Warum Kinderkrankheiten kein Kinderkram sind

Durch den Vorschlag zur Einführung einer Impfpflicht drehen die Impfleugner auf allen Kanälen ja frei wie eine Spaxschraube in der Rigipswand. Und auch wenn ich weiß, dass ich Magenschmerzen davon bekomme, habe ich im Netz mit einigen Impfgegnern diskutiert. Dabei musste ich erstaunt erkennen, dass anscheinend ein größerer Teil meiner Mitmenschen tatsächlich dem Irrglauben an, dass der Begriff „Kinderkrankheiten“ deswegen entstanden ist, weil die Krankheiten „Kinderkram“, also harmlos sind. Das erschreckt mich schon etwas, war ich doch immer der Meinung, dass allgemein bekannt wäre, dass dem nicht so ist.

„Kinderkrankheiten“ nennt man deswegen so, weil diese Infektionskrankheiten eine weite Verbreitung in der Bevölkerung haben und recht einfach übertragen werden können. Von daher sind Kindergärten und Schulen ideale Umschlagplätze für solche hochinfektiösen Krankheiten. Außerdem erwirbt man in der Regel eine lebenslange Immunität nachdem man eine solche Krankheit durchlitten hat, also sind Ältere bereits immun.

Schauen wir uns doch mal die klassischen „Kinderkrankheiten“ an: Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Keuchhusten und Scharlach.

Masern, Mumps, Röteln und Windpocken werden von verschiedenen Viren hervorgerufen, deswegen können sie auch nicht ursächlich therapiert, sondern nur die Symptome gelindert werden. Bis auf Scharlach kann gegen alle genannten Krankheiten geimpft werden.

Eine Erkrankung ist in keinem der genannten Fälle harmlos, gibt es doch zahlreiche Komplikationen, die wirklich nicht lustig sind.

Die Masern beispielsweise können Organe im Körper schädigen und dies bis hin zur Gehirnentzündung. Die Folgen: eine kognitive Behinderung oder der Tod. Dazu können während des Krankheitsverlaufes noch Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen oder Kehlkopfentzündungen kommen.

Mumps hat auch eine Gefährdung des Gehirns als Komplikation im Gepäck und dazu noch die Hodenentzündung, die erkrankte Jungen davontragen können. Ist diese Entzündung beidseitig, so kann dies zu Unfruchtbarkeit führen.

Bei Röteln wiederum warten als Komplikationen Mittelohrentzündungen, Bronchitis oder eine Herzbeteiligung auf. Und infiziert sich eine Schwangere, kann es zur Rötelnembryofetopathie kommen, einem Syndrom, bei dem Gehirn, Augen und Ohren des Kindes geschädigt sind.

Die Komplikationen bei Windpocken können Lungenentzündungen, Ataxie, Sepsis, eine Enzephalitis oder Meningitis, das Reye-Syndrom oder eine Hepatitis sein. Auf Schwangere lauert das Fetale Varizellen-Syndrom. Und dann gibt es noch in späteren Jahren die Gürtelrose als kostenlose Dreingabe mit dazu.

Keuchhusten hat die Lungenentzündung als häufigste Komplikation, genauso wie Mittelohrentzündungen, Krampfanfälle oder eine Enzephalopathie, also eine dauerhaft schädigende Gehirnentzündung.

Scharlach hält dann sogenannte Streptokokken-Nacherkrankungen bereit, so die die Poststreptokokken-Glomerulonephritis, das rheumatische Fieber mit rheumatischer Endokarditis.

Ganz „lustig“ wird es dann noch, wenn sich Erwachsene infizieren, dann sind die Krankheitsbilder umso ausgeprägter und schwerwiegender.

Ihr seht also, „Kinderkrankheiten“ sind absolut kein Spaß. Ich frage mich nur, wie wir das in die Köpfe der Impfleugner hinein bekommen…

5 Gedanken zu “Warum Kinderkrankheiten kein Kinderkram sind

    1. Hallo Armin,
      gute Frage, da musste ich mich selbst auch erst schlau machen. Scharlach wird von A-Streptokokken hervorgerufen und von denen gibt es wohl hundertdrölfzig verschiedene Unterarten, die alle Scharlach auslösen können.
      Ich hoffe Dir damit weitergeholfen zu haben.
      Liebe Grüße
      Onkel Michael

  1. Ich hab erst letzten meinen Impfschutz auffrischen lassen. Die klassische Dreifach-Impung (Tetanus, Keuchhusten, Diphtherie). Ist ja alle 10-15 Jahre fällig. Schließlich will man nix von dem Kram wirklich bekommen. Natürlich bekam ich auch die volle Ladung Nebenwirkungen mit.
    Also leichtes Fieber, zum Abend auch etwas Schüttelfrost, leichte Kopfschmerzen und so ein generelles Unwohlsein. Fühlte sich nach ner heftigen Erkältung an. Nur ohne die klassischen Erkältungssymptome in Form manigfaltiger Ausflüsse.
    Ach, ja, und der linke Oberarm hat weh getan. Als wenn man sich gestoßen hätte, oder jemand ordentlich draufgeboxt hätte. Das ganze ging etwa 16-18h nach der Impfung los und dauerte etwa 8h. Der Oberarm tat sogar etwas länger als 24h weh.

    Sprich, ich war dem Tod näher als dem Leben und wenn ich hier jetzt die erwartbaren Krankheitsfolgen einer harmlosen Kinderkrankheit (Keuchhusten ist so harmlos, dass bereits der Verdacht meldepflichtig ist, Diphtherie bietet darüber hinaus noch die einmalige Chance einer Polyneuritis, bei Tetanus erstickt man bei vollem Bewusstsein) entgegen stelle, so finde ich impfen ja ziemlich verantwortungslos.

    Also den Bakterien und Viren gegenüber.

    Schade, dass es keine Impfung gegen Leichtgläubigkeit gibt. Hier hat leider nur die Alternativ-„Medizin“ die passenden Mittelchen und wie alles in deren Repertoire, funktioniert der Kram erwartungsgemäß nur so mittel…

  2. Ein paar Ergänzungen:
    Masern:
    – Masern resetten das Immunsystem, indem sie die Gedächtniszellen zerstören — man ist nach den Masern super immun gegen Masern, aber gegen nix anderes mehr und hat ein entsprechend höheres Risiko, anschließend an einer anderen „Kinderkrankheit“ zu sterben. Mit flächendeckender Verbreitung der Masernimpfung sank die Kindersterblichkeit deutlich überproportional, der Mechanismus ist seit kurzem auch bewiesen.
    – SSPE als Spätfolge der Masern zerstört unaufhaltsam das Gehirn und führt unausweichlich innerhalb von Monaten oder Jahren zum Tode. Besonders häufig nach Masern im Baby- und Kleinkindalter. Ausbruch bis zu 30 Jahre später

    – Keuchhusten ist für Neugeborene häufig tödlich und kann möglicherweise ein Auslöser für den plötzlichen Kindstod sein, weil er bei Säuglingen auch schlicht zu Atemstillständen führen kann (auch wenn vorher kein Husten aufgetreten ist)

    – Diphterie, der „Würgeengel der Kinder“, an den manche Eltern innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen 5-7 Kinder verloren haben.

    Im Übrigen vermute ich auch, dass Kinderkrankheiten auch in alten Zeiten als vergleichsweise harmlos galten, weil daran wesentlich weniger Kinder gestorben sind, als an Typhus, Cholera oder Tuberkulose, von Pocken und Pest ganz zu schweigen. Aber da war es eben noch völlig normal, das eine oder andere Kind zu beerdigen (20% Kindersterblichkeit um 1900, heute sind es 0,5%).

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