Der Anfang vom Ende?

So. Jetzt haben’s den Salat. Oder mit anderen Worten: der Super-GAU für all die Anhänger homöopathischer Schwurbelmedizin da draußen im Land. Nicht nur, dass mit Karl Lauterbach ein erklärter Gegner der Homöopathie Gesundheitsminister wurde (Lauterbach bezeichnete die Homöopathie mehrfach als „Humbug“), nein im neu gewählten Bundestag findet sich auch eine große Gruppe gerader junger Abgeordneter, die erklärt wissenschaftsaffin sind und die Erbhöfe der Schwurbelmedizin wie den Binnenkonsens, nicht mehr als von Gott (in diesem Fall wohl eher von Veronika Carstens) gegeben ansehen wollen.

Ria Schröder, Abgeordnete der FDP erklärt gegenüber dem ZDF beispielsweise: Ich empfinde es als Hohn, wenn wir als aufgeklärte Gesellschaft naturwissenschaftliche Erkenntnisse und evidenzbasierte Heilmethoden genauso behandeln wie Homöopathie, die rein auf Glauben basiert.

Kathrin Vogler, Abgeordnete der Linken sagt: Dass sie [die Homöopathie] bei Patient*innen beliebt ist, hat viel mit der Zuwendung zu tun, die diese dabei erfahren. Es ist nicht hinnehmbar, wenn homöopathische Behandler*innen diese Zeit für Zuwendung von Krankenkassen finanziert bekommen, während bei wissenschaftlich arbeitenden Mediziner*innen das so wichtige Gespräch mit den Patient*innen nicht angemessen honoriert wird.

Und zum Schluss noch Dr. Paula Piechotta von den Grünen: In der Pandemie kann auch der letzte sehen, dass Verschwörungserzählungen, Impfgegner und Pseudomedizin keine harmlose Schwurbelei, sondern eine gigantische Gefahr für unser aller Gesundheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.

Eine Grüne. Eine Grüne, die gegen Alternativmedizin spricht. DAS ICH DAS NOCH ERLEBEN DARF! Gerade aus der Partei, die ja die politische Bastion von Globuli, Schüssler-Salzen und Bach-Blüten war, eine solche Stimme zu hören, hach… da geht dem Onkel das Herz auf. Ich hoffe nur, dass Frau Piechotta nicht während des nächsten Parteitages von der Hardcore-Alternativmedizin-Fraktion in eine dunkle Ecke gezerrt und mit Globuli gesteinigt wird.

Dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung dann auch noch eine Reform in Sachen Erstattung alternativmedizinischer Kosten fordert, ist dann auch noch das Sahnehäubchen. Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen. Dann aber bitte als Selbstzahler und keinesfalls auf Kosten der Solidargemeinschaft lässt die KBV verlautbaren.

Nur die Krankenkassen zeigen sich noch recht bockbeinig und das, obwohl sie mit der Unterstützung des Homöopathie-Glaubens höchstwahrscheinlich auch gleich noch die Impfgegnerschaft mit heranzüchten, gibt es doch eine große Schnittmenge zwischen dem Glauben an Alternativmedizin und der Ablehnung von Impfungen. Gut, irrational ist ja beides.

Natalie Grams-Nobmann bringt es jedenfalls auf den Punkt, wenn sie gegenüber dem ZDF betont: Die Kassen haben der Homöopathie zu Glaubwürdigkeit verholfen. Zwar in einem gesetzlich legalen Rahmen, moralisch und auch wissenschaftlich gesehen jedoch äußerst fragwürdig. Insofern tragen die Kassen aus meiner Sicht eine Mitverantwortung an der aktuellen Situation.

Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass die „jungen Wilden“ im Bundestag sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen und endlich die Privilegierung der sog. „besonderen Therapierichtungen“ im Binnenkonsens zu Fall bringen.

3 Gedanken zu “Der Anfang vom Ende?

  1. Es gibt inzwischen bei den Grünen viele Schwurbel-Kritiker:innen – „Listen to the Science“ darf sich ja nicht nur auf den Klimaschutz beschränken… Und auch Natalie Grams-Nobmann ist ja eine „von uns“… 😉

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