Gelesen: Schneider, Harald: Hormone

Was der Professor Schneider über Hormone weiß, das geht auf keine Kuhhaut. Deswegen hat er ein ganzes Buch geschrieben, in das alles reinpasst. Und der Onkel hat das Buch gelesen und ist schon begeistert.

Mir wurde ja vor knapp zehn Jahren die Schilddrüse entfernt und ich stehe seitdem unter Hormon-Substitution. Deswegen interessiert mich das Thema natürlich besonders. Schaut man allerdings bei Amazon & Co. nach, so findet sich hauptsächlich irgendwelche Ratgeber-Literatur von irgendwelchen „Promis“, die durch Hormonmanipulationen abnehmen, ihre Haut straffen oder den kleinen Zeh vergrößen wollen. Von daher ist eine fundierte Publikation wie diese hier wirklich erfrischend.

Aber schauen wir uns das Buch mal genauer an.

Es beginnt mit einer Einführung, wo Hormone im Körper entstehen und wo sie welche Wirkung und Aufgaben haben. Dabei wird in eigenen Kapiteln auf die Arbeitsweise der Hypophyse, der Schilddrüse, der Nebenschilddrüse, der Bauchspeicheldrüse, den Nebennieren, der Zirbeldrüse sowie Hoden und Eierstöcken eingegangen. Jedes dieser Organe wird umfangreich beleuchtet und die dort gebildeten Hormone erläutert.

Das zweite Kapitel, mit der Überschrift „Wie Hormone unser Leben beeinflussen“ zeigt auf, welche Hormone in welcher Lebensphase Einfluss auf unseren Körper haben. Begonnen natürlich mit Schwangerschaft, über die Pubertät hin zu Wechseljahren und Alter. Dazu kommen noch Abschnitte über die Beteiligung der Hormone in der Liebe oder wie sie die Psyche beeinflussen. Ebenfalls hat die Antibabypille einen eigenen Abschnitt. Hier wird auch auf unser Körpergewicht eingegangen, wie man am besten abnehmen kann und welchen Einfluss hier unsere Hormone haben. Im Gegensatz zu den vielen anderen Ratgebern stehen hier die Aussagen allerdings auf einer wissenschaftlichen Basis.

Thema im dritten Kapitel sind Krankheiten und Störungen des Hormonsystems. Man erfährt alles zu Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto-Thyreoiditis), Schilddrüsenüberfunktion, Störungen der Nebenschilddrüsen, dem PCO-Syndrom, Geschlechtshormon- und Testosteronmangel, Diabetes mellitus, Osteoporose, Hypophyseninsuffizienz, Hypophysentumore, Prolaktinomen und Prolaktinüberschuss, Akromegalie, dem Cushing-Syndrom, dem Conn-Syndrom, dem Phäochromozytom und Morbus Addison. Hui, ich wusste gar nicht, wieviele Erkrankungen es im Zusammenhang mit Hormonen gibt…

Besonders interessant ist das vierte Kapitel, in dem häufige Fragen aus der ärztlichen Praxis aufgeriffen werden. Das geht von Hautunreinheiten über Probleme mit der Menstruation und dem Prämenstruellen Syndrom hin zu Problemen im Herz-Kreislauf-System und zahlreichen weiteren Fragen, die Patientinnen und Patienten in der Arztpraxis so stellen.

Wir sehen, das vorliegende Buch ist äußerst umfangreich und geht fachlich äußerst fundiert auf alle Fragen und Themen rund um Hormone ein. Dies ist ja kein Wunder, ist der Autor Prof. Dr. Harald J. Schneider doch Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie mit eigener Gemeinschaftspraxis und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bisher hat er knapp 100 wissenschaftliche Fachpublikationen veröffentlicht. Unterstützt wurde er von der Journalistin Nicola Jacobi und der Grafikerin Joscha Thyen.

Wer nun aber ein trockenes Fachbuch erwartet, der wird hier positiv überrascht werden. Die Sprache ist für Laien verständlich und somit eine hervorragende Anlaufstelle für alle, die Fragen zum Thema Hormone haben. Somit ist das vorliegende Buch der Beweis, dass man auch komplexe medizinische Themen durchaus unterhaltsam für das Publikum aufbereiten kann. Gerade durch die klare Struktur ist es ein wichtiges Kompendium.

Fazit: Eine klare Leseempfehlung für ein Buch, das sich durch seine wissenschaftliche Basis, seine klare Struktur und seine verständliche Sprache erfrischend von all den anderen Ratgebern abhebt.