Vom Unsinn der Soros-Verschwörung

George Soros, der am 12. August 1930 als György Schwartz in Budapest geboren wurde, ist zwar ein reicher Mann, aber doch ein armer Kerl.

Durch eine gute Ausbildung und geschäftliches Geschick schaffte es Soros, in der Liste der Forbes-Milliardäre auf Platz 23. Mit seinem Vermögen unterstützte er von 1985 bis 2017 weltweit an Initiativen, „die Armut verringern, Transparenz vermehren und Menschenrechte stärken“ um die 12 Milliarden US-Dollar, wie die Wikipedia schreibt.

Soros hatte in London unter anderem bei Karl Popper studiert und dessen Idee der „offenen Gesellschaft“ ihn so prägte, dass er 1979 die „Open Society Foundations“ gründete und bis 2017 mit 18 Milliarden US-Dollar ausstattete. 1991 gründete er die „Central European University“ in Budapest. Die Liste der Organisationen und Personen, die Soros weiterhin unterstützte und unterstützt ist ellenlang. Die Gewerkschaft Solidarnosc, die Charta 77, den Friedensnobelpreisträger und russischen Dissidenten Sacharow, verschiedene Projekte russischer Wissenschaftler, Reporter ohne Grenzen, die Wikimedia Foundation und und und.

Es ist eine große Schande, dass gerade Länder, die Soros ungemein unterstützte, heute antisemitische Verschwörungstheorien zu ihn verbreiten und das von höchster Stelle. Seit Beginn der 1990er Jahre wird gerade in Russland, Ungarn und leider auch bei uns in Deutschland, teilweise massiv gegen George Soros und sein bürgerschaftliches Engagement agitiert.

So wurde Soros in nationalistischen Medien als Kopf des „Weltfinanz-Zionismus“ bezeichnet, der durch seine Unterstützung der Perestroika enorme finanzielle Gewinne erlangte. So sei Soros abwechselnd ein Agent des Mossad oder der CIA oder anderer internationaler Geheimdienste. Der Vorsitzende des Sicherheitskomitees der Duma Wiktor Iljuchin behauptete, die von Soros unterstützten akademischen Erziehungsprogramme sollten die russische Bevölkerung mit einem antipatriotischen und kosmopolitischen Geist indoktrinieren. Soros habe den starken Wertverlust des russischen Rubel im Jahr 1994 herbeigeführt und die Privatisierung russischer Betriebe voll ausgenutzt.

In Deutschland wird George Soros hauptsächlich von sog. „Politikern“ der „Alternative für Deutschland“ verunglimpft. Beispiele wären hier Stephan Brandner, Petr Bystron, Björn Höcke oder Jörg Meuthen. Soros immer wieder in Verbindung mit der Verschwörungstheorie vom „Great Reset“ zum Bevölkerungsaustausch gebracht. Dann soll Soros der Besitzer des Labors in Wuhan gewesen sein, aus dem angeblich das Corona-Virus stammte. Besonders infam sind Behauptungen eines deutschen Verschwörungstheoretikers, der behauptet, Soros würde Abtreibungen „fördern“, damit er die toten Embryonen an die Pharmaindustrie verkaufen könne.

In seinem Geburtsland Ungarn, das ja besonders von Soros Spenden und Zuwendungen profitierte, ist der Geschäftsmann immer wieder antisemitischen Kampagnen ausgesetzt, die von höchster Stelle ausgehen. Besonders der ungarische Premierminister Viktor Orbán fährt eine bösartige und Verleumdungsstrategie gegen Soros. So soll dieser an der Flüchtlingskrise von 2015 schuld sein, durch einen „Soros-Plan“ Europa „muslimisieren“ zu wollen (dagegen startete er 2017 eine Plakatkampagne und eine Volksbefragung per Brief). Auch Orbáns Koalitionspartner und die ungarischen Medien beteiligen sich immer wieder an diesen Hetzkampagnen. Der Budapester Museumsleiter und Orbán-Vertraute Szilard Demeter erklärte im November 2020 auf einem regierungsnahen Webportal, Soros habe Europa zu seiner „Gaskammer“ gemacht: „Aus den Fässern der multi-kulturellen offenen Gesellschaft entströmt das Giftgas, das für die europäische Lebensform tödlich ist“. Ungarn und Polen seien „die neuen Juden“ der EU. Er reagierte damit auf Sanktionsversuche der EU gegen Mitgliedsstaaten, die in die Unabhängigkeit ihrer Justiz eingreifen. Nach scharfer Kritik unter anderem von Christoph Heubner (Internationales Auschwitz Komitee) zog Demeter den Kommentar zurück.

Auch in Österreich, Großbritannien, Mazedonien, Polen, Serbien, Rumänien, Malaysia, den USA etc. wird George Soros immer wieder diffamiert. Besonders wird hier immer wieder das Motiv vom „Großen Austausch“ und einem angeblichen „Völkermord an den Weißen“ bemüht.

Besonders befremdlich ist, dass sich selbst Staatsmänner nicht entblöden, antisemitische Stereotype für ihre Propaganda zu verwenden. Um nur einige hochrangige Politiker zu nennen: Wladimir Putin, Donald Trump, Viktor Orbán, Nikola Gruevski, Jaroslaw Kaczynski, Recep Tayyip Erdogan, Mahathir bin Mohamad, Norbert Hofer, Matteo Salvini, Nigel Farage. Auch Milliardär und Twitter-Herunterwirtschafter Elon Musk agitiert gegen Soros.

Soros ist als reicher, engagierter Jude ein leichtes Ziel für antisemitische Agitation. Hierbei handelt es sich zum einen um das altbekannte Sündenbock-Phänomen und zum anderen um die nicht weniger ausgelutschte „Weltfinanzjudentum“-Verschwörungstheorie, über die ich ja HIER schon einmal geschrieben habe. Soros ist der zeitgenössische Nachfolger der Rothschilds und damit ein Surrogat für den „Geldjuden“, der nach der Weltherrschaft giert und die Politiker und Regierungen als Marionetten benutzt. Für eine Autorengruppe zum „Neuen Antisemitismus“ verkörpert Soros als ungarischer Jude, Amerikaner, Philanthrop, reicher, erfolgreicher, kosmopolitischer und liberaler Geschäftsmann „im wahrsten Sinne des Wortes alles, was Antisemiten schmeckt: ein vaterlandsloser linker Geldjude.“

Natürlich ist es einfach für die Politiker, die Auswirkungen ihrer verfehlten Politik dem „bösen Juden“ anzulasten, aber das ist natürlich nur der billige Weg, wenn man sein Volk für doof hält, aber wer will denn schon so weit gehen und Fehler bei sich selbst zu finden?

Beitragsbild: Von Jeff Ooi – Photo taken by Jeff Ooi., CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1467093

4 Gedanken zu “Vom Unsinn der Soros-Verschwörung

  1. Wird Soros wegen seines Glaubens kritisiert? Das war mir bisher nicht bekannt.
    Er hat sein Vermögen mit Spekulationen gemacht und nutzt dies um politischen Einfluss auszuüben. Wer hat ihm diesen Auftrag gegeben? Und hat er tatsächlich Armut verringert oder Transparenz verbessert?
    Das wäre erstaunlich, wenn Spekulanten das leben der Menschen verbessern würden. Die Kritiker sagen etwas anderes. Aber es geht offensichtlich um Glauben und da muss man als „Skeptiker“ klare Haltung zeigen und darf auf keinen Fall an das Gute zweifeln.

    Daher weiter viel Erfolg beim Kampf gegen Armut und die Transparenz.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu frater mosses von lobdenberg Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..