Mythos Neuschwabenland – Teil 3: Operation Highjump

Acht Jahre nach der Ritscher-Expedition unternahm die US Navy ebenfalls eine Expedition in die Antarktis. Unter dem Kommando von Rear Admiral Richard Evelyne Byrd Jr. machte sich die „Task Group 68“ mit 4.700 Soldaten, 13 Schiffe und 33 Flugzeuge auf den Weg ins ewige Eis des Südpols. Die Expedition untergliederte sich in fünf Gruppen:

Task Group 68.1
(Western Group)
Captain Charles A. BondUSS Currituck (Seeflugzeugtender)
USS Henderson (Zerstörer)
USS Cacapon (Tanker)
Task Group 68.2
(Central Group)
Rear Admiral Richard H. CruzenUSS Mount Olympus (Kommunikationsschiff)
USS Yancey (Versorgungsschiff)
USS Merrick (Versorgungsschiff)
USS Sennet (U-Boot)
USS Burton Island (Eisbrecher)
USCGC Norhwind (Eisbrecher)
Task Group 68.3
(Eastern Group)
Captain George J. DufekUSS Pine Island (Seeflugzeugtender)
USS Brownson (Zerstörer)
USS Canisteo (Tanker)
Task Group 68.4
Carrier Group
Rear Admiral Richard E. ByrdUSS Philippine Sea (Flugzeugträger)
Task Group 68.5
Base Group  
Captain Clifford M. CampbellBasiscamp „Little America IV“

Die verschiedenen Gruppen erreichten die Antarktis zwischen dem 25. und 30. Dezember 1946 und am 3. März 1947 nach 69 Tagen wurde die Expedition durch Admiral Byrd als erfolgreich beendet erklärt.

Die Expedition sollte einmal die Soldaten und Matrosen unter arktischen Bedingungen trainieren und das technische Gerät hierunter erproben. Dann sollte rekognosziert werden, in wie weit Arktika sich für die Errichtung, Nutzung und Erhaltung von Marinestützpunkten eignet, der Kontinent sollte erforscht werden, wofür bspw. geologische, geographische, hydrographische oder meteorologische Daten gesammelt und zahlreiche Experimente auf diesen Gebieten durchgeführt wurden. Kurz, man erwartete, dass in Zukunft auch die Polregionen zu Kriegsschauplätzen werden könnten und wollte sich hierauf vorbereiten. Hierzu passt auch ein weiterer Punkt auf der Expeditionsagenda, der von offizieller us-amerikanischer Seite aus allerdings immer bestritten wurde, war die Mehrung des us-amerikanischen Einflusses in der Antarktis. Die bereits bestehenden Gebiete sollten gefestigt und neue hinzugewonnen werden.

Rear Admiral Byrd

Die westliche Gruppe umfuhr die Küstenlinie von Victoria-Land über Wokes-Land in Richtung auf das Weddell-Meer, die östliche umrundete die Küste von Marie-Byrd-Land und Ellsworth-Land in östlicher Richtung. Die erstere drang auf dieser Fahrt bis zur Prinz-Olaf-Küste des Enderby-Landes vor, während die östliche nach ihrer Fahrt durch das Weddell-Meer die Prinzessin-Astrid-Küste des Königin-Maud-Landes erreichte, so dass sich beide Gruppen am Schluss der Expedition bis auf 500 Seemeilen genähert hatten. Die Mittelgruppe lief in das Roß-Meer ein und errichtete etwa 2,4 km nördlich vom Little America den neuen Stützpunkt „High-Jump-Base“, der aber schon Ende Februar 1947 geräumt werden musste, weil ein ungewöhnlich früh einsetzender Winter die Packeismassen im Roß-Meer verstärkte und dadurch die Gefahr der Einschließung bestand.

Der deutsche Polarforscher Kurt Ruthe schrieb 1947 in der Zeitschrift „Polarforschung“: Faßt man die Ergebnisse dieser Expedition zusammen, so wurde ein Viertel der Küstenlinie von Antarktika neu aufgenommen und viele wichtige Korrekturen an früheren Karten angebracht. Fast 2,6 Millionen Quadratkilometer unbekannten Gebietes wurden aus der Luft photographisch aufgenommen, 22 Gebirgszüge und Gebirgstruppen sowie 26 Inseln, 20 neue Gletscher, 9 Buchten und 5 Kaps neu kartographiert.
Auf dem Gebiete der Meteorologie gelang weiter eine äußerst wichtige Beobachtung Man konnte den Weg der antarktischen Polarstürme festlegen und zwei ihrer Ursprungsorte ermitteln. Der eine liegt zwischen Wilkes-Land und Australien und der andere im Raume von Peter-I.-Insel.
Von größter Wichtigkeit sind die Untersuchungen über den Erdmagnetismus, die bei gleichzeitigen Beobachtungen in der Nähe des magnetischen Nord- und Südpoles erkennen lassen werden, ob die auftretenden Störungen auf der ganzen Erde im gleichen oder entgegengesetzten Sinne verlaufen.
Bestand die Hauptaufgabe der ‚High-Jump-Operation‘ vor allem darin, umfangreiche Erfahrungen und eingehende Kenntnisse für militärische Operationen im Polargebiet zu sammeln, so sind doch auch äußerst wichtige Entdeckungen und Feststellungen gemacht worden, die für die wissenschaftliche Erforschung Antarktikas von größter Bedeutung sind.

Diese wissenschaftlichen Entdeckungen waren aber teuer erkauft, insgesamt vier Teilnehmer der Operation starben im ewigen Eis. So kamen am 30. Dezember 1946 die Flugfunker Wendell K. Henderson, Fredrick W. Williams und Fähnrich Maxwell A. Lopez beim Absturz ihres Flugbootes vom Typ Martin PBM Mariner „George 1“ ums Leben. Und am 21. Jänner 1947 starb Matrose Vance N. Woodall bei einem Unfall beim Entladen von Ausrüstungsgegenständen zum Landebahnbau.

Das Wrack der „George 1“

Die gesamte Operation wurde übrigens auch durch Fotografen und Kameramänner der US Navy und der US Army begleitet. Hieraus entstand der Kinofilm „The Secret Land“, der 1948 den „Academy Award for Best Documentary Feature“ (Oscar) gewann.

Als die Expedition Wellington in Neuseeland als erste Etappe ihrer Heimfahrt ansteuerte, wurde Admiral Byrd von einem Reporter interviewt. Folgendes war als Resümee der Operation in der in Santiago de Chile erscheinenden Tageszeitung „El Mercurio“ zu lesen: Admiral Richard E. Byrd warnte heute, dass die Vereinigten Staaten Maßnahmen zum Schutz gegen die Möglichkeit einer Invasion des Landes durch feindliche Flugzeuge aus den Polargebieten ergreifen sollten. Der Admiral erklärte, dass er niemandem Angst machen wollte, aber die grausame Realität ist, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines neuen Krieges von Flugzeugen angegriffen werden könnten, die über einen oder beide Pole kommen. Diese Aussage wurde als Teil einer Rekapitulation seiner eigenen Polarerfahrung in einem exklusiven Interview mit International News Service gemacht. In Bezug auf die kürzlich abgeschlossene Expedition sagte Byrd, dass das wichtigste Ergebnis seiner Beobachtungen und Entdeckungen die möglichen Auswirkungen sind, die sie in Bezug auf die Sicherheit der Vereinigten Staaten haben. Die fantastische Geschwindigkeit, mit der die Welt schrumpft – erinnert sich der Admiral – ist eine der wichtigsten Lektionen, die er bei seiner jüngsten Erforschung der Antarktis gelernt hat. Ich muss meine Landsleute warnen, dass die Zeit vorbei ist, in der wir in unsere Isolation flüchten konnten und uns auf die Gewissheit verlassen konnten, dass die Entfernungen, die Ozeane und die Pole ein Garant für Sicherheit waren.

Diese Einsicht führte übrigens dazu, dass die USA ihre Thule Air Base auf Grönland massiv verstärkten, hielten sie doch eher einen russischen Angriff über die Arktis für wahrscheinlicher, als von Süden.

*** Ende Teil 3 ***

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