Jens Behnke und das Märchen von Big Pharma

Es ist ja jetzt nicht so, dass ich ein Neuling in der „Skeptiker-Szene“ wäre. Schon seit einigen Jahren betreibe ich hier meinen kleinen Blog und veröffentliche kritische Artikel zu Schwurbeleien aller Art. In dieser Zeit bin ich beschimpft, beleidigt, verleumdet und bedroht worden. Mir wurde der Tod gewünscht, genauso wie schwere Krankheiten.

Ehrlich gesagt ist mir das ziemlich wurscht. Sollen’s doch, das sagt mehr über die Beleidiger aus als über mich. Aber es gibt einen Punkt, der mir wirklich auf den Zeiger geht. Tierisch. Mächtig.

Und zwar ist dies die Unterstellung, dass wir Skeptiker von der „Pharma-Mafia“ bezahlt werden. Warum mir das so auf den Zeiger geht? Weil es einfach eine absolute Verdrehung der Wahrheit ist.

Die Skeptiker der GWUP, des INH etc. betreiben ihr Engagement in ihrer Freizeit nach ihrem normalen Arbeitsalltag. Es gibt Lehrer, Wissenschaftler, Ärzte, Rentner, Ingenieure, Bibliothekare und was weiß ich noch, deren „Brötchenarbeit“ absolut nichts mit Schwurbeleien zu tun hat. Da bekommen wir auch unsere Kohle her. Natürlich wäre es schön, wenn noch irgendein Pharmariese käme und mir jeden Monat einen Tausender rüberschieben würde für mein Blog, aber da kommt leider niemand.

Dadurch kann ich aber auch unabhängig sein und jeden kritisieren, der es verdient hat.

Soweit so gut. Was mich dann noch aufregt ist, einfach dass gerade diese Vorwürfe von Menschen kommen, die tatsächlich am Tropf der Schwurbel-Lobby hängen. Homöopathen, Heilpraktiker und das ganze Gedöns. Diejenigen, die mit der Schwurbelei ihren Lebensunterhalt verdienen, werfen denjenigen, die sie kritisieren vor, geschmiert zu sein, das ist doch bizarr!

Den Vogel schoss aber Jens Behnke, der Pressereferent der Carstens-Stiftung ab. In einem Tweet im Kurznachrichtendienst Twitter unterstellte er der GWUP und dem Weilheimer Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Christian Lübbers, dass sie „nur [versuchen] die Interessen ihrer Auftraggeber zu wahren“ und bezeichnete Frau Dr. Natalie Grams und Frau Apothekerin Iris Hundertmark als „Testimonials“, also mehr oder weniger als Werbegesichter. Garniert war die Mitteilung mit dem Logo des Online-Spieles „Big Pharma“. Und das Ganze unter dem Logo der Carstens-Stiftung. Später hat Herr Behnke diesen Tweet wieder gelöscht, aber glücklicherweise gibt es ja Screenshots 😉

Herr Dr. Lübbers hat den Sachverhalt dann in einigen Tweets dann zurecht gerückt:

Sehr geehrter Dr. Behnke,
Sie behaupten, dass ich Auftraggeber für meine Homöopathie-Kritik hätte und suggerieren, dass ich dafür Gelder aus der Pharmaindustrie erhalte.
Wie lächerlich diese Unterstellung – gerade von Ihnen – ist, zeigt der Blick auf die Homöopathie-Lobby.
Der Arbeitgeber von Dr. #Behnke ist die #CarstensStiftung. Die Carstens-Stiftung ist die mit Abstand größte Stiftung im Umfeld der #Homöopathie, das Stiftungsvermögen beträgt 9,2 Mio. Euro. Bisher (Stand 2018) wurden instesamt 35 Mio. Euro für über 300 Projekte vergeben.
Die #HomöopathieLobby bestetht aus einer Vielzahl von Vereinen, Verbänden, Stiftungen und anderen Organisationen, die sich der Homöopathie verschrieben haben. Die #CarstensStiftung nimmt einen zentralen Platz ein.
Wenn Dr. #Behnke nun den Homöopathie-Kritikern unterstellt, nur gesteuerte Marionetten der Pharmaindustrie zu sein, ist dies in höchstem Maße merkwürdig, weil gerade er selbst auf der Gehaltsliste eines großen Lobby-Netzwerkes – nämlich der #HomöopathieLobby – steht.
Zudem ist die Unterstellung bon Behnke auch inhaltlich völlig unlogisch: Die Homöopathie-Kritik fordert u. a., anstatt Placebo zu geben, ganz OHNE Medikamente abzuwarten. Damit droht der Umsatz der Pharmaindustrie (Anteil für Homöopathie über 600 Mio. Euro) zu SINKEN!
Selbstredend bekomme ich für meine Kritik an der Homöopathie kein Geld von der Pharmaindustrie. Wäre auch paradox: offizielle Vertreter der Pharmaindustrie äußern sich nur positiv über die Homöopathie. Wen wundert es bei den Umsätzen?
Insgesamt tut sich @JensBehnkeDE von der @CarstensSt mit seinen haltlosen Unterstellungen keinen Gefallen. Er macht die Homöopathie noch lächerlicher als diese ohnehin schon ist. Er bestätigt mit diesem #adhominem Angriff erneut, dass der Homöopathie die Argumente ausgehen.

Mich beschleicht der Eindruck, dass Herr Behnke seine Leserinnen und Leser ein bisschen für doof hält, dass ihnen so ein Tweet nicht selbst komisch vorkommt. Vor allem, weil er ja noch groß das Logo seines Arbeitgebers als Profilbild hat. Somit muss man ja davon ausgehen, dass, wenn es sich nicht schon um eine offizielle Verlautbarung der Carstens-Stiftung handelt, sein Arbeitgeber mit der Veröffentlichung einverstanden war bzw. die Veröffentlichung in seinem Sinne war. Was damit auch ein recht interessantes Licht auf die Carstens-Stiftung wirft, vor allem, weil Herr Behnke ja nicht zum ersten Mal mit derartigen Ausfälligkeiten auffällt. Karl Carstens mag ja umstritten gewesen sein (wir erinnern uns an sein unsägliches Zitat zu Böll, siehe Anmerkung), aber solche Repräsentanten seines Namens und seines Anliegens hat er sicherlich nicht verdient.

Was noch bleibt, ist Herrn Behnke von dieser Stelle aus zuzurufen: Das war kein Heldenstück, Octavio!
(Wallensteins Tod III, 9)

 

Anmerkung

6 Gedanken zu “Jens Behnke und das Märchen von Big Pharma

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