Nur nicht aus dem Rahmen fallen…

Die Tage habe ich ein Video aus einer Telegram-Gruppe zugeschickt bekommen. Darin ist irgendeiner dieser Querdödel (ich hab keine Ahnung, wer das ist, googeln hätte ich können, aber so wichtig war mir das dann auch nicht, diese Typen sind ja doch austauschbar) zu sehen, der seinen Anhänger etwas erzählte. Und das war interessant. Nein, nicht WAS er erzählte, sondern WIE er es erzählte.

Es ging darum, dass Twitter den Account von Steve Bannon gelöscht hatte und einige US-Fernsehsender von der Rede Donald Trumps weggeschaltet hatten.

Für ihn war das natürlich ein massiver Eingriff in die freie Meinungsäußerung. Besonders mit Twitter ging er hart ins Gericht. Bannon hatte ja nur seine Meinung gesagt und die würde der sozialen Plattform nicht passen und das wäre ein massiver Eingriff in den US-Wahlkampf. Und dass ein Fernsehsender dem Präsidenten der USA das Wort abdreht ebenso.

Was er seinen Anhängern nicht erzählte war, dass Steve Bannon kurz vor seiner Sperrung bei Twitter in seinem Podcast (auf den er in einen Tweet hinwies) forderte, dem Direktor des FBI, Christopher A. Wray, und dem Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, Anthony S. Fauci, zu töten. Wörtlich sagte er: Ich würde ihre Köpfe aufspießen und sie auf den Seiten des Weißen Hauses aufstellen. Als Warnung für Bundesbürokraten: ‚Entweder ihr macht mit oder euch wird es auch so ergehen!‘ (Quelle 1, Quelle 2) Dies war aber nur die Spitze von wirren Anwürfen und Gewaltfantasien. Eben deshalb wurde sein Twitter-Account gelöscht.

Ebenfalls verriet er seinen Anhängern nicht, dass der abgewählte Präsident Trump offensichtliche und vor allem gefährliche Lügen über Wahlfälschungen verbreitete und diese Aussagen von den Moderatoren eingeordnet wurden (btw. mir tat besonders der CNN-Moderator leid, der noch nicht einmal mehr versuchte, seine Genervtheit zu verbergen).

Was dieser Querdödel hier macht, heißt in der Soziologie „Framing“. Robert Entman definierte Framing 1993 in seinem Buch Framing: Towards a Clarification of a Fractured Paradigm so: Framing bedeutet, einige Aspekte einer wahrgenommenen Realität auszuwählen und sie in einem Text so hervorzuheben, dass eine bestimmte Problemdefinition, kausale Interpretation, moralische Bewertung und / oder Handlungsempfehlung für den beschriebenen Gegenstand gefördert wird.

Dies bedeutet, dass eine Nachricht mit demselben Inhalt unterschiedliche Emotionen und Verhaltensweisen beim Empfänger auslöst, je nachdem wie sie präsentiert wird. Ein solcher „Frame“ strukturiert also die Wahrnehmung des Empfängers auf eine bestimmte Weise und beeinflusst, welche Informationen bei ihm hängen bleiben.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung bieten sogenannte „Loss-“ und „Gain Frames“: „Wer raucht, stirbt schneller“ würde bei der addressierten Person Verlustängste auslösen und kann daher dem „Loss-Frame“ zugeordnet werden. „Wer aufhört zu rauchen, lebt länger“ ist hingegen ein Beispiel für positives „Gain-Framing“. (Quelle)

Dies kann man dadurch erreichen, dass man bestimmte Aspekte der Nachricht weglässt, nebenseitige Aspekte der Nachricht übergewichtet, schlicht und einfach lügt, die Nachricht sensatsionsheischend aufbereitet oder oder oder. Die Möglichkeiten sind derer Viele.

Die Forschung zu Framing ist ziemlich komplex und es gibt sicherlich kompetentere Menschen als mich, um dieses Thema zu erklären. Mir geht es hier jetzt nur darum, euch zu sensibilisieren und natürlich auch zu hinterfragen, welche Intention hinter solchen Botschaften steckt.

Beitragsbild: By ArjanH – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62179492

Beispielgrafik: Von Trebronson – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61205203