Das Geschäft mit der Homöopathie

Immer wieder wird in Diskussionen mit Homöopathie-Befürwortern von ihnen etwas nebulös die „Pharma-Lobby“ ins Feld geführt. Damit beschwören sie ein Bild herauf von seelenlosen Betonfabriken, in denen stumpfe Automaten lieblos Pillen zusammenpanschen. Während auf der anderen Seite der liebe, nette ältere Herr (oder die liebe, nette ältere Dame) steht, im weißen Kittel, mit Lesebrille ganz vorne auf der Nasenspitze, der im Gärtlein hinter seinem gemütlichen Cottage erst Pflanzen liebevoll züchtet und sie dann einzeln erntet, um anschließend liebevoll Globulis herzustellen und diese dann – von Hand natürlich – in die kleinen Fläschken abzufüllen.

Ist das keine idyllische Vorstellung? Eine Vorstellung aus einer Zeit, wo alles besser war, entschleunigter, betulicher. A bisserl so wie beim königlich-bayrischen Amtsgericht oder in der Sahnebonbon-Werbung. Da fühlt man sich doch gleich aufgehoben, beschützt und liebevoll umsorgt oder?

AM ARSCH DIE RÄUBER!*

Die Homöopathie-Hersteller sind Großunternehmen mit einem Gesamtjahresumsatz in Höhe von 528 Millionen Euro!

Die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) hat 400 Mitarbeit und einen Umsatz von 100 Millionen Euro, Wala Heilmittel hat 800 Mitarbeiter und 112 Millionen Euro Umsatz, die Heel GmbH hat 1.400 Mitarbeiter und 202 Millionen Euro Umsatz und die Weleda AG hat 2.371 Mitarbeiter und 389 Millionen Euro Umsatz.

Gut, gell? Das sind schöne Sümmchen. Und auch sonst ist es mit dem romantisch verklärten Bild des gemütlichen Apothekers vom Anfang nicht weit her. Die DHU zum Beispiel ist ein Tochterunternehmen der Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG in Karlsruhe. Bei diesem Unternehmen handelt es sich um einen multinationalen Konzern im Bereich Homöopathie/Phytotherapie/Nahrungsergänzungsmittel. Weiterhin gehören noch folgende Firmen dazu:

die ISO-Arzneimittel GmbH & CO KG in Ettlingen
die Dr. Wilmar Schwabe Business Services in Karlsruhe
die Schwabe Extracta GmbH & Co. KG in Karlsruhe
die Spitzner Gmbh in Ettlingen und
die OTX Force GmbH ebenfalls in Ettlingen

Darüber hinaus hat das Unternehmen noch weitere 16 Tochtergesellschaften in Großbritannien, Spanien, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Italien, Österreich, Tschechei, der Slowakei, Ungarn und Russland in Europa. Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es Tochtergesellschaften in Mexiko, Kanada und den USA und letztendlich in Asien in Indien und Singapur.

Der Gesamtumsatz für das Jahr 2016 ist mit 900 Millionen Euro angegeben (für alle Sparten).

Vergegenwärtigt man sich außerdem noch die Rohstoff-Seite der Homöopathie, so wird einem auch klar, welch große Gewinne in dieser Branche erwirtschaftet werden. Globuli bestehen zu 100 % aus reinem Zucker. Der Großhandelspreis von Zucker liegt bei rund 0,50 €/kg und ein Fläschchen Globuli mit 10 g Zucker wird für ca. 10 € verkauft. Das bedeutet eine Vervielfachung des Einkaufspreises auf weit über das Tausendfache.(1)

Und auch den zweiten Teil des Bildes, die liebevolle Herstellung der Glaubuli per Hand muss ich leider zerstören. Viele Homöopathie-Hersteller haben wichtige Teile des Herstellungsprozesses automatisiert. Da stellt sich beispielsweise niemand mehr hin und verschüttelt per Hand. Das erledigen schön Roboter. Tja… die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Auch in der Lobby-Arbeit stehen die Homöopathie-Konzerne der pöhsen Pharmalobby in nichts nach. Ihr müsst nur mal ein bisschen deren Pressemitteilungen verfolgen. Und dass es tatsächlich kaum Unterschiede zwischen „pöhser Pfarma“ und „guten Homöopathie-Herstellern“ gibt, sieht man schon an der Tatsache, dass die Homöopathie-Hersteller sämtlich Mitglieder in den Verbänden der Pharmaindustrie sind.

*Ich entschuldige mich für die rüde Ausdrucksweise.

(1) https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/kurz-erklaert/187-argument-die-maechtige-pharmaindustrie-unterdrueckt-die-homoeopathie (abgerufen am 25. November 2017)

4 Gedanken zu “Das Geschäft mit der Homöopathie

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