El Cid, der Zentralverein und das große Mimimi

Ich bin ja ein Freund von so alten Historienschinken. Kennt ihr doch, „Die letzten Tage von Pompeji“, „Die Fahrten des Odysseus“, „Der Untergang des Römischen Reiches“, „Waterloo“ oder „Die Nibelungen“. Am besten natürlich mit Charlton Heston. Wobei Filme ohne Affen aber mit Charlton Heston immer ein bisschen enttäuschend waren. Meistens spielte dafür Sophia Loren mit, was aber auch nur ein schwacher Trost war.

Was wollte ich sagen? Achja, Historienschinken. Einer, der mir besonders gefallen hat, war „El Cid“, ein Monumentalfilm über den spanischen Nationalhelden Rodrigo Diaz de Vivar, der im Jahr 1099 Valencia gegen die maurischen Invasoren verteidigte. Am Abend vor der großen, entscheidenden Schlacht wird er bei einem Scharmützel aus dem Hinterhalt angeschossen. Auf dem Krankenlager merkt er, dass er den nächsten Tag nicht erleben wird. Da El Cid weiß, dass seine Truppen ihn als Anführer für ihre Kampfmoral brauchen, befielt er, dass man ihn am nächsten Morgen auf sein Pferd binden solle, damit er seinen Truppen voranreiten könne. Daraufhin stirbt er. Es geschieht wie befohlen, man bastelt ein Holzgestellt, bindet den Cid daran fest, Umhang drüber, Schwert in die Hand gebunden und aufs Pferd damit. Ein Schlag auf die Flanke und der Hengst mit dem toten Helden auf dem Rücken prescht gegen den maurischen Feind. Das Heer mit Heidewitzka hinterher. Das Ergebnis: El Cid tot, Mauren tot, Valencia gerettet, der spanische König freut sich und es gibt noch immer keine Affen im Film.*

Warum ich mich gerade jetzt an diesen Film erinnere? Nun, ich habe die Pressemitteilung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte gelesen, in der sich der Verein mit der Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der Musterweiterbildungsordnung beschäftigt.
Nun, nicht, dass ihr mich falsch versteht: ich möchte diese Herrschaften nicht mit El Cid vergleichen, da fehlt dann doch mehr als Niveau und Format, nein, ich finde einfach, dass dieses Bild so gut passt.

Die Homöopathie ist schon lange toter Krieger, der schon leicht zu müffeln anfängt und nur noch durch Hilfskonstrukte wie den staatlich verordneten Binnenkonsens auf dem Pferd gehalten wird. Trotzdem rennen ihm in blindem Eifer seine treuen Anhänger nach, bereit auf alles und jeden einzudreschen, der sich ihnen in den Weg stellt.

Und so liest sich auch die Pressemitteilung. Außer ad hominen-Angriffen gegen die pöhsen, pöhsen Skeptiker, die in einer „Hau-Ruck-Aktion“ die Delegierten des Deutschen Ärztetages überrascht haben, und so dafür sorgten, dass den aufrechten, Homöopathen der Dolch in den Rücken getrieben wurde. Überhaupt, 2018 wurde das Thema ja auch schon verhandelt und damals wurde ein solcher Antrag ja abgewiesen. Wie kann dann zwei Jahre später plötzlich ein anderes Ergebnis rauskommen? So ist das halt mit der Demokratie, nicht wahr?

Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist der Ruf nach mehr Forschung zur Homöopathie. Tja… das ist so eine Sache. Der bayerische Landtag hat ja eine Studie in Auftrag gegeben zur Homöopathie als Alternative für Antibiotika, nur: für diese Studie hat sich bis heute keine Forschungseinrichtung gemeldet. Niemand will sie durchführen. Das sagt ja schon genug.

Und auch der neueste Dreh der Globuli-Jünger ist mit am Start: die Umdeutung des Begriffes der evidenzbasierten Medizin, so lange, bis auch die Homöopathie darunterfällt. Das ist natürlich Kappes. Die evidenzbasierte Medizin hat ganz klare Eckpfeiler und die Homöopathie hat bisher noch nicht geschafft, diese auch nur anzukratzen. Das Verhältnis der Homöopathen zu Studien habe ich ja bereits HIER dargelegt.

Hier setzt der Zentralverein also wieder nur sein übliches, larmoyantes „Mimimi“ ab, das jeder Substanz entbehrt und nur noch von den hartgesottensten Anhängern der Zuckerkugellehre ernstgenommen wird. Wir können uns also auf den Satz beschränken, dass im Westen nichts Neues zu melden ist.   

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* Als Cineast:in erkennt man natürlich die Anspielung auf die Filmreihe um den „Planet der Affen“, in der Charlton Heston 1968 den Astronauten George Taylor gespielt hat.

Ein Gedanke zu “El Cid, der Zentralverein und das große Mimimi

  1. Ich freue mich auf den hoffentlich bald eintretenden Tag, an dem der Binnenkonsens endlich einkassiert wird.

    Diese Mimimi-Tränen dann, köstlich.

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