Hasch mich – ich bin der Frühling oder: Edward Bach und seine Blüten

Wenn der kleine Torben-Tobias am Spielplatz vonner Schaukel knallt, dann kommt seine Mutter, natürlich angaloppiert, um den kleinen Racker mit wirkungslosen Milchzuckerkügelchen aka Globuli vollzustopfen. Aber was macht Loreley-Delilah, wenn es ihr selber nicht gut geht und sie wieder einmal „Kreislauf“ hat. Sektchen geht ja nicht. Früh am Kinderspielplatz. Nein, dafür hat sie in ihrer handgegerbten und kunstgepunzten Handtasche natürlich das Allroundmittel dabei: Rescue-Tropfen.

Bei den Rescue-Tropfen handelt es sich um ein Mittel aus „Bachblüten“. Wobei das nicht für den Ort steht, wo die Blüten wachsen, sondern für ihren Erfinder Edward Bach.

Edward Bach war schon ein komischer Kauz. Fest in der Esoterik verwurzelt, erfand er in den 1930er Jahren seine Bachblütentherapie. Bach war Homöopath und ließ sich von der Homöopathie auch bei seiner eigenen Therapie inspirieren.

Nach seinem Weltbild hat der Mensch eine unsterbliche Seele und eine sterbliche Persönlichkeit. Beide können nicht direkt miteinander kommunizieren und benötigen ein spirituelles Selbst als Vermittler. Alle Menschen wiederum sind Teil des kosmischen Energiefeldes und müssen im Rahmen ihrer Existenz diverse Aufgaben erledigen. Das versucht die Seele mit ihrem alten Kumpel, dem spirituellen Selbst dann in der Persönlichkeit zu erledigen. Schaffen sie das nicht, gibt’s „negative Seelenzustände“, die sich in körperlichen Krankheiten manifestieren. Kompliziert nicht? Da wird sogar ein profaner Schnupfen zum spirituellen Energiekrise (nicht zu verwechseln mit der Sprit-Krise). Aber Rettung naht ja in Form von Bachs 38 Blütenessenzen. Jede Essenz hat nämlich eine spezielle Schwingungsfrequenz, die einen negativen Seelenzustand harmonisieren kann.

Das perfide an dem System ist, dass nach Bachs Vorstellung Charakterschwächen des Patienten diesen unharmonischen Zustand herbeiführten. Sprich, jeder Kranke ist an seiner Krankheit selbst schuld. Bachblüten sollen übrigens auch nach Vergewaltigungen helfen, denn derartige Ereignisse können durch unbewusste Programmierungen aus der astralen Ebene herangezogen werden. (1)

Bach dachte sich zuerst negative Seelenzustände aus und erspürte dann „intuitiv“, welche Pflanze die richtigen Schwingungen hatte, um diese Zustände zu harmonisieren. Ihr seht also, die Bachblütentherapie fußt auf dem absolut willkürlichen System eines esoterischen Träumers, das jeder medizinischer Grundlage entbehrt.

Zur Herstellung gibt es zwei Herstellungsmethoden: die Sonnen- und die Kochmethode.

Bei der Sonnenmethode werden die frisch gepflückten Blüten in Wasser (ca. ½ Liter) gelegt und für ca. vier Stunden in die pralle Sonne gestellt. Während dieser Zeit gehen in Bachs Vorstellung die Schwingungen als Heilenergie auf das Wasser über. Nach dieser Zeit wird das Wasser mit 40-prozentigem Alkohol verdünnt (natürlich nur zur Konservierung… ) Diese Plörre Dieser verdünnte Alkohol wird dann nochmal im Verhältnis 1:240 mit Alkohol verdünnt und in die sogenannten „Stockbottles“ abgefüllt und verkauft. Der leichtgläubige Käufer muss dann noch einmal mit Wasser verdünnen, bis er das mit Wasser verdünnte Wasser trinken „kann“.

Bei der Kochmethode tritt anstatt der Sonnenbestrahlung ein 30-minütiger Kochvorgang.

Was von dieser Methode zu halten ist, fassen Simon Singh und Edzard Ernst treffend auf Seite 366 ihres Buches „Gesund ohne Pillen“ zusammen: Ergebnisse mehrerer Studien zu Blütenmitteln liegen vor. Keine von ihnen weist nach, dass dieser Ansatz bei der Heilung von Krankheiten oder bei der Linderung von Beschwerden über den Placeboeffekt hinaus wirksam ist. Da die Mittel stark verdünnt sind, sind Nebenwirkungen unwahrscheinlich.

Die angesprochenen Rescue-Tropfen sind übrigens eine Mischung aus insgesamt fünf verschiedenen Essenzen. Eine Frau starb an einem Asthmaanfall, weil die Heilerin diesen mit Notfalltropfen kurieren wollte. (1)

 

Beitragsbild: https://www.psiram.com/de/index.php/Bachbl%C3%BCten

(1) https://web.archive.org/web/20080724231800/http://www.gwup.org/ueberuns/zentrum/bach-bluetentherapie-info.pdf
Abgerufen am 11. November 2017

2 Gedanken zu “Hasch mich – ich bin der Frühling oder: Edward Bach und seine Blüten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.