Ein paar Gedanken zu 10 Jahren skeptischer Bloggerei

Mein Blog hat ja dieses Jahr einen „runden Geburtstag“ und wird zehn Jahre alt. Als mir das kürzlich so richtig bewusst wurde, habe ich mir natürlich ein paar Gedanken dazu gemacht.

Eröffnet habe ich diesen Blog hier, nachdem mein Vater an Krebs verstorben war. Im Laufe seiner Erkrankung wurden nämlich die abstrusesten „alternativen“ Heilmethoden an ihn herangetragen. Von Homöopathie, Schüßler-Salzen, Familienaufstellung, Misteltherapie und was weiß ich nicht noch alles. Mein Vater hat dieses ganze Gedöns immer weit von sich gewiesen und hatte immer die entsprechenden Worte für die Hinweisgeber parat. Unterstützt wurde er dadurch von unserem damaligen Hausarzt, der wie wir alle fest auf dem Boden der evidenzbasierten Medizin stand.

Ich habe mir überlegt, was mit den Menschen ist, die eine solche Unterstützung nicht haben und darum beschloss ich, über Pseudomedizin aufzuklären. Schon vorher war ich GWUP-Mitglied geworden (was ihr auch tun solltet!) und so stieß ich kurz nach deren Gründung zum Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) und konnte meine Aufklärungsarbeit auf eine breitere Basis stellen.

Natürlich war die skeptische Aufklärungsarbeit nicht immer einfach, es gab Beschimpfungen und Bedrohungen gegen meine Gesundheit und mein Leben. Aber gut, das gehört anscheinend dazu, wenn man eine solche Aufklärungsarbeit betreibt und letztendlich sagt es doch viel mehr über die „Gegenseite“ aus, als über mich.

Sicherlich bin ich nicht der „erfolgreichste“ oder der „meist gelesenste“ skeptische Blogger und sicherlich bekomme ich auch genügend Kritik für meinen Stil oder meine zum Teil deutlichen und klaren Worte, aber mei, das ist halt so. Natürlich gibt es eloquentere Blogger als mich, oder welche, die mehr Projekte am Laufen haben. Aber das ist halt so. Skeptische Arbeit ist kein Wettbewerb, wo es Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen gibt. Auch sollte die skeptische Arbeit nicht zur Profilierung des eigenen Egos dienen.

Mir persönlich ist egal, wieviele Follower ich auf Twitter habe oder auf BlueSky. Mir ist es letztendlich auch egal, wieviele Menschen meine Artikel lesen (wenn mich auch hohe Zugriffszahlen durchaus freuen, das ist ja mal klar). Und wisst ihr, warum das so ist? Weil es mir reicht, wenn nur ein einziger Mensch, nur ein einziger!, meine Artikel liest und dann nicht auf irgendeinen Schwurbel hereinfällt oder eben nicht einer Verschwörungstheorie nachläuft. Wenn ich nur einen einzigen Menschen erreiche, dann hat sich die ganze Arbeit schon gelohnt.

Sehr gerne würde ich natürlich noch mehr Projekte verwirklichen, vielleicht einen Podcast machen, vielleicht was auf Youtube. Ideen sind da, was mir fehlt, ist die Zeit. Nachdem ich ein ganz normaler Arbeitnehmer bin, dazu noch zu meinem Arbeitsplatz pendeln muss, bin ich schon mal gut 60 Stunden pro Woche gebunden, dann bin ich noch pflegender Angehöriger und kümmere mich um meine Mutter. Und den Rest meiner Zeit, den investiere ich in meine skeptische Arbeit, die sich ja nicht nur auf meinen Blog beschränkt, sondern auch Artikel für den Skeptiker, für den Humanistischen Pressedienst oder meine Buch-Projekte.

Bitte versteht mich jetzt nicht falsch, das soll kein „Fishing for compliments“ sein oder Mitleidsgebettel, nein, ich habe mir das so herausgesucht und ich komme damit gut zurecht. Würde mir die skeptische Arbeit nicht viel Spaß und Freude machen, würde ich damit aufhören. Es soll auch keine Rechtfertigung sein, nein, nur eben eine Darstellung der Umstände. Was man hier auch nicht vergessen darf, sind die Menschen, die ich im Rahmen meiner skeptischen Arbeit – insbesondere in GWUP und INH – kennenlernen durfte und die heute zu Freunden geworden sind. Von denen möchte ich wirklich keinen einzigen mehr missen.

Soviel Hirnsudelei für heute. Mal schauen, was ich mir für das Jubiläumsjahr 2025 noch alles einfallen lasse. Wenn ihr Wünsche habt, immer her damit!

7 Gedanken zu “Ein paar Gedanken zu 10 Jahren skeptischer Bloggerei

  1. Vielen Dank – ich bin erst zu Corona-Zeiten ins Bloggen eingestiegen und habe Dich von meinen ersten Blogversuchen an abonniert. Du bist ein großes Vorbild – inhaltlich, stilistisch und in Deiner Haltung! Freue mich auf die nächsten zehn Jahre.

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  2. Auch aus Österreich: Herzlichen Glückwunsch, und schreib/bleib wie Du bist.

    Und schreib mal etwas für uns -)

    Liebe GrüßeAndreas

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