Die Geschichte vom Hanswurst, den Kuhhörnern und der Landwirtschaft

Rudolf Steiner kennt man ja. Genau, der mit der Waldorfschule und dem Namen tanzen. Ääääh, der Eurythmie, wie es richtig heißt. Dieser Steiner also war ja einer der größten Schwurbelheinzen vor dem Herrn. Der konnte zu jedem Thema etwas erzählen und dann noch von den Themen, von denen er keine Ahnung hatte. Naja, so hat man auch sein Auskommen und muss sein Geld nicht mit ehrlicher Hände Arbeit verdienen. Ihr merkt, ich mag den Typ nicht. Bei uns hier in der fränkischen Provinz gibt es einen schönen Begriff für solche Leute „Läähwaafen“ (Leersprecher), was jemanden bezeichnet, der nur die große Fresse hat und leere Phrasen drischt.

Nun gut, dieser Steiner hat nun wie gesagt zu allen möglichen Themen, von denen er nichts verstand seine Meinung in die Welt geblasen. Sei es die Medizin, die Pädagogik oder die Landwirtschaft. Jaja, ihr habt schon richtig gehört, noch nicht einmal die Rindviecher hat er in Ruhe gelassen. Aber gut, die brauchten wenigstens nicht ihre Gefühle tanzen. Wobei das sicherlich auch interessant ausgesehen hätte.

Steiner war der Ansicht, dass nach dem Kaliyuga (1), in dem wir uns aktuell befinden würden alle unsere Kulturpflanzen sich erschöpfen würden. (2) Damit setzten bei anthroposophisch orientierten Landwirten Überlegungen zur „Degeneration der Saatgüter“ ein, die streckenweise leicht hysterische Züge annahm. 1921 und 1922 wurden auf dem Gelände des Goetheanums in Dornach Pflanzversuche durchgeführt, bei denen erstmals Dünger aus Kuhhörnern durchgeführt wurden.

1924 fand dann auf dem schlesischen Gut Koberwitz (bei Breslau) eine vom Gutsherrn, Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk, initiierte Tagung statt, die als Geburtsstunde der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gesehen werden kann. Hauptredner war natürlich Rudi Steiner und dabei hatte er eine Künstlergruppe, die Eurythmievorstellungen gaben. Für die ganze Show wurden 20.000 Mark als Honorar zugesagt.

An dieser Versammlung, die sich vom 7. Bis zum 16. Juni 1924 erstreckte, nahmen etwa 100 Anthroposophen teil, wobei aber nicht alle Bauern waren. Der Tagesablauf sah so aus, dass die Teilnehmer gegen 11 Uhr auf dem Gut ankam und den ersten Vortrag hörte, der bis gegen 13 Uhr dauerte, dann gab es 30 bis 45 Minuten Pause für ein Frühstück. Hiernach gab es bis 15 Uhr eine Aussprache. (3)

Beachtenswert sind die hohen Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen wurden. Nicht nur, dass die Zuhörer am Eingang streng gefilzt wurden, sondern in den Herren von Keyserlingk und von Wistinghausen hatte Steiner noch zwei „Bodyguards“. Man hatte Angst vor „rechten Störern“.

Rudi Steiner erfand sein Konzept der geisteswissenschaftlichen Landwirtschaft erst vor Ort. Seine Vorträge schrieb er teilweise erst in der Nacht zuvor. Um das noch einmal ganz deutlich zu sagen: Steiner hatte keine Ahnung von der Landwirtschaft und seine Weisheiten stammen teilweise aus seinen berüchtigten „Hellsichtigkeiten“ und Meditationen. (4) Heißt also konkret: er hat sich das ganze Gedöns aus den Fingern gesogen. Das muss man sich mal vorstellen. In Deutschland gibt es über 1.500 landwirtschaftliche Betriebe, die nach Prinzipien arbeiten, die sich ein schwurbelnder Hanswurst nachts in seinem Zimmer ausgedacht hat. Na Prostmahlzeit…

So kommt es auch, dass Steiner von hanebüchenen Voraussetzungen für die einfachsten biologischen Vorgänge ausgeht. So strotzen seine Vorträge von Aussagen wie Am Pflanzenwachstum ist der ganze Himmel mit seinen Sternen beteiligt! Das muß man wissen. (3) WER WEISS DAS? Wieder keiner… Typisch! (5)

Auch beispielsweise die schon damals recht detailliert erforschte Verdauung des Menschen sieht er anders. Steiner geht beispielsweise davon aus, dass Knochen, Muskeln und Organe durch eine Energie gebildet werden, die durch die Atmung und die Sinnesorgane aufgenommen werden. Die über den Stoffwechsel aufgenommenen Nährstoffe sind laut Schwurbel-Steini ausschließlich für den Kopf und das „Nerven-Sinnes-System“ gedacht. (3)

Jetzt müsst ihr ganz, ganz stark sein, jetzt kommt ein Originalzitat von Steiner hierzu, damit ihr euch über das Ausmaß des Blödsinns, den dieser Hanswurst verzapft hat, ein Bild machen könnt: Und das geht alles, wie ich es ja öfter hier ausgeführt habe, durch einen siebenjährigen Zyklus in die Organe hinein, so daß der Mensch substantiell in Bezug auf sein Gliedmaßen-Stoffwechsel-System, das heißt die Organe, aufgebaut ist aus kosmischer Substanz. Nur das Nerven-Sinnes-System ist aus tellurischer, aus irdischer Substanz aufgebaut. Nun, sehen Sie, das ist eine so fundamental bedeutsame Tatsache, daß das physische Leben von Mensch und Tier überhaupt nur beurteilt werden kann, wenn das gewußt wird. Und nichts, nicht einmal die Mittel und Wege, um so etwas zu wissen, nichts ist in der heutigen Wissenschaft gegeben. Man kann es gar nicht wissen mit der heutigen Wissenschaft. Es geht gar nicht, weil, wenn die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln arbeitet, sie gar nicht zu so etwas kommen kann. Es ist unmöglich, es ist aussichtslos. (3)

Und so lesen sich auch die Titel seiner Vorträge:

  • Emanzipation des menschlichen und tierischen Lebens von der äußeren Welt
  • Die Kräfte der Erde und des Kosmos
  • Die Wirkung des Geistes in der Natur
  • Kräfte und Substanzen, die in das Geistige hineingehen
  • Die richtige Substantiierung des Düngers
  • Das Wesen des Unkrautes, der tierischen Schädlinge und der sogenannten Pflanzenkrankheiten vor dem Forum der Natur
  • Die naturintimeren Wechselwirkungen
  • Das Wesen der Fütterung

Schöner Schwurbel… Das muss man sich mal vorstellen, da sitzen über einhundert Menschen zusammen und hören Vorträge, in denen es um Mond- und Venuswirkungen beim Tierreich oder Planetensysteme und Tierkreiszeichen in der Landwirtschaft geht und die nehmen das noch ernst…

Mutti schnell, meine Herztropfen… So ein Schwurbelhans gehört doch von einem Mob aus dem Dorf getrieben. Anstatt steht dieser Blödsinn noch bis heute und noch heute glauben Menschen an so einen Schmarrn.

Steiner gibt auch nirgends an, warum seine Methoden wirken sollten. Bei soliden Konzepten kennt man ja die Wirkmechanismen, aber hier? Schweigen im Wald. Der Rudi hat’s gesagt, dann ist es so. Ist ja auch klar, dass er seine postulierten Methoden nicht erklären kann. Wie erklärt oder beweist man „kosmische Kräfte“? Oder warum soll man bei Mäuse-Plagen ein Mäusefell verbrennen und die Asche, die Steini „Pfeffer“ nennt, über die Felder verstreuen, wenn Venus im Zeichen des Skorpions steht? Das ist doch Bullshit! Den Mäusen ist doch ein verbranntes Fell wurschtegal! (3)

Aber sein Lieblingsthema war ja das Düngen. Dazu nahm er nämlich Kuhhörner, die mit allerlei Schmadder gefüllt wurden. Wie das funktioniert? Also Du nimmst eine handelsübliche Kuh, am besten eine mit vier Beinen, die anderen fallen nämlich immer um. Dann säbelst Du ihr ein Horn ab. Dieses Horn wird aufgebohrt und mit Kuhfladen befüllt. Das kommt dann ein halbes Jahr in die Erde und nimmt kosmische Kräfte und die Energie der tierischen Hülle auf. Heraus kommt eine wohlriechende, dunkelerdige Masse, die „dynamisiert“ wird. (5)

Aber das ist nicht das einzige obskure Kompostpräparat. Da gibt es noch Schafgarbenblüten in Hirschblase, Kamillenblüten im Rinderdarm, Eichenrinde im Schädel, Löwenzahnblüten im Rindergekröse. Mein absoluter Favorit ist aber Hornkiesel. Das ist fein vermahlener Quarz im Kuhhorn, vermittelt Lichtenergie und fördert harmonische Wachstums- und Reifeprozesse. (5)

Und warum das Alles? Rudi Steini lässt hierzu folgendes ab: Die Kuh hat Hörner, um in sich hineinzusenden dasjenige, was astralisch-ätherisch gestalten soll, was da vordringen soll beim Hineinstreben bis in den Verdauungsorganismus, so daß viel Arbeit entsteht gerade durch die Strahlung, die von Hörnern und Klauen ausgeht, im Verdauungsorganismus. Wer daher die Maul- und Klauenseuche verstehen will, also das Zurückwirken des Peripherischen auf den Verdauungstrakt, der muß diesen Zusammenhang durchschauen. Und unser Maul- und Klauenseuche-Mittel ist aufgebaut auf dem Durchschauen dieses Zusammenhanges. Nun, sehen Sie, dadurch haben Sie im Horn etwas, was durch seine besondere Natur und Wesenheit gut dazu geeignet ist, das Lebendige und Astralische zurückzustrahlen in das innere Leben. Etwas Lebenstrahlendes, und sogar Astralisch-Strahlendes haben Sie im Horn. Es ist schon so. Würden Sie im lebendigen Kuhorganismus herumkriechen können, so würden Sie, wenn Sie drin wären im Bauch der Kuh, das riechen, wie von den Hörnern aus das Astralisch-Lebendige nach innen strömt. Bei den Klauen ist das in einer ähnlichen Weise der Fall. (3)

Meine Omma meinte immer in ihren schlesischen Dialekt: Jung, da brrrrauchts immer zweij Dooufe derrzu. Eijn, der’s sich ausdenkt un eijn, der’s glaubt. Recht hatte sie, die Omma.

Vielleicht lag an diesem großen Schmarrn auch die Geheimhaltung, die hierzu ausgegeben wurde. Die Wikipedia schreibt: In der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen befand sich eine Auskunftsstelle für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise im Gartenbau, die vor dem Versand von Versuchsbedingungen von den Beteiligten eine vierjährige Schweigepflicht verlangte. Der Landwirtschaftliche Kurs durfte bis in die 1930er Jahre nur nach Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung zur Geheimhaltung lediglich leihweise ausgegeben werden. Halböffentlich waren nur die Ausgaben der Mitteilungen des Versuchsrings (1926–1929), während die Zeitschrift Demeter 1930 bis 1941 öffentlich erschien. Die Geheimhaltungsfrage war Gegenstand jahrelanger Streitigkeiten. Steiners landwirtschaftliche Vorträge wurden zum ersten Mal 1963 veröffentlicht. Bis zu diesem Zeitpunkt kursierte nur eine limitierte, nummerierte Anzahl von Kopien in anthroposophischen Kreisen, die mit dem Vermerk „Nur für den persönlichen Gebrauch“ versehen waren. (2)

Genauso abstrus sind Steiners Vorschriften auf bestimmte Tageszeiten und Sternenkonstellationen. So soll das mit Hornmist gefüllte Horn bei Vollmond vergraben werden, während das mit Hornkiesel beladene Horn nur im Sommer bei Neumond vergraben werden darf.

Wirklich das einzige Positive, dass ich an den ganzen Humbug sehen kann, sind die wirklich hohen Standards, die im Hinblick auf das Tierwohl gesetzt werden. Aber das war es dann schon.

Ihr seht, hinter der ganzen biologisch-dynamischen Landwirtschaft steckt: NÜSCHTE! NIENTE! NIX! ZERO! Und genau deswegen fasziniert es mich so sehr, dass noch heute eigentlich vernünftige Menschen an das Geschwurbel eines Hanswursts glauben, dass er sich aus den Fingern gesogen hat. Man kann nur noch mit dem Kopfe schütteln…

 

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Literatur und Anmerkungen
(1) Das Kaliyuga ist das „Zeitalter des Kali“, eines der vier Zeitalter oder Yugas im hinduistischen Glauben. Es ist das Zeitalter des Schreckens und der Dunkelheit und soll wohl ungefähr heutzutage enden. Was danach kommt weiß aber keiner so genau. Entweder tausend Jahre von Freude, Frohsinn und Ausschweifungen oder eine Endlosschleife von schlechten 80er-Jahren-Spielshows. Man weiß es nicht.

(2) Seite „Biologisch-dynamische Landwirtschaft“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. November 2018, 19:12 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Biologisch-dynamische_Landwirtschaft&oldid=183224417 (Abgerufen: 1. Dezember 2018, 20:43 UTC)

(3) Steiner, Rudolf: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft: Landwirtschaftlicher Kurs. Dornach, 1999.

(4) Wer hat hier Warsteiner bestellt?

(5) Steiners Impulse: Agrarkultur der Zukunft / Hrsg. Demeter e.V. Darmstadt, 2016.

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