Homöopathisches Selbstbewusstsein und eine saftige Watsch’n

Zum größten Teil der Zeit gehen mir die Herrschaften von der anderen Feldpostnummer aka „Homöopathen“ schon ganz schön auf den Zeiger. Manchmal – und das ist gerade der Fall – amüsiere ich mich aber schon ganz schön über sie.

Was ist passiert?

Es gibt eine „Hahnemann Gesellschaft“, die in Wiesbaden sitzt und ein Lobbyverein Pro Homöopathie ist. Alles in allem hat diese „Gesellschaft“ weit unter 100 Mitglieder, ich glaube noch nicht mal Hälfte, aber das weiß ich jetzt nicht so genau.

Nun, diese „Hahnemann Gesellschaft“ hat im Dezember einen „Corona Newsticker“ auf ihrer Homepage veröffentlicht und darin so einen hanebüchenen Unsinn verbreitet, dass sogar der Deutschlandfunk Kultur darauf aufmerksam wurde.

Beispielsweise haben diese Herrschaften zum Thema Corona-Impfung folgendes geschrieben: Aussagen wie: „die Pandemie wird nicht verschwinden, bis wir einen Impfstoff haben“, sind wissenschaftlich falsch. Infektionsgeschehen limitieren sich selbst! Sie verlieren ihre Bedeutung, wenn die meisten Kontakt mit dem Agens hatten.

Eine Impfung kommt immer zu spät! Aus diesem Grunde kann sie niemals eine Antwort auf eine laufende Pandemie sein. Eine Impfungzulassung, die im Rolling-Review-Verfahren zugelassen wird, ist ein Menschenversuch an gesunden Probanden unter wissenschaftlicher Aufsicht.

Die Verwendung eines unzureichend geprüften Impfstoffes hatten wir „in klein“ bei der Schweinegrippe 2009/2010 bereits. Als schlimmste „Nebenwirkung führte diese Impfung zu Narkolepsien bei vielen Kindern. Gesunde Kinder wurden zeitlebens krank geimpft.

Solche Aussagen sind schon Bullshit von ganz besonderer Güte, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass dieser veritable Unsinn von drei approbierten Ärzten unterschrieben wurde.

Soweit so ungut. Nun stolperte Christine Westerhaus, eine Journalistin von Deutschlandfunk Kultur, über dieses Pamphlet und nahm sich dessen an, indem sie einen sehr guten Artikel darüber schrieb und auf die Homepage ihres Senders setzte. LINK

Und in diesem Artikel wiederum bezeichnete Frau Westerhaus die „Hahnemann Gesellschaft“ als Deutschlands führende Homöopathie-Organisation. Gut, darüber habe ich mich jetzt auch amüsiert, wie man eine 50-Mann-Klitsche als Deutschlands führende Homöopathie-Organisation bezeichnen kann, aber gut, der restliche Artikel war hervorragend und dieser Halbsatz ja wirklich nur ein Flüchtigkeitsfehler.

Aber was für mich ein kleiner Flüchtigkeitsfehler war, war ganz woanders anscheinend ein riesiges Drama. Nämlich beim „Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte“ (weiterhin ZV) in Berlin. Und zwar war der Leidensdruck dort scheinbar so hoch, dass man sich zu einer Stellungnahme veranlasst sah, die am 28. Jänner 2021 veröffentlicht wurde.

Darin ist gleich als Punkt 1 der Klarstellung zu lesen: In einem Beitrag von Deutschlandfunk Kultur wird die Hahnemann-Gesellschaft als „Deutschlands führende Homöopathie-Organisation“ vorgestellt. Diese Darstellung ist falsch: Mit einer um den Faktor 100 größeren Mitgliederzahl ist der DZVhÄ mit Abstand der größte Berufsverband von (Fach-) Ärzt*innen mit Zusatzqualifikation Homöopathie. Der DZVhÄ ist darüber hinaus primärer Ansprechpartner der Ärztekammern im Zusammenhang mit der Erlangung der Zusatzqualifikation sowie auch der gesetzlichen Kostenträger im Rahmen der Kostenübernahme.

Also um es einmal zusammenzufassen, wie sich für mich die ganze Geschichte darstellt: der Corona-Newsticker der „Hahnemann Gesellschaft“ stand wochenlang auf deren Homepage (seit 24.12.2020), ohne dass es dem Zentralkomitee ääääh… Zentralverein gestört hätte. Erst als Deutschlandfunk Kultur darüber berichtet und die „Hahnemann Gesellschaft“ versehentlich aufwertet (am 21.01.2021), gibt es eine Stellungnahme (am 28.01.2021). Honi soit qui mal y pense, wie der olle Edward III. einst so eloquent anmerkte…

Gut, vielleicht hätte der ZV auch so eine Stellungnahme zum haarsträubenden Unsinn der „Hahnemann Gesellschaft“ abgegeben, aber so hat es halt ein Gschmäckle, wie man so schön sagt, denn wenn meine obige Vermutung zutrifft, was sagt das dann über das Selbstbewusstsein des ZV aus?

Naja, wenigstens haben die Meister der Zuckerkügelchen reagiert. Und wie. Die Stellungnahme kann man getrost als saftige Watsch’n für die „Hahnemann Gesellschaft“ sehen, auch wenn sie natürlich vom Standpunkt der Homöopathen aus verfasst ist und ihre Placebotherapie besser wegkommen lässt, als sie es verdient.

Und was macht die „Hahnemann Gesellschaft“? Ganz einfach: nix. Nüschte. Niente. Sie spielt „Toter Mann“, lässt ihr Pamphlet auf ihrer Homepage und steht für Anfragen nicht zur Verfügung.

Also ich weiß ja nicht, wer für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Gesellschaft verantwortlich ist, aber Kompetenz sieht anders aus… Vielleicht sollten sich die Hahnemänner und -frauen mal an jemanden wenden, der sich auch damit auskennt.

Hach ja, unsere homöopathischen Freunde sind halt immer für einen herzhaften Lacher gut.

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