Sprechen wir über Menschen

Menschen, ne. Auch so’ne Sache. Ich verstehe sie nicht. Und dabei bin ich selber einer. Müsst ihr euch mal vorstellen.

Nun ja, ein positiver Aspekt dieser Pandemie ist ja, dass wir unsere Mitmenschen immer besser kennen lernen. Und was sich da offenbart ist so angenehm nicht. Da haben wir seit acht oder neun Monaten eine veritable Pandemie an den Hacken, die Inzidenzwerte haben Höhen erreicht, dass das Robert-Koch-Institut extra neue Farben für ihre Deutschlandkarte einführen musste, und was höre ich heute in den Nachrichten? Die Lufthansa vermeldet einen Anstieg der Flugbuchungen zu Weihnachten. Da frag ich mich schon – ganz höflich und bescheiden – ob diesen Herrschaften noch ganz wohl ist. Aber natürlich. Setzen wir uns doch für eine Fernreise in eine Sardinenbüchse von Flieger und hoffen einfach, dass keiner das Virus hat. A cunning Plan, Mylord! Aber he! Hauptsache, man kann vor den Nachbarn angeben und die Auslandskrankenversicherung wird die künstliche Beatmung in Chisibubikaio schon zahlen.

Da gehen unsere Pflegekräfte auf den Zahnfleisch, sollen sogar trotz symptomloser Infektion weiterarbeiten, und dann stellen sich einige merkbefreite Schmalspurdenker hin und beklagen sich, dass sie nicht zum Skifahren können. Da frage ich mich schon, wie nahe die Schaukel an der Wand gestanden hat oder ob da mal ein Lavendeltopf auf den Kopf gelandet ist.

Dann lese ich heute einen Artikel in unserem örtlichen Käseblatt, in dem sich eine 91-jährige beklagt, warum beispielsweise beim einkaufen die Menschen Abstand von ihr halten. „Alle halten Abstand und sind so unfreundlich“, stellte sie einmal bei einem Einkauf fest, bei dem sie dabei war, nur um etwas anderes erleben und sehen zu können. „Sie hat mich gefragt, warum alle Menschen so unfreundlich sind. Niemand kommt her und begrüßt mich“, habe sich ihre Mutter beklagt. Ich weiß ja nicht, aber seit Monaten werden auf allen möglichen und unmöglichen Kanälen die A-H-A-Regeln verbreitet, aber anscheinend schaffen es einige Menschen immer noch, nichts davon mitzubekommen. Natürlich weiß ich, dass gerade für Senioren die aktuelle Situation nicht einfach ist. Das ist sie sicherlich für niemanden von uns. Aber dass Abstand und das Tragen von Schutzmasken gerade zum Schutz der Risikogruppe der Hochbetagten geschieht, sollte eigentlich mittlerweile jeder mitbekommen haben. Und das ist der Aufmacher auf Seite 1 des Lokalteils.

Über das dauernde präpubertäre Gequengel der Maskenverweigerer und sonstiger Quer“denker“ möchte ich jetzt gar nichts sagen, die machen sich doch selbst lächerlich. Wenn ich die Auftritte der AfD im Bundestag sehe, dann frage ich mich, ob man es mit erwachsenen Menschen zu tun hat.

Das frage ich mich allerdings recht oft, wenn ich so hier sitze und mir so meine Gedanken mache. Ist das wirklich so schlimm, wenn man einfach mal in einer Extremsituation wie wir sie jetzt haben zu Hause bleibt und seine sozialen Kontakte einschränkt? Ist es wirklich so schlimm, wenn nicht jedes Wochenende Programm mit irgendwelchen Ausflügen oder was auch immer gemacht werden kann? Ich meine, das ist jetzt in der Pandemiezeit halt mal so. Das vergeht auch wieder. Und vielleicht sitzen wir im nächsten Sommer schon wieder fröhlich mit unseren Freunden beisammen und haben unseren Spaß.

Muss wirklich jeden hedonistischen Trieb nach Unterhaltung und Plaisier sofort nachgegeben werden? Kann man sich nicht einfach mal am Riemen reißen und auch einmal Verzicht üben? Es ist ja jetzt nicht so, dass die Regierung diese Maßnahmen und Einschränkungen aus einer spontanen Laune heraus erlassen hat oder weil der Morgenstuhl zu hart war und weh getan hat. Alle Maßnahmen haben ja einen ganz konkreten und wichtigen Hintergrund.

Oder ist das vielleicht der beängstigende Teil für solche Mitmenschen? Dass man zu Hause sitzt ohne irgendwelche Ablenkungen und sich vielleicht mal mit sich selbst und seinen Gedanken beschäftigen muss und man einfach Angst hat, was sich da alles so offenbart? Haben solche Menschen vielleicht einfach Angst vor der Konfrontation mit sich selbst?

Ich muss ehrlich sagen, ich wäre dafür, dass die Kanzlerin sich jetzt mal aufs Krisenmanagement konzentriert und für den Rest eine Bundes-Erzieherin eingestellt wird. Denn mit erwachsenen Menschen hat sie es offensichtlich ja nicht zu tun, da wäre so eine „Kindergartentante“ vom alten Schlag vielleicht angemessener.

Mit dem Impfstoff ist es doch das Gleiche. Anstatt dass man froh ist, dass sich die Forscher den Allerwertesten aufgerissen haben, damit wir schnell einen Impfstoff bekommen, wird jetzt eine Nitpickerei betrieben, dass es schöner nicht mehr geht. Jeder Honk, der bis vor kurzem noch nicht mal den Unterschied zwischen der DNS und einer Grillwurst kannte, spielt sich auf, als hätte er höchst persönlich das menschliche Genom entschlüsselt und weiß natürlich ganz genau Bescheid, wie die Zulassung von Impfstoffen funktioniert. Da können sich Natalie Grams, Martin Moder oder Lars Fischer den Mund fusslig reden und die Finger wundschreiben, es wird lieber darauf gehört, was dem Willi aus der Laubenpieperkolonie seine Friseuse ihr Postbote erzählt hat.

Wisst ihr, was mich wirklich wundert? Dass die Merkel, der Söder, der Lauterbach, der Drosten, die Ciesek, der Wieler und wie sie alle heißen, nicht schon lange „Macht doch euer’n Dreck aleene!“ gesagt haben. Verdenken könnte ich es ihnen wirklich nicht, wenn man bedenkt, was die sich den ganzen Tag anhören müssen.

Andauernd dieses larmoyante Genörgel, ich kann es wirklich nicht mehr hören.

Ein Gedanke zu “Sprechen wir über Menschen

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