Eingeimpft – Ein Resümee

Der Film Eingeimpft hat ja in der letzten Zeit einige Wellen geschlagen. Zu recht gab es viel Widerstand gegen diesen Streifen. Über den Inhalt und die Rezeption brauche ich sicherlich nicht mehr viel zu schreiben, das haben mit Natalie Grams, Udo Endruscheit, Susanne Kretschmann und wie sie alle hießen, kompetentere Autoren als ich bereits ausführlich getan.

Ich möchte hier auch nur über meine persönliche Meinung und Empfindungen zu Film und anschließender Diskussion schreiben.

Das Wort „bizarr“ trifft meine Meinung zu dem Film wohl am besten. Es ist in meinen Augen ein äußerst bizarrer Film. Da haben wir einen Filmemacher, der mir persönlich immer wieder vorkommt wie ein Waldorflehrer, der zweimal zu oft seinen Namen getanzt hat und eine hysterische Mutter, die nach eigener Auskunft selbst „keine Ahnung“ hat (das sagt sie im Film ja oft genug), aber auf jede krude Verschwörungstheorie zum Thema impfen anspringt. Und wenn ihr die Argumente ausgehen, werden schnell ein paar Tränchen rausgepresst, um den notwendigen emotionalen Druck zu erzeugen.

Also zieht der filmemachende Papa los und befragt Experten. Und das macht er auf eine bizarre Art und Weise. Eher kritische Stimmen kommen ausführlich zu Wort, während befürwortende Stimmen immer wieder negiert werden. Ausgewogenheit sieht anders aus. Da kann beispielsweise eine Pathologe über seine diffusen Ängste vor Anschlägen auf sein Leben schwadronieren, weil er den Tod eines Säuglings auf Impfungen zurückführt (natürlich will ihm die pöhse Pfarmamapfia deswegen an den Kragen). Allerdings wurde der Fall dieses Säuglings bereits mehrfach fundiert untersucht und es gab eben keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit Impfungen. Das hört man nicht.

Äußerst „interessant“ (ich will nicht schon wieder bizarr schreiben) wird es, wenn der vermeintlich fürsorgliche Vater den Sand auf dem Spielplatz nach Spritzen durchsucht, weil er eine Hepatitis-Ansteckung fürchtet, die weitaus größere Gefahr aber, das Bakterium „Clostridium tetani“, also den Auslöser von Tetanus ignoriert. Dieses Bakterium kommt fast überall in der Natur vor und stellt für sein ungeimpftes Kind eine durchaus reale Gefahr dar.

Als es darum geht, mit seiner ungeimpften Tochter zu einer Karnevalsveranstaltung zu gehen, während eine Masernepidemie in Berlin tobte, fiel Sieveking nichts weiter ein, als sich mit Schutzanzug und Gummihandschuhen zu „maskieren“ und sich so über die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lustig zu machen. Ein zynischer Höhepunkt eines schwachen Filmchens.

Zum Schluss lassen Sievekings ihre Tochter dann doch impfen, aber nicht nach dem Ratschlag von Experten (nein, wer braucht so eine Bande von Experten, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen?), sondern nur ausgewählt und viel zu spät. Frei nach dem Pipi Langstrumpf-Motto „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt!“.

Was bleibt sind ein naiver Filmemacher, und eine hysterische Mutter, die die Gesundheit ihrer Kinder auf dem Altar diffuser Ängste und kruder Verschwörungstheorien opfern. Aber wenigstens können sich Menschen wie die gezeigte Familie auf den Herdenschutz verlassen, für den verantwortungsbewusste Eltern sorgen.

Sieveking sieht sich jedenfalls als Opfer einer koordinierten Kritik-Kampagne. Da fliegt ihm ja fast der Hipster-Hut weg. Auf die Idee, dass es soviel Kritik gibt, weil sein Film vielleicht nichts taugt, kommt er natürlich nicht.

Zum weiterlesen:
Eingeimpft – Eine kritische Homepage
Kretschmann, Susanne: „Eingeimpft“ und das anthroposophische Gesundheitsverständnis
Endruscheit, Udo: „Eingeimpft“: Kein Impfgegner, eher ein Katastrophenfilm


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