Sterbehilfe

Sterbehilfe nä? Auch so ein Thema. Kontrovers. Emotional. Mit Konfliktpotential.

Ich möchte hier auch gar keine riesige Grundsatzdebatte anreißen, sondern nur auf einen Umstand hinweisen, der mich zwar tierisch aufregt, im Moment durch das ganze Corona-Gedöns aber untergeht.

Wir erinnern uns. Anfang des Jahres haben die Richter des Bundesverfassungsgerichtes festgestellt, dass das Verbot der geschäftsmäßigen, organisierten Suizidbeihilfe nichtig ist. Außerdem stellte es klipp und klar fest, dass es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben als Ausdruck persönlicher Autonomie gibt.

Haben’s g’sagt, die Richter. Hält er sich bloß nicht dran, der Herr Bundesgesundheitsminister.

Ist aber nicht neu, bereits 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass unheilbar kranken Menschen im extremen Einzelfall der Zugang zu einer tödlichen Dosis Natrium-Pentobarbital zur Selbsttötung nicht verwehrt werden darf.

Schon damals hat Hermann Gröhe sich aber über dieses höchstrichterliche Urteil hinweggesetzt und hat das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angewiesen, Anträge auf eine solche Erlaubnis abzuweisen. Jens Spahn hält an dieser Praxis fest. Und auch das neue Urteil beeindruckt ihn wenig. Noch immer werden keine Anträge positiv verbescheidet.

Das Ärzteblatt schreibt dazu: Ende Februar hatte das Bundesverfassungsgericht das 2015 vom Bundestag beschloss­ene Verbot der geschäftsmäßigen, organisierten Suizidbeihilfe für nichtig erklärt. Karlsruhe be­tonte, dass es ein umfassendes Recht auf selbstbestimmtes Sterben gebe. Eine behut­same Regulierung der Suizidbeihilfe sei jedoch möglich.

Darauf beruft sich Spahn nun. Zum Schutz der Selbstbestimmung „gehören nach meinem Verständnis auch Lebensschutz beziehungsweise Fürsorge“, schreibt der Minister laut Spiegel. Menschen mit eingeschränkter Selbstbestimmung müssten „vor sich selbst (und einem irreversiblen Schritt wie dem Suizid)“ geschützt werden. […]

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr hatte vor wenigen Tagen erklärt, Spahn nutze die Coronakrise, um eine Neuregelung vorzubereiten. Er habe dabei 30 „völlig intransparent ausgewählte“ Institutionen um Stellungnahmen gebeten.

Angeschrieben wurden nach FDP-Angaben unter anderem das Kommissariat der katho­lischen Bischöfe, die Deutsche Stiftung für Patientenschutz und die Deutsche Gesell­schaft für Palliativmedizin. Sie hätten sich zuletzt eindeutig gegen eine Liberalisierung der Sterbehilfe ausgesprochen.

Warum an dieser Stelle jetzt schon wieder die katholischen Bischöfe mit im Boot sitzen, verstehe ich nicht. Ich möchte keine Vertreter einer Organisation, die voll auf schmerzhaftes Leiden abfährt über ein Thema wie Sterbehilfe diskutieren lassen. Ich bin noch nicht mal in deren Club, damit geht mich auch ihre Satzung nichts an. Ich jedenfalls erinnere mich noch an die letzten Fernsehbilder von Johannes Paul II., also ein würdevolles Sterben sieht für mich anders aus.

Und wenn ich mir vorstelle, dass ein Verein, der so drauf ist, über meinen Tod bestimmen darf, na dann Prost Mahlzeit…

Da fällt mir übrigens ein Zitat von Anjezë Gonxhe Bojaxhiu alias „Mutter Teresa“: Es liegt etwas Schönes darin, die Armen ihr Schicksal akzeptieren zu sehen, es zu erleiden wie die Passion Christi. Die Welt gewinnt viel aus ihrem Leiden.

Versteht mich nicht falsch, wenn die katholischen Bischöfe beim sterben leiden wollen ohne Ende hab ich absolut nichts dagegen. Bitte schön, wir sind ein freies Land, aber für mich wäre das eher nix. Ich hätte da dann doch lieber ein nettes Spritzchen und ein friedliches hinwegdämmern.

Aber es ist wieder einmal so, dass die Interessen der 27% Katholiken, die es in Deutschland gibt über die Interessen bspw. der 38,8% (!) Religionslosen gestellt werden. Ja, so wie es aussieht, werden die Religionslosen überhaupt keine Stimme in dieser abstrusen Kommission haben.

Vielleicht, aber nur vielleicht, sollte man Herrn Spahn noch einmal ganz, ganz langsam (evtl. auch mit Handpuppen, wenn das eher hilft) erklären, wie das ist, mit dieser Demokratie, dass man da Politik zum Wohle aller machen muss und so.

In diesem Sinne: Gute Nacht, Freunde…

P.S. Vielen herzlichen Dank an die liebe @erzaehlmirnix, dass ich ihren Comic als Beitragsbild nutzen darf.