Von Seepferdchen und Bärengalle – Unappetitliches aus der TCM-Küche

Wer mir auf Twitter folgt, der weiß ja, dass ich Meerschweinchen mag. Und Hasen. Aber wisst ihr welche Tiere ich auch voll cool finde? Seepferdchen!

Ist euch schon mal aufgefallen, dass die aussehen wie kleine Drachen, die im Wasser leben? Und wusstet ihr, dass bei den Seepferdchen die Männer die Brut austragen und nicht die Weibchen? Das sind schon faszinierende kleine Kerlchen. Um die 30 verschiedene Arten gibt es von denen. Eine kann sogar ihre Farbe wechseln. Ist das nicht wirklich cool?

Seepferdchen haben nur wenige Fressfeinde. Pinguine und Krabben zum Beispiel. Das liegt an knapp 50 knöchernen Schutzplättchen, die sie in sich haben und ein Verspeisen der Viecherl für andere Tiere sehr anstrengend macht.

Allerdings sind die kleinen Meeresbewohner trotzdem vom Aussterben bedroht. Woran das liegt? Zu einem Teil an der Verschmutzung der Ozeane, aber hauptsächlich am Menschen. Der fängt sie in millionenfacher Anzahl und verwendet sie in der „Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)“. Wie er das macht? Nun, die Seepferdchen werden lebend gefangen und in die Sonne zum Trocknen gelegt. Dort verrecken sie auf elendigliche Weise und werden dann an die „Heiler“ verkauft, dort werden die Seepferdchen dann zerstoßen und als Pulver, Suppen, Pillen oder Tee weiterverkauft.. Passt das zum „sanften“ Image der TCM?

Das Seepferdchen ist in der TCM ein wahres Allroundtalent. Es wird bei Impotenz, Magendrücken, Arteriosklerose, Inkontinenz, Schilddrüsenerkrankungen, Herzbeschwerden, Atemproblemen, Schnupfen, Kreislauferkrankungen, Nierenkrankheiten, Leberproblemen oder Hautausschlägen „verordnet“.

Aber was haben wir schon früher gelernt? Seien Sie kritisch gegenüber Produkten, die eine Vielzahl von Krankheiten bekämpfen sollen, die nichts miteinander zu tun haben, vor allem wenn es sich um schwere Krankheiten handelt. So etwas wie ein Allheilmittel oder eine Wunderkur für jede Krankheit gibt es nicht.

Die Seepferdchen haben sogar noch Glück gehabt, sie werden „nur“ umgebracht. Bären beispielsweise haben echt die sprichwörtliche „A….karte“ gezogen. Da Bärengalle in der TCM gegen Leberbeschwerden und Sehstörungen helfen soll, werden sie gefangen und in enge Käfige gesteckt. Danach wird ihnen ein Dauerkatheter aus Metall oder Kunststoff in die Gallenblase gerammt. Über diesen Katheter werden sie dann zweimal täglich „gemolken“. Toll nicht? Und dann stellen sich diese Leute noch hin als „sanfte“ Medizin. Man möchte in die Rabatten speien… Und am besten ist noch, dass man diesen Bärengallensaft auch künstlich herstellen könnte. Es müsste kein Tier leiden. Aber das interessiert niemanden, wie die Pharmazeutische Zeitung schreibt: Dass der Bärengalle-Wirkstoff, Ursodeoxycholsäure, seit Langem auch künstlich herstellbar ist, interessiert dabei kaum. Denn laut dem Glauben Jinbou übertragen sich die Eigenschaften eines Lebewesens auf seinen Konsumenten, sodass auf chinesischen Märkten Wirkstoffe aus Tieren stärker nachgefragt sind als synthetisch hergestellte. 

Oder das Nashorn. Es wird wegen seines Horns gejagt. Ähnlich wie Seepferdchen soll es gegen eine Vielzahl von Krankheiten helfen von Krebs angefangen über Epilepsie bis hin zum Kater nach einer Sauftour und natürlich Impotenz. In der TCM ist man besessen von Impotenz. Wenn das Tier gefangen wurde und es Glück hat, wird nur das Horn abgesägt. Wehrt es sich, wird es getötet, das Horn abgesägt und der Kadaver liegen gelassen.
Übrigens, wisst ihr, woraus ein Nashorn-Horn besteht? Aus Keratin. Wisst ihr, was noch aus Keratin besteht? Haare und Fingernägel. Genau, diese hochgelobte Arznei besteht aus gemahlenen Fingernägeln. Appetitlich, nicht wahr? Und schon daran merkt man, dass diese ganze TCM-Sache absoluter Mumpitz ist. Den endgültigen Beweis dafür bekommt man dann, wenn ein „Heiler“ einem Patienten „Drachenknochen“ andreht. Wer weiß um was es sich da handelt.

Ich könnte jetzt lange so weitermachen und beispielsweise noch erzählen, wie Tiger gefangen und ausgeweidet werden für TCM-Medikamente, aber dann rege ich mich nur noch mehr auf.

Fakt ist, dass für ein obskures und wissenschaftlich vollkommen unhaltbares Konzept weltweit Tiere barbarisch gequält und getötet werden. Aber es geht um Geld, viel Geld. Der Handel mit geschützten Tieren ist ein Milliardenmarkt und deswegen werden auch weiterhin Tiere gequält und getötet.

La Bête Humaine.

P.S. Das wunderbare Beitragsbild stammt übrigens aus der Feder von St. Johann. Vielen lieben Dank an dieser Stelle! (Auf Twitter findet ihr ihn unter @skt_johann und ihr solltet ihm alle folgen!)

 

Bildernachweis
CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45197

Von Asian Animal Protection Network – Übertragen aus en.wikipedia nach Commons. (uploaded there by SlimVirgin) to Commons by User:Pilettes. Original source was http://www.aapn.org/endangered.html#Bile%20Bears, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19173265

https://www.psiram.com/de/index.php/Datei:Dead_tiger.jpg


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