Kielwasser der Theosophie entstanden neben der Anthroposophie noch einige andere abstruse esoterische Strömungen. Eine dieser Ableger war die sogenannte „Ariosophie“, die sich um die Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels ausdachten.

Grundstock waren die zentralen Lehren der Theosophie in Kosmologie, Symbolik und Wurzelrassen, die sie mit den Rassentheorien von Arthur de Gobineau und pseudogermanischen Runenglauben vermengten. War Helena Blavatsky, die Erfinderin der Theosophie, noch der Meinung, dass es keine Unterschiede zwischen den Rassen gäbe und die höchste Evolutionsstufe der Menschheit eine Rasse sei, die aus der Vermischung aller bisherigen Rassen hervorging, so sahen die Ariosophen die Erfüllung der Menschheit in einer aristokratischen Rassentrennung, in der die einzelnen Rassen verschiedene Entwicklungsstufen inne hätten und in einer okkulten Hierarchie übereinander stehen würden. Gewürzt wurde diese krude Mischung dann noch mit ein bisschen Kabbala, Zahlenmystik, Astrologie und anderem esoterischen Kokolores. List und Lanz verschmolzen also die esoterischen Elemente mit beinhartem Rassismus und völkischem Nationalismus.

Die am höchsten entwickelte Rasse war natürlich die der „Arier“, die in einem „Goldenen Zeitalter“ in vorgeschichtlicher Zeit von einer weisen Priesterschaft angeführt worden seien. Durch die Vermischung mit niederen anderen Rassen, verloren sie ihre spirituelle Reinheit.

Lanz von Liebenfels verknüpfte seine Rassenlehre mit der Idee eines „arischen Christentums“ und stellte dann den Kampf der Arier gegen die „Niederrassen“ in den Vordergrund. Ganz konkret ging es ihm um die Verhinderung von Rassenmischung und der aus dieser Vermischung resultierenden Schwächung der „arischen Heldenrasse“. Um dies zu verhindern, schlug er weitreichende Zuchtprogramme für Arier und Sterilisationsmaßnahmen für minderwertige Rassen vor. Liebenfels deutete die Bücher der Bibel und die Geschichte des Christentums in Zeugnisse eines angeblichen Rassenkampfes um.

Oftmals wurde und wird behauptet, dass die Ariosophie die „okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ seien und Lanz von Liebenfels der „Mann, der der Hitler die Ideen eingab“ war. So kann man dies allerdings nicht sagen. Zwar ist bekannt, dass Hitler ein regelmäßiger Leser von Lanz‘ Zeitschrift „Ostara – Briefbücherei der Blonden und Mannesrechtler“ war, in der die kruden Thesen breitgetreten wurden, doch hielt er stets einige Distanz zu den Ariosophen, die in der Öffentlichkeit eher als verschroben oder schlicht und einfach als bekloppt galten. Auch Heinrich Himmler und seine SS bedienten sich bei der Ariosophie, vermischten diese aber mit weiteren esoterischen Vorstellungen.

Auch über die so genannte „Thule Gesellschaft“, der zahlreiche spätere NS-Führungspersönlichkeiten angehörten, wurden ariosophische Ideen in den Nationalsozialismus eingebracht. Das half der Ariosophie aber auch nicht. 1933 wurden ariosophische Zusammenschlüsse – hier war der Neutemplerorden die größte Gemeinschaft – gemeinsam mit Freimaurern, Rosenkreuzern und anderen esoterischen Gruppen erstmal unter Beobachtung durch den Sicherhheitsdienst gestellt und 1937 dann verboten. 1941 folgten dann Festnahmen und Einweisungen in Konzentrationslager.  

Aber solches Gedankengut ist, wenn es erstmal in der Welt ist, nicht mehr tot zu kriegen und so verwundert es nicht, dass sich Anfang der 2000-er Jahre in Sachsen eine neue ariosophisches Vereinigung gründete.

Beitragsbild: Einband einer Ausgabe der Zeitschrift „Ostara“

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