Christina von Dreien und der große Flohmarkt der Schwurbelei

Ich weiß jetzt nicht genau, in welchen Zirkeln mein letzter Artikel zu Christina von Dreien aktuell herumgereicht wird, aber es sind auf jeden Fall keine netten Leser*innen, die ich hierdurch gewonnen habe. Seit mehreren Wochen erhalte ich über Kommentarspalten meines Blogs, per Mail oder Brief wirklich hasserfüllte Nachrichten von Menschen, die mir a) schwere Krankheiten b) den Tod c) schwere Unfälle oder d) endlich Erleuchtung wünschen. Und das nur, weil ich mir erlaubt habe, das Idol dieser Menschen zu kritisieren. Wir bewegen uns also auf dem Niveau von Fussball-Hools, die jedem auf’s Maul hauen, wenn er was gegen die Eintracht (1) sagt. Auf solche Fans kann Christina von Dreien wirklich stolz sein… *Ironie off*

Nun, das hat mich jetzt neugierig gemacht. Ich wollte unbedingt herausbekommen, was so Besonderes an Christina von Dreien ist, dass sich hier erwachsene Menschen zum Otto machen. Ihr werdet es mir nicht glauben, aber bald schon fand ich mich bei meinen Recherchen auf einem Flohmarkt wieder, wo neben Schwurbeleien jeder Unsinnsstufe auch die Kindheit und Jugend eines jungen Mädchens gnadenlos verscherbelt wird.

Aber gut, ich greife vor, ich wollte ja herausbekommen, was so toll an CvD (mir sei dieses Kürzel gestattet) ist. Mein erster Weg führte mich natürlich zu Youtube, wo zahllose Videos von ihr zu finden sind. Entweder als Vortragende in irgendwelchen Stadthallen oder als Interviewpartnerin lüstern wirkender älterer Herren. Dort saß dieses zierliche, blasse (im wahrsten Sinne des Wortes) Mädchen und trug mit der monotonen Stimme einer Zeitansagerin und der Ausstrahlung eines Reiskochers ihre Schwurbeleien vor.

Bei manchen Videos saß auch ihre Mutter mit dabei und spreizte sich wie ein Pfau. Was sind das nur für Eltern, die ihre Kinder so verramschen, um sich selbst zu profilieren? Mir jedenfalls tat das Mädel schon auch irgendwo leid, wurde sie doch vorgeführt.

Gut, auf der einen Seite wird es ihr schon gefallen, wenn sie von ihrer Anhängerschaft verehrt wird wie eine Prophetin (und ja, genau das tun ihrer Anhänger, wenn man sich die Kommentare unter ihren Youtube-Videos anschaut). Und das, obschon sie in ihrem Heimatort als recht schüchtern gilt. Christina war still, eine Einzelgängerin und hatte wenige Freundinnen, wie Ernst Rüegg, der Leiter der Oberstufe in Mosnang sagt. Hier ging sie zur Schule. In den drei Jahren auf der Oberstufe hat er sie kaum lachen sehen und selten aufgestellt angetroffen. «Für mich ist es schwierig zu glauben, dass sie jetzt plötzlich ein Medium sein soll.» Er weiss: Wegen schlechter Leistungen in den Fächern Mathematik und Englisch musste sie von der Sekundar- in die Realklasse wechseln. «Wenn sie ein Medium sein soll, warum hat sie ihr Wissen nie mit uns geteilt?» (2)

Nun, weil die Welt vielleicht einfach noch nicht reif ist für das Wissen um Leben auf Siliziumbasis, 13-strängige DNS und über fliegende Teppiche, die die Pyramiden bauten.

Ja, darüber schwurbelt sie nämlich fein. Dazu kommt noch ein Schuss Schulkritik (nimmt hier jemand Rache an seinen Lehrern? Man weiß es nicht), Reinkarnationen und Kristallkinder und fertig ist eine trübe Melange von Blödsinnsbehauptungen.

Also, fassen wir zusammen. Inhaltlich hat CvD auf dem Tapeziertisch ihres Flohmarkts Schwurbeleien erster Güte. Daran kann man also die Faszination nicht festmachen. Auch persönlich hat sie keine irgendwie geartete Präsenz oder Ausstrahlung, dass man sagen könnte, es würde diese aggressive Anhängerschaft verteidigen. Jetzt hoffe ich nur nicht, dass das irgend so eine Kindchenschema-Kiste ist. Man weiß es nicht, krude Typen gibt es ja genug im Internet.

Nun, ihr seht, ich habe trotz größter Mühe absolut keinen Punkt gefunden, warum man dem Mädel nachrennen sollte wie weiland Teenies einer 90er-Jahre-Boyband. Und vor allem finde ich absolut keinen Grund, warum man Menschen, die anderer Meinung sind, Krankheit, Tod oder schlimmeres zu wünschen.

Was ich aber sehe, ist eine junge Frau, deren Jugend man auf dem Flohmarkt der Eitelkeiten verramscht – und das macht mich sehr traurig.

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Ein dickes Dankeschön an @skt_johann für das wieder sehr treffende Beitragsbild!
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(1) Gemeint ist hier keine spezielle Eintracht, aber den Namen verbinde ich irgendwie mit Fußball. … Nicht, dass ich mich damit auskennen würde.
(2) https://www.blick.ch/life/wissen/menschen/mit-17-esoterikstar-christina-von-dreien-die-prinzessin-des-uebersinnlichen-id8738582.html

4 Gedanken zu “Christina von Dreien und der große Flohmarkt der Schwurbelei

  1. Auf den Punkt, lieber Onkel Michael! Ich habe mir neulich auch mal ein Video von Cdv angetan und bin nach nicht einmal zwei Minuten ausgestiegen, weil ich den Unsinn, der da in altkluger Nonchalance feilgeboten würde, nicht mehr ausgehalten habe.

  2. „Nun, ihr seht, ich habe trotz größter Mühe absolut keinen Punkt gefunden, warum man dem Mädel nachrennen sollte wie weiland Teenies einer 90er-Jahre-Boyband. Und vor allem finde ich absolut keinen Grund, warum man Menschen, die anderer Meinung sind, Krankheit, Tod oder schlimmeres zu wünschen.“

    Es geht nicht darum Christina hinterher zu rennen. Sie kann tolle neue Blickwinkel und Sichtweisen aufzeigen/erklären. Es geht auch nicht um Christina als Person.
    Sie betont selbst oft genug, dass es ihr wichtig ist, dass man ihr nicht hinterher rennt.
    Deshalb finde ich es seltsam, dass Sie das nicht erwähnen. Da Sie ja wirklich genauestens nach gefroscht haben.

    Es gibt keinen Grund einem anderen Menschen etwas schlechtes zu wünschen. Lassen Sie sich davon nicht aufregen.
    Ich wünsche Ihnen von Herzen alles gute. Und vor allem eine erweiterte Perspektive in allen Bereichen in Ihrem leben.

  3. Ich bin in der genannten Gemeinde Mosnang aufgewachsen. Und dieser Missbrauch (ja, ich wähle das Wort bewusst) dieses Mädchens tut mir weh. Selbst wenn man sich damit „trösten“ kann, dass im genannten Ort (gefühlt) keine Menschenseele jemals was von Christina gehört hat.

  4. „CvD and the Gang“ ist für mich der Inbegriff der Esoterik. Dass ein Auslauf-Model (gutaussehende Schleimerin) mit Laubsägediplom im Jahr 2019 so viele Glaubensasylanten findet, nur weil sie sich „Medium“ nennt und als Schwurbel-Erklärbär irgendwelchen Hokuspokus-Mainstream von sich gibt, ist erstaunlich.

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