Heute ist Welt-Polio-Tag!

Ich bin ja ein Kind der 70er Jahre. (Und bevor ihr fragt, der 1970er Jahre!) Und ich kann mich noch gut an die zahlreichen Plakate erinnern, die bei uns im Kindergarten und in der Schule hingen „Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist bitter!“ (teilweise auch „Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam!“). So war es auch selbstverständlich, dass wir ohne großes Federlesen klassenweise geimpft wurden. Es war ja auch nur ein Würfelzucker mit ein bisschen Medizin drauf und mit einem Haps erledigt.

Auf diesem Würfelzucker befand sich eine Portion des von Albert Sabin entwickelten oralen Polioimpfstopfes. Hierbei handelte es sich um einen sog. Lebendimpfstoff, der abgeschwächte Erreger enthält und zu einer sogenannten „stillen Feiung“ führt. Heute wird dieser Impfstoff in Deutschland nicht mehr angewendet. Stattdessen wird auf den von Jonas Salk entwickelten inaktivierten Impfstoff zurückgegriffen, der injiziert wird.

Bei der „Kinderlähmung“ handelt es sich um die Poliomyelitis, eine fieberhafte Infektionskrankheit die hauptsächlich bei Kindern auftritt. Es kommt hierbei zu Lähmungen der Extremitäten oder der Atemmuskulatur. Der Übertragungsweg sind Schmier- oder Tröpfcheninfektionen. Die Krankheit ist hoch ansteckend und wird durch Viren übertragen.

Auch wenn der größte Teil der Infektionen ohne Krankheitszeichen verläuft, ist eine Ansteckung hoch gefährlich, denn in den restlichen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung kommen und zu dem, was man die „klassische Kinderlähmung“ nennt. Hier kommt es zu Nervenschädigungen und dadurch zu den schon genannten Lähmungen. Diese Lähmungen können zu Gelenkschäden, Skoliose oder Deformationen führen. Man erinnert sich noch an die Menschen im Straßenbild, die die typischen Beinschienen tragen mussten oder im Rollstuhl saßen. Prominentestes Opfer war hier sicherlich der us-amerikanische Präsident F.D. Roosevelt, der seit einer Polio-Erkrankung von der Hüfte abwärts so gut wie gelähmt war und sich nur im Rollstuhl bewegen konnte.

Die Atemlähmungen sind für Polio-Kranke naturgemäß lebensgefährlich. Für diese Patienten wurde die sogenannte eiserne Lunge entwickelt. Hierbei handelt es sich aus einem Zylinder aus Stahl und Glas, in den der Patient bis zum Hals hineingeschoben wird. Dort schließt es luftdicht ab und es wird ein Unterdruck erzeugt, der Luft in die Atemwege presst. Anschließend wird ein Überdruck aufgebaut, durch den der Kranke ausatmen kann. Die Australierin June Middleton war die Frau, die am längsten in einer eisernen Lunge leben musste. Sie verbrachte 63 Jahre in diesem „Stahlsarg“, bevor sie 2009 im Alter von 83 Jahren verstarb.

Polio kann nicht ursächlich behandelt, sondern nur die Symptome gelindert werden. Aber dank der stetigen Impfungen gilt die Krankheit heute in Deutschland als ausgerottet. Das Virus kommt allerdings noch in zahlreichen afrikanischen und nahöstlichen Ländern vor.

Nachdem das Virus allerdings nur auf den Menschen übergeht und in seiner Struktur gleichbleibt, besteht eine große Chance, den Erreger quasi auszuhungern. Wichtig hierfür ist allerdings, dass die Impfbereitschaft in der Bevölkerung weiterhin so hoch bleibt wie bisher.

Besonders der Rotary-Club engagiert sich für Impfungen gegen Kinderlähmung. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation, UNICEF und dem us-amerikanischen CDC und der Bill & Melinda Gates Foundation hat der Serviceclub das Projekt „PolioPlus“ ins Leben gerufen um die Schluckimpfung international zu verbreiten.

Bei der Kinderlähmung sind wir ganz nahe dran, dieses Übel aus der Welt zu schaffen. Einen schlagkräftigeren Beweis, wie wichtig und wertvoll Impfungen sind, dürfte es schwerlich geben.

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