Ferdinand Sauerbruch und die Homöopathie – Komplett

Sauerbruch – wer kennt den Namen nicht, Hand hoch! Na… immerhin. Wohl alle die Serie „Charité“ gesehen? Nein, im Ernst, der Name Sauerbruch ist, wenn auch nicht mit so vielen Einzelheiten, irgendwie doch im kollektiven Gedächtnis. Wollen wir den Einzelheiten mal ein wenig nachhelfen?

Ferdinand Sauerbruch war einer der bedeutendsten Chirurgen im 20. Jahrhundert. Seine Leistungen waren bahnbrechend und retteten unzähligen Menschen das Leben. Gelegentlich wird er aber auch als „Streiter für die Homöopathie“ bezeichnet – und das hat mich nun interessiert. Der Mann kann sich ja selbst gegen Vereinnahmung nicht mehr wehren. Ich bin der Frage nachgegangen, wie Sauerbruchs Verhältnis zur Homöopathie tatsächlich war und bin auf erstaunliche Fakten gestoßen. Gleichzeitig möchte ich mit diesem Artikel auch das Leben und Wirken dieses begnadeten Chirurgen etwas beleuchten.

Teil 1
Sauerbruch – Das war sein Leben

1.1 Kindheit und Schulbesuch

Es war der 3. Juli 1875, als Ernst Ferdinand Sauerbruch in Barmen im Bergischen Land geboren wurde. Nachdem der Vater Ferdinand nur zwei Jahre nach seiner Geburt verstorben war, zog die Mutter mit ihm ins nahegelegene Elberfeld zum Großvater, dem Schuhmachermeister Friedrich Hammerschmidt. Sie arbeitete in der Schusterei des Vaters mit, um ihrem Sohn eine gute Schulbildung finanziell zu ermöglichen. Von 1885 bis 1895 besuchte Sauerbruch das Realgymnasium und legte am altsprachlichen Gymnasium in Mülheim an der Ruhr für die Zulassung zum Studium zusätzlich das Graecum ab.

1.2 Studium und Assistentenzeit

1895 nahm er ein Studium der Naturwissenschaften in Marburg auf, wo er sich aber nicht so richtig aufgehoben fühlte. Ein Mann von Entschlusskraft, wechselte er zum Studium der Medizin in Leipzig und Jena. Nachdem er 1901 das medizinische Staatsexamen abgelegt hatte, begann er unter dem bekannten Internisten Heinrich Curschmann mit der Arbeit an seiner Dissertation, die den Titel „Ein Beitrag zum Stoffwechsel des Kalks und der Phosphorsäure bei infantiler Osteomalacie“ trug, sich also mit Mechanismen der damals noch verbreiteten Rachitis bei Kindern beschäftigte.

In den wenigen Jahren von 1901 bis 1903 hatte er gleich mehrere Stellungen inne, zuerst als Landarzt im Thüringischen, dann als Assistent in der chirurgischen Abteilung des Diakonissenkrankenhauses in Kassel, im Städtischen Krankenhaus in Erfurt und im Pathologischen Institut in Berlin-Moabit.

Interessant ist hier vor allem der Wechsel von Kassel nach Erfurt. Seine unkonventionelle Art sowie die eigenmächtige Aufnahme von je einem Schwerkranken an zwei Sonntagen, von denen der eine sogar umgehend operiert werden mußte, brachten ihm aber schon sehr bald seitens des Konsistoriums [des Diakonissenhauses, Anm. Verf.] den öffentlichen Vorwurf der Gotteslästerung, der Nichtachtung der Heiligkeit des Sonntags und der groben gottesdienstlichen Störung ein, was für ihn Anlaß genug war, Ende Juli 1901 einer drohenden Bestrafung durch die Kündigung zuvorzukommen.Nachdem der ärztliche Direktor der Anstalt, Dr. Rockwitz, dem jungen Sauerbruch ungeachtet dessen noch eine Zeitlang in seiner eigenen Privatpraxis beschäftigt hatte, bis ein Ersatz für ihn gefunden worden war, scheint er ihm schließlich auch noch behilflich gewesen zu sein, an dem Städtischen Krankenhaus in Erfurt eine neue Anstellung zu finden. (1)

Bemerkenswert ist übrigens das Zeugnis, das Rockwitz ihm ausstellte. Darin heißt es: Der Approb. Arzt Herr Ernst Ferdinand Sauerbruch war von Anfang April bis Anfang August 1901 als Assistenzarzt des Hessischen Diakonissenhauses dahier angestellt. Während dieser Zeit hatte derselbe anerkennenswerten Eifer, Zuverlässigkeit und Sorgfalt bei der Behandlung der Kranken sowie ein vorzügliches wissenschaftliches Interesse bewiesen, welches, unterstützt durch tüchtige klinische und anatomisch-physiologische Kenntnisse, seine Arbeit anregend und fruchtbringend gestaltete. Besonders gewandt ist er in chemischen und bakteriologischen Untersuchungen. Auch zu selbstständigen chirurgischen Eingriffen hat er Gelegenheit gehabt und dabei Geschick und Umsicht bewiesen. Er läßt sich leiten von einer durchaus idealen Auffassung der ärztlichen Berufsarbeit und hat für die Kranken ein warmes Herz. So hat sich Herr Sauerbruch in seiner jetzigen Stellung vollkommen bewährt und sich mir persönlich als tüchtiger, schätzenswerter, liebenswürdiger Kollege erwiesen. Ich bedaure, daß er seine Stelle äußerer Umstände halber schon nach kurzer Zeit verläßt und trage keine Bedenken, ihn angelegentlich zu empfehlen. (2)

Der Sanitätsrat Dr. Ernst Adolph Brock, seit 1895 ärztlicher Leiter und Oberarzt am Erfurter Städtischen Krankenhaus, war von diesem Zeugnis und einem persönlichen Besuch Sauerbruchs so angetan, dass er gegenüber dem Erfurter Magistrat nachdrücklich dessen Einstellung befürwortete. Brock schrieb: Herr Dr. Sauerbruch hat sich ebenfalls persönlich vorgestellt, macht einen angenehmen, frischen Eindruck und ist von seinem bisherigen Oberarzt sehr gut empfohlen. Es spricht wohl für ihn, dass er freiwillig nach seinem amtlichen Ausscheiden noch in seiner Stellung geblieben ist, um den Oberarzt zu unterstützen bis Ersatz für ihn selbst gefunden war. (1)

Nachdem sowohl der Magistrat als auch die Erfurter Krankenhauskommission zugestimmt hatten, wurde Sauerbruch im Oktober 1901 Assistenzarzt im dortigen Krankenhaus. In Erfurt hatte er neben seiner regulären chirurgischen Tätigkeit auch die Möglichkeit zu eigenen Forschungen. Während dieser Zeit erschien auch seine erste wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel Klinische Beiträge zur Diagnose der eitrigen Perityphlitis (Blinddarmvereiterung) in den Correspondenz-Blättern des Allgemeinen ärztlichen Vereins von Thüringen.

Als Ferdinand Sauerbruch zum 1. Januar 1903 kündigte, erhielt er von seinem Vorgesetzten Dr. Brock wiederum ein hervorragendes Zeugnis:Neben vortrefflichen allgemeinen Kenntnissen hat er hier große Geschicklichkeit und unermüdlichen Eifer gezeigt, ist in den Grundzügen und der Technik der Asepsis völlig zu Hause und hat wiederholt auch größere Operationen (Laparotomien in meiner Vertretung und zu vollster Zufriedenheit ausgeführt. Auch dem Krankenhaus als solchem (Ausbildung der Schwestern und Wärter) hat er sich mit großem Interesse und weit über das nach Dienstordnung Notwendige hinaus gewidmet. (1) Und sogar die Lokalzeitung bezeichnete den Weggang des „tüchtigen und beliebten Arztes“ als einen „entscheidenden Verlust.“ (1)

Sauerbruch wechselte an die Prosektur des Krankenhauses in Berlin-Moabit. Dort wurde ihm dringend empfohlen, seine bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten an den Straßburger Internisten Bernhard Naunyn und den Breslauer Chirurgen Johann von Mikulicz-Radecki zu schicken. Und obschon letzterer sich zu dieser Zeit zu einem Studienaufenthalt in den USA aufhielt, reagierte er prompt und bot Sauerbruch zum 1. Oktober 1903 eine Stelle als Volontärarzt an der chirurgischen Universitätsklinik zu Breslau an. Und so war wieder seines Bleibens in der neuen Stelle nicht lange.

In Breslau begann Sauerbruch mit Forschungen, die später sein Ansehen mit begründeten. Neben seiner regulären chirurgischen Tätigkeit befasste er sich dort mit dem Problem der Thorax-Chirurgie, welche bis dahin noch nicht möglich war. Von Herbst 1903 bis Frühjahr 1904 führte er verschiedene Versuche durch und war erfolgreich. Er entwickelte ein Druckdifferenzverfahren, welches künftig auch Operationen im Thorax ermöglichte.

1.3 Professur und erste Stellen als Oberarzt und Dozent

1905, also gerade einmal vier Jahre nach seinem medizinischen Examen, habilitierte er sich an der Universität Breslau mit der Arbeit „Experimentelles zur Chirurgie des Brustteils der Speiseröhre“. Im gleichen Jahr verstarb Johann von Mikulicz-Radecki, und Sauerbruch ging als Assistenzarzt an die chirurgische Universitätsklinik Greifswald, wo er unter seinem früheren Leipziger Lehrer Paul Leopold Friedrich arbeitete. In Greifswald lernte er auch Adeline (Ada) Schulz, die Tochter des Geheimrates Hugo Schulz kennen, die dort als wissenschaftliche Assistentin ihres Vaters arbeitete.

Ein Wechsel nach Marburg brachte ihm 1907 nicht nur eine Stelle als Erster Oberarzt ein, sondern 1908 auch eine Berufung als außerordentlicher Professor an der Chirurgischen Poliklinik, deren Leiter er ebenfalls wurde. Am 3. Jänner 1908 heirateten er und Adeline. Mit ihr hatte er drei Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn Hans wurde Maler, der zweite Sohn Friedrich trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Chirurg, Peter Sauerbruch war Berufsoffizier und Tochter Marilen heiratete Arthur Georgi jun. und damit ins Verlagsgeschäft ein.

Sauerbruch blieb noch weitere zwei Jahre in Marburg, bis er im Dezember 1910 das Angebot als ordentlicher Professor und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Zürich annahm, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges blieb. In Zürich baute er auch eine Privatklinik auf, seine Frau Ada übernahm deren Organisation und Verwaltung.

Als 1914 der Krieg ausbrach, meldete er sich freiwillig und wurde beratender Chirurg des 15. Armeekorps. Außerdem warb er unter Schweizer Ärzten für den Dienst in badischen Lazaretten, was dazu führte, dass 1914 eine Delegation von fünf Schweizer Ärzten in der Heidelberger Stadthalle ein Lazarett aufbaute. 1915 war er wieder als Leiter an der Chirurgischen Klinik in Greifswald. Darüber hinaus leitete er das Reservelazarett in Singen, wo er auch die nach ihm benannte „Sauerbruch-Hand“, eine Prothese für unterarm- bzw. armamputierte Soldaten, entwickelte.

Rufe an die Universitäten Königsberg und Halle nahm er nicht an. Erst 1918 wechselte er als ordentlicher Professor an die Universität München, wo er die chirurgische Universitätsklinik zu großer Blüte führte. (3) In dieser Stellung fand er sich 1919 auch als Operateur des Eisner-Mörders Anton Graf von Arco auf Valley und des Sozialdemokraten Erhard Auer wieder. 1918 wurde Sauerbruch durch Ludwig III in München zum „Geheimen Hofrat“, kurz Geheimrat, ernannt. Ludwig erhob ihn auch zum Generalarzt der bayerischen Armee. Damit war er der jüngste Generalarzt im Deutschen Reich.

1.4 An der Charité

Bis 1928 blieb er in München. Erst als er ein Angebot mit außerordentlich guten Bedingungen aus Berlin erhielt, wechselte er an die Charité. Dort leitete er bis zu seiner Emeritierung 1949 die chirurgische Universitätsklinik in der Position eines Ordinarius für Chirurgie. Während der ersten sechs Monate pendelte er zwischen Berlin und München hin und her, fand sich doch in der bayerischen Landeshauptstadt so schnell kein Ersatz für Sauerbruch. So arbeitete und lehrte er von Montag bis Mittwoch in Berlin und von Donnerstag bis Samstag in München. Die Popularität Sauerbruchs unter seinen Studenten zeigte sich darin, dass sie für ihn zu Ehren seines 50. Geburtstages und zum Abschied einen Fackelmarsch veranstalteten. Diese Ehrenbezeugungen waren so ausufernd, dass der gesamte Verkehr zum Erliegen kam und die Tageszeitungen voll waren mit Beschwerden hierüber.

Eines seiner ersten Projekte in Berlin war der Umbau der Chirurgischen Universitätsklinik in der Schumannstraße. Zu dieser Zeit wurden er und seine Familie auch in Berlin sesshaft. Sie erwarben ein Haus in der damals sehr beliebten „Colonie Alsen“ in der Koblanckstraße. Sauerbruchs Nachbar war der Maler Max Liebermann, mit dem sich der Chirurg bald anfreundete und von dem er 1932 auch porträtiert wurde. Auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten blieb die Freundschaft bestehen, und als Liebermann 1935 starb, waren es neben wenigen anderen Sauerbruch und sein Sohn Hans, die hinter dessen Sarg hergingen.
Mit der Bildung der international bedeutenden ‚Sauerbruch-Schule‘ erreichte er in Berlin den Höhepunkt seiner Laufbahn. (3)

1.5 Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

Die Jahre des sogenannten „Dritten Reichs“ und des Nationalsozialismus waren für Sauerbruch keine einfachen, versuchte das Regime ihn doch stark zu vereinnahmen. Nach dem Krieg wurde Sauerbruch auch dem Entnazifizierungsverfahren unterworfen – siebzig Zeugen sagten sämtlich zu seinen Gunsten aus. Er selbst sorgte für einen veritablen Eklat, als er während der Anhörung aufstand und mit der Bemerkung, er werde sich das nicht weiter anhören, einfach verschwand… Erst etwa 1951 wurden Stimmen laut, die ihn in nähere Verbindung mit der NS-Führung und ihrer Ideologie brachten. Bis heute wird Sauerbruch diesbezüglich ambivalent beurteilt – wir werden in einem späteren Teil dieses Artikels noch mehr dazu erfahren.

1935 wurde Ferdinand Sauerbruch Kurator des „Allgemeinen Instituts gegen die Geschwulstkrankheiten“, welches am Rudolf-Virchow-Krankenhaus neu gegründet worden war. 1937 erhielt er nicht nur seine Berufung als Gutachter in den Reichsforschungsrat, sondern auch gemeinsam mit August Bier den mit 100.000 Reichsmark dotierten „Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft“. Auch auf den Hintergrund dieser Ehrung werden wir noch zurückkommen.

Nachdem die Ehe mit Ada geschieden worden war, heiratete er 1939 seine Kollegin Margot Grossmann. 1942 wurde er zum Generalarzt der Wehrmacht ernannt. Während der sog. „Schlacht um Berlin“ zog Sauerbruch komplett in die Charité und operierte teilweise rund um die Uhr im Chirurgie-Keller verwundete Soldaten und Zivilisten. In dieser verzweifelten Lage schickte er einen Boten an Hitler mit dem dringenden Appell, den Kampf zu beenden.

1.6 Nach dem Kriege

Nur wenige Tage nach dem Untergang des „Dritten Reiches“ 1945 wurde er von der Sowjetischen Militäradministration als Stadtrat für das Gesundheitswesen eingesetzt (was wohl kaum geschehen wäre, hätte die Militäradministraion ihn als NS-Belasteten angesehen). In der Folgezeit setzte sich Sauerbruch für eine Rückbesinnung auf Demokratie und Menschlichkeit ein. So unterzeichnete er u.a. den Gründungsaufruf der CDU.

Während eines vielbeachteten Vortrags während der „Ersten Zonentagung der Chirurgen der Sowjetischen Besatzungszone“ führte Sauerbuch aus:Zweieinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches wird unser Volk immer noch hart, ablehnend und einseitig beurteilt. Wir verstehen Zurückhaltung, vermissen aber den Versuch, unsere Fehler, Übergriffe und Entgleisungen wenigstens zu einem angemessenen Teil als Schicksalsfolge aufzufassen. … Rücksichtsloser Zwang, der sich bis zur Vergewaltigung des Volkes steigerte, bedrohte viele, die darum ihr Vaterland verließen. Aufrechte Männer, die die Gefahr der drohenden Entwicklung erkannten, standen unter einer Diktatur, die Widerstand und Abwehr grausam unterdrückte. Was unter diesem unglücklichen Regime an Katastrophen geschah, wird Deutschland wieder gutmachen. Es ist dazu verpflichtet und bereit. […] Sehen Sie in meinen Worten nicht ablehnende Kritik oder politische Abwehr. Sie entspringt der Sorge und Hoffnung; sie sind Wegweiser der Entwicklung. Die Regierung, die unsere Sitzung großzügig bewilligt hat, wird mich in diesem Sinne verstehen. (4) Man erkennt die politische Vorsicht, mit der Sauerbruch diesen Aufruf versah – angesichts schlechter Erfahrungen, offensichtlich.

Obschon Sauerbruchs chirurgische Fähigkeiten aufgrund einer fortschreitenden Demenz nachließen, arbeitete er noch bis Ende 1949 an der Charité. Im Rahmen der allgemeinen Emeritierung von Dozenten über 70 Jahren in der DDR legte er seine Tätigkeit nieder. Seine Verabschiedung fand im Juni 1950 durch Dekan Theodor Brugsch während einer Sitzung der „Berliner Chirurgischen Gesellschaft“ im Hörsaal der Chirurgischen Klinik statt. Nachfolger wurde sein früherer Mitarbeiter Willi Felix.

Nach seiner Emeritierung lebte Sauerbruch in prekären finanziellen Verhältnissen. Ohne seine Stelle an der Charité hatte er keine Einnahmen. Seine Rücklagen waren kriegsbedingt nicht greifbar und weder der Magistrat von West- oder Ost-Berlin noch die Regierungen in Bonn oder Ost-Berlin unterstützten ihn. So nahm er auch noch in gesundheitlich schwer angeschlagenem Zustand Operationen vor, die teilweise einen dramatischen Verlauf nahmen. Erst die Veröffentlichung seiner Erinnerungen 1951 unter dem Titel „Das war mein Leben“ und die daraus resultierenden Verlags- und Vorabzahlungen von Zeitschriften sicherten ihn wirtschaftlich wieder ab.

Ferdinand Sauerbruch verstarb am 2. Juli 1951 an den Folgen einer Zerebralsklerose, nur einen Tag vor seinem 76. Geburtstag.

1.7 Prominente Patienten

Da Sauerbruch zu den bedeutendsten Ärzten seiner Zeit gehörte, blieb es nicht aus, dass er auch von den „Großen“ der Welt konsultiert wurde. Dazu gehörte beispielsweise König Alfons XIII von Spanien. Aber auch Schauspieler wie Heinrich George und Heinrich Greif oder der Dramatiker Gerhart Hauptmann und der Bankier Rothschild zählten zu seinen Patienten. General Ludendorff befreite er von dessen Struma, und auch Joseph Goebbels wurde von Sauerbruch behandelt.

Die größte öffentliche Aufmerksamkeit bekam Sauerbruch allerdings, als er den Reichspräsidenten Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, dessen Leibarzt er war, in seinem Sterben begleitete.

„Der Spiegel“ beschreibt dies: Einer der zahllosen berühmten Patienten Sauerbruchs wurde in Berlin Paul von Hindenburg. Als dessen Todesstunde herankam, bat er Sauerbruch zu sich nach Neudeck.
Wenige Stunden vor dem Exitus erschien Hitler auf dem Präsidentengut. Zunächst verweigerte ihm Sauerbruch, einem Wunsch Hindenburgs folgend, den Eintritt ins Krankenzimmer. Aber dann gab Hindenburg nach.
Die Szene, die sich zwischen den dreien dann abspielte, muß nach der Darstellung Sauerbruchs gespenstisch gewesen sein: Hitler, rasend vor Wut wegen des halbstündigen Wartens, stellte sich neben dem Bett in Positur. ‚Herr Feldmarschall, im Namen der Deutschen Nation habe ich die Ehre, Sie nach Ihren letzten Wünschen zu fragen.‘ 
Kein Sterblicher hört das gern, aber der olle Hindenburg hielt auch in seiner Schwäche Disziplin: ‚Ich habe nur zwei Wünsche: Daß ich hier im Park neben meiner Frau begraben werde.‘ Er wies mit einer schwachen Handbewegung zum Fenster, unter dem auf seinen Befehl bereits das Grab ausgeworfen war.
Hitler: ‚In dieser ernsten Stunde der Nation sollten Sie an wichtigere Dinge denken, Herr Feldmarschall, als an die Erfüllung privater Wünsche. Sie gehören dem Deutschen Volke, als dessen Repräsentant ich Ihren Wunsch nicht erfüllen kann.‘
Hindenburg schloß die Augen.
‚Und was ist ihr zweiter Wunsch?‘
‚Ich möchte, daß Sie dem Chef meine Dankbarkeit zeigen, dafür daß er in Berlin alles im Stich ließ und auf meine Bitte hierherkam.‘
‚Wer ist Ihr Chef? Sie sind Chef, und ich bin Chef, sonst niemand.‘
Hindenburg wies auf Sauerbruch, den er wenige Tage zuvor gebeten hatte, ihn ebenso wie der Assistenzarzt und die Schwestern mit ‚Chef‘ anreden zu dürfen. (‚Ich fühle mich bei Ihnen so frei von jeder Verantwortung.‘) 
‚Der Arzt?‘ rief Hitler wütend. ‚Der wird für seine Arbeit bezahlt; Sie können unbesorgt sein.‘
Er verließ dröhnend das Zimmer, verfehlte in der Hast das Treppengeländer, rutschte die Treppe herunter und blieb mit epileptischen Zuckungen unten liegen.
‚Gehen Sie weg, Herr Geheimrat‘, sagte einer der Adjutanten wohlmeinend zu Sauerbruch, ‚wir bekümmern uns nie darum. Es würde uns schlecht bekommen.‘ 
(7)

Zwei Begegnungen müssen aber ins Reich der Legenden verwiesen werden. Die erste ist die Anekdote, dass Sauerbruch den britischen König George V operiert und hierfür eine Million Goldmark sowie einen Rolls Royce erhalten habe. Das ist nicht korrekt, stand Sauerbruch doch nur für ein Konsil zur Verfügung. Er bekam Röntgenaufnahmen und Krankenberichte zugesandt und gab seine Meinung dazu schriftlich kund. Die Presse (darunter sogar die renommierte „New York Times“) und die deutschen Finanzbehörden gingen diesem Gerücht allerdings auf dem Leim.

Die zweite Legende ist die von der Begegnung mit Hitler nach dessen Putschversuch vor der Feldherrenhalle in München. Diese hat nie stattgefunden. Angeblich hat Sauerbruch Hitler außerhalb von München am Staffelsee die Schulter operiert. Tatsächlich befand sich Sauerbruch nachweislich zu dieser Zeit in seiner Klinik in München und operierte zusammen mit seinen Kollegen diejenigen Putschisten, die nicht so schnell laufen konnten wie ihr „Führer“, aber auch verletzte Polizisten, Militärs und Passanten. Hitler war nie Sauerbruchs Patient.

1.8 Sauerbruch als Mensch

Was war Ferdinand Sauerbruch für ein Mensch? Prof. Dr. Hans Wenke, der gemeinsam mit ihm das Buch „Wesen und Bedeutung des Schmerzes“ verfasste, charakterisierte ihn 1961 in der „Zeit“: Seine geistige Beweglichkeit und Offenheit, verbunden mit einem starken und ständig regsamen Temperament, trieb ihn zu sehr ausgeprägten Auffassungen und Meinungen, die sich jedoch nie zu einem Dogma verhärteten, weil er überhaupt keine Anlage und Neigung zu dogmatischer Sinnesart besaß. Er kannte sich gut genug, um sich zur Korrektur eines Urteils bereitzufinden, und er war auch immer für neue und andere Auffassungen aufgeschlossen. […] Mochten ihm eine Ansicht oder eine Sache oder auch eine Person noch so konträr erscheinen, sein Interesse und manchmal auch seine Neugierde, in jedem Fall: sein beweglicher Geist und seine erlebnisstarke Seele überwanden voll Leichtigkeit und Elan solche Sperrungen mit Toleranz aus Souveränität.

Das Bild Sauerbruchs von Max Liebermann, das von tiefer Einfühlung zeugt und das der Porträtierte selbst – wenn auch mit fast scheuer Zurückhaltung – als Deutung seines Wesens gelten ließ, spiegelt nach meiner Kenntnis und Erinnerung das Zusammenspiel von genialem Tatendrang und kontemplativem, unbefangen staunendem Blick für Menschen, Dinge und Probleme. (5)

Wie viele Chirurgen war Ferdinand Sauerbruch aber auch als Choleriker bekannt. Else Knake, von 1932 bis 1943 Sauerbruchs Mitarbeiterin, schildert dies in ihrem Aufsatz „Erinnerungen an Sauerbruch“: Sauerbruchs Temperament war niemals ruhig, und die Gewitter, die er entlud, durchhallten die ganze Klinik, die Operationssäle, die Stationen, die Laboratorien, die Versuchstierställe, die Büros. Sauerbruchs Auftreten war schwungvoll, oft stürmisch, immer energiegeladen. Seine bloße Gegenwart versetzte seine ganze Umgebung in einen elektrisierten Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und Arbeitsbereitschaft. Es donnerte und krachte häufig in der Klinik. Wie oft flog jemand mit Pauken und Trompetengeschmetter hinaus! Aber oft wurde er wieder aufgefangen, nicht selten mit einer Einladung des unerhört gastfreien Chefs. (6)

Sauerbruch hatte aber auch eine andere Seite, die Knake ebenfalls beschreibt: Das A und O der ärztlichen Kunst – so lehrte er uns mit Nachdruck und Inbrunst – ist es, das Vertrauen der Kranken zu gewinnen, sein Schamgefühl und seine Zurückhaltung zu überwinden, ohne sie zu verletzen, und seine Leiden und Beschwerden durch geschickte und verständnisvolle Fragen kennen zu lernen. Der Kranke soll immer fühlen: ‚Dem Arzt ist nichts Menschliches fremd‘! […] Der Arzt, der mit dem Kranken mitfühlt, ohne mit ihm zu leiden, weiß, wo er ansetzen muß, um sich ihm und seiner Krankheit zu nähern. Der gute Arzt, der ‚richtige Doktor‘, weiß auch seine fünf Sinne am Krankenbett zu gebrauchen und stellt die Diagnose ‚ohne pseudowissenschaftliche Gelehrsamkeit‘. (6)

Das damals noch junge Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erläuterte 1950: Der Ausdruck ‚Chef‘ führt in das Verhältnis, das Sauerbruch stets zu seiner Umgebung gehabt hat. Er war der Chef, für Ärzte, für Schwestern und Patienten. Und er war ein Chef von plötzlich ausbrechendem Jähzorn, der mit Schimpfworten schwersten Kalibers ebenso leicht um sich warf wie mit Instrumenten bei einer unaufmerksamen Operationsschwester. Aus dieser Einstellung kommt es auch, daß Sauerbruch noch heute jeden duzt. Aber niemand würde auf die Idee kommen, ihn wieder zu duzen. Ex-König Alfons von Spanien, der einmal sein Patient gewesen war, kam in Rom im Hotel-Vestibül auf den Professor zu: ‚Kennen Sie mich nicht mehr?‘ ‚Ja, ja, ich erinnere mich. Du bist der König. Aber es war eine harmlose Appendicitis.‘ (7)

Sauerbruch war ein großer Tierfreund und beherbergte auf seinen Grundstücken in München und Berlin kleine Menagerien. Von der Katze bis zum Wildschwein war alles vertreten, in Berlin kamen noch Pferde hinzu. In seinen Erinnerungen schwärmte er von ausgedehnten Reiterausflügen bis in Schweiz, die er mit seinem ältesten Sohn unternahm.

Noch nach Jahren schuldbewusst berichtete er von einer anderen Episode: Seine Frau Ada war verreist und als sie wiederkam, fiel sie aus allen Wolken… Ihr zu dieser Zeit besonders grober und bärbeißiger Mann hatte während ihrer Abwesenheit alle Dienstboten entlassen. Natürlich wusste Sauerbruch, dass er einen Fehler gemacht hatte und stand zerknirscht wie ein Schulbub im Salon, hinter seinem Rücken sein Entschuldigungsgeschenk versteckend: einen echten Wetterfrosch im Glas mit Leiter, den sie sich schon lange gewünscht hatte.

Teil 2
Wirken und Leistung
en

N‘n Fehler von mir sieht man über hundert Jahre an de Wand häng‘n. 
Wenn Sie ‘n Fehler machen, dann deckt ihn anderntags der jriene Rasen.“
– Max Liebermann (Maler) zu Ferdinand Sauerbruch (Chirurg)

Ferdinand Sauerbruch hielt es sich immer zugute, dass er ein allgemeiner Chirurg war, der jede Operation ausführen konnte. Die schon zu seiner Zeit langsam einsetzende Spezialisierung seiner Zunft lehnte er vehement ab. Deshalb haben wir ihm auch auf zwei Gebieten bahnbrechende Entwicklungen zu verdanken, die heute recht weit voneinander entfernte Spezialdisziplinen sind: bei der Thorax-Chirurgie und der Prothetik.††

2.1 Die Thorax-Chirurgie

Der in Breslau tätige Prof. Dr. Johann von Mikulicz-Radecki erkannte Sauerbruchs Talent und holte ihn 1903 an die Breslauer Chirurgische Universitätsklinik. Während eines Gesprächs lenkte er den Blick des jungen Chirurgen auf das Problem der Brustraum-Chirurgie. Professor von Mikulicz erweiterte dieses Thema und brachte es in Zusammenhang mit der Lungentuberkulose. Ich vergesse nie einen Satz, den er sprach: ‚Hunderttausende von Menschen gehen an Lungentuberkulose zugrunde, nur weil man im Brustkorb nicht operieren kann.‘ … Als er merkte, daß ich mich mit diesem Problem eingehend befaßt hatte, drückte sein Gesicht Zufriedenheit aus, und er entließ mich mit der Mahnung, die Ausarbeitung einer Thorax-Chirurgie sei das hervorstechende Problem der ärztlichen Kunst unserer Zeit. Man habe gelernt, die Bauchhöhle zu öffnen, und so müsse sich doch auch eine Möglichkeit finden lassen, in den Brustkorb vorzudringen. (1)

Das Problem der Thorax-Chirurgie liegt darin, dass der Mensch über eine sogenannte Unterdruckatmung verfügt. Das bedeutet, dass ähnlich wie bei einer Saugpumpe die Luft in die Lungen gesogen wird. Die Lungenflügel sind von einer schützenden Haut, dem sogenannte Lungenfell (Pleura visceralis), umgeben. Das Lungenfell und das innen auf dem Brustkorb und dem Zwerchfell liegende Brustfell (Pleura parietalis) sind für die Funktion der Atmung von entscheidender Bedeutung. Beide Felle kleben durch einen Flüssigkeitsfilm wie zwei Glasplatten aneinander. Durch diesen Flüssigkeitsfilm zwischen den Fellen (Pleurahöhle/-Spalt) ist gewährleistet, dass sich Lungen- und Brustfell ohne Probleme gegeneinander verschieben lassen. Bewegt sich nun das Lungenfell durch Heben des Brustkorbes, zieht es das Brustfell mit sich. Dadurch wird ein Unterdruck erzeugt und Luft in die Lunge gesogen.

Dieses ausgeklügelte System behindert aber auch den Chirurgen in seiner Arbeit. Wird dieser Unterdruck durch eine Verletzung oder einen chirurgischen Einschnitt aufgehoben, kommt es zu einem sogenannten Pneumothorax. Hierbei dringt Luft in den Pleuraspalt ein, der dort eigentlich herrschende Unterdruck gleicht sich dem Umgebungsdruck an, wodurch die Lunge zusammenfällt und die Atmung massiv behindert wird.

Sauerbruch stand nun vor der Aufgabe, ein Verfahren zu entwickeln, diesen Unterdruck während einer Operation zu erhalten und so das Zusammenfallen der Lunge zu verhindern. Er ermöglichte dies 1904 durch die Konstruktion einer Unterdruckkammer, die er zusammen mit Mikulicz-Radecki entwickelte. Der Patient lag mit dem Kopf außerhalb dieser Kammer, während sich der Körper darinnen befand. In der Kammer herrschte ein Unterdruck von einem Zehntel des normalen Luftdrucks (ca. einhundert hPa). So konnten in der Unterdruckkammer die Chirurgen den Brustkorb öffnen. Sauerbruch nannte dieses Meisterstück das „Druckdifferenzverfahren“.

Weiterentwickelt wurde es durch den Internisten Ludolf Brauer, der mittels Intubation und geringem Überdruck die Lunge von innen heraus stabilisierte, die sogenannte „CPAP-Beatmung“. Aus dieser Unterdruckkammer heraus wurde übrigens auch die „Eiserne Lunge“ konzipiert, die bei so vielen Polioerkrankten zum Einsatz kam.

„Der Spiegel“ beschreibt den Moment, in dem Sauerbruch seine große Entdeckung machte, etwas launig (und historisch wahrscheinlich nicht ganz korrekt) so: Sauerbruch hatte Nachtdienst. Er ging ins Labor, zerschlug ein paar Glashafen, bis er endlich in einen die richtigen Löcher geschlagen hatte, setzte ein Kaninchen hinein, ließ eine Öffnung mit einem Gummischlauch und ebenso eine Öffnung für seine Hände luftdicht machen. Der Labordiener saugte mit dem Schlauch einen Teil der Luft aus dem Hafen. Dann schnitt Sauerbruch dem Versuchskarnickel den Brustkorb auf. Das berühmte Unterdruck-Verfahren, auf dem die gesamte moderne Lungenchirurgie basiert, war gefunden. Als Sauerbruch am nächsten Morgen seinem Professor die neue Methode vorführen wollte, setzte die Atmung bei dem Versuchskarnickel aus. Sauerbruch entdeckte erst hinterher, daß der Luftschlauch undicht gewesen war, da hatte ihn Mikulicz bereits als Scharlatan und Schwindler hinausgeschmissen.(7)

Darstellung der Unterdruckkammer aus einem zeitgenössischen Lehrbuch.

Die erste Vorführung dieser Methode in der Fachwelt geriet allerdings zum Fiasko. Eine Patientin mit Speiseröhrenkrebs sollte erstmals in der Druckkammer operiert werden. Die Fachwelt war eingeladen und alles, was Rang und Namen in der Chirurgie hatte, saß auf den Zuschauerbänken. Die Patientin starb jedoch während der Operation; eine Manschette war zu stramm gespannt worden und riss während des Eingriffs. Entgegen zahlreicher anderslautender Meldungen war die Patientin übrigens über die Tragweite der Operation voll aufgeklärt worden. Da sie aber ohne den Eingriff ohnehin nur noch eine kurze Lebensdauer gehabt hätte, hatte sie eingewilligt. Zeugenaussagen von Assistenten und Pflegerinnen, die bei den Gesprächen anwesend waren, belegen dies.

Sauerbruch fand eine zweite Patientin mit ähnlicher Symptomatik, die in diese Operation einwilligte. Und diesmal gelang der Eingriff grandios! Die Patientin überlebte, und Sauerbruch war der Held der Stunde.

Das von Sauerbruch inaugurierte Druckdifferenzverfahren war in seiner praktischen Handhabung nach dem Überdruckprinzip zusammen mit früheren physiologischen und klinischen Vorarbeiten über die künstliche Lungenventilation eine Stufe auf dem Weg zur intratrachealen Narkose, die ihre Perfektion erst nach dem Zweiten Weltkrieg gewann. Bis dahin dominierte in der Thoraxchirurgie allgemein die Überdrucknarkose, die Sauerbruch bei seiner thoraxchirurgischen Pionierarbeit benutzte. Nach seinem Tode nahm die Chirurgie des Herzens und der thorakalen Gefäße eine höchst erfolgreiche Entwicklung, während die Lungentuberkulose kaum noch chirurgische Bedeutung hat. (8)

Sauerbruch unternahm zahlreiche Vortragsreisen bis in die USA, bei denen er seine neue Methode vorstellte.

2.2 Prothetik

Ferdinand Sauerbruch hatte sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges freiwillig gemeldet und diente in verschiedenen Lazaretten. Dort lernte er zahlreiche Soldaten kennen, denen Hände bzw. ganze Unterarme weggerissen worden waren.

Für diese Soldaten entwickelte er den sogenannten „Sauerbruch-Arm“. Ergänzt wurde der Sauerbruch-Arm durch die von Jakob Hüfner entwickelte Handprothese. Mit diesen beiden Prothesen konnten die Träger die Finger gezielt bewegen und dadurch nochmals in das Berufsleben integriert werden.

Während der dafür erforderlichen Operation wurde durch das Muskelfleisch des Armstumpfes ein mit Haut ausgekleideter Kanal gelegt, in den ein Bolzen eingebracht wurde. Hierdurch wurden die Kontraktionen des Muskels auf die Prothesen übertragen. Zwei Aspekte verhinderten allerdings eine weitere Verbreitung: Einerseits die hohen Kosten und andererseits die Entzündungsanfälligkeit des Hautkanals.

Der Sauerbruch-Arm, ergänzt mit der Hüfner-Hand.

Der Chirurg und Medizinhistoriker Walter von Brunn, der gegen Ende des Ersten Weltkrieges seinen rechten Arm verloren hatte, begab sich in die Behandlung von Sauerbruch und beschreibt den Ablauf der Behandlung so: Vier Wochen Vorbehandlung mit Stumpfübungen, Massage und passiven Bewegungen. Dann wird operiert. Nur einmal, wenn z. B. ein guter Oberarmstumpf vorhanden ist. Zweimal in 4wöchigem Abstand, wenn eine Stumpfplastik erforderlich ist. Zwischen den Operationen finden stets gymnastische Übungen statt. Nach völliger Heilung wird zur Prothese Maß genommen, die im allgemeinen nach 3 Monaten erhältlich ist. In der Zwischenzeit werden die Hautkanäle durch Zugübungen abgehärtet und die Muskelstümpfe dadurch gekräftigt. Das Einüben mit der Prothese dauert ungefähr zwei Wochen. Amputierte, die ihre Muskeln wie früher physiologisch gebrauchen, können ihre Prothese sofort betätigen. (10)

Einer seiner Patienten war der 2013 verstorbene Kunstmaler und Bildhauer Hubert Weber, der im Krieg beide Hände verloren hatte. Er wurde innerhalb eines Jahres zehnmal operiert, wobei Sauerbruch alle wichtigen Operationen selbst ausführte. Dabei wurde der linke Oberarm auf einer Länge von 17 cm mit dem halben Schienbein überspannt. Eine erfolgreiche Überspannung in dieser Größenordnung war zur damaligen Zeit eine einmalige Leistung. Nachdem zuerst der rechte Arm so weit wiederhergestellt war, dass Hubert Weber eine willkürlich bewegliche Sauerbruch-Prothese tragen und bedienen konnte, begann er zu zeichnen. Sauerbruch war von seinen Federzeichnungen beeindruckt und nahm seinen Patienten häufig mit in den Hörsaal, wo er ihn seine neu erworbenen Fähigkeiten demonstrieren ließ. Als der noch schlimmer verletzte linke Arm wieder so weit hergestellt war, dass Hubert Weber auch links eine willkürlich bewegliche Sauerbruch-Prothese tragen konnte, begleitete er Sauerbruch auf Kongresse, um dort seine Bewegungsmöglichkeiten mit den neuen Händen zu demonstrieren. Sauerbruch erkannte das Talent und auch die Beharrlichkeit Hubert Webers und riet ihm, Kunst zu seinem Beruf zu machen. Mit Sauerbruchs Hilfe konnte Weber bereits während der Heilung an der Reimannschule in Berlin einen Einführungskurs als Vorbereitung für sein späteres Kunststudium absolvieren. Nach seiner Entlassung aus der Charité fertigte Hubert Weber ein erstes Porträt von Sauerbruch an und überreichte es ihm im Hörsaal. (9)

Eine weitere große Leistung auf dem Gebiet der Prothetik war die sogenannte „Umkipp-Plastik“. Sauerbruch wurde während seiner Sprechstunde von einem jungen Schmied aufgesucht, der ein lebensbedrohendes Oberschenkelsarkom hatte. Nun sollte ihm das Bein von der Hüfte ab amputiert werden. Der Schmied wandte sich mit der Hoffnung auf eine andere Möglichkeit an Sauerbruch, konnte er doch mit einem amputierten Bein seinen Beruf nicht mehr ausüben und seine Familie nicht mehr ernähren.

Bei dieser osteoplastischen Operation wird der von einer bösartigen Knochengeschwulst befallene Oberschenkelknochen im Hüft- und Kniegelenk exartikuliert. Er wird ersetzt durch den unter Erhaltung der Gefäße und Nerven um 180° gedrehten gesunden Unterschenkelknochen, nachdem der Fuß abgesetzt worden ist. Das körperferne Stumpfende wird in das Hüftgelenk eingestellt und der Schienbeinkopf zur Belastungsfläche umgebaut. (6)

2.3 Weitere Leistungen

Wie bereits eingangs erwähnt, hielt sich Ferdinand Sauerbruch immer zugute, einer jener Chirurgen zu sein, die jede Operation ausführen konnten. 
So operierte er als Erster erfolgreich ein von Kalkschichten umlagertes „Panzerherz“, indem er den einengenden Kalkmantel herauslöste und dem Herzen wieder Bewegungsraum verschaffte. 
Auch die erste erfolgreiche Operation eines Herz-Aneurysmas gelang ihm. 
Für die chirurgische Behandlung der Lungentuberkulose entwickelte Sauerbruch neue Operationstechniken. Und er war auch der Erste, der einen akuten Stress als Auslöser von Morbus Basedow sah. 
Weiters forschte er in der Parabiose, der ‚künstlichen Verbindung von Tieren‘. Diese Forschungen sind Vorläufer der heutigen Organtransplantation.

2.4 Sauerbruch und der Nobelpreis

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass Ferdinand Sauerbruch für sein Wirken insgesamt 65 Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Erhalten hat er ihn nie. Nur der Bakteriologe Emile Roux wurde mit 120 Nominierungen öfter genannt und hat den Preis auch nie erhalten.

Sauerbruch bei einer Vorlesung in Zürich.

1937 war es unter anderem der Breslauer Gynäkologe Schultze-Rhonhof, der Sauerbruch nominierte. Er begründet dies wie folgt: Wenn laut Statuten der Nobelstiftung der Preis des jeweiligen Fachgebietes der Persönlichkeit zuzuerkennen ist, die der Menschheit durch ihre Tat grössten Nutzen gebracht hat, dann wird dieser Forderung nicht nur im vollsten Ausmass, sondern wohl auch in erster Linie Geheimrat Professor Dr. Sauerbruch gerecht. Sauerbruch gehört zu den ganz überragenden Persönlichkeiten der Medizin, die sich durch ihr Werk unvergängliche Verdienste erworben und in ihnen ein bleibendes Denkmal gesetzt haben. In Sauerbruch vereinigen sich der geniale Arzt und Wissenschaftler, ja in ihm verkörpert sich der schöpferische Arzt schlechthin, der durch wahrhaft medizinische Grosstaten für die Menschheit unendlichen Segen gestiftet hat. […] Sauerbruchs Verdienste sind einmalig, und seine Erfindungen, vor allem das Druckdifferenzverfahren, haben der Menschheit in der Tat zum allergrössten Nutzen gereicht. Sauerbruch gebührt daher die hierfür höchste Auszeichnung der Wissenschaft, der Nobelpreis für Physiologie und Medizin. […] Wegweisend sind seine Versuche der Tuberkulosebehandlung mit bestimmten Kostformen, besonders bei der Knochen- und Gelenktuberkulose und bei der Behandlung des therapeutisch so schwer erfassbaren Lupus. Die Sauerbruch-Hermannsdorfersche Diät ist hierbei fraglos von souveräner Bedeutung. (11)

Die Medizinwissenschaftler Nils Hansson und Udo Schagen kommen nach ausführlicher Betrachtung zu folgender Erkenntnis: Die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass Sauerbruch trotz der weit überdurchschnittlichen Anzahl an Nominierungen letztlich doch nicht als preiswürdig angesehen wurde, waren, wie aus den zitierten Gutachten eindeutig hervorgeht, dass seine von der Chirurgenwelt als bahnbrechend angesehenen Leistungen letztlich nicht als originell genug eingestuft werden konnten und er damit das wichtigste Vergabekriterium für die Verleihung des Nobelpreises für Medizin und Physiologie nicht erfüllte. Wenn wir dies feststellen, so maßen wir uns damit allerdings nicht an zu behaupten, dass dieses ,,wichtigste Kriterium‘‘ immer und bei allen Verleihungen eingehalten worden ist. (11)

Teil 3
Sauerbruch – Ein Nazi?

Dies ist tatsächlich der schwierigste Abschnitt meiner Sauerbruch-Reihe, lässt mich der alte Geheimrat doch nicht recht schlau werden aus seinem Verhalten gegenüber dem Nationalsozialismus. Die Frage, ob Sauerbruch ein Nazi war oder nicht, wurde schon dutzendfach diskutiert und dutzendfach unterschiedlich bewertet. Die historische Forschung zu diesem Thema erbringt noch immer neue Erkenntnisse – in der Tendenz zunehmend solche, die Sauerbruch eher entlasten. Man muss sich vergegenwärtigen, dass nach Kriegsende eigentlich niemand in Deutschland auf die Idee kam, Sauerbruch als NS-Anhänger anzusehen. Im Entnazifizierungsverfahren sagten 70 Zeugen ausnahmslos für ihn aus. Die sowjetische Militärkommandantur betraute ihn bedenkenlos mit der Oberaufsicht über das Gesundheitswesen im damaligen sowjetischen Sektor Berlins – wie schon im ersten Teil erwähnt, ist dies kaum vorstellbar, hätten die Sowjets ihn als irgendwie belastet angesehen. Die Stimmung wendete sich erst 1951, in seinem Todesjahr, gegen ihn.

Zunächst wäre die Frage interessant, ob Sauerbruchs Herkunft und Persönlichkeit es überhaupt als wahrscheinlich erscheinen lassen, dass er mit dem NS-Regime über das Unvermeidliche und objektiv Nützliche hinaus „kollaboriert“ habe.

Sauerbruch, im protestantisch-bürgerlichen Milieu Westfalens aufgewachsen, war in seiner deutsch-nationalen, liberal-konservativen Grundhaltung stets ein Patriot. So sind auch seine Äußerungen in der frühen Weimarer Republik zu deuten. Obwohl er zu dieser Zeit mit dem Nationalsozialismus in Berührung kam, hatte er sich nicht mit ihm identifiziert, vor allen Dingen aus zwei Gründen – wegen seiner Ablehnung des Antisemitismus und wegen seines Internationalismus. (13) In der Tat sind dies zentrale Punkte, die nicht mit der NS-Ideologie in eins gehen konnten. Deutschnational war damals durchaus keine ehrenrührige Haltung, vor allem keine, die in der seiner Zeit automatisch eine Identifizierung mit den Nazis impliziert hätte. Und als „liberal konservativ“ wird man die NS-Ideologie wohl auch kaum bezeichnen können.

Aus dieser Einstellung machte der Chirurg auch nie einen Hehl, man kann dies ganz offen in seinem Buch „Das war mein Leben“ nachlesen. Nachdem er mitten in die wilhelminische Zeit hineingeboren wurde, hatte er auch dessen Werte und Ideale „Gott – Kaiser – Vaterland“ verinnerlicht. Durch sein internationales Ansehen und seine Reputation in der Fachwelt war er für die Nationalsozialisten natürlich ein perfekter „Werbeträger“ und wurde – wie viele exponierte Persönlichkeiten – entsprechend heftig umworben, auch wenn er für die amtierenden Machthaber mit seiner westfälischen Bockbeinigkeit ein „schwer verdaulicher Brocken“ war. Sauerbruch war kein organisierter Nationalsozialist und auch kein uneingeschränkter Befürworter nationalsozialistischer Ideologie und Praxis, er trat nicht der NSDAP bei und er verweigerte sich demonstrativ besonders dem Antisemitismus; aber er hat sich doch zweifellos in Dienst des NS-Staates nehmen lassen, wengleich sein prätentiös autoritärer Habitus auch der Naziclique gegenüber gelegentlich sperrig daher kam. (17)

„In Dienst nehmen lassen“ – nun ja. Welche Möglichkeiten hatte damals eine exponierte Persönlichkeit, die sich entschloss, nicht zu emigrieren?

Man kann davon ausgehen, dass er zu Anfang des „Dritten Reiches“ wie so viele dem Regime mit einer gewissen „optimistischen Gleichgültigkeit“ gegenübergestanden hatte, dies unter der Prämisse, dass der „Spuk schnell vorbei gehe“, wie er sich öfters ausdrückte. Je länger dieser Spuk allerdings anhielt, desto weiter entfernte sich Sauerbruch von ihm. Natürlich sah er sich ständig Avancen des Regimes gegenüber, die ihm – menschlich halt – nicht ganz gleichgültig gewesen sein dürften – aber dauerhaft einwickeln ließ er sich von Hitler und seiner Entourage nicht.

Bei der Person Sauerbruch muss man ganz deutlich sagen, dass es hier kein einfaches „Ja“ oder „Nein“ gibt, kein „Schwarz“ oder „Weiß“, Sauerbruch gehört vielmehr in eine jener unzähligen Graustufen irgendwo dazwischen. Dabei ist noch einmal daran zu erinnern, dass zu seinen Lebzeiten diese Diskussion eigentlich nie geführt wurde – sie kam zu Anfang der 1950er Jahre genau dann auf, als auch zu anderen Persönlichkeiten kritische Stimmen laut wurden. Dabei wurden den einen Vorwürfe gemacht, dass sie emigriert seien, den anderen, dass sie dies eben nicht getan hätten… Aber schauen wir uns einmal einige Einzelheiten aus der Ära des „tausendjährigen Reichs“ an.

3.1 Vor der Machtergreifung

Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg traf Ferdinand Sauerbruch als liberal-konservativen Patrioten tief. So verwundert es nicht, dass er im brodelnden München der Nachkriegszeit auch immer wieder Kontakte zu deutsch-nationalen und auch völkischen Kreisen suchte. Hier und auch vor seinen Studenten äußerte er sich hoffnungsvoll, dass es eine deutsche „Wiederentwicklung“ geben würde. Aber auch wenn er keine großen Sympathien für die „Roten“ hatte, half er dem Revolutionär Ernst Toller, als dieser nach dem Scheitern der Räterepublik auf der Flucht war. Auch als Toller dann letztendlich vor Gericht stand und Sauerbruch als Zeuge aussagte, verhielt sich dieser „sehr anständig“. Später wurde ihm zum Vorwurf gemacht, dass er 1919 Graf Arco von Valley, den Attentäter auf Kurt Eisner, den ersten Ministerpräsidenten des neu ausgerufenen Freistaats Bayern, operiert und in seiner Klinik vor dem Zugriff der Staatsgewalt eine Zeitlang geschützt hatte. Was ihm später von den Nazis als Parteinahme für die Rechten zugerechnet wurde… eine besonders unangenehme Art der Vereinnahmung, für die es wohl mit einiger Sicherheit keine Berechtigung gab. Sauerbruch handelte als verantwortlicher Arzt. Beide Vorfälle zeigen in der Gesamtschau eher die Unabhängigkeit der starken Persönlichkeit Sauerbruchs.

Bereits Anfang der 1920er Jahre lernte er Hitler kennen, wobei das Verhältnis wohl eher kühl blieb. Dennoch gab es mehrere persönliche Treffen. Sauerbruch schätzte seinen Einfluss auf Hitler jedenfalls so ein, dass er am Tag nach dem gescheiterten Marsch auf die Feldherrenhalle zu ihm fahren wollte, um ihn zur Mäßigung aufzufordern. Dies wurde durch die Verhaftung Hitlers jedoch vereitelt. Seinem Assistenten Nissen gegenüber bezeichnete er Hitler als einen „halbgebildeten Vorstadtbarbier“ und auch anderen Personen gegenüber als „Psychopathen“. Trotzdem attestierte er ihm „große Eigenschaften“ – was man immer darunter verstehen will. Noch 1937 charakterisierte Sauerbruch Hitler als „Grenzfall zwischen Genie und Wahnsinn, der der verrückteste Kriminelle der Welt“ werden könnte.

Das rabiate und lautstarke Auftreten der Nationalsozialisten störte Sauerbruch sehr, das vertiefte sich noch, als am 12. November 1923 nach dem Putschversuch eine Versammlung der Münchner Studenten stattfand, in der Sauerbruch und alle anderen Professoren zur Mäßigung aufriefen. Sie alle wurden „niedergepöbelt“. Die Reichswehr marschierte auf, um die Versammlung zu zerstreuen, und als Sauerbruch die Soldaten beruhigen wollte, traf ihn ein Kolbenhieb auf den Kopf.

Auch wenn Sauerbruch sich in dieser Zeit gegen die „dunklen Seiten“ Hitlers und seiner Bewegung stellte, entschied er sich doch nicht zu einer Abkehr oder gar offenen Gegnerschaft. Anscheinend sah er in Hitler doch einen Hoffnungsträger für die Zukunft Deutschlands. Aber auch hier zeigte Sauerbruch ambivalentes Verhalten. Den Wahlaufrufen für die NSDAP, die am 5. November 1932 von insgesamt 56 Professoren und Dozenten unterzeichnet wurden, folgte er nicht.

3.2 An die Ärzteschaft der Welt

Nach der Machtergreifung 1933 trug Sauerbruch sich mit Auswanderungsplänen, die er aber wieder verwarf. Als er 1936 allerdings in unangenehmer Weise erfuhr, dass einer seiner Mitarbeiter regimekritische Äußerungen weitertrug, flackerten diese wieder auf, sah er dies doch noch als persönlichen Verrat an, später nahm er derartige Denunziationen hin.

In seinen Reden zu Anfang des Dritten Reichs, sei es an der Münchner Universität, sei es an anderer Stelle, stellte er sich an die Seite der „Bewegung“. Die erhaltenen Tondokumente und Aufzeichnungen zeigen dies deutlich. Dagegen scheint die Kritik am ‚politischen Kampf‘, der sich ‚leider oft in unwürdigen, sinnlosen Formen‘ vollzogen habe, ebenso Sauerbruchs Abscheu vor der Revolution von 1918 wie sein Unbehagen über nationalsozialistische Radikalität während der Kampfzeit widerzuspiegeln. Zu letzterem paßt, daß er in den Tagen des Reichstagsbrandes SA-Leuten das Hissen der NS-Fahne auf dem Dach seiner Klinik verbot. (19)

Im September 1933 wurde Sauerbruch von der Regierung dazu aufgefordert, sich am „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ zu beteiligen. Er tat dies mit einem Brief, überschrieben mit dem Titel „An die Ärzteschaft der Welt“. Aber auch hierin gab es einen Punkt, der konträr zur NS-Ideologie stand. Während er die ‚Ärzteschaft der Welt‘ auffordert, nicht am ‚zielbewußten, ernsten Aufbauwillen unserer Regierung‘ zu zweifeln, plädiert er für einen friedlichen Aufbau und für Internationalismus, dabei seinen ‚Glauben an ein friedliches Auskommen der Völker untereinander betonend. Er rechnet sich zwar zu den ‚national verwurzelten Ärzten‘; aber diese stehen für ihn ‚in einer allgemeinen Kulturverbundenheit mit anderen Völkern‘. (19) Sicher hätten die neuen Machthaber es lieber gesehen, wenn der international bekannte Sauerbruch sich für eine „deutsche Medizin“ im Sinne der Überlegenheitsideologie des Regimes ausgesprochen hätte… Manch ein Akademiker hatte damit weniger Probleme.

Auch verwahrte sich Sauerbruch immer gegen die Eingriffe der Nationalsozialisten in die Wissenschaften und die Universitäten, wie sich in seinem Aufsatz „Zur Abwehr und Verständigung“ zeigt. Auf der 94. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte 1936 in Dresden rügte er in seiner Eröffnungsrede die NS-Wissenschaftspolitik und brach eine Lanze für Einstein und dessen Relativitätstheorie, die nazihörige Physiker als ‚jüdisches Blendwerk‘ aus der Wissenschaft verbannen wollten.(14)

In derselben Rede stellte er sich auch vehement gegen die von den Nazis propagierte „Neue Deutsche Heilkunde“. Sauerbruch, der zu dieser Zeit der Gesellschaft als Präsident vorstand, schloss seine Rede mit Der neue Weg, der jetzt empfohlen wird, ist kein Weg. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Sauerbruch nicht das geringste Verständnis dafür aufbrachte, wissenschaftliche Problemstellungen anders als aus dem wissenschaftlichen Blickwinkel zu betrachten und zu behandeln. Dies dürfte der Kern der „Beziehungen“ Sauerbruchs zum NS-Regime gewesen sein: Er widerstand einer Ideologisierung seiner Profession in hohem Maße. Besonders pikant ist Sauerbruchs Kritik unter dem Blickwinkel, dass Hitler nur zwei Wochen zuvor während des Reichsparteitages den Physiker Philipp Lenard für seine „Widerlegung der Relativitätstheorie“ gewürdigt hatte. Propagandaminister Joseph Goebbels beschreibt in seinem Tagebuch die Reaktion Hitlers: Beim Führer. Er schimpft sehr auf Sauerbruch. (16)

3.3 Der Staatsrat

Der Staatsrat, besser gesagt der Preußische Staatsrat, war ein Gremium, das bereits im Kaiserreich existierte und durch die Nationalsozialisten zu einem rein beratenden Komitee umgebaut wurde. Die Ernennungen wurden von Hermann Göring als preußischem Ministerpräsidenten vorgenommen. Der Staatsrat tagte insgesamt nur sechs Mal, zuletzt am 5. März 1935. Bis zum 31. März 1936 erhielten die Staatsräte eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 1.000 Reichsmark, danach in Höhe von 500 Reichsmark. Bereits als Ferdinand Sauerbruch 1934 seine Ernennung erhielt, handelte es sich um einen reinen Ehrentitel. So bestand der Großteil der Mitglieder auch aus Nationalsozialisten bzw. Förderern des Nationalsozialismus. Aber auch Künstler wie Gustav Gründgens oder Wilhelm Furtwängler waren darunter.

Der ‚Staatsrat‘ hat mit Hitler nichts zu tun, meinte Prof. Sauerbruch. Der Titel stamme vom ‚alten Herrn‘. Zweidreiviertel Jahre hat er den kranken Hindenburg behandelt. Acht Stunden vor dessen Tod kam Hitler ans Krankenbett. Zwei Bitten äußerte der Sterbende: im Gutsgarten neben seiner Frau begraben zu werden und die Anerkennung für seinen ‚Chef‘.
Hitler mußte sich belehren lassen, daß damit Sauerbruch gemeint war. ‚Weil er mich behandelt hat wie seinen Sohn.‘
Zwei Tage nach Hindenburgs Tod fragte Göring nach der Höhe der Behandlungskosten. Ferdinand Sauerbruch lehnte die Erstattung aus der Staatskasse ab. Herr Gritzbach, Görings rechte Hand, bemühte sich persönlich. ‚Herr Minister ist sehr beleidigt.‘
Den angebotenen Titel eines Staatsrates schlug Sauerbruch sofort aus. ‚Das mache ich unter keinen Umständen.‘
‚Jetzt können Sie es nicht mehr ändern‘, empfingen die Assistenten ihren ‚Chef‘, wie ihn seine Mitarbeiter noch heute anreden, nach der Rückkehr von einer Schweiz-Reise. Sauerbruch war Staatsrat in absentia geworden. Der Ernennungsurkunde lag ein Handschreiben 
[von Göring] bei. ‚Es hat lange gedauert, bis ich ihren westfälischen Dickschädel begriffen habe: daß Sie zu allem nein sagen und nur als Soldat und Lehrer ihre Pflicht tun.‘ (12)

Diese Darstellung dürfte wohl etwas frei gewählt sein, doch der Medizinhistoriker Christian Hardinghaus schreibt: Nissen besucht 1935 noch einmal Berlin, trifft sich mit Sauerbruch und spricht mit ihm über die Verleihung des Titels. In einem beglaubigten Schreiben teilt Nissen mit, Sauerbruch habe ihm gegenüber erwähnt, wie wenig erfreut er über die Ernennung gewesen ist und dass eine Ablehnung des Preises aber nur unter erheblichen Repressalien gegen ihn und seine Familie möglich gewesen sei. Letztendlich habe er sich damit getröstet, dass die Verleihung von Hindenburg angeregt gewesen sein könnte. (15) Auch verbaten sich sowohl Ferdinand Sauerbruch selbst wie auch seine Frau stets die Anrede „Herr Staatsrat“ bzw. „Frau Staatsrat“.

3.4 Der Deutsche Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft

Als 1936 der Friedensnobelpreis an den im Konzentrationslager Esterwegen inhaftierten Carl von Ossietzky verliehen wurde, sah Hitler dies als Affront an und erregte sich sehr darüber. Als Gegenstück stiftete er 1937 den „Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft“. Während einer Rede im Reichstag am 31. Januar 1937 gab er die Stiftung bekannt: Um für alle Zukunft beschämenden Vorgängen vorzubeugen, verfüge ich mit dem heutigen Tage die Stiftung eines Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft. Dieser Nationalpreis wird jährlich an drei verdiente Deutsche in der Höhe von je 100.000 Reichsmark zur Verteilung gelangen. Die Annahme des Nobelpreises wird damit für alle Zukunft Deutschen untersagt. (18)

Um die Preisträger des Jahrs 1937 gab es einige Diskussionen. Waren zuerst Alfred Rosenberg, Ferdinand Sauerbruch und Wilhelm Furtwängler ausersehen, wurde Furtwängler kurz darauf durch den Asien- und Südpolarforscher Wilhelm Filchner ersetzt, und auch der bereits verstorbene Architekt Paul Ludwig Troost (so etwas wie ein „Idol“ Hitlers, der ja bekanntlich ein „verhinderter Künstler“ war) wurde posthum in die Liste aufgenommen. Am 7. September 1937 schrieb Joseph Goebbels in sein Tagebuch: Mit Führer Nationalpreisträger durchgesprochen: wir haben uns auf folgender Basis geeinigt: Troost nochmal ehrenhalber über das Grab hinaus. Dann Rosenberg, Sauerbruch und Filchner. Eine ganz ulkige Zusammenstellung. Ein scharfer Parteimann und ein Mann der freien Medizin. Dazu noch ein bedeutender Forscher. Das macht einen guten Eindruck. (16)

Aber bereits am nächsten Tag gab es deutliche Proteste gegen die Ehrung Sauerbruchs, und zwar von Seiten des Reichsärzteführers Dr. Gerhard Wagner. Goebbels schreibt hierzu am 8. September 1937: Meine Rede zur Verleihung des Deutschen Nationalpreises diktiert. Kurz und sachlich. Troost außer der Reihe, dann Rosenberg, Sauerbruch und Filchner. Sauerbruch haben wir noch mit Ach und Krach von Baden-Baden nach hier mit dem Flugzeug geholt. Er wird sich wundern. Nachmittags kommen Dr. Wagner und Genossen und protestieren stark gegen Sauerbruch. Er sei ein Judenknecht etc. Gegen seine wissenschaftlichen Verdienste können sie nichts vorbringen. Wir gehen zum Führer, aber der will nicht zurück. Schließlich einigen wir uns auf folgender Basis: ein Preis wird in 2 Raten zu je 50.000 Mark verteilt. Eine Rate Bier, eine Sauerbruch. Dann muß die ganze Rede wieder umgeworfen werden. Wagner hilft mir bei der Begründung, und dann sind wir klar. Das war eine Zangengeburt! Ich bin froh, als das alles hinter mir liegt. Mit Führer nochmal Rede durchgesprochen. Er ist ganz einverstanden. Freut sich auf seine eigene Kulturrede. In der Verteilung des Preises gibt er mir ganz recht. Sauerbruch ist doch der richtige Mann. (16)

Auch wenn Sauerbruch die übliche überschwängliche Dankesrede hielt und sich durchaus geschmeichelt fühlte (immerhin lagen zu diesem Zeitpunkt bereits über 40 erfolglose Nominierungen für den Nobelpreis hinter ihm), rief diese Verleihung doch Zwiespalt in ihm hervor. Wie er seinem Freund, dem Chirurgen Rudolf Nissen erzählte, machte er sich zwischen der Verleihung im September 1937 und der tatsächlichen Übergabe des Preises im Januar 1938 durchaus intensive Gedanken darüber, den Preis abzulehnen. Dies hätte aber größere Repressalien hervorgerufen und Sauerbruch war sich sicher, dass er dann die Charité und wohl auch Deutschland hätte verlassen müssen. Das Regime hätte eine solche Handlungsweise Sauerbruchs gar nicht anders werten können als einen offenen Affront. Sauerbruch musste realistischerweise in einem solchen Fall auch mit Repressalien gegen seine Familie rechnen.

3.5 Antisemitismus

Der nationalsozialistische Antisemitismus war immer ein Teil der NS-Ideologie, den Sauerbruch aufs Entschiedenste ablehnte. Selbst als Hitler persönlich ihn aufforderte, Mitglied der NSDAP zu werden, lehnte er dies mit der Begründung ab, kein Antisemit zu sein. Und das stimmte auch. Sauerbruch unterhielt zahllose Freundschaften zu Deutschen jüdischen Glaubens, wie zu seinem Nachbarn Max Liebermann der „seine Visage in Öl“ malte. Bei der Beerdigung Liebermanns, im Jahre 1935 auf dem Jüdischen Friedhof am Schönhauser Tor gehörten Sauerbruch und sein Sohn Hans neben u.a. Karl Scheffler, Käthe Kollwitz und Adolf Goldschmied zu den wenigen Menschen, die dem bedeutenden Maler das letzte Geleit gaben.

Sauerbruch hatte einen großen Freundeskreis, zu dem auch zahlreiche Juden gehörten. Auch nach 1933 ließ er es sich angelegen sein, den Kontakt mit ihnen aufrecht zu erhalten. Richard Willstätter, Paul Rosenstein und Robert M.W. Kempner berichten dies ausführlich. Auch, dass Sauerbruch seine Freunde und Bekannten auf zahlreichen Ebenen unterstützte. Sein Assistent Adolphe Jung, ein zwangsverpflichteter Chirurg aus dem besetzten Elsass, hält in seinem Tagebuch fest, dass Sauerbruch bis zum Ende des Regimes verfolgte Juden in der Charité behandelte, beschützte und auch versteckte.

Für den Geheimrat war es normal, unter seinen Studenten und Assistenten Menschen aus aller Herren Länder und Religionen zu haben. Sauerbruch behandelte alle gleich – gleich grob. Genauso wenig interessierte es ihn, welche Rasse, Religion oder politische Einstellung seine Patienten hatten. Sein Patriotismus stand seinem Internationalismus durchaus nicht im Wege und führte ihn wohl auch gerade deshalb nicht auf ideologische Abwege.

3.6 Aktion T4 und KZ-Versuche

Als die Nationalsozialisten 1940 planten, 1.300 Menschen mit geistiger Behinderung, die in Bethel betreut wurden, im Rahmen der Aktion T4 umzubringen, nahm Friedrich von Bodelschwingh über Karl Bonhoeffer Kontakt zu Ferdinand Sauerbruch auf und bat um dessen Unterstützung. Der Geheimrat war entsetzt über diese Pläne und unterstützte Bodelschwingh sofort. Er sorgte umgehend für einen Termin bei Justizminister Franz Gürtner und war bei diesem Treffen persönlich mit vor Ort.

Als Fachspartenleiter im Reichsforschungsrat wurden Sauerbruch auch Forschungsanträge zur Genehmigung auf den Schreibtisch gelegt. Dazu gehörten mindestens drei, die auch Menschenversuche durch Dr. Josef Mengele beinhalteten. Hierauf beruhte seit jeher ein Hauptvorwurf gegen Sauerbruch. Der Historiker Christian Hardinghaus kommt 2019 nach Sichtung der an Sauerbruch gerichteten Forschungsanträge zu einem anderen Schluss. Sämtliche an Sauerbruch gerichteten Anträge enthalten keinen Hinweis auf Versuche, durch die Menschen zu Schaden kamen. Da dies aber in drei bekannten Fällen zutraf, wie sich im Nürnberger Ärzteprozess ab 1946 herausstellte, müssen die Anträge bewusst kaschiert formuliert gewesen sein. Damit stützt Hardinghaus die Beurteilung des Historikers Notker Hammerstein, der bereits 1999 schreibt, dass alle Anträge, die Sauerbruch als Fachspartenleiter Medizin im Reichsforschungsrat zugingen, klassischen und seriösen Themen der Anthropologie zuzurechnen seien, die keinerlei Hinweise auf Experimente an oder Schädigungen von Menschen zulassen würden. Der Beirat von Hannover kritisiert Sauerbruch dafür, nicht gegen einen Menschenversuch protestiert zu haben, der bei der Fachtagung Ost im Mai 1943 vorgestellt wurde. Dort hatte Karl Gebhardt vor Militär und SS-Ärzten von Sulfonamid-Versuchen an verurteilten Partisanen gesprochen. Hardinghaus ist der Ansicht, dass Protest nicht möglich gewesen wäre ohne die eigene Hinrichtung und Repressalien gegen Familienangehörige in Kauf zu nehmen. Wer in dieser Zeit der SS dahingehend widersprach, dass Sulfonamide bei der Behandlung von Gasbrand notwendig seien, so wie Gebhardt es verlauten ließ, nachdem Reinhard Heydrich ungefähr ein Jahr zuvor mutmaßlich an Gasbrand verstorben war, der hätte kaum eine Überlebenschance gehabt. (9)

3.7 Die Mittwochsgesellschaft

Die 1863 in Berlin gegründete „Freie Gesellschaft zur wissenschaftlichen Unterhaltung“, kurz „Mittwochsgesellschaft“ genannte Vereinigung, umfasste jeweils 16 Mitglieder aus 16 verschiedenen Fachgebieten. Die Bezeichnung kommt daher, dass sich die Gesellschaft jeden zweiten Mittwoch im Haus eines der Mitglieder traf. Auch wenn die politischen Ansichten der Mitglieder zu Anfang des Dritten Reichs noch ambivalent waren, wechselte diese beim Großteil zu „eindeutiger Gegnerschaft“. Ferdinand Sauerbruch zählte seit Anfang der 1930er Jahre zu dieser Gesellschaft.

Ein Teil der Mitglieder gehörte auch zum Widerstand gegen Hitler. Ulrich von Hassell, Jens Jessen, Johann Popitz und Ludwig Beck wurden nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 ermordet. Über Generaloberst Beck lernte Sauerbruch auch den Hitler-Attentäter Claus von Stauffenberg kennen, dem er medizinische Behandlung (u.a. die Anpassung eines Sauerbruch-Arms) anbot, was von Stauffenberg aber in Hinblick auf das Attentat abgelehnt wurde. Stauffenberg war auch ein Regimentskamerad (17. Bayerisches Reiter-Regiment, Bamberg) von Sauerbruchs Sohn Peter, bevor dieser in den Generalstab wechselte. Sauerbruch jun. und Stauffenberg blieben aber in intensivem Briefwechsel.

Ferdinand Sauerbruch stellte mehrfach sein Haus als Treffpunkt für die Attentäter bereit und unterstützte am Rande deren Bemühungen durch ähnliche Gefälligkeiten. Allerdings wurde er nie in die konkreten Pläne der Gruppe eingeweiht. Er wusste zwar, dass „etwas“ geplant sei, nicht aber was.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Peter Sauerbruch für mehrere Wochen von der Geheimen Staatspolizei inhaftiert und intensiv verhört. Auch Ferdinand Sauerbruch wurde zweimal festgenommen und von Gestapo-Chef Ernst Kaltenbrunner persönlich verhört. Erst die Intervention von Dr. Karl Gebhardt, ehemaliger Assistent bei Sauerbruch und nun hoher SS-Arzt (unter anderem SS-Gruppenführer, Leibarzt von Heinrich Himmler; er führte in Konzentrationslagern Menschenversuche durch und wurde während des Nürnberger Ärzteprozesses zum Tode verurteilt und gehängt), schützte Sauerbruch vor weiteren Repressalien. Gebhardt bemühte sich auch um Peter Sauerbruch, hatte hier aber weniger Erfolg. Erst das Einschreiten von Generaloberst Alfred Jodl führte dazu, dass Sauerbruch jun. entlassen wurde. Die Mittwochsgesellschaft wurde nach dem Attentat von der Gestapo aufgelöst.

3.8 Entnazifizierung

Das gegen Ferdinand Sauerbruch eingeleitete Entnazifizierungsverfahren erregte den Unwillen des alten Geheimrates. Ihm wurde vorgeworfen, während des Dritten Reiches „prosperiert“ und den Titel des „Staatsrates“ angenommen zu haben.

Sauerbruch lehnte u.a. die Richter ab, da es sich um Juristen und nicht um Ärzte handelte, die deshalb sein Tun nicht wirklich beurteilen könnten. Dies ging so weit, dass er sogar eine der Anhörungen aufgebracht verließ. Die Wortduelle zwischen Richtern und Sauerbruch sorgten immer für Erheiterung des Publikums.

Letztendlich stellte die Kommission fest, dass Ferdinand Sauerbruch „selbstverständlich vom Nationalsozialismus stark umworben“ worden sei, „seine Einstellung aber zurückhaltend war und blieb“.

Was mag man als Fazit ziehen? Prognosen sind schwer, vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Dieser augenzwinkernde Spruch mag in unserem Falle die umgekehrte Bedeutung haben: Rückblicke sind schwer, vor allem, wenn sie sich auf die Vergangenheit beziehen.

Alles in allem verfestigt sich aber das Bild eines charakterstarken Mannes, der sich bewusst entschieden hatte, seine Profession unter den Bedingungen des NS-Regimes nach bestem Können und Wissen unabhängig weiter auszuüben. Es bleibt das Bild, dass er – zwangsläufig – ständig der „Vereinnahmung“ durch das Regime ausgesetzt war, deren er sich in den ihm später zum Vorwurf gemachten herausragenden Fällen (Ernennung zum Staatsrat und Verleihung des Nationalpreises) ohne Gefahr für sich und seine Familie in der Tat wohl kaum hätte entziehen können. Göring und Goebbels haben ihn offenbar regelrecht „eingefangen“ für die Zwecke des Regimes – Goebbels rühmt sich dessen regelrecht in seinen Tagebüchern.

Nach dem, was heute an Dokumenten vorliegt, wird man als gesichert ansehen dürfen, dass Sauerbruch niemals ein Anhänger oder gar aktiver Unterstützer der menschenverachtenden NS-Ideologie war und am Ende des Dritten Reiches dem Regime in Gegnerschaft gegenüberstand. Seine Kontakte zum Kreis der Verschwörer des 20. Juni wären einem anderen wohl zum Verhängnis geworden. Und so wird man im Ergebnis geneigt sein, sich dem Spruch der Entnazifizierungskammer anzuschließen.

Teil 4
Sauerbruch und die Homöopathie

Gelegentlich wird Ferdinand Sauerbruch auch zum Verteidiger der Homöopathie stilisiert. Dies ist eine doch wohl überzogene Darstellung. Sauerbruch hatte zwar nichts gegen die Homöopathie, setzte sich allerdings auch nicht für sie ein. Interessierte er sich überhaupt aus medizinfachlicher Sicht dafür? Die folgende Darstellung stammt hauptsächlich aus den Vorkommnissen des Jahres 1925.

4.1 August Bier

August Bier war einer der bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit und wirkte am längsten an der Chirurgischen Universitätsklinik in Berlin. Gemeinsam mit Ferdinand Sauerbruch erhielt er 1937 den Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft.

Bier kam während seiner Tätigkeit an der Universität Greifswald durch den Pharmakologen Hugo Schulz mit der Homöopathie in Berührung. 1925 publizierte er dann in der Münchner Medizinischen Wochenschrift einen zweiteiligen Artikel mit dem Titel „Wie sollen wir uns zur Homöopathie stellen?“ Zu dieser Zeit war die Homöopathie im ärztlichen Bereich ohne große Bedeutung und fand ihre hauptsächliche Heimat in den Kreisen der sogenannten Laienheilervereine (Laienheilung war damals völlig legal).

In diesem Aufsatz schilderte Bier nun, wie er die Homöopathie kennenlernte, und seine Sichtweise auf diese pseudomedizinische Therapieform. Insbesondere versuchte er, die damals moderne Reizkörpertherapie mit der Homöopathie in Einklang zu bringen. Allerdings konnte er auch nur Anekdoten zu vermeintlichen Heilerfolgen (von denen sich manche allerdings sehr „innovativ“ ausnehmen) berichten.

Genau wie Hahnemann machte er einen grundlegenden Denkfehler, indem er davon ausging, dass so etwas wie eine immaterielle Lebenskraft (Qi, Prana etc.) existiert. Obschon ab 1850 durch Rudolf Virchow und Emil du Bois-Reymond die „Ära des materialistischen Reduktionismus“ (von den Homöopathen abwertend gemeint, auch heute noch) angebrochen war und die Physiologie und die Pathologische Anatomie zu Leitwissenschaften der Medizin geworden waren, hing Bier noch 1925 dem Glauben an eine solche Lebenskraft an. Bier ging ebenso wie Hahnemann in seinem Spätwerk davon aus, dass die homöopathischen Arzneimittel keine Heilung im klassischen Sinne herbeiführen, sondern durch eine Korrektur der Lebenskraft diese wieder in geordneten Bahnen fließen lassen.

Bereits in der Ausgabe der Münchner Medizinischen Wochenschrift vom Juni 1925 kam die erste Gegenrede von Dr. Wolfgang Heubner aus Göttingen, einem der bedeutendsten Pharmakologen seiner Zeit, der die Kritik an der Homöopathie auf den Punkt brachte: „Solange uns also die Homöopathen keine zuverlässigen Methoden zur Prüfung ihrer Behauptungen mitteilen können, müssen sie es hinnehmen, dass diesen Behauptungen nicht dieselbe wissenschaftliche Bedeutung zugemessen wird wie solchen Beobachtungen, die mit einer gewissen Sicherheit nachzuprüfen und anderen zu demonstrieren sind.“ (20)

Dies war aber nur der Auftakt zu einer in den verschiedenen Fachblättern ausgetragenen kontroversen Diskussion. Auch August Bier setzte seine Lobby-Arbeit für die Homöopathie fort und war maßgeblich daran beteiligt, dass 1928 der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin ein eigener Lehrauftrag für Homöopathie erteilt wurde – worauf die Homöopathen sehr lange hatten warten müssen. Noch 1897 scheiterte ein weit gediehener Vorstoß an der Gegenrede von Rudolf Virchow (damals Abgeordneter) im Preußischen Landtag.

4.2 Sauerbruch und Bier

Sauerbruch und Bier waren nicht nur sich gegenseitig hochschätzende Fachkollegen, sondern auch noch eng miteinander befreundet. So verwundert es nicht, dass Sauerbruch für seinen Freund in die Bresche sprang, als dieser nach der Publikation seines Artikels allerlei (auch recht heftige) Kritik erntete. Hierbei galt, und das darf nicht übersehen werden, seine Verteidigung stets dem verehrten Freund Bier und nicht der Homöopathie selbst. Allerdings war bereits im Glückwunsch zu Biers 70. Geburtstag, den Sauerbruch 1931 in der Münchner Medizinischen Wochenschrift veröffentlichte, kein Wort mehr zur Homöopathie zu lesen.

Homöopathie spielte in Sauerbruchs Arbeit keine Rolle. Er selbst war kein „Verwender“ oder „Anhänger“, wie er betonte, und er setzte sie in seinen Behandlungen nicht ein, auch von Versuchen o. ä. ist nichts bekannt. Und das, obwohl er sicherlich schon früh mit ihr in Kontakt gekommen sein dürfte, war der Greifswalder Pharmakologe Hugo Schulz, der auch August Bier an die Homöopathie herangeführt hatte, immerhin Sauerbruchs Schwiegervater. Hierüber lassen sich allerdings keinerlei Aufzeichnungen nachvollziehen.

4.3 „Eine Lanze für August“

In seinen 1951 erschienenen Lebenserinnerungen „Das war mein Leben“ widmet Sauerbruch diesen Vorgängen ein eigenes Kapitel mit dem Titel „Eine Lanze für August“ (in späteren Ausgaben „Eine Lanze für August Bier“). Diese Kapitel wurden in den Folgeauflagen ab Mitte/Ende der 1960er Jahre allerdings gestrichen.

Sauerbruch zeigte sich hauptsächlich empört darüber, wie „man“ sich gegenüber einer derartigen Persönlichkeit wie August Bier kritisch äußern könne. Er, der durch seine Originalität und seine Grundlagenforschung nicht nur die Chirurgie, sondern auch die gesamte Medizin bereicherte, sollte doch über Kritik erhaben sein. Auch fand er Lob für den Erfinder der Homöopathie, Samuel Hahnemann, in dessen Organon neben zahlreichen Unrichtigkeiten auch einiges an Wahrheit stecke. Wir müssen uns allerdings vor Augen halten, dass Sauerbruch seinen Freund gegen die auf dessen Person gerichteten Angriffe verteidigte, weniger auf seine Äußerungen zur Homöopathie. Es ist davon auszugehen, dass Sauerbruch Bier auch dann verteidigt hätte, wenn es sich um eine andere umstrittene Methode gehandelt hätte. Insofern folgte Sauerbruch ganz klar dem sogenannten „Autoritätsargument“.

Man darf nicht vergessen, dass Biers unerwartetes Eintreten für die Homöopathie mit der Autorität der führenden medizinischen Kapazität (allerdings auf chirurgischem, nicht auf pharmakologischem Gebiet) damals nicht eine Stimme in einer ohnehin geführten Debatte war, sondern eine Art plötzlicher Knall. Dieser löste sofort heftige Reaktionen aus. Wie schon erwähnt, fand damals die Homöopathie keinen wirklichen Rückhalt in der akademischen Ärzteschaft, war aber die bevorzugte Methode der Laienheilerszene. Die heftige Reaktion der Ärzteschaft auf Biers Vorstoß lässt sich sicher auch dahin deuten, dass man sich plötzlich mit der „Methode der Laienheilerszene“ konfrontiert sah. Folge waren beinahe zwangsläufig heftige Attacken auf Bier anstelle einer wissenschaftsbasierten Auseinandersetzung mit seinen Prämissen, was auch damals durchaus leicht möglich gewesen wäre (und was natürlich teils auch geschah). Hier hakte Sauerbruch ein, es ist aus heutiger Sicht kaum richtig interpretiert, wenn man das als „Eintreten für die Homöopathie“ ansieht und heute Sauerbruch aufgrund dessen als Testimonial für die Homöopathie beanspruchen will. Sauerbruch, dem jeder Dogmatismus wesensfremd war, dürfte allein deshalb Hahnemanns Gedankengebäude kaum wirklich nahegestanden haben.

Sauerbruch bewerte die Protestreaktionen auf den Bierschen Aufsatz von 1925 als Auffassung Einzelner, die nicht dazu befähigt waren, die Homöopathie im ganzen anzugreifen; bei den Angriffen handle es sich um Abwehrmaßnahmen, die sich gegen eine Heilmethode richte, die ‚aufgefrischt‘ gehöre. Die Gegenwart – so argumentierte er – sei eine Zeit, deren Zeichen daraufhin deuteten, dass etwas Neues kommen müsse, und einer, der dies früher als andere erkannt habe, sei August Bier gewesen. (21)

Zur Homöopathie merkte er ferner hin an: Wir wissen alle zu genau, wieviel Geschäftssinn, Unwahrhaftigkeit sich hinter dem Schleier der Homöopathie verbergen. Aber ich bin mit August Bier überzeugt, daß wir in anderer Richtung auch von ihr lernen können und daß diese Form der Arzneikunst manche Prinzipien der Heilbehandlung vorausschauend, wenn auch nicht wissenschaftlich, so doch ahnend erfasst hat, die wir heute anerkennen und täglich brauchen. (2) Und da hat er recht – Sauerbruchs Zuwendung zu den Patienten (wir erwähnten dies schon) ist durchaus nahe an den homöopathischen Vorstellungen von der Erfassung des ganzen Patienten, körperlich ebenso wie mit „Geist und Gemüth“. Auch die heutigen Homöopathiekritiker betonen immer wieder, dass sich auf diesem Gebiet von der Homöopathie lernen lasse. Ähnlich wird man die Position Sauerbruchs einordnen können, der hier zutreffend den Anteil der „ärztlichen Kunst“ im homöopathischen Gedankengebäude betont, aber gleichzeitig keine „Wissenschaftlichkeit“ im homöopathischen Ansatz sieht.

Sauerbruch führte – übereinstimmend mit diesen Überlegungen – weiter aus, dass der Artikel Biers durchaus Schwächen habe und zu kritisieren sei, aber scharfe Angriffe auf die Person Biers nicht rechtfertigten. Über die Tatsache hinaus, dass er und Bier darauf aufmerksam machten, dass die Homöopathie viele gute Ansätze für die „Allopathie“ beinhalte, gehörten beide nicht zu den Anhängern der Homöopathie, die ihr Lehrgebäude als Teil der Medizin sehen wollten. Beide akzeptierten vor allem nicht die Ablehnung und teils Verunglimpfung von „Allopathie“ und „Schulmedizin“ durch die Homöopathen.

Man darf vielleicht sogar ein wenig spekulieren darüber, was bei beiden das Verhältnis zur Homöopathie je unterschiedlich prägte.

Bier nämlich war – wie schon erwähnt – erstaunlicherweise ein Anhänger des spätestens seit Rudolf Virchow überholten Vitalismus, der Lehre von einer „geistigen Lebenskraft“, die die organische Welt „beseelt“. Damit war er schon mal ganz nahe bei Hahnemann. Für Bier, gleichzeitig moderner Mediziner, lag deshalb nahe, zur Beeinflussung dieser „Lebenskraft“ nach einer in der Medizin anwendbaren Methode zu suchen. Hier glaubte er offensichtlich, in der Homöopathie zumindest einen Anhalt gefunden zu haben. Liest man seinen Aufsatz, der so viel Unruhe auslöste, in diesem Licht, so wird man ihn besser einordnen können.

Sauerbruch seinerseits war zwar keineswegs frei davon, die Heilkunst transzendental zu überhöhen, aber mit Sicherheit alles andere als ein „Vitalist“. Er verallgemeinerte diese teils „mystische“ Sicht auf die Heilkunst auch nicht so, dass dabei Wissenschaft auf die hinteren Plätze verwiesen würde. Der Gedanke wird ihm als im Kern pragmatischer Wissenschaftler fern gelegen haben. Systematiken stand er schon deswegen kritischer gegenüber, weil diese zur Ausbildung von Dogmatiken neigen. Der Typus hierfür war er, wie schon erwähnt, ganz und gar nicht und unterschied sich zweifellos genau in diesem Punkt von Bier. Sauerbruch tat letztlich nicht mehr, als die Intention von Bier zu unterstützen, man möge versuchen, eine neue Sichtweise auf die Homöopathie zu entwickeln. Wobei er in der Sache vermutlich im Auge hatte, der Laienheilung entweder die Grundlage zu entziehen oder ihre bevorzugte Methode wenigstens zu validieren. Die Unterstützung von Biers Person jedenfalls erlaubt es nicht, Sauerbruch als Zeugen für die Gültigkeit der Homöopathie in Anspruch zu nehmen.

4.4 Stellvertreterkrieg

Am Rande sei noch bedacht, dass es sich bei den Auseinandersetzungen um Bier und seinen Aufsatz zum Teil nur um einen „Stellvertreterkrieg“ eines anderen schwelenden Konfliktes innerhalb der Ärzteschaft handelte. Es ging um die zunehmende Spezialisierung der Chirurgie, der Bier zurückhaltend-skeptisch, Sauerbruch vehement entgegentrat.

Sauerbruch war absolut kein Freund der Spezialisierungen. Er selbst sah sich als allgemeinen Chirurgen, der alles operieren konnte, vom eingewachsenen Fußnagel bis hin zum Herzen, und in diese Richtung wollte er die Chirurgie auch für die Zukunft lenken. Bier war hier auf Sauerbruchs Linie, vertrat sie jedoch nicht so vehement.

Eine Chirurgie, wie es sie heute gibt, mit acht verschiedenen Facharztrichtungen, war genau das, was Sauerbruch verhindern wollte.

Dieser Aspekt betrifft allerdings nur einen kleinen Teil der Debatte.

4.5 Schlussbetrachtung

Auch wenn Sauerbruch einen Hang zur „Medizinmystik“ hatte, in der der Akt des Heilens mystisch erhöht wird, spielte die Homöopathie für ihn im Alltag keinerlei Rolle. Nur die Tatsache, dass es sein Freund Bier war, der durch seinen Artikel ins Kreuzfeuer geriet, war es, die Sauerbruch veranlasste einzugreifen. An der Homöopathie selbst hatte er zahlreiche Kritikpunkte und hat sich, soweit bekannt, nie aktiv für ihre Etablierung im Medizinwesen eingesetzt.

Als Zeuge für die Homöopathie eignet sich Sauerbruch damit sicher nicht. Und warum auch? Es ist kein Zeichen von argumentativer Stärke, von Seiten der Homöopathen die Autoritätenkarte zu spielen. Die Zeit der „eminenzbasierten“, also auf reiner Autorität basierenden Medizin sind vorbei. Die Zeit der faktenbasierten Medizin, die sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, hat sie abgelöst. Das ist nun mal so. Lasst den ollen Sauerbruch in Ruhe, liebe Homöopathie-Freunde.

Teil 5
Literaturverzeichnis

5.1 Zitierte Literatur

  1. Abe, Horst-Rudolf: Die Erfurter Assistentenzeit von Ernst Ferdinand Sauerbruch. In: Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Medizin. Halle, 1975. S. 281-299.
  2. Sauerbruch, Ferdinand: Das war mein Leben. Olten, 1951.
  3. Grabek, Werner E.: Sauerbruch, Ferdinand. In: Neue Deutsche Biographie 22(2005), S. 459-460.
  4. Wolff, Helmut: Zur Entwicklung der Chirurgie und der chirurgischen Forschung in der DDR. In: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie – Mitteilungen. 1/2012. S. 43-52.
  5. Wenke, Hans: Professor Dr. med. Ferdinand Sauerbruch. In: Die Zeit 16(1961). o.S.
  6. Knake, Else: Erinnerungen an Sauerbruch. In: Studium Berolinense. Berlin, 1960. S. 241-250.
  7. Sauerbruch als Kassenpraxis-Löwe. In: Der Spiegel 35/1950. S. 6-8.
  8. Vossschulte, Karl: Thoraxchirurgie: Historisches und Erreichtes. In: Langenbecks Archiv für Chirurgie. 339(1975). H. 1. S. 599-612.
  9. Seite „Ferdinand Sauerbruch“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Juni 2019, 20:54 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ferdinand_Sauerbruch&oldid=189163777
  10. Karpa, Martin F.: Die Geschichte der Armprothese unter besonderer Berücksichtigung der Leistung von Ferdinand Sauerbruch (1875-1951). Bochum, 2004. Diss.
  11. Hansson, Nils / Schagen, Udo: „In Stockholm hatte man offenbar irgendwelche Gegenbewegung“ – Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) und der Nobelpreis. In: N.T.M. 22(2014). S. 133-161.
  12. Das ist der Hitler gewesen. In: Der Spiegel, 18(1949). S. 24.
  13. Winau, Rolf: Sauerbruch und der Nationalsozialismus. In: Ders.: Medizin in Berlin. Berlin, 1987. S. 335-339.
  14. Koch, Martin: Makabres Finale einer Karriere. In: Neues Deutschland vom 03.07.2000. S. 9.
  15. Hardinhaus, Christian: Ferdinand Sauerbruch und die Charité: Operationen gegen Hitler. München, 2019.
  16. Goebbels, Joseph: Tagebücher 1924-1945. München, 2003.
  17. Eckart, Wolfgang U.: Ferdinand Sauerbruch – Meisterchirurg im politischen Sturm. Berlin, 2016.
  18. Seite „Deutscher Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. Juni 2019, 21:28 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deutscher_Nationalpreis_f%C3%BCr_Kunst_und_Wissenschaft&oldid=189259687
  19. Kudlien, Fridolf / Andree, Christian: Sauerbruch und der Nationalsozialismus. In: Medizinhistorisches Journal. 15(1980). S. 201-222.
  20. Heubner, Wolfgang: Zur Frage der Homöopathie. In: Münchner medizinische Wochenschrift. 72(1925) 931-933.
  21. Blessing, Bettina: Wege der homöopathischen Arzneimitteltherapie. Berlin, 2010.

5.2 Weitere benutzte Literatur

Benne, Simon: Wie integer war der Star-Chirurg? In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 13.10.2015. o.S.
Bleker, Johanna: Der Mythos vom unpolitischen Arzt. In: Jahrbuch für kritische Medizin. Hamburg, 1994. S. 164-186.
Brath, Klaus: Ferdinand Sauerbruch – Halbgott mit Widersprüchen. In: Der Tagesspiegel vom 01.07.2001.
Dachkämmerchen der Wissenschaft. In: Der Spiegel, 15(1989). S. 236-245.
Dewey, Marc: Ernst Ferdinand Sauerbruch und seine ambivalente Rolle während des Nationalsozialismus. In: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie – Mitteilungen. 4/2006. S. 325-334.
Fechter, Paul: Ernst Ferdinand Sauerbruch. In: Ders.: An der Wende der Zeit. S. 462-469.
Flatau, Elke: Halbgott in Weiß. In: Diess.: Der wissenschaftliche Autor. Berlin, 2014. S. 173-272.
Garlichs, Jens U.: „Zwischen Vater und Bodelschwingh passte kein Blatt“. In: Der Ring, 7/2015. S. 5-7.
Gunkel, Christoph: „Halt die Klappe. In der Klinik sind viele Nazis!“. In: Spiegel Online vom 07.02.2019. https://www.spiegel.de/einestages/charite-chirurg-ferdinand-sauerbruchs-rolle-in-der-ns-zeit-a-1250967.html 
Hauptmann, Jörg: Sauerbruch und das Dritte Reich. 2009, PDF. https://www.maik-foerster.de/pdf/joerghauptmann-sauerbruch_dossier.pdf
Kümmerle, Fritz: Ferdinand Sauerbruch. In: Berlinische Lebensbilder, Mediziner. Berlin, 1987. S. 359-366.
Nissen, Rudolf: Helle Blätter, Dunkle Blätter. Stuttgart, 1969.
Ohne Gummihandschuhe. In: Der Spiegel, 34(1947). S. 22.
Sauerbruch, Ferdinand: August Bier – Zum 70. Geburtstag. In: Münchner Medizinische Wochenschrift. 1931/47. o.S.
Sauerbruch, Ferdinand: Die Chirurgie der Burstorgane. Berlin, 1930.
Sauerbruch, Ferdinand: Heilkunst und Naturwissenschaft. In: The Science of Nature. 14(1926). S. 1081-1090.
Sauerbruch, Ferdinand: Kritische Worte über die heutige ärztliche Publizistik. In: Zentralblatt für Chirurgie, 54(1925). S. 1212-1213.
Sauerbruch, Ferdinand: Wesen und Bedeutung des Schmerzes. Frankfurt/Main, 1961.
Sauerbruch, Ferdinand: Die willkürlich bewegbare künstliche Hand. Berlin, 1916.
Schenk, Ernst G.: Patient Hitler. Augsburg, 2000. 
Schläfer, Eva: Was war sein Leben? In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 10.02.2019. o.S.
Schmuhl, Hans-Walter: Die Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater im Nationalsozialismus. Berlin, 2016.
Schwarz, Egbert: Ferdinand Sauerbruch. In: Lebensbilder deutscher Ärzte. Leipzig, 1966. S. 152-157.
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Thorwald, Jürgen: Die Entlassung. München, 1960.
Tod des Titanen. In: Der Spiegel, 47(1966). S. 75-82.
Wenke, Hans: Professor Dr. med. Ferdinand Sauerbruch: Ein Gegenbild der öffentlichen Legende. In: Die Zeit, 16(1961). o.S.
Winau, Rolf: Sauerbruch und der Nationalsozialismus. In: Medizin in Berlin. Berlin, 1987. S. 335-339.
Zum 90. Geburtstag von Ferdinand Sauerbruch. In: Allgemeine homöopathische Zeitung, 9(1965). S. 425-426.

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