Jeder blamiert sich so gut er kann 2.0

Dass die Herrschaften des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte nicht gut mit Kritik umgehen können, dürfte ja spätestens seit dem Zeitpunkt offensichtlich sein, als sie versuchten den Vortrag von Dr. Christian Lübbers bei der Internisten-Konferenz [siehe hier] zu verhindern. Gut, ich verstehe das ja auch. Ist ja nicht schön. Diese Wahrheit. Kann nicht jeder ab.

Aber anstatt, dass die Herrschaften etwas aus dem ihnen ins Gesicht schlagenden Gegenwind (sogar die Ärztezeitung und die Medical Tribune berichteten über diesen skandalösen Vorgang) zu lernen setzen sie immer noch eines drauf. Auch jetzt wieder. Tja, jeder blamiert sich so gut er kann. Der DZVhÄ sogar in der noch peinlicheren Version 2.0.

Was ist passiert? Der Notfallmediziner Falk Stirkat und der Anatomieprofessor Lars Bräuer haben ein Buch geschrieben, das den Titel „Der belogene Patient“ trägt und in dem die Homöopathie nicht gut wegkommt. Und über dieses Buch spricht er auf Deutschlandfunk Kultur. Das gefällt den Homöopathen nicht und so müssen sie unbedingt einen „Kommentar“ auf ihrer Homepage veröffentlichen. [Guckst Du hier]

Passend zur Fußball Europameisterschaft wählen sie auch fleißig Metaphern aus dieser Sportart. Fasziniert hat mich ja gleich der erste Absatz:

Man könnte es sportlich nehmen: da ist ein junger Arzt mit der Kompetenz zum Intubieren, ohne Promotion oder Facharztqualifkation, also erheblich eingeschränkter Praxiserfahrung, und schreibt mal eben ein Buch mit dem Titel „Der belogene Patient“. Was will der Kerl eigentlich? Und was will Deutschlandfunk Kultur mit ihm?

Also erstmal schön eine ad-hominem-Attacke reiten, nur um dann fortzufahren mit dem Satz:

Sport hätte freilich auch mit „Fair Play“ zu tun, also mit der Haltung des Sportlers und mit Respekt vor dem sportlichen Gegner. Genau da aber beginnt das Problem: Stirkat leistet sich ein Foul nach dem anderen, und die Moderatorin von „Lesart“ lässt alle unkommentiert, Stirkat darf das Spielfeld nutzen, um nach Lust und Laune zu pöbeln.

Und genauso scheinheilig geht es weiter. Das larmoyante Gewäsch der Homöopathen könnt ihr euch ja auf deren Homepage durchlesen. Es ist eh immer das Gleiche. Es ist einfach eine Aneinanderreihung von durchsichtigen ad-hominem-Angriffen gegen Herrn Stirkat und den ewig gleichen Rechtfertigungsversuchen, die mich eher an Klein-Erna erinnern, die mit ihrem Fuß aufstampft und laut „ABER HOMÖOPATHIE WIRKT!“ plärrt und denkt, sie könnte sich dadurch die Welt in Pippi Langstrumpf-Manier machen, wie es ihr gefällt.

Allerdings gibt es zwei Stellen, die mich wirklich sehr amüsiert haben. Das ist einmal: Hier zeigt sich die dogmatische und autoritäre Seite einer Skeptiker-Bewegung, die geringe oder fehlende eigene Fachkompetenz dadurch zu verbergen sucht, indem sie allen Andersdenkenden pauschal vorwirft, „nicht nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu arbeiten“.

Und dann hier: Leider aber wird das Erlebte kein Einzelfall bleiben, es werden andere „Spieler“ nachwachsen, die in der Blase des medialen Homöopathie-Bashing sozialisiert sind. Wo bitte bleiben Regelwerk und Ehrenkodex als Basis von medialem Fair-Play? Wie gedenken seriöse Medien zukünftig zu reagieren, wenn bereits vor Jahrzehnten ein Mitbegründer der in den USA entstandenen Skeptiker-Bewegung (Carl Sagan) die Herabwürdigung anderer Ansichten als Merkmal seiner Community kritisierte?

Das klingt tatsächlich nach einer veritablen Verschwörungserzählung. Die böse Skeptiker-Bewegung, eine dunkle und mächtige Organisation, die im Hintergrund die Fäden zieht und alle Homöopathie-Kritiker steuert.

Auch wenn ich jetzt die beiden Unterzeichner*innen enttäuschen muss, aber: so etwas existiert nur in deren Fantasie.

Das INH beispielsweise oder die GWUP haben keinerlei Möglichkeit, auf das Verhalten ihrer Mitglieder groß einzuwirken. Das ist das mit dieser „Demokratie“ und dem ganzen Zeuch. Was so eine Organisation machen kann ist, Leitlinien zu veröffentlichen, und seine Mitglieder zu BITTEN, gemäß dieser zu handeln, bzw. sich danach zu erhalten.

Das INH hat dies im Übrigen schon getan. Das liest sich dann so:

Das INH nimmt gern zur Kenntnis, dass die kritische Auseinandersetzung mit der Homöopathie an Breite gewinnt. Nun kommt es dabei aber auch vermehrt dazu, dass Kritik an der Homöopathie in einer Form geäußert wird, die wir nicht gutheißen können, weil sie die Grenzen von legitimer Zuspitzung, Ironie oder Satire deutlich überschreitet.

Das INH sieht daher Anlass, auf die Prinzipien hinzuweisen, die als Teil seines Selbstverständnisses für den Diskurs über die Homöopathie gelten:

  • Unsere Kritik gilt der Lehre der Homöopathie und den Institutionen, die sie vertreten, nicht jedoch den Patienten und Anwendern, die die Homöopathie nutzen. Dabei ist aber offenbar unvermeidlich, dass es Personen gibt, die die sachliche Auseinandersetzung mit der Homöopathie als persönlichen Angriff empfinden. Dies ist jedoch nicht unsere Absicht.
  • Unsere Kritik gilt ebenfalls den Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens, die die Patienten vor Quacksalberei und unwirksamen Therapien schützen sollen, im Falle der Homöopathie aber offensichtlich versagen.
  • Wir lehnen jedwede Form des Angriffs auf Personen strikt ab. Insbesondere herabwürdigende und beleidigende Äußerungen sind für uns kein Mittel einer sachbezogenen Diskussion.
  • Wir begegnen allen Diskussionspartnern mit gebührendem Respekt und pflegen einen höflichen Umgangston, selbst wenn die Gegenseite dies vermissen lässt.
  • Wir halten die Homöopathie für eine Irrlehre, die im öffentlichen Gesundheitswesen derzeit eine ungerechtfertigte Sonderstellung einnimmt, jedoch akzeptieren wir, dass man auch eine andere Position vertreten kann, ohne dass dies eine wie auch immer geartete Abwertung der Person bedeutet.
  • Äußerungen, die die Homöopathie und ihre Anwender in die Nähe von Straftaten oder Straftätern rücken, auf andere Weise lediglich eine aggressive Haltung zum Ausdruck bringen oder ohne Sachbezug nur provokativ die Stimmung anheizen sollen, lehnen wir ab.

Der Zentralverein konnte sich meines Wissens nach noch nicht dazu entschließen, eine solche Erklärung zu veröffentlichen. Stattdessen verschanzt man sich lieber hinter der Verschwörungserzählung von der großen, bösen Skeptiker-Bewegung. Das ist nämlich praktisch, da muss man das eigene Handeln nämlich nicht reflektieren und kann sich in der Opferrolle suhlen. Naja, jeder nach seiner Façon…

Ob und in welcher Form der hier durch den Zentralverein so jämmerlich geschmähte Herr Stirkat Verbindungen zur Skeptiker-Bewegung hat, ist mir nicht bekannt. Denn, auch wenn sich der Zentralverein dies anscheinend nicht vorstellen kann, man kann die Homöopathie auch kritisieren und tatsächlich überhaupt nichts mit der Skeptiker-Bewegung zu tun haben. Vielleicht sollten die beiden Unterzeichner*innen dieses Pamphletes mal darüber nachdenken. Nur so ein kleines bisschen. Auch auf die Gefahr hin, dass dabei ein Vorurteil ins wanken kommt.

Nun gut, sei es wie es will, ich für meinen Teil weiß nicht, ob man eine Organisation als so seriös ansehen kann, der es mehr um die Verunglimpfung ihrer Gegner, als um die Sachargumentation.

7 Gedanken zu “Jeder blamiert sich so gut er kann 2.0

  1. Die Beschwerde über fehlende die Facharztqualifikation und Promotion von Stirkat ist schon erstaunlich. Die Vorsitzende des DZVhÄ Frau Dr. Michaela Geiger kann keine Facharztqualifkation vorweisen. Ihre Vorgängerin Frau Cornelia Bajic hat keine Promotion zustande gebracht. Aber genau dieser Umstand der fehlenden Promotion sowie fehlender Facharztqualifkation für unweigerlich zur folgender Schlussfolgerung: „also erheblich eingeschränkter Praxiserfahrung“…….

    Zitat

    „da ist ein junger Arzt mit der Kompetenz zum Intubieren, ohne Promotion oder Facharztqualifkation, also erheblich eingeschränkter Praxiserfahrung“

  2. Nun ja, es ist das alte Lied: Wer keine Argumente hat, der versucht es mit Verunglimpfung des Andersdenkenden…

  3. Man muss das Statement des Zentralvereins nur richtig lesen. Nämlich als vollständige Kapitulation auf der Sachebene und als Eingeständnis, dass außer billigstem ad hominem nichts mehr vorhanden ist, was „die älteste ärztliche Vereinigung Deutschlands“ zur Verteidigung des Unsinns Homöopathie vorbringen könnte.

    Hinzu kommt die Verblendung, das selbst nicht einmal mehr zu realisieren.

    Als einigermaßen rühriger Homöopathie-Kritiker erlebe ich dergleichen immer wieder. Kapitulationserklärungen, die als Selbstrechtfertigungen fungieren sollen.

    Um den Unsinn Homöopathie im Kern als solchen zu identifizieren, reicht solides naturwissenschaftliches Basiswissen völlig aus. Dafür braucht es keine medizinische Qualifikation. Vielmehr ist es umgekehrt unverständlich, wie Menschen mit medizinischer Qualifikation in der Lage sind, die kognitive Dissonanz zu negieren, die eigentlich daraus entspringen muss, sich gleichzeitig auf wissenschaftlicher Basis zu praktizieren und sich mit Vehemenz für ein vorwissenschaftlich-halbesoterisches Glaubenssystem einzusetzen.

  4. Man muss das Statement des Zentralvereins nur richtig lesen. Nämlich als vollständige Kapitulation auf der Sachebene und als Eingeständnis, dass außer billigstem ad hominem nichts mehr vorhanden ist, was „die älteste ärztliche Vereinigung Deutschlands“ zur Verteidigung des Unsinns Homöopathie vorbringen könnte.

    Hinzu kommt die Verblendung, das selbst nicht einmal mehr zu realisieren. Dies vor dem Hintergrund, dass der Zentralverein sich ja, man muss das im Auge verhalten, im Vergleich zum weltweiten wissenschaftlichen Konsens zur Homöopathie aus einer geradezu verzwergten Position heraus agiert, die die Wissenschaft schon lange gar nicht mehr ernst nimmt. Aber andere Leute diffamiert, als seien sie allein im Besitz des Steins der Weisen. Eine erstaunliche Form von Selbstbetrug, das muss man schon sagen. Aber allein die Existenz des Paralleluniversums Homöopathie belegt, wie weit Selbst- und Fremdtäuschung gehen können.

    Um den Unsinn Homöopathie im Kern als solchen zu identifizieren, reicht solides naturwissenschaftliches Basiswissen völlig aus. Dafür braucht es keine medizinische Qualifikation. Vielmehr ist es umgekehrt unverständlich, wie Menschen mit medizinischer Qualifikation in der Lage sind, die kognitive Dissonanz zu negieren, die eigentlich daraus entspringen muss, auf wissenschaftlicher Basis zu praktizieren und sich gleichzeitig mit Vehemenz für ein vorwissenschaftlich-halbesoterisches Glaubenssystem einzusetzen.

  5. Jede/r blamiert sich so gut, wie sie/er es kann. Frau Geiger und Herr Riker sind der lebende Beweis. Wieder einmal, möchte ich hinzufügen.

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