Gelesen: Pilgrim, Volker E.: Hitler 1 und 2: Das sexuelle Niemandsland

Hitler has only got one ball
Göring has got two but they’re small
Himmler has something sim’lar
But poor old Goebbels has no balls at all

Nun, es gibt sicherlich schon das eine oder andere Buch über Adolf Hitler, aber Volker Elis Pilgrim bringt eine neue Theorie, die durchaus eine nähere Betrachtung wert ist. Auf vier Bände ist das Werk mit dem Titel „Hitler 1 und Hitler 2“ angelegt und bereits der nun erschienene erste Band umfasst 924 Seiten.

Der etwas sperrige Titel des Gesamtwerkes zielt auf eine grundlegende Wesensveränderung Hitlers an. War der „Führer“ bis zum Ende des Ersten Weltkrieges ein eher zurückhaltender, künstlerisch ambitionierter Schwärmer, wandelte er sich danach zu dem zielstrebig-energischen Politiker mit enormen Rednertalent, wie wir ihn aus den landläufigen Dokumentationen kennen.

Den Aufenthalt in dem mecklenburgischen Lazarett Pasewalk sieht Pilgrim hier nicht nur als korrelierend, sondern als kausal an, geht er doch davon aus, dass eine fehlgeschlagene psychologische Behandlung diesen abrupten Persönlichkeitswechsel auslöste.

Der Stücktitel des ersten Bandes lautet „Das sexuelle Niemandsland“. Dies zielt auf die sexuelle Abstinenz Hitlers ab und Pilgrim geht davon aus, dass der spätere Diktator kaum Erregung beim penetrierenden Akt gefunden hatte, was nicht nur an seinem „rechtsseitigen Kryptorchismus“ lag, sondern auch daran, dass Hitler nur dann wahre Lust empfinden konnte, wenn getötet wurde. Um es auf den Punkt zu bringen: V.E. Pilgrim geht davon aus, dass Hitler ein sexuell motivierter Serienkiller war.

Allerdings griff er nicht selbst zum Mordwerkzeug und meuchelte, nein, ihm genügte es, dass in seinem Namen gemordet wurde. Diese These arbeitet Pilgrim sehr akribisch aus und hier merkt man auch, dass der Autor früher Jurist war, hat er doch großes Interesse an Details anhand derer er ein schlüssiges Indiziengebäude errichtet.

Das Hitler jedenfalls von Gewaltdarstellungen erregt wurde, belegt Pilgrim anhand von zwei überlieferten Beispielen. Die erste Begebenheit schilderte die Schauspielerin Marianne Hoppe, die Mitte der 1930er Jahre einem Filmabend in der Reichskanzlei beiwohnte. Sie saß in der Nähe Hitlers und konnte ihn so genau beobachten. Auf dem Programm stand „Der Rebell, ein Film von Luis Trenker, der in napoleonischer Zeit spielt und den Tiroler Volksaufstand von 1809 thematisierte. Bei einer Szene, in der französische Soldaten durch einen schmalen Pass gehen mussten, lösten die Tiroler Aufständischen einen vorbereiteten Steinschlag aus, der zahlreiche Franzosen erschlug.

Hitlers Benehmen hierbei beschreibt Marianne Hoppe so: Und da glaube ich, kriegte Hitler eine Art Erregung und hat so die Knie gerieben bei diesem Ereignis, wie die Steine da runterrollten auf die Franzosen herab. Und da glaube ich, kriegte Hitler eine Art Erregung und hat so die Knie gerieben bei diesem Ereignis, wie die Steine da runterrollten auf die Franzosen drauf, und hat gestöhnt. Ich weiß nicht, ob er verrückt war, aber da kriegte er so eine Art von Orgasmus, sagen wir mal. Und da weiß ich auch noch, wie ich in der Dunkelheit aufgestanden bin, denn da war mir der Mann unheimlich. Und da ging ich raus und bin nie wieder hingegangen. (1)

Ein weiteres dokumentiertes Ereignis ereignete sich während eines Eishockey-Spieles bei der Winterolympiade 1936. Bei diesem Eishockey-Match ging es recht blutig zur Sache und auch hier wurde wieder das charakteristische Kniereiben und Hitlers Erregung beobachtet. Hier, in der Öffentlichkeit kam es aber nicht zum Äußersten, Hitler verließ das Stadion recht hastig.

Indem er Hitler als „Sexopathen“ bzw. sexuell motivierten Serienkiller entlarvt, bietet Volker Elis Pilgrim einen spannenden Blick auf den Diktator und sein Sexualleben. Natürlich ist dies eine provozierende und steile These und die arrivierte Geschichtswissenschaft wird sicherlich ihre Probleme mit dieser Aussage haben, aber nachdem bereits Sebastian Haffner 1978 in seinem Essay „Anmerkungen zu Hitler“ auf die sexuelle Erregung einging, die Hitler erfasste, wenn er die Massenmorde anordnete, wird man diese Kröte wohl schlucken müssen und ihr Relevanz zugestehen.

Im folgenden zweiten Band will der Autor hauptsächlich auf die Vorgänge im Lazarett Pasewalk eingehen, was ebenfalls verspricht, spannend zu werden. Es ist lediglich schade, dass dieses Buch in den Kreisen, die noch immer eine gewisse Bewunderung für Hitler pflegen, nicht gelesen werden wird, sind diese doch nicht an einer Demaskierung ihres Idols interessiert. Allen anderen bietet das Buch einen einzigartigen Einblick in die Psyche Hitlers.

Auch die Aufarbeitung der Familiengeschichte und -verhältnisse Hitlers, der ja aus einer inzestuösen Verbindung zwischen Onkel und Nichte stammt, ist hoch spannend, werden diese Aspekte doch bisher immer recht verschämt verschwiegen. Doch hatte dies auch Auswirkungen auf das Kind und den Heranwachsenden Hitler. So greift ein Kapitel ins Andere wie ein Zahnrad und als Ergebnis steht da ein komplett verkorkster Massenmörder.

„Hitler 1 und Hitler 2: Das sexuelle Niemandsland“ ist eine hoch spannende Lektüre, die breit empfohlen werden kann. Auch wenn der Umfang von über 900 Seiten im ersten Moment etwas abschreckt, sollte man sich ruhig an diesen „Ziegel“ wagen, der mitreißende Stil und die Begeisterung des Autors lassen das Buch eine kurzweilige und spannende Lektüre werden.

Zum Autor

Volker Elis Pilgrim wurde 1942 als Spross einer alten preußischen Adelsfamilie geboren und seine Eltern bewegten sich im Dunstkreis von Hermann Göring. Bis 1960 wuchs er in Brandenburg auf und floh dann in die Bundesrepublik. Dort studierte er in Göttingen, Frankfurt/Main, Wiesbaden und München Psychologie, Geschichtswissenschaften, Jura, Soziologie, Musik sowie Film- und Theaterwissenschaften. Seine Promotion erfolgte in den Rechtswissenschaften mit einer Dissertation zum Thema „Der urheberrechtliche Schutz der angewandten Formgestaltung“. 

Pilgrim wurde durch sein 1977 erschienenes Buch „Manifest für den freien Mann“ zu einem der Vorreiter der Männerbewegung und war einer der ersten prominenten Vegetarier. Von 1982 bis 2008 lebte er in Australien und Neuseeland und nahm 1989 die australische Staatsbürgerschaft an. In diesem Zuge änderte seinen Namen in Max Melbo. In dieser Zeit forschte Pilgrim auch intensiv über das Phänomen des Serienkillers, was sich nun hier in dem vorliegenden Auftaktband niederschlägt.

Über dessen Entstehung schreibt Pilgrim: In der Aucklander Abgeschiedenheit Produktion eines mehrbändigen Zyklus’ über Kleist und homosexuellen Missbrauch, einer dreibändigen Autobiografie und des Laborromans über einen Südsee-Serienkiller. Während dieser Forschung gelang es mir gelang, das Serienkiller-Syndrom des Mannes als genetischen Defekt zu entschlüsseln. In diesem Manuskript „absolvierte“ Adolf Hitler bereits „Gastauftritte“.

Nach Abschluss der Digitalisierung Ende 2010 Beginn der siebenjährigen Forschung über den Serienkiller sui generis, Adolf Hitler – meine Reisen 2011 bis 2013 zu europäischen Archiven und Bibliotheken, zuzüglich mein Studium in neuseeländischen Libraries, die mit Büchern über Hitler bestens bestückt sind, weil es das Schulfach „Nazideutschland“ gibt.

Ergebnis: Hitler1 und Hitler 2. Das sexuelle Niemandsland. (2)

 

(1) Pilgrim, Volker E.: Hitler 1 und Hitler 2: Das sexuelle Niemandsland. Hamburg, 2017

(2) http://volker-elis-pilgrim.de/wp-content/uploads/2017/07/pilgrim_werkgeschichte.pdf
Abgerufen am 12. November 2017

Beitragsbild mit freundlicher Genehmigung des Osburg Verlags. Das Portrait des Autors stammt von Karl-Heinz Kuball.

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