Freunde kann man sich nicht kaufen

Als ich ein kleiner Junge war, hatten in der 5. oder 6. Klasse eine wunderbare Schullektüre. Das Buch hieß meiner Erinnerung nach „Freunde kann man sich nicht zaubern“. Es geht dabei um einen einsamen kleinen Jungen, der lernt, neue Freunde zu finden. Mehr habe ich nicht mehr im Gedächtnis, es ist ja auch eine ganz schöne Zeit her, dass ich das gelesen habe. Aber gestern musste ich nach über 30 Jahren wieder daran denken, also hat es doch einigen Eindruck hinterlassen.

Ich musste daran denken, als ich auf der Homepage des INH diesen Artikel gelesen habe. Es gibt anscheinend Menschen, die sich ihre Freunde zwar nicht zaubern, aber doch programmieren können und damit es keine Gegenrede gibt, werden reihenweise Accounts geblockt.

Aber fangen wir am Anfang an. Schon seit einigen Monaten werden unter #Homöopathie Pro-Homöopathie-Tweets gepostet, geliked und retweeted. Meldungen des DZVhÄ oder der Carstens-Stiftung werden hier regelmäßig „durchgeliked“. Soweit so gut.

Diese Vorgänge wurden von pfiffigen Menschen bereits seit einiger Zeit erkannt und diese Menschen recherchierten nun und fanden ein regelrechtes Twitter-Botnetz mit 60-70 festen Accounts von offenbaren Fake-Usern. Die Likes werden – möglicherweise automatisch – über die Tage verteilt und die Accounts twittern auch täglich selbst (automatisiert?) unter dem Tag #Homöopathie und ‚liken‘ sich gegenseitig.

Nun ist es aber so, dass diese Tweets zum großen Teil unwidersprochen bleiben, was bei einem so kontrovers diskutierten Thema wie der Homöopathie doch recht unwahrscheinlich erscheint. Auch sind bei Tweets des DZVhÄ oder der Carstens-Stiftung die Likes dieser Accounts nicht einsehbar. Anscheinend wurden bekannte Kritiker der Homöopathie von diesem Botnetz en Gros geblockt.

Die vermutlichen Fake-User twittern meist Artikel-Links zu Pro-Homöopathie-Seiten der Homöopathie-Lobby. Frei von dem Risiko, dass kritische Antworten oder Retweets auftreten können: Sobald jemand kritisch auf die Tweets des Netzwerks reagiert, wird er sofort vom Netzwerk geblockt.

Mich macht so ein Vorgehen ehrlich gesagt etwas traurig. Ich weiß ja nicht, wer hinter diesem Netzwerk steckt, aber wie viel Angst muss der- oder diejenige haben, um sich hinter dem Block-Button zu verstecken. Wie armselig ist es, durch ein derartiges Netzwerk Zustimmung vorgaukeln zu müssen, weil die reale Zustimmung auf Twitter nur marginal ist? Ich weiß es nicht.

Ein derartiges Vorgehen hat mit einem offenen Diskurs nichts zu tun. Sowas ist reine Propaganda in unschönster Form, weil sie nämlich dem normalen Twitter-User hier etwas vorgaukelt, was absolut nicht der Wahrheit entspricht.

Mir tun Menschen, die auf ein derartiges Vorgehen zurückgreifen nur leid.

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