Gelesen: Adler, Yael: Darüber spricht man nicht

Nachdem ich bereits eine kleine Schneise durch meine Stapel noch zu lesender Bücher geschlagen habe, bin ich nun bei einem Band angekommen, auf den ich mich schon länger gefreut habe. Nämlich Yael Adlers Darüber spricht man nicht – Weg mit den Körpertabus, der 2018 bei Droemer erschienen ist.

Yael Adler ist Dermatologin, also Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Phlebologin, was auch immer das sein soll. Aaah… Moment… ahja, eine Fachärztin für Gefäßerkrankungen. Venen und so ein Zeugs. Naja, man lernt halt nie aus. Außerdem führt sie die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizinerin. Na siehste, das verstehe auch ich auf Anhieb. Nach zwei Fachbüchern erschien 2016 ihr erstes Sachbuch Haut nah – Alles über unser größtes Organ.

Man kann also feststellen, dass ihr durch ihre Tätigkeit nichts menschliches fremd ist. Mit dem vorliegenden Buch möchte sie uns nun beibringen, dass wir uns für unsere ganz normalen Körperfunktionen nicht zu schämen brauchen.

Unter dieser Prämisse geht sie dann auch bereits in die Vollen und greift ein Thema auf, bei dem viele von uns die Nase rümpfen: Körpergerüche.

Von Mundgeruch über den einen oder anderen Pups, über Schweiß bis hin zum Käsefuß erläutert Yael Adler so ziemlich alles, was an unserem Körper vor sich hin müffelt. Dabei hat sie auch immer Tipps und Ratschläge parat, was man dagegen tun kann.

Der zweite Teil, aufgeteilt in acht Kapitel, beschäftigt sich mit der schönsten Nebensache der Welt, wie die einen oder, schnöde Sex, wie die anderen sagen. Von Problemen, die Mann an und mit seinem Penis haben kann, über den weiblichen Orgasmus hin zu Menstruation, Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Analverkehr ist alles dabei. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich bei Kapitel 8 „Ich will doch nur spielen“: Cola-Flaschen, Staubsauger und andere Sexunfälle recht oft gedacht hab „Alter Vatter, das kann doch nicht wahr sein“ oder „Auhaueraha, das muss doch weh tun“ oder „Auwei, auwei, auwei“. Manchmal habe ich mich aber auch unter dem Bett versteckt und vor mich hin gewimmert. Nein, Späßken… Aber manchmal frage ich mich, warum unsere Spezies noch nicht ausgestorben ist. Naja, wem’s Spaß macht. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Inkontinenz und das „Lost-Penis-Syndrom“, von dem ich nun wirklich noch nie etwas gehört habe. Aber wie weiter oben bereits festgestellt: Man lernt nie aus.

Im anschließenden dritten Teil wird dem geneigten Leser ebenfalls in acht Kapiteln alles nahegebracht, was unter dem Begriff „Menschliche Makel“ so zu finden ist. Und auch hier finden wir eine eindrucksvolle Sammlung von Themen, die man auf Partys lieber nicht anschneidet. Nagelpilz, Haarausfall, Warzen oder Leberflecke gehören da dazu. Dann beschäftigt sich Yael Adler noch mit dem Thema der körperlichen Alterung, also wenn die „Macht der Schwerkraft“ zuschlägt und manche Körperteile eine Etage tiefer zu finden sind. Aber auch die Menopause oder die Alterung beim Mann sind Thema. Depressionen und Körpermodifikationen werden ebenfalls in eigenen Kapiteln angesprochen.

Der vierte und letzte Teil Melodien für Millionen oder warum wir auf unseren Körper hören sollten, hat einige Geräusche zum Thema, die wohlbekannt und viel gelitten sind. Schnarchen beispielsweise (auch warum man im Schlaf sabbert), Rülpsen oder Schmatzen.

All ihren Themen nähert sich Yael Adler stets mit Humor und gesundem Menschenverstand, so dass Peinlichkeiten irgendwelcher Art und Weise gar nicht erst aufkommen, auch wenn es sich um Sujets handelt, die sonst im menschlichen Miteinander eher totgeschwiegen werden. Und obschon man die hohe fachliche Kompetenz der Autorin als Leser durchaus bemerkt, schafft sie es, auch schwierige Sachverhalte für Laien verständlich darzulegen.

Fachlich fundiert, unterhaltsam geschrieben und eine große Bandbreite von Themen behandelnd, ist das Buch ist eine klare Leseempfehlung für alle, die sich auf die Reise zu den Untiefen der Körperfunktionen begeben möchten!

Adler, Yael: Darüber spricht man nicht: Weg mit den Körpertabus. München: Droemer, 2018.
ISBN 9783426277515
16,99 €

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