Paul Ehrlich – Ein Leben für die Forschung

Paul Ehrlich wurde am 14. März 1854 in Strehlen (Schlesien) geboren. Seine schulische Ausbildung begann in der der Volksschule Strehlen und setzte sich am Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau fort. Seine Leidenschaft für die Chemie zeigte sich schon 1872 im Abituraufsatz, als er über ‚Das Leben – ein Traum“ zu schreiben hatte. Dabei entwickelte er zum Thema seine eigenen Thesen, und nur seine guten Noten in den alten Sprachen und der Mathematik retteten Ehrlich vor dem Durchfallen. Der junge Ehrlich war das Thema rein chemisch angegangen und hatte Gedanken einfach als ‚Phosphoreszenz des Gehirns‘ aufgefasst, die sich letzten Endes auf nichts weiter als Oxidations- und Reduktionsprozesse zurückführen lassen. Ein Neurochemiker mit 18 Jahren vor seinen verdutzten Deutschlehrern. (1)

In Breslau und Straßburg studierte er Medizin. Bereits während seines Studiums beschäftigte sich Ehrlich mit der Färbung von Gewebe für die Untersuchung mittels Mikroskop. Sein Studium schloss er 1878 in Leipzig dann auch mit einer Dissertation mit dem Titel „Beiträge zur Theorie und Praxis der histologischen Färbung“ ab. Bereits im Studium entdeckte er die granulierten Mastzellen, auf die er in dieser Arbeit besonders einging.

Seine erste Anstellung fand er als Assistent und später als Oberarzt bei Theodor Frerichs an der Berliner Charité. Frerichs ist der Begründer der experimentellen Klinischen Medizin. Hier lagen seine Tätigkeitsfelder in der Histologie, Hämatologie und der Farbenchemie. So entdeckte er während seiner Tätigkeit dort die Normo-, Megalo-, Mikro- und Poikiloblasten genauso wie einen Urintest zur Abgrenzung von Typhus gegenüber normalen Durchfallerkrankungen. 1882 wurde er Professor.

Nach einer Erkrankung an Lungentuberkulose und einer Kur in Ägypten richtete sich Ehrlich eine Privatpraxis mit Labor in Berlin ein. Hier begann Ehrlich auch erste Experimente zur Immunisierung, in dem er Mäuse sich an die Gifte Ricin und Abrin gewöhnen lies. Er konnte auch nachweisen, dass die Tiere nach der Gabe von zuerst kleinen, dann sich steigernden Dosen des Giftes dagegen immun wurden. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt jener Zeit war der Nachweis, dass Föten bereits im Mutterleib Antikörper erhielten und diese auch durch die Muttermilch übertragen werden.

Seine 1885 erschienene Monographie „Das Sauerstoff-Bedürfnis des Organismus: Eine farbenanlystische Studie“ stellte eine neue Technik zur Vitalfärbung von Zellen dar. Im Zuge dieser Arbeit entdeckte er auch das sogenannte „Methylenblau“.

1890 wurde er außerplanmäßiger Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität und übernahm im gleichen Jahr die Tuberkulosestation am Städtischen Krankenhaus Moabit. Nur ein Jahr später nahm er ein Angebot von Robert Koch wahr und wechselte an dessen „Institut für Infektionskrankheiten“.

Gemeinsam mit Emil Behring entwickelte er 1894 ein Serum zur Diphteriebehandlung. 1896 wurde er Direktor des neu gegründeten Instituts für Serumforschung und Serumprüfung in Steglitz und erhielt die Ernennung zum „Geheimen Medizinalrat“. Hier entwickelte er auch 1897 seine „Seitenkettentheorie“. 1899 zog das Institut nach Frankfurt am Main um. Es eröffnete neu unter dem Namen „Institut für experimentelle Therapie“.

Ab 1901 widmete sich Ehrlich der Krebsforschung, wozu ihn Kaiser Wilhelm II. persönlich beauftragte. In dieser Zeit entstand auch der Kontakt zu dem Bankier Georg Speyer, der Mitinhaber des Bankhauses Lazard Speyer-Ellissen kennen. Als dieser starb ließ seine Witwe 1906 ihm zu Ehren das „Georg-Speyer-Haus“ errichten, das neben dem Institut errichtet wurde und dessen Direktor Paul Ehrlich in Personalunion wurde. Ein Jahr später wurde ihm der seltene Titel eines „Geheimen Obermedizinalrates“ verliehen und 1907 erhielt er für seine immunologischen Forschungen sogar den Nobelpreis.

Im Georg-Speyer-Haus führte er hauptsächlich seine Forschungen im Bereich der Chemotherapie fort. Bei diesen Forschungen entwickelte Ehrlich einige arsenhaltige Präparate, die Robert Koch für ihn in Afrika testete. 1909 fand er dann das „Präparat 606“ (Arsphenamin), das gegen Spirochäten wirksam war. Zu den Spirochäten gehört unter anderem auch der Erreger der Syphilis. Nach umfangreichen klinischen Prüfungen wurde das Präparat 606 unter dem Namen Salvarsan 1910 vorgestellt. Hergestellt wurde es von den Farbwerken Hoechst und 1911 durch das nebenwirkungsärmere „Neosalvarsan“ ersetzt. Dieses Mittel war eine Sensation, war es doch das erste chemotherapeutische Medikament, das entwickelt wurde.

1911 wurde nicht nur in den Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft berufen, er erhielt auch die Liebig-Denkmünze des Vereins Deutscher Chemiker. 1914 erhielt er die Berufung an die die Frankfurter Universität und wurde dort ordentlicher Professor für Pharmakologie.

Paul Ehrlich starb am 20. August 1915 an einem Herzinfarkt. Kaiser Wilhelm II. würdigte den Forscher wie folgt: „Ich beklage mit der gesamten gebildeten Welt den Tod dieses um die medizinische Wissenschaft und die leidende Menschheit so hochverdienten Forschers, dessen Lebenswerk ihm bei der Mit- und Nachwelt unvergänglichen Ruhm und Dank sichert.“

Ehrlichs Arbeit auf dem Gebiet der Immunologie und besonders der Chemotherapie waren bahnbrechend. Die inzwischen teilweise öffentlich verfügbaren Archive des Nobel-Insituts zeigen, dass Ehrlich, wäre er nicht so früh gestorben, zusammen mit seinem treuen Mitarbeiter Hata auch den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung des Salvarsans erhalten hätte. (1)

Fakt ist, dass Paul Ehrlich mit seiner Arbeit den Grundstein für die Entwicklung der modernen Chemotherapie legte, die Millionen Menschen bereits das Leben rettete.

Der Titel dieses Artikels ist übrigens dem 1940 erschienenen, gleichnamigen US-Spielfilm entlehnt.

(1) Sörgel, Fritz et al.: Vom Farbstoff zum Rezeptor: Paul Ehrlich und die Chemie. In: Nachrichten aus der Chemie, 52(2004), S. 777-782.
Leibbrand, Werner: Ehrlich, Paul. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 4.
Schott, Heinz (Hg.): Chronik der Medizin. Augsburg, 1998.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.