Wie Sommerregen fielen ihre Tränen

In der Oper „Eugen Onegin“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, singt im zweiten Akt Wladimir Lenski (Tenor) „Wohin, wohin, wohin seid ihr entschwunden…“ und meint damit die vergangenen Zeiten, denen er, obwohl erst neunzehnjährig, schon nachtrauert und die er, wortreich und melodiös, als goldene Tage feiert.

Diese Klage Lenskis scheint mir, allerdings weniger melodiös, das aktuelle Leitmotiv der Homöopathie-Lobby zu sein. Landauf, landab hört man es aus den Büros der Standesvertretungen, der industriellen Produktionsstätten und aus den Räumen der Lobby-Stiftungen tönen „Wohin, wohin, wohin seid ihr entschwunden… ihr Zeiten ohne INH, ohne Grams, ohne Lübbers, ohne Aust, ohne Ernst, wohin ginget ihr, ihr Zeiten der ungestörten Lobbyarbeit, der hohen Gewinne, der Wachstumsraten?“ Und wie Sommerregen fallen ihre Tränen.

 Ja, wir leben schon in großen Zeiten, wird doch erstmals seit seiner Einführung der Binnenkonsens ernsthaft und vehement in Frage gestellt. Und dabei haben sich seiner Zeit die Homöopathen und Anthroposophen so sehr die Hacken abgerannt, dass sie ihn bekommen haben, den Binnenkonsens, der ihnen erlaubt ihre Mittelchen ohne jede größere Zulassung auf den Markt zu werfen. Das kann man sicherlich schon als Lizenz zum Gelddrucken verstehen.

Über die Millionen, die in der Pharmaforschung an die Forschung verplempert werden, kann man hier nur lachen. Studien? Da hört man nur noch gemeinschaftliches Gelächter. Bestehen doch bspw. homöopathische Arzneimittelprüfungen darin, dass ein gesunder Mensch diese Zuckerkügerl einwirft und dann aufschreibt, welche „Symptome“ er daraufhin verspürt. Aber auch wovon er träumt oder wie er sich fühlt, sind Bestandteile des Bildes.

Also wenn ich jetzt Watweißichium D6 nehme, mir kurz vor dem Einschlafen der linke große Zeh juckt und ich von Scarlett Johansson im Bikini träume, dann ist das homöopathische Schlafmittel schon so gut wie verkauft.

Dieser ganze Binnenkonsens fußt ja auf dem sogenannten „Wissenschaftspluralismus“. Wissenschaftspluralismus… Ich weiß ja nicht genau, was man sich darunter vorstellen soll. Es gibt entweder Wissenschaft oder scheinwissenschaftlichen Unsinn, aber was hier suggeriert werden soll, nämlich, dass die esoterischen Konstrukte wie Homöopathie oder Anthroposophie gleichberechtigt neben der richtigen Wissenschaft stehen, kann ich nicht so wirklich nachvollziehen.

Und genau deswegen ist es ja wichtig und richtig, dass gegen so eine unsinnige Privilegierung von scheinmedizinischem Unsinn sturmgelaufen wird, auch wenn diejenigen, die mit der Homöopathie ihr Geld verdienen, Schnappatmung bekommen.

Aber die bräuchten doch eigentlich gar keine Angst haben, könnten doch beispielsweise die Hersteller von Homöopathika ganz einfach ihre Produktion umstellen und ohne größere Geschäftseinbußen auf andere Produkte umschwenken.

Auf sowas zum Beispiel:

3 Gedanken zu “Wie Sommerregen fielen ihre Tränen

  1. Wie heißt das Zeug, bei dem man von Scarlett Johansson träumen kann??? Haben will 😉
    Spaß beiseite, netter Kommentar. Ich freue mich, dass das endlich passiert. Und bin entsetzt, wieviel Unsinn im Internet kursiert – nicht nur zu Homöopathie.

    1. Antwort an Homöopath: Von Sitte und Anstand haben sie wohl keine Ahnung. Gute Kinderstube ist der Kommentar jedenfalls nicht!!!!

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