Wir müssen reden, Herr Holetschek!

Lieber Herr Holetschek,

Sie sind jetzt neuer Gesundheitsminister hier in Bayern und ich muss Ihnen ehrlich gestehen: ich weiß nicht, ob mir das gefällt. Gut, Sie scheinen dieses ganze Corona-Gedöns auf den ersten Blick besser in den Griff zu bekommen als Ihre Vorgängerin, aber warten wir mal ab, was die Zeit noch so bringt.

Was mir aber absolut nicht gefällt, ist Ihr doch recht einseitiges Engagement pro „Alternativmedizin“. Eine so unverhohlene Klientelpolitik sollte für einen Landespolitiker, der immerhin für alle seine Landeskindlein da sein soll, eigentlich ein „No Go“ sein.

Bereits als Sie noch Staatssekretär im Gesundheitsministerium waren, haben Sie ein eigenes Sonderreferat „Integrative Medizin“ eingerichtet und sich für einen gleichnamigen Lehrstuhl eingesetzt.

Auch gab es in dieser Zeit bereits rege Kontakte zu Hahnemann-Gesellschaft, die in einem Besuch gipfelten, mit dem sich der Verein dann mehr als brüstete. Sie können ja gerne im Gesundheitsministerium empfangen, wen Sie wollen, aber ich finde es rein als bayerischer Bürger und Steuerzahler schon befremdlich, wenn Sie sich mit einer derartigen Lobbyorganisation beraten, während Sie die andere Seite, nämlich die Homöopathie-Kritiker und Verfechter der Evidenzbasierten Medizin, außen vor lassen.

Lieber Herr Holetschek, es kann ja sein, dass Sie besondere Interessen haben und dass Ihnen die Homöopathie oder andere „alternative“ Therapieformen am Herzen liegen, aber Sie sind halt einfach ein Minister für alle bayerischen Bürger und mir als eben solchen will nicht in den Schädel hinein, warum Sie in Zeiten von knapper Kassen im Gesundheitswesen die raren Gelder dann noch für Pseudotherapien ausgeben wollen.

Ich persönlich würde Ihnen ja anraten, dass Sie sich – schon aus Gründen der Fairness – mit den Vertretern der Homöopathiekritik an einen Tisch setzen. Melden Sie sich doch einmal beim Informationsnetzwerk Homöopathie (INH), dort gibt es bestimmt Fachleute, die Ihnen auch die kritischen Aspekte der Homöopathie erläutern können. Das wäre nach dem Termin mit der Hahnemann-Gesellschaft auch eine gesunde Portion Realität.

Also, lieber Herr Holetschek, Sie werden sich jetzt an Ihren Taten messen lassen müssen. Sind Sie wirklich an einer fundierten Debatte zur Homöopathie und der „Alternativmedizin“ interessiert oder lassen Sie sich von Lobbyisten einlullen? Das wird Ihre ganz persönliche Gretchenfrage werden.

Aber denken Sie daran: des Pudels Kern besteht nicht aus Globuli!

Viele Grüße

Ihr Onkel Michael