Ich habe euch ja bereits HIER von Kaspar Hauser und über die um ihn kreisenden Verschwörungstheorien erzählt. Nun hat es in diesem Fall neue Erkenntnisse gegeben.
Es gab ja bereits einige Untersuchungen der Hauser’schen DNA, die allerdings im harten Ergebnis etwas schwammig blieben. Dies hat sich nun geändert. Eine hochkarätig besetzte Gruppe von Wissenschaftlern unter dem Vorsitz von Walther Parson vom Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck konnte auch die mitochondrialen DNA-Sequenzen auswerten, was bei den Untersuchungen von 1996 und 2001 wegen des Standes der Technik damals nicht möglich war.
In Ihrer Pressemitteilung schreiben die Forscher: In einer aktuellen Veröffentlichung im Journal iScience (Parson et al.) werden die Ergebnisse neuer DNA-Analysen einzelner Haarschäfte vorgestellt, die die Kontroverse aufklären. Bei diesen Analysen, die 2019 in Innsbruck und 2020/2021 in Potsdam durchgeführt wurden, kamen moderne und deutlich sensitivere Methoden zum Einsatz und sie bestätigen die Ergebnisse aus dem Jahr 1996. Durch Einbeziehung unterschiedlicher Proben, die identische Ergebnisse lieferten, konnte die Echtheit der untersuchten Proben und ihre Zuordnung zu Kaspar Hauser erstmals mit einer beeindruckenden Konfidenz von 99,9994 % nachgewiesen werden.Die nun bestätigte mitochondriale DNA-Sequenz von Kaspar Hauser (Mitotyp W) weicht deutlich von der „badischen“ Linie (Mitotyp H1bs) ab, was eine mütterliche Verwandtschaft zum Haus Baden und damit die weit verbreitete „Fürstentheorie“ ausschließt.Die Autoren betonen jedoch, dass dieses Ergebnis nicht als Beweis für die konkurrierende „Betrugstheorie“ missverstanden werden sollte, denn auch wenn Kaspar Hauser kein Fürst gewesen wäre, könnte er dennoch Opfer eines Verbrechens geworden sein. [Eigene Übersetzung]
Angewandt wurde die als Primer Extension Capture Massively Parallel Sequencing (PEC MPS) bezeichnete Untersuchungsmethode, durch die man auch Verunreinigungen der Proben durch jüngere DNA erkennen kann. So konnte auch die Streitfrage, ob das Blut in einer Unterhose, die Hauser gehört haben soll, tatsächlich von ihm stammt, mit einem klaren „Ja“ geklärt werden. Blut und Haarproben passen genetisch zusammen und beide sagen eben aus, dass Kaspar Hauser – wer immer er auch war – eben keinerlei genetischen Verbindungen zu Stéphanie de Beauharnais hatte.
Die „Prinzentheorie“ ist damit vom Tisch. Die Frage bleibt allerdings, wer dieser rätselhafte Findling dann war. Die Autoren stellen jedoch auch fest, dass es nicht möglich ist, aus der mtDNA-Sequenz von Kaspar Hauser spezifische Informationen über seine exakte geographische Herkunft abzuleiten Die Behauptung, des Karlsruher Neurologen Günter Hesse in seinem Buch von 2018, er habe durch den Vergleich der mtDNA von Kaspar Hauser mit der mtDNA von ein oder zwei zufällig ausgewählten Tirolerinnen eine Herkunft aus Tirol nachgewiesen, beruht nicht auf anerkannten wissenschaftlichen Fakten und Konzepten. „Der Mitotyp W, der in den Proben von Kaspar Hauser zwischen 1996 und 2022 gefunden wurde, ist zwar relativ selten (ca. 0,2 Prozent der Bevölkerung), wird aber dennoch von vielen Menschen in ganz Europa geteilt. Es ist daher nicht möglich, Kaspar Hausers Herkunft allein auf Grundlage seiner mtDNA-Sequenz auf eine bestimmte Region, wie etwa Tirol einzugrenzen“, erklärt der Innsbrucker Experte Parson. [Quelle]
Die Studie kann HIER und HIER eingesehen und kostenlos als PDF heruntergeladen werden.
2 Gedanken zu “Spannende Neuigkeiten zu Kaspar Hauser”