Apis mellifica

Das kleine Bienchen freute sich. Gerade war es mit seinen Gefährten auf diese wunderschöne Wiese gestoßen, auf der eine Blume neben der anderen stand. Diese Düfte! Sie wusste gar nicht, welcher Blüte sie sich zuerst zuwenden sollte. Schwupps, da saß sie schon auf einer wunderschönen Phalicea und labte sich an deren Nektar. Sie wusste nicht, dass das Grauen auf sie und ihre Gefährten lauerte.
Denn solange sie sich mit der Blüte beschäftigte und nur daran dachte, welche Blume sie als nächstes besuchen würde, schlichen sich bereits die Häscher an. Langsam. Leise. Ihre Beute in trügerische Sicherheit wiegend. Und in einem günstigen Moment wurde das kleine Bienchen geschnappt und mit ihr all ihre Gefährten. Oh je! Was war das für eine Aufregung in dem Behälter! Alle Bienen summten durcheinander, einige flogen ohne Orientierung an die Plastikwände, durch die noch matt das Sonnenlicht schimmerte. Andere drängten sich angstvoll zusammen.
Sie wussten nicht, wie lange sie unterwegs waren, aber auf einmal waren sie in einem Gebäude und der Behälter wurde auf einen kalten Stahltisch gestellt.
Das kleine Bienchen wusste gar nicht, wie ihm geschah. Plötzlich wurde es gepackt und mit einigen seiner Freunde in ein enges, kaltes Ding gepresst. Man konnte zwar hindurch sehen, aber so sehr sich die Bienchen auch anstrengten, sie kamen nicht heraus. Oh je! Was würde nur mit ihnen geschehen?
Das sollten sie schneller herausfinden, als ihnen lieb war, denn da kam von oben ein kleines Rohr in ihr Gefängnis und eine übelriechende Flüssigkeit ergoss sich über die Bienchen. Die Flüssigkeit brannte in ihren Augen und an ihren Fühlern und es wurde immer mehr. Die Bienchen strampelten und versuchten zu fliehen oder wenigstens den Kopf oben zu halten, aber sie hatten keine Chance. Immer mehr der ekelhaften Flüssigkeit kam herabgeschwappt und bald konnten die kleinen Summer nicht mehr atmen und sie ertranken jämmerlich.
Was dann geschah, bekamen sie glücklicherweise nicht mehr mit. Ihre Leichen wurden zerstoßen und blieben in der Flüssigkeit für ganze zwei Wochen und dreimal am Tag wurden sie geschüttelt. Nach diesen zwei Wochen, als man schon keine Bienen mehr erkennen konnte, wurde dieser Sud dann abgesiebt und der Brei, der früher einmal eine muntere Bienengesellschaft war, einfach in den Müll geworfen.
Die Flüssigkeit wurde dann mehrfach verdünnt, geschüttelt und geklopft und auf Zuckerkügelchen gesprüht, die wiederum in kleine braune Flaschen gefüllt wurden, um in Apotheken verkauft zu werden.

Und so, liebe Leserinnen und Leser, so werden Globuli mit dem Wirkstoff „Apis mellifica“ hergestellt. Was? Ihr glaubt mir nicht? Naja, wenn ich ehrlich bin, konnte ich es zuerst auch nicht glauben, aber dann habe ich es nachgelesen. Im „Homöopathischen Arzneibuch“ steht das genau so: 1 Teil lebende Tiere wird in einer geeigneten Flasche durch Zuführen von 1 Teil Äthanol getötet; nach Zugabe von 1 Teil Äthanol 30 Prozent werden die Tiere zerkleinert. Der Ansatz wird mit 8 Teilen Äthanol 62 Prozent versetzt und 14 Tage lang bei täglich 3maligem Umschütteln stehengelassen. Ohne Pressen wird die Urtinktur abfiltriert. Nach Vorschrift 4b werden die 2. und die 3. Dezimalverdünnung mit Äthanol 62 Prozent und die weiteren Verdünnungen mit Äthanol 43 Prozent hergestellt.*

Und? Glaubt ihr mir jetzt?

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*Homöopathisches Arzneibuch. Stuttgart, 1985. S. 188.

Beitragsbild: By Maksym Kozlenko – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47788875

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