In den letzten Artikeln habe ich ja viel von Verschwörungstheorien geschrieben. Deshalb möchte ich eine kleine Definition geben, was eine Verschwörungstheorie ist, was sie ausmacht, wie man sie erkennt und wer anfällig dafür ist. Und ja: ich schreibe weiterhin von Verschwörungstheorie und nicht von Verschwörungsmythen, -erzählungen oder sonst was. Warum? Weil sicherlich 99% der Menschen genau wissen, was mit Verschwörungstheorie gemeint ist und bei den anderen Begriffen erst großmächtig erklärt werden muss wie, warum, weshalb, wo, warum nicht was gemeint ist. Außerdem lehne ich Wortmagie in jeder Form ab.
Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie, die behauptet, dass eine geheime Gruppe von Menschen oder Organisationen im Hintergrund agiert, um bestimmte Ereignisse mit illegalen Mitteln zu kontrollieren oder zu manipulieren. Es ist wichtig zu beachten, dass Verschwörungstheorien oft auf Vermutungen, Gerüchten oder unbestätigten Informationen basieren und nicht durch solide Beweise gestützt werden. Wenn du also auf eine Theorie stößt, die zu gut klingt, um wahr zu sein, oder die behauptet, dass eine kleine Gruppe von Menschen die Welt kontrolliert, ist es ratsam, kritisch zu hinterfragen und nach verlässlichen Quellen zu suchen, um die Fakten zu überprüfen.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede alternative Erklärung oder Skepsis gegenüber offiziellen Erklärungen automatisch eine Verschwörungstheorie ist. Kritische Analyse und Diskussion sind grundlegende Elemente rationaler Überlegungen. Allerdings neigen Verschwörungstheorien dazu, weit über solche Überlegungen hinauszugehen und oft auf unrealistischen Annahmen und irreführenden Informationen zu basieren. Es ist wichtig, Informationen kritisch zu prüfen und auf zuverlässige Quellen zurückzugreifen, um zwischen legitimer Kritik und tatsächlichen Verschwörungstheorien zu unterscheiden.
Es gibt einige Merkmale, die oft mit Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht werden. Hier sind einige davon:
Geheimhaltung: Verschwörungstheorien nehmen an, dass Ereignisse nicht auf offensichtlichen Ursachen beruhen, sondern dass sie absichtlich von einer Gruppe von Menschen manipuliert oder gesteuert werden.
Mangel an Beweisen: Verschwörungstheorien beruhen oft auf unverifizierten Informationen, selektiven Beweisen oder falschen Annahmen. Es fehlen oft klare und überprüfbare Beweise.
Vereinfachung komplexer Ereignisse: Verschwörungstheorien neigen dazu, komplexe Ereignisse oder Phänomene auf einfache und einseitige Erklärungen zu reduzieren.
Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen: Verschwörungstheorien gehen oft mit einem generellen Misstrauen gegenüber Regierungen, Medien oder anderen etablierten Institutionen einher.
Widerstand gegenüber Kritik: Verschwörungstheorien werden oft verteidigt und Kritik oder alternative Erklärungen werden abgelehnt. Menschen, die Verschwörungstheorien in Frage stellen oder kritisieren, werden manchmal als Teil der vermeintlichen Verschwörung betrachtet.
Glaube an einheitliche Kontrolle: Verschwörungstheorien gehen oft davon aus, dass eine kleine Gruppe von Menschen, Institutionen oder Mächten die Kontrolle über ein breites Spektrum von Ereignissen hat.
Klare Feindbilder: Verschwörungstheorien neigen dazu, klare Feindbilder zu präsentieren, sei es eine geheime Weltregierung, bestimmte ethnische oder religiöse Gruppen oder andere Institutionen.
Unlogische Erklärungen: Verschwörungstheorien bieten oft einfache Erklärungen für komplexe Ereignisse. Sie können oft widersprüchlich oder unlogisch sein. Argumente werden manchmal aufgrund von Annahmen oder Vermutungen aufgebaut, die nicht auf nachvollziehbaren Prämissen beruhen. Fakten selektiv zu interpretieren oder aus dem Zusammenhang zu reißen, um eine vorgefasste Meinung zu unterstützen gehört hier ebenso dazu.
Verwendung von Codesprache: Verschwörungstheoretiker verwenden oft spezielle Begriffe oder Codesprache, um sich mit Gleichgesinnten zu verständigen. Dies kann dazu dienen, sich von der Mainstream-Gesellschaft abzugrenzen.
Fehlen von Expertenmeinungen: Verschwörungstheorien werden selten von Experten in den betreffenden Fachgebieten unterstützt. Stattdessen verlassen sie sich oft auf „Laienexperten“ oder selbsternannte Experten.
Unverhältnismäßige Bedeutung: Verschwörungstheorien neigen dazu, einfache Erklärungen für komplexe Ereignisse zu bieten. Sie unterstellen oft, dass alle Elemente eines Ereignisses absichtlich und gezielt manipuliert wurden.
Verschwörungstheorien sind nicht auf bestimmte Bevölkerungsgruppen beschränkt sind und in verschiedenen kulturellen, sozialen und politischen Kontexten auftreten können. Der Umgang mit Verschwörungstheorien erfordert oft einen einfühlsamen Dialog, Bildung und eine kritische Medienkompetenz, um Menschen bei der Unterscheidung zwischen legitimer Skepsis und irrationalen Überzeugungen zu unterstützen.
Schauen wir uns einmal ein paar Faktoren an, weswegen Menschen sich von Verschwörungstheorien angezogen fühlen können.
Ungewissheit und Angst: In Zeiten von Unsicherheit, Krisen oder sozialen Umbrüchen neigen Menschen dazu, nach Erklärungen zu suchen, die ihnen ein Gefühl von Kontrolle und Verständnis geben. Verschwörungstheorien bieten oft scheinbar klare und einfache Erklärungen für komplexe oder beängstigende Ereignisse.
Vertrauensverlust in Institutionen: Ein genereller Vertrauensverlust in politische, wirtschaftliche oder medizinische Institutionen kann Menschen skeptisch machen und sie dazu verleiten, alternative Erklärungen zu suchen, die auf einem Misstrauen gegenüber den offiziellen Darstellungen beruhen.
Suche nach Sinn: Verschwörungstheorien bieten manchmal einen scheinbar kohärenten Erklärungsrahmen für Ereignisse, die sonst als zufällig oder chaotisch erscheinen könnten. Menschen neigen dazu, nach Sinn und Bedeutung zu suchen, selbst wenn diese in einer Verschwörungstheorie gefunden wird.
Soziale Dynamik: Die Verbreitung von Verschwörungstheorien kann auch auf sozialen Dynamiken beruhen, wie dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft mit gemeinsamen Überzeugungen oder dem Druck, sich mit bestimmten Ansichten zu identifizieren, um Akzeptanz zu finden.
Digitales Zeitalter und soziale Medien: Das Internet und soziale Medien haben die Verbreitung von Informationen beschleunigt. Verschwörungstheorien können sich schnell verbreiten, da sie oft sensationell sind und auf Plattformen, auf denen Meinungen leicht geteilt werden können, große Reichweite erlangen.
Kognitive Verzerrungen: Kognitive Verzerrungen, wie die Neigung, Muster zu erkennen, wo keine existieren (Apophänie), oder die Tendenz, selektive Wahrnehmung zu praktizieren, können dazu führen, dass Menschen an Verschwörungstheorien glauben.
Distanzierung von Mainstream-Ansichten: Manche Menschen fühlen sich von Mainstream-Ansichten abgestoßen oder möchten sich als eigenständig und kritisch denkend darstellen. Verschwörungstheorien können als Gegenbewegung zu etablierten Überzeugungen dienen.
Natürlich kann man die Verbreitung von Verschwörungstheorien nicht auf bestimmte Bevölkerungsschichten reduzieren. Im Gegenteil, wie man gerade bei den Theorien rund um Corona gesehen hat, ist deren Anhängerschaft äußerst heterogen, allerdings gibt es einige Faktoren oder Muster, die in verschiedenen Studien und Analysen identifiziert wurden und einen Hinweis auf die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien sein können.
Bildungsniveau: Es gibt Hinweise darauf, dass in einigen Fällen Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau anfälliger für Verschwörungstheorien sein können. Das Bildungsniveau kann jedoch nicht als alleiniger Indikator dienen, da es viele Faktoren gibt, die die Wahrnehmung von Verschwörungstheorien beeinflussen.
Wirtschaftlicher Status: Einige Studien deuten darauf hin, dass Menschen in wirtschaftlich benachteiligten Gruppen oder Regionen möglicherweise eher anfällig für Verschwörungstheorien sind. Das Gefühl der Unsicherheit und das Streben nach Erklärungen für ökonomische Probleme könnten dazu beitragen.
Politische Orientierung: Verschwörungstheorien können in verschiedenen politischen Lagern auftreten, aber einige Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie in politisch extremen Gruppen oder Bewegungen häufiger verbreitet sein könnten. Dies kann sowohl in linken als auch in rechten politischen Kreisen vorkommen.
Medienkonsum: Das Medienverhalten spielt eine Rolle. Menschen, die sich auf Plattformen mit unüberprüften Inhalten oder in Echokammern bewegen, könnten anfälliger für Verschwörungstheorien sein.
Vertrauen in Institutionen: Menschen, die generell wenig Vertrauen in politische, wirtschaftliche oder medizinische Institutionen haben, könnten anfälliger für alternative Erklärungen und Verschwörungstheorien sein.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Faktoren keine klaren Grenzen ziehen, und es gibt zahlreiche Ausnahmen. Die Verbreitung von Verschwörungstheorien ist multifaktoriell und wird durch eine Vielzahl von individuellen, sozialen und kulturellen Dynamiken beeinflusst. Es gibt Menschen in allen Bevölkerungsschichten, die an Verschwörungstheorien glauben, und es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen solche Theorien akzeptieren können. Daher ist es wichtig, bei der Untersuchung dieser Phänomene einen nuancierten Ansatz zu wählen und die Vielfalt der Motivationen und Kontexte zu berücksichtigen.
Ein Gedanke zu “Eine kurze Bestimmung des Begriffs „Verschwörungstheorie“”